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Bildung + Innovation Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Erschienen am 14.05.2020:

„Die Jugendlichen sollen zielgerichtet zu den vielen bestehenden Angeboten in den Regionen gelotst werden.“

Türöffner: Zukunft Beruf - Unterstützungsprojekt in Brandenburg

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Bildrechte: Landesprogramm „Türöffner: Zukunft Beruf“

Das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg hat 2016 das Landesprogramm „Türöffner: Zukunft Beruf“ ins Leben gerufen, um die Ausbildungsfähigkeit von Jugendlichen zu stärken und Ausbildungsabbrüche zu verhindern. Zur Umsetzung des Programms wurden 14 sog. "Lokale Koordinierungsstellen" (LOK) an Brandenburger Oberstufenzentren (OSZ) eingerichtet. Sie machen die Jugendlichen fit für die Ausbildung, stärken ihre sozialen Kompetenzen und lotsen sie zu Unterstützungsangeboten in ihrer Region, damit sie die passende Hilfe finden.


Nicht jeder Jugendliche schafft einen reibungslosen Übergang von der Schule in die Ausbildung. Manchen fehlt der entsprechende Schulabschluss, um eine Ausbildung beginnen zu können, einigen fällt es aus unterschiedlichen Gründen schwer, eine Ausbildung aufzunehmen, andere starten eine Ausbildung, brechen sie aber frühzeitig ab, weil sie im Betrieb auf Probleme stoßen, die sie überfordern, oder weil die gewählte Ausbildung doch nicht die richtige war. Frustration auf Seiten der Betriebe und der jungen Menschen sind die Folge. Damit es nicht so weit kommt, ist es wichtig, den Herausforderungen am Übergang Schule-Beruf präventiv zu begegnen. Dazu gehören die Stärkung der Berufs- und Studienorientierung, die Reduzierung der Anzahl der Schülerinnen und Schüler ohne Schulabschluss, die Unterstützung junger Menschen mit ungünstigen Ausgangsbedingungen und die Senkung der Zahl vorzeitiger Bildungsabbrüche.

Das Landesprogramm „Türöffner: Zukunft Beruf“

Neben bereits existierenden Unterstützungsangeboten erproben und setzen viele Bundesländer Maßnahmen zum Aufbau eines systematisierten Übergangsmanagements um, die auf die Bereitstellung passgenauer Beratungs- und Vermittlungsleistungen zielen. Damit der Übergang von der Schule in ein stabiles Ausbildungsverhältnis besser gelingt, hat das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport in Brandenburg (MBJS) im Jahr 2016 das Landesprogramm „Türöffner: Zukunft Beruf“ ins Leben gerufen. Gefördert wird das Programm aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Landes Brandenburg. Auszubildende im schulischen Teil der Ausbildung und Schülerinnen und Schüler der Berufsfachschule sollen mit dem Programm fit für die Aufnahme einer Ausbildung gemacht und vorzeitige Ausbildungsabbrüche sollen vermieden werden.

Dazu wurden an den beruflichen Schulen (Oberstufenzentren, OSZ) im Land Brandenburg sog. "Lokale Koordinierungsstellen" (LOK) eingerichtet. Sie unterstützen Jugendliche darin, eine Ausbildung aufzunehmen oder erfolgreich abzuschließen. Auch erleichtern sie den Zugang zu vorhandenen Informations- und Beratungsangeboten. 22 Beschäftigte sind an 14 Koordinierungsstellen im Land Brandenburg als so genannte „Türöffner“ aktiv. Jugendlichen fehlt oft ein geeigneter Ansprechpartner, der sie durch diese für viele schwierige Zeit führt und sie dabei unterstützt, die passende Hilfe zu finden. Diese Funktion übernehmen die „Türöffner“, die dafür selbst durch das Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) fachlich begleitet und beraten werden. „Es geht bei dem Programm 'Türöffner' um Transparenz und nicht darum, neue Strukturen zu schaffen. Die Jugendlichen sollen zielgerichtet zu den vielen bestehenden Angeboten in den Regionen gelotst werden“, fasst Wioletta Wlodarczyk, Referatsleiterin im Referat Berufliche Bildung des MBJS, den „Türöffner-Ansatz“ zusammen. Träger der LOK sind die Landkreise bzw. kreisfreien Städte, die auf die Region angepasste Konzepte entwickelt haben.

