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Bildung + Innovation Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Erschienen am 12.05.2022:

„Training mit Ball und Buch.“

Das Projekt kicken&lesen fördert die Lesekompetenz von Jungen

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Bildrechte: Oliver Kühnel

Fußball und Lesen haben auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam. Doch beides muss man trainieren, wenn man gut sein will. Das Projekt kicken&lesen nutzt die Begeisterung vieler Jungen für den Fußballsport, um ihnen das Lesen näher zu bringen und Spaß daran zu vermitteln. Im Schuljahr 2021/2022 nehmen insgesamt 130 Jungen an dem Leseförderungsprojekt kicken&lesen Köln teil und trainieren bis zu den Sommerferien mit Buch und Ball.


Rund um das zehnte Lebensjahr lässt das Interesse am Lesen bei vielen Jungen nach. Mit 15 Jahren liest, laut den PISA-Studien, über die Hälfte der Jungen nur noch, wenn sie muss. Der Unterschied zwischen Mädchen und Jungen bei der Leseleistung ist nach PISA 2018 zwar nicht mehr so groß wie noch in der Vergleichsstudie 2009 - an der Spitze haben die Jungen aufgeholt - aber bei den Leseschwachen sind Jungen überproportional vertreten. Es ist daher wichtig, Jungen verstärkt in der Leseförderung zu berücksichtigen.

Das Projekt kicken&lesen
Im Projekt kicken&lesen werden Sport und Bildung spielerisch miteinander kombiniert. Die Begeisterung der Jungen für Fußball und Wettbewerb wird genutzt, um die Lust am Lesen durch motivierende Aktivitäten, eine besondere Atmosphäre und Erfolgserlebnisse zu erhöhen. Dabei werden Lese- und Sozialkompetenz gestärkt sowie Fairplay, Integration und soziales Miteinander gefördert. Ins Leben gerufen wurde das Projekt kicken&lesen im Jahr 2007 auf Initiative der Baden-Württemberg Stiftung und in Kooperation mit dem VfB Stuttgart. Der Schwerpunkt wurde dabei bewusst auf die Förderung von Jungen gelegt, um den Ergebnissen und Forderungen internationaler Studien im Bereich der Lesekompetenz von Jungen Rechnung zu getragen. Denn Lesekompetenz und Sprachfähigkeit junger Menschen sind grundlegende Qualifikationen für eine erfolgreiche Teilnahme am Bildungssystem.

Seit Beginn der Initiative haben mehr als 2000 Jungen, insbesondere aus lesefernen Familien oder mit Migrationshintergrund, an dem jährlich stattfindenden Projekt teilgenommen. Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist Schirmherr des Projekts. Im Jahr 2012 wurde das Projekt kicken&lesen vom Wettbewerb „Deutschland - Land der Ideen“ als beste Bildungsidee ausgezeichnet. Die Bundesländer Hessen und Nordrhein-Westfalen griffen es auf und setzen es seitdem selbstständig um. In Hessen wird das Projekt in Kooperation mit der Hessenstiftung - Familie hat Zukunft und dem FSV Frankfurt durchgeführt.

Das Projekt in Köln
In Köln haben 2013 die SK Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn und die Stiftung 1. FC Köln das als außerschulisches Bildungsangebot konzipierte Projekt für die Durchführung an Schulen adaptiert. Das unter der Schirmherrschaft von NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer stehende Projekt richtet sich an Kölner Förderschulen, Hauptschulen, Realschulen und Gesamtschulen. Über den Zeitraum von einem Schuljahr werden Jungen der 5. und 6. Klasse an jeweils acht Kölner Schulen - jeder Schultyp ist dabei mindestens einmal vertreten - intensiv im Fußball- und Lesetraining begleitet. Jungen erleben Lesen dabei sowohl in der Schule als auch in der Freizeit als eine Aktivität, die Spaß machen kann. Mit ihrem Projekt kicken&lesen Köln haben die SK Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn und die Stiftung 1. FC Köln beim Deutschen Lesepreis 2021 in der Kategorie Herausragendes kommunales Engagement in der Leseförderung den zweiten