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Bildung + Innovation Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Erschienen am 09.12.2021:

„Ein verlässlicher Partner.“

25 Jahre Deutscher Bildungsserver

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Bildrechte: Das Team des Deutschen Bildungsservers

Seit 25 Jahren ist der Deutsche Bildungsserver (DBS) der zentrale Internet-Wegweiser im Bildungswesen. Er hat sich als „Metaserver“ erfolgreich positioniert und ist aus der deutschen Bildungslandschaft nicht mehr wegzudenken. Das von Bund und Ländern getragene „nationale Web-Portal“ stellt qualitativ hochwertige, redaktionell gepflegte Informationsangebote zur Verfügung. Es verweist auf originäre Informationsangebote, wie Beschlüsse, Statistiken, Curricula oder Rechtsvorschriften, die von Bund, Ländern, EU, Hochschulen, Schulen, Landesinstituten, Bibliotheken u. a. im Internet bereitgestellt werden. Die Redaktion des Deutschen Bildungsservers sichtet zuvor die Angebote, prüft sie auf Verlässlichkeit, dokumentiert sie, fasst sie in systematischer Weise zusammen und speichert diese Angaben als „Meta-Daten“ in einer gut recherchierbaren Datenbank.


Die erste Version des Deutschen Bildungsservers entstand an der Abteilung Pädagogik und Informatik der Humboldt-Universität (HU) unter der Leitung von Prof. Dr. Peter Diepold und ging als vorläufige Arbeitsversion im April 1996 online. „Die Abteilung hatte damals schon Erfahrung mit dem Betrieb eines Webservers“, erinnert sich Dr. Christian Richter, der von Beginn an für die technische Entwicklung des Bildungsservers verantwortlich war, und ergänzt: „Der Webserver der Abteilung Pädagogik und Informatik war der erste Webserver an der HU überhaupt. Als Hardware wurde ein eigentlich ausgemusterter PC verwendet, der den Namen „Bonsai“ erhielt. Mein Kollege Frerk Meyer installierte darauf Linux sowie eine Webserversoftware. Auf diesem Rechner lief dann ab 1995 parallel zum Abteilungsportal auch das von Frerk Meyer entwickelte „Schulweb“, ein Server für deutschsprachige Schulen im Web, und später auch der Deutsche Bildungsserver. Prof. Diepold gelang es, von Anfang an eine fruchtbare Kooperation mit den Ländern zu etablieren. Das war grundlegend für die frühe Popularität des Bildungsservers und damit für den Erfolg des Projektes! Er hat das Konzept des „Metaservers“ entwickelt, das sich jetzt schon über 25 Jahre als tragfähig erweist und trotz aller Weiterentwicklungen und Innovationen auch heute noch den Kern des Bildungsservers ausmacht.“

Ansiedlung am DIPF
Gefördert wurde der DBS im Kontext der Bildungsinitiative „Schulen ans Netz“ als Entwicklungsprojekt der HU mit dem Deutschen Forschungsnetz (DFN-Verein) als Projektträger und in Kooperation mit dem Offenen Deutschen Schulnetz (ODS). Seine Entstehungsgeschichte war „eng verknüpft mit den Initiativen des Bundes und der Länder zur Schaffung einer technischen und inhaltlichen Infrastruktur für die Anbindung der deutschen Schulen an das Internet“, erklärt Dr. Friedhelm Schumacher, seinerzeit Mitarbeiter des Instituts für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht (FWU) in München, in seinem Beitrag „Der Bereich „Schule“ und das „SchulWeb“ im Deutschen Bildungsserver“. Das FWU wurde mit der Koordination des Schulbereichs beauftragt, da es schon damals von allen Ländern gemeinsam finanziert wurde und eine lange Erfahrung mit dem Angebot von Medien im Unterricht hatte. 1998 erarbeiteten Prof. Diepold (DBS), Alexander Botte (DIPF) und Dr. Friedhelm Schumacher (FWU) im Auftrag der Kultusministerkonferenz (KMK) und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) erste konkrete Vorschläge, wie ein bundesweiter Bildungsserver aussehen könnte. Der Startschuss für den DBS in seiner jetzigen Form fiel 1999.

