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Bildung + Innovation Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Erschienen am 05.11.2020:

„Wir gewinnen erfolgreich Frauen für technische und naturwissenschaftliche Berufe.“

Das Niedersachsen-Technikum begeistert junge Frauen für MINT-Berufe

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Bildrechte: Niedersachsen-Technikum

Junge Frauen mit Abitur oder Fachabitur, die Interesse im Bereich MINT - Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik - haben, sich aber noch nicht sicher sind, ob ein Studium in diesem Bereich das Richtige für sie ist, können sich sechs Monate lang im Niedersachsen-Technikum orientieren und ausprobieren, ob ein Beruf in diesem Bereich ihren Fähigkeiten und Vorlieben entspricht. Sie erfahren alles über mögliche Studienfächer, Berufe und auch Ausbildungswege im MINT-Bereich, lernen, wie das Studium abläuft und wie der Arbeitsalltag einer Ingenieurin, Mathematikerin, Informatikerin oder Naturwissenschaftlerin aussehen kann.

Das Niedersachsen-Technikum
Das Niedersachsen-Technikum kombiniert ein sechsmonatiges bezahltes Industriepraktikum in einem Unternehmen mit einem „Schnupperstudium“ an einer Hochschule. Die zentrale Koordinierungsstelle des Programms - zuständig für die übergreifende Organisation - ist an der Hochschule Osnabrück angesiedelt. „Mit diesem Kooperationsprogramm niedersächsischer Hochschulen, Universitäten und Unternehmen gewinnen wir erfolgreich Frauen für technische und naturwissenschaftliche Berufe“, erklärt Prof. Barbara Schwarze, Initiatorin und Leiterin des Technikums. Vor zehn Jahren hat die Professorin für Gender und Diversity Studies an der Hochschule Osnabrück gemeinsam mit ihrem Team das Projekt gegründet. Sechs regionale Unternehmen und sieben Teilnehmerinnen, die sog. Technikantinnen, waren beim ersten Durchlauf dabei. Nach einer zweijährigen Erprobungsphase an der Hochschule Osnabrück wurde das Programm niedersachsenweit angeboten. Heute beteiligen sich daran neun Hochschulen und rund 100 Unternehmen des Landes; die Osnabrücker Hochschule und Universität bieten das Technikum gemeinsam an. Rund 750 junge Frauen haben das Niedersachsen-Technikum seitdem absolviert - 230 davon allein in Osnabrück. Das Konzept zur praxisintegrierten Berufsorientierung für junge Frauen wird vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) gefördert und von der Stiftung NiedersachsenMetall unterstützt.

Industriepraktikum und Schnupperstudium
Das Technikum startet jedes Jahr Anfang September. An vier Tagen in der Woche lernen die Teilnehmerinnen in einem der Kooperations-Unternehmen das Arbeitsleben in einem MINT-Beruf kennen und testen dabei, wo ihre MINT-Kompetenzen liegen. Sie bekommen Einblick in unterschiedliche Bereiche und Abläufe des Unternehmens und übernehmen konkrete, praktische Aufgaben. Das Spektrum der in den Betrieben erlernten Fähigkeiten reicht dabei vom Programmieren über das Schweißen, Fräsen oder Drehen bis zum Konstruieren und Planen. Der Kontakt zu Auszubildenden, Ingenieur*innen und Personen verschiedener Berufsfelder im Betrieb gibt viele Impulse und hilft dabei, sich im Unternehmen zu vernetzen. Wesentlicher Teil des Praktikums ist ein eigenständig durchgeführtes Projekt.