Transparenz schaffen

Die LOK verfolgen mit ihrer Arbeit mehrere Ziele. Sie stärken Jugendliche über kompetenzfördernde Projekte für die Ausbildung, sie stellen Transparenz am Übergang Schule-Beruf her und unterstützen die Vernetzung der Akteure vor Ort. Um nah an den Jugendlichen dran zu sein, haben sie ihre Büros in den Oberstufenzentren eingerichtet. Als zentrale Anlaufstelle sind sie dort Ansprechpartner nicht nur für die Jugendlichen, sondern auch für Eltern, Lehrende, Sozialarbeiter und Betriebe und lotsen diese zu passenden Informations- und Unterstützungsangeboten vor Ort. Außerdem stehen sie in engem Kontakt mit den Jugendberufsagenturen, den Jobcentern und Arbeitsagenturen und vermitteln Angebote am Übergang Schule-Beruf. „Als Lotse ist es wichtig, die Jugendlichen darauf vorzubereiten, was sie bei den einzelnen Unterstützungsangeboten erwartet und wie sie diese für sich nutzen können“, berichtet Janett Mussel, Projektleiterin der LOK am OSZ Ostprignitz-Ruppin.

Die Aufgaben der Türöffner
Schwerpunktaufgaben der LOK sind die Organisation von Projekten zur Stärkung der sozialen und individuellen Kompetenzen und die Verbesserung der Ausbildungsfähigkeit der Jugendlichen. Einige LOKs führen digitales Medientraining durch, andere praktische Erprobungen für Geflüchtete in unterschiedlichen Berufsfeldern mit anschließendem Speed Dating von Unternehmen, BerufeTouren durch die Region oder kompetenzstärkende Unterstützung von Jugendlichen während des Praktikums. Auch Kommunikations- und Bewerbungstrainings stehen auf dem Programm. Tina Wonscherowsky und Carolin Kubenz sind „Türöffnerinnen“ im Landkreis Havelland. Um herauszufinden, welche Themen bei den Jugendlichen im Vordergrund stehen, führen sie regelmäßig eine Bedarfsanalyse durch. Dadurch haben sie herausgefunden, dass in Berufen mit intensivem Kundenkontakt die Abbruchgedanken besonders ausgeprägt waren. Um dieser Tendenz entgegenzuwirken, fördern sie Auszubildende deshalb besonders in Kommunikations-, Kritik- und Konfliktfähigkeit, damit diese auch unter stressigen Bedingungen Gespräche mit Ausbildungspersonal und Kundschaft meistern können. Auch die Lernorganisation im wöchentlichen Turnuswechsel von Vollzeitbeschäftigung im Ausbildungsbetrieb und Schulbesuch stellt für viele eine Herausforderung dar. Daher führen die „Türoffnerinnen“ gezielt Workshops durch, um mit den Teilnehmenden Methoden des Lernens zu trainieren. Besondere Aufmerksamkeit erzielen sie auch durch die „ProblemLÖSBAR“, die sie am Anfang des Schuljahres vor ihrer Tür aufstellen und bei der sie Kuchen gegen Gedanken, Erwartungen und Meinungen tauschen. Als Unterstützung für die häufigsten Fragen und Sorgen während der Ausbildung haben sie sich für alle Auszubildenden außerdem einen „Ausbildungsspicker“ ausgedacht, der die wichtigsten Ansprechpartner der Region sowie Informationen und Tipps bündelt.

Die „Türöffner“ bieten unkomplizierte, schnelle Hilfe im Umfeld der jungen Menschen, Antworten auf ihre Fragen, Informationen über die unterschiedlichen Angebote zu ihren individuellen Problemen oder auch das richtige Formular der jeweiligen Anlaufstelle, denn die LOKs sind in der Regel sehr gut mit den Betrieben und Behörden der Region vernetzt.





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Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 14.05.2020
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