Im gleichen Jahr wurde der Deutsche Bildungsserver durch die Einrichtung einer Koordinierungsstelle im Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF), heute DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, dauerhaft institutionalisiert. „Das war ganz wichtig und entscheidend. Mit der dokumentarischen Fachkompetenz, die vom DIPF dazu kam, wurde der Deutsche Bildungsserver zum Erfolg“, weiß Dr. Christian Richter. „Seither ist der zuvor primär schulbezogene Internetdienst auch zu einem alle Bildungsbereiche und pädagogischen Arbeitsfelder umfassenden „nationalen Web-Portal“ für eine breite Öffentlichkeit weiterentwickelt worden“, berichtet Axel Kühnlenz, Arbeitsbereichsleiter Deutscher Bildungsserver. Er begleitet den DBS schon seit 1999 und koordiniert alle angegliederten Aktivitäten und Portale. Dazu gehört auch der Kontakt zur politischen Steuerungsgruppe, die aus Vertreter*innen des Bundes, der Länder und Sachverständigen besteht und die den DBS bei seiner Arbeit begleitet.

Bessere Bedienbarkeit
Im Jahr 2000 fand die erste umfassende Neustrukturierung des DBS statt. Dr. Beate Tröger, die damals die Leitung des Informationszentrums Bildung (IZB) am DIPF innehatte und seit 2001 auch stellvertretende Direktorin des DIPF war, hatte die zukunftsorientierte Ausrichtung des IZB durch innovative Projekte und Vorhaben sowie den zielstrebigen Auf- und Ausbau neuer nutzerorientierter Dienstleistungen wesentlich gestärkt, dazu gehörte auch maßgeblich der DBS. Alles wurde auf eine bessere Bedienbarkeit umgestellt. „Es war eine große Erleichterung, als die Datenbanken hinzukamen und wir ein Redaktionssystem erhielten“, erzählt Doris Hirschmann, verantwortliche Redakteurin für den Bereich Weiterbildung und seit 1999 festes Mitglied der Redaktion. Damals steckte die Digitalisierung noch in den Kinderschuhen. „Vor 2000 haben wir die redaktionellen Seiten per E-Mail an die Abteilung Technik nach Berlin geschickt und Christian Richter und seine Kolleg*innen haben dann den Text händisch in HTML übersetzt, einen Quelltext verfasst und veröffentlicht“, ergänzt sie. „Mit der Erstellung verschiedener Webseiten, Suchmaschinen, CMS-Systeme, der Recherche nach Informationen im Netz bis hin zu der Aufnahme von Podcasts haben wir in den vergangenen 25 Jahren auch Technikgeschichte mitgestaltet“, fasst Tamara Massar, wissenschaftliche Mitarbeiterin und ebenfalls Redaktionsmitglied des DBS seit 1999, zusammen. Seit Januar 2003 ist die zuvor an der HU angesiedelte Technik auch am DIPF, Standort Berlin (Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung), verortet.

Ein vielfältiges Themenangebot
Der Deutsche Bildungsserver versteht sich bis heute als Portal für alle an Bildung Interessierten und Beteiligten. Seine Angebote richten sich an Lehrkräfte, Eltern, Schüler*innen, Auszubildende, Studierende, Wissenschaftler*innen, Erzieher*innen, Sozialpädagog*innen, Weiterbildungswillige und andere. Auch das Themenspektrum umfasst alle Bildungsstufen, von der Elementarbildung über Schule, Berufliche Bildung, Erwachsenen-/Weiterbildung bis zu Hochschulbildung, Wissenschaft und Bildungsforschung. Ergänzt wird dies durch übergreifende Informationen zum deutschen Bildungswesen und zu Bildung im internationalen Kontext. Außerdem gibt es die Querschnittsthemen Förderpädagogik/Inklusion und Sozialpädagogik. Zu allen Themenbereichen gibt es umfangreiche Datenbankbestände und redaktionelle Informationen, die zu Onlineressourcen/Websites, Institutionen, Veranstaltungen, Wettbewerben, Modellprojekten und einem Stellenmarkt verweisen. Die Daten können über die einfache und erweiterte Suchfunktion oder über thematische Kataloge abgerufen werden. Für internationale Besucher*innen gibt es außerdem einen englischsprachigen Zugang zum Deutschen Bildungsserver.