Ein Tag in der Hochschule
An einem Tag pro Woche nehmen die Technikantinnen an einem Schnupper-Studium an einer der neun niedersächsischen Hochschulen oder Universitäten teil. Dort steht ihnen ein umfangreiches Angebot an Erstsemestervorlesungen, Exkursionen und Seminaren in der Audio- und Videotechnik, dem Maschinenbau, der Werkstofftechnik, der Physik, der Informatik, der Wirtschaftsinformatik und in anderen Fächern zur Verfügung. Sie lernen verschiedene Labore kennen, tauschen sich mit anderen MINT-Student*innen aus und unternehmen Exkursionen zu Partner-Unternehmen. Die jungen Frauen können sich ohne Druck oder Zwang in den MINT-Studiengängen ausprobieren, eigene Fähigkeiten testen und unter Beweis stellen. Am Semesterende können sie eine Klausur mitschreiben, die sie sich, wenn sie sich für ein Studium in dem Bereich entscheiden, sogar anrechnen lassen können. Außerdem stehen Informationsveranstaltungen und Workshops zu aktuellen Themen auf dem Programm des Niedersachsen-Technikums. Zum Abschluss erhalten die Teilnehmerinnen eine Praktikumsbescheinigung ihres Unternehmens und ein Zertifikat ihrer Hochschule. Im Februar findet jeweils eine Abschlussveranstaltung statt, bei der alle Technikantinnen ihre Erfahrungen schildern und ihr Projekt vorstellen.

Erfolgreiches Konzept
Die Erfahrungen im Studium und in der Berufspraxis helfen den Absolventinnen des Niedersachsen-Technikums eine bewusste Studienentscheidung zu treffen und damit das Risiko eines späteren Studienabbruchs zu verringern. Sie bekommen ein Bild davon, wie der Beruf nach dem Studium aussehen könnte, und wissen jetzt, warum und wofür sie studieren möchten. „Mir hat das Niedersachsen-Technikum sehr viel Spaß gemacht und mich in meiner Entscheidung unterstützt, Maschinenbau zu studieren. Die Stahlindustrie erscheint mir nun bei Weitem nicht mehr so fremd wie noch vor ein paar Monaten, und ich habe mich hier immer sehr willkommen gefühlt“, berichtet Henrike, die ihr Praktikum 2019 bei der Salzgitter Flachstahl GmbH absolviert hat. Auch Franziska hat durch das Technikum den Einstieg in den MINT-Bereich gefunden. Sie hat ihr Praktikum beim Volkswagenwerk Hannover gemacht und studiert jetzt Elektro- und Informationstechnik. Das Technikum hat ihr aufgezeigt, was es bedeutet, Ingenieurin zu sein, und sie in ihrem Berufswunsch bestätigt. „Wegen der Zeit in der Ausbildungswerkstatt kann ich mir das Technikum auch als Vorpraktikum im Studium anrechnen lassen. Außerdem habe ich sehr viel über die Fahrzeugproduktion gelernt und Kontakte geknüpft. An den Hochschultagen habe ich die Universität gut kennengelernt, an der ich jetzt studiere“, freut sie sich.

Die meisten Absolventinnen sind sich nach dem Niedersachsen-Technikum sicher, dass ein naturwissenschaftliches oder technisches Studium für sie genau das Richtige ist. Neun von zehn Teilnehmerinnen entscheiden sich im Anschluss für ein MINT-Studium oder eine MINT-Ausbildung. Mit dieser Erfolgsquote zählt das Projekt zu den erfolgreichsten im Bundesgebiet. Mehrere Bundesländer und ausländische Hochschulen zeigen Interesse an dem bewährten Konzept. Die frühzeitige, praxisintegrierte Berufsorientierung trägt außerdem maßgeblich zum Erfolg im Studium oder in der Ausbildung bei. Unter den Ehemaligen sind heute Unternehmerinnen, Doktorandinnen und viele Ingenieurinnen, Informatikerinnen und Naturwissenschaftlerinnen.

Die nächste Runde hat begonnen
Anfang September 2020 ist - trotz der Corona-Pandemie - bereits zum elften Mal das Niedersachsen-Technikum gestartet. Die Teilnehmerinnen erleben nun in einem Unternehmen die Technik und studieren parallel an einer Hochschule „auf Probe“. Zusätzlich stehen verschiedene Module mit Blick auf Digitalisierung auf ihrem Programm. „Damit wollen wir bereits in der Orientierungsphase die Selbstkompetenz der Teilnehmerinnen für die Digitalisierung stärken und ihre Entscheidung für eine entsprechende Studien- und Berufswahl unterstützen“, erklärt Prof. Barbara Schwarze. Unterstützung bekommen „die Neuen“ dabei von „Ehemaligen“, die heute selbst erfolgreich studieren. Sie führten die Teilnehmerinnen am ersten Programmtag über den Campus und beantworteten dabei jede Menge Fragen.

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Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 05.11.2020
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