Einbeziehung der Nutzer*innen
Über den Button „Link vorschlagen“ können die Nutzer*innen auch selbst interessante Online-Materialien in bestimmte Datenbanken des Deutschen Bildungsservers eintragen. Nach Überprüfung durch die Redaktion werden die Einträge in den Datenpool des Portals übernommen. „Die Selbsteintragsfunktion hatten wir von Anfang an“, berichtet Tamara Massar. „Auf eine einfache Art und Weise waren wir Web 2.0. schon damals zehn Jahre voraus. In einigen Bereichen wie dem Stellenmarkt oder Veranstaltungen wird diese Funktion bis heute gut angenommen.“
„Wir haben aber auch versucht, unsere Nutzer*innen soweit einzubeziehen, dass sie die Inhalte der Themenfelder mitgestalten, und das hat sich immer als schwierig gestaltet“, bemerkt Doris Hirschmann. „Über die Zeit haben wir gelernt, dass Informationsangebote im Netz nur so lange gut angenommen werden, solange sie redaktionell betreut werden.“ Ein Beispiel dafür ist auch der Blog des Bildungsservers. „Wir hatten zunächst einen, der als Forum für die Nutzer*innen dienen sollte. Aber dieser wurde nicht gut angenommen. Der Blog, der jetzt redaktionell betreut, geplant und bearbeitet wird, funktioniert hingegen sehr gut.“

Flexibilität und Multimedialität waren dem Deutschen Bildungsserver immer wichtig. Auf Web 2.0 hat er mit dem Ausbau verschiedener Kommunikationskanäle schnell reagiert und Wikis, Facebook, Twitter, RSS-Feed und Blog eingerichtet. „Es war uns immer wichtig, technisch und informationsmethodisch dem State of the Art zu entsprechen“, betont Axel Kühnlenz. „Und den Nutzer*innen noch stärkere Mitwirkungsmöglichkeiten anzubieten“, fügt Doris Hirschmann hinzu. Christine Schumann entwickelt die Strategie für die Social Media-Kommunikation, identifiziert für jeden Kanal die passenden Themen und bereitet Inhalte für den bildungsserverBlog auf, in dem seit 2008 Interviews und Podcasts zu unterschiedlichen Themenreihen erscheinen. Sie freut sich besonders, dass der Podcast „Bildung auf die Ohren“ so gut aufgenommen wird: „Seit der ersten Folge Ende 2019 haben wir schon über 40 Episoden veröffentlicht - kürzere Audio-Linkempfehlungen, aber auch längere Interviews und Gespräche mit Fachleuten zu unterschiedlichsten Bildungsthemen. Das Format „Podcast“ ist eine echte Bereicherung für den Blog!“ Auch die Pflege der Kontakte ist eine nicht zu unterschätzende Leistung des DBS. Die Redaktion ist direkte Ansprechpartnerin für die Nutzer*innen des DBS und beantwortet alle E-Mails. „Ob es um die Anerkennung eines Zeugnisses geht, um Weiterbildungen, Abschlüsse oder Buchtipps - wir versuchen, alle Fragen zu beantworten und unseren Leser*innen weiterzuhelfen“, bestätigt Tamara Massar.

Das Kooperationsnetzwerk
„Neben den Inhalten, die redaktionell betreut werden, dem Informationssystem, das beständig weiterentwickelt wird und der Nähe zu den Nutzer*innen in Form von verschiedenen Kommunikationskanälen, ist das Kooperationsnetzwerk das vierte Standbein des Deutschen Bildungsservers. Es ist dem DBS über die Jahre gelungen, enge Kontakte zu den jeweiligen Fachkreisen der Bildungsbereiche aufzubauen und darüber immer auch eine Qualitätssicherung und einen Austausch zu erfahren“, erzählt Doris Hirschmann. So steuerte neben dem FWU, das den Redaktionsbereich Schule bis heute pflegt, die Universitätsbibliothek Dortmund den Input rund um das Thema Behindertenpädagogik bei. Die Universität Münster, Fachbereich Erziehungs- und Sozialwissenschaften, baute den Bereich zur Sozialpädagogik auf. Gemeinsam mit dem Deutschen Jugendinstitut (DJI) wurde der Themenbereich Elementarbildung entwickelt. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) wird der Stellenmarkt betrieben und das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung (DIE) arbeitet im Bereich Erwachsenenbildung/Weiterbildung eng mit dem Deutschen Bildungsserver zusammen und es werden gemeinsam redaktionelle Inhalte und auch Projekte entwickelt.

Zu dem Kooperationsnetzwerk des DBS gehören aber noch weitere Partner. „Vor allem die politischen Akteur*innen, die uns initiiert und bis heute getragen haben, sind für uns ganz wichtige Mitspieler. Die Nähe zur Politik ist ein großer Vorteil, um aktuelle bildungspolitische Entwicklungen zu identifizieren, in unserer Angebotsstruktur abzubilden und so unsere Funktion als „offizielles Bildungsportal“ über diese lange Zeit erfolgreich wahrzunehmen“, erklärt Tamara Massar. Der Deutsche Bildungsserver arbeitet auch mit vielen anderen Bildungsportalen und Institutionen eng zusammen. Von vorneherein wurden die Länder einbezogen. Prof. Diepold hatte schon Ende der 90er Jahre die Vertreter*innen der damals auch gerade erst entstehenden Landesbildungsserver zum gemeinsamen Austausch eingeladen. Mit ihnen bestehen seit den 2000er Jahren gemeinsame Arbeitsstrukturen und redaktionelle Partnerschaften. Die Redakteur*innen des DBS und der Länderportale treffen sich einmal im Jahr, um sich über Aktivitäten zu informieren und gemeinsame Projekte zu planen. Auch die Systementwickler*innen und -administrator*innen kooperieren. Sie treffen sich seit 1996 zweimal jährlich, um technische Probleme zu diskutieren. Die Runde heißt Bonsai-Gruppe, benannt nach dem ersten Server. „Wir arbeiten seit 2007 auch bei der Initiative Elixier zusammen“, erläutert Dr. Christian Richter. Elixier steht für Elaborated Lists in XML for Internet Educational Resources und ist eine Austauschplattform, mit der die User Zugriff auf alle Materialien der beteiligten Bildungsserver haben.

Daneben unterstützt der DBS auch einzelne innovative Projekte. „Wir haben über die Jahre über 30 Projekte finanziert und gefördert“, berichtet Axel Kühnlenz. Mit dem Hamburger Bildungsserver entwickelte der DBS beispielsweise die Wikis „Weltliteratur“ und „Klimawandel“, die 2007 bzw. 2008 online gingen. Der DBS stellte die Infrastruktur zur Verfügung und beriet den Hamburger Bildungsserver, unter der Leitung von Dr. Dieter Kasang, bei der Konzeption der Wikis. In Kooperation mit dem Lehrstuhl für Mediendidaktik und Wissensmanagement der Universität Duisburg-Essen setzt die Geschäftsstelle Deutscher Bildungsserver seit 2010 das Entwicklungsvorhaben edutags um, das der Erprobung von Social-Bookmarking-/Social-Tagging-Plattformen im Rahmen des Bildungsservers dient. Hier können gemeinsam Online-Materialien gesammelt und organisiert werden. Das Projekt wurde im Rahmen des OER-Festivals 2016 mit dem erstmals vergebenen OER-Award ausgezeichnet.

Der Deutsche Bildungsserver als Dachportal
Im Auftrag des Bundes und der Länder werden seit Mitte der 2000er Jahre auch andere öffentlich geförderte Internetauftritte im Bildungsbereich mit dem DBS vernetzt. „Eine für den Bildungsserver qualitativ neue Dimension der Informationsvermittlung hat sich durch die enge Verzahnung mit dem aus der Internetpräsenz der ehemaligen Bund-Länder-Initiative Forum Bildung hervorgegangenen Online-Journal Bildung PLUS entwickelt“, berichtet Axel Kühnlenz. Die Publikationsplattform zum Thema Bildungsreform wurde seit Mitte des Jahres 2002 als ein Informationsprodukt des DIPF fortgeführt. Den Schwerpunkt der Zusammenarbeit bildete die Dokumentation aktueller bildungspolitischer Entwicklungen.

In den anschließenden Jahren wurden weitere Portale in das Netzwerk aufgenommen: 2004 die Seite schulmediothek.de, das Fachportal für Schulbibliotheken, das von der Expertengruppe „Bibliothek und Schule“ des Deutschen Bibliothekverbands (DBV) in enger Zusammenarbeit mit DIPF und FWU entwickelt wurde. 2005 das Fachportal Pädagogik, das ebenfalls vom IZB betrieben wird und sich vor allem an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler richtet und mit der umfangreichen FIS Bildung Literaturdatenbank den zentralen Einstieg für die Suche nach erziehungswissenschaftlicher Literatur bietet. Ebenso 2005 das von der damaligen Bund-Länder-Kommission (BLK) und dem BMBF in Auftrag gegebene Portal zur außerschulischen Leseförderung Lesen in Deutschland und das InfoWeb Weiterbildung (IWWB), eine Meta-Suchmaschine für Weiterbildungskurse, die einen Überblick über Kurse und Seminare zur beruflichen und allgemeinen Weiterbildung gibt. 2006 kam das Innovationsportal des Deutschen Bildungsservers dazu, in das das Online-Journal „Bildung PLUS“ fortan als Online-Magazin „Bildung + Innovation“ integriert wurde und das im Kern eine Datenbank aufweist, die bildungspolitisch innovative Reformprojekte und Modellversuche von Bund, Ländern oder Stiftungen dokumentiert.

Im Zuge der Föderalismusreform erhielt der DBS 2007/2008 von Bund und Ländern die Aufgabe, alle diese öffentlich geförderten Internetauftritte im Bildungsbereich unter seiner Obhut zu bündeln. „Diese Dachportalfunktion hat uns als Infrastruktur im Bildungswesen noch einmal gestärkt“, meint Axel Kühnlenz. „Der Bildungsserver war seitdem kein Stand-Alone-System mehr, sondern ein Informationssystem bestehend aus mehreren miteinander vernetzten und interagierenden Portalen. Das war eine wichtige Entwicklung und Herausforderung für uns.“

Im Verlauf des zweiten großen Relaunches 2017 - die erste Neustrukturierung und -gestaltung erfolgte 2006 - wurde der Deutsche Bildungsserver komplett überarbeitet. Das Portal bereitet seitdem bildungsbezogene Internet-Inhalte noch übersichtlicher und nutzerfreundlicher auf. Außerdem wurde die Darstellung des Angebots - unter besonderer Berücksichtigung des Smartphones - für alle Endgeräte optimiert und das Portal „Bildung Weltweit“, das zu aktuellen Entwicklungen im internationalen Kontext informiert, in das Portal des Deutschen Bildungsservers (DBS) integriert.

Wichtiges Thema: OER
Das Thema, dem sich der Deutsche Bildungsserver in jüngerer Zeit intensiv gewidmet hat, sind die freien Bildungsmaterialien - Open Educational Resources. „Wir haben von Anfang an die politischen Prozesse begleitet und eine wichtige Rolle gespielt als Vermittler zwischen staatlichen Stellen und zivilgesellschaftlichen Graswurzelinitiativen, die dieses Thema aufgegriffen haben. Das war eine weitere neue Qualität“, so Axel Kühnlenz. Schon vorher hatte der DBS mit den Projekten „edutags“, „Elixier“ und „open access“ Erfahrungen im Bereich der frei zugänglichen Lehr- und Lernmaterialien gesammelt. Im Auftrag des BMBF führte die Geschäftsstelle des Deutschen Bildungsservers 2015 eine Machbarkeitsstudie zum Aufbau und Betrieb von OER-Infrastrukturen in der Bildung durch. Beteiligt daran waren auch Richard Heinen, Michael Kerres und weitere Kolleg*innen der Universität Duisburg-Essen. Ziel der Studie war es, bildungsbereichsübergreifend Bedarf, Akzeptanz, technische und organisatorische Anforderungen an eine zentrale (bzw. dezentral verteilte Angebote vernetzende) Infrastruktur für Open Educational Resources (OER) zu ermitteln. Als die Informationsstelle OER, kurz OERinfo, Ende des Jahres 2016 ihre Arbeit aufnahm, wurde sie institutionell durch die Geschäftsstelle des Deutschen Bildungsservers betreut. Sie begleitet und dokumentiert seitdem den aktuellen Diskurs zu OER im deutschsprachigen Raum und die in Deutschland stattfindenden OER-Aktivitäten.

Kontinuität und Flexibilität
Kontinuität, Flexibilität und Reaktionsschnelligkeit sind die Eigenschaften, die den Deutschen Bildungsserver durch die vergangenen Jahrzehnte getragen haben. „Wir hatten in den vergangenen 25 Jahren die Chance, kontinuierlich ein stabiles Informationssystem im Netz anzubieten, das die technischen und inhaltlichen Entwicklungen mitgemacht hat. Und wir konnten uns dabei zugleich immer wieder erneuern, ausprobieren und neue Idee entwickeln“, berichtet Doris Hirschmann. Auch Richard Heinen, der heute Geschäftsführer der Learninglab GmbH ist, erinnert sich daran, dass er vor 25 Jahren von Irland aus schon auf den Deutschen Bildungsserver zugegriffen hat: „Ich war damals als Mitarbeiter an der Universität in Limerick, in der Abteilung für deutsche Sprache beschäftigt. Schon zu der Zeit war der Deutsche Bildungsserver die zentrale Anlaufstelle für Menschen, die im Ausland lebten und im Bildungsbereich nach qualitativ hochwertigen Materialien recherchierten. Diese große Kontinuität und Verlässlichkeit des Deutschen Bildungsservers über 25 Jahre hinweg waren immer sehr hilfreich! Mir war es eine große Freude, im Kontext von OER-Info und Edutags das Thema OER mit dem DBS voranzutreiben.“
„Die Fähigkeit, auf aktuelle Entwicklungen, wie die Digitalisierung oder OER schnell zu reagieren und sie zu flankieren ist eine ganz große Stärke des Deutschen Bildungsservers“, findet auch Axel Kühnlenz. „Wenn er die beibehält, hat er auch in Zukunft, in einer immer dynamischeren Landschaft, was Bildungsinformation und Entwicklung im Internet anbelangt, eine gute Existenzgrundlage.“

Reaktionsschnelligkeit war es auch, mit der der Deutsche Bildungsserver seine Funktion als verlässlicher Partner im Bildungswesen erst jüngst wieder unter Beweis stellen konnte. „Während der coronabedingten Schulschließungen und des Homeschoolings hatten wir eine sehr starke Nachfrage im Bereich Schule und digitaler Unterricht. Wir konnten den Lehrkräften viel Unterrichtsmaterial, das wir unter Hochdruck zusammengestellt haben, zur Verfügung stellen“, freut sich Tamara Massar. Auch in der Erwachsenenbildung gab es starkes Interesse: „Viele Dozent*innen fragten nach, wie sie ihren Kurs online anbieten können. Wir haben uns gefreut, dass wir ihnen sehr schnell Hilfe anbieten konnten“, ergänzt Doris Hirschmann.

 

 

 

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Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 09.12.2021
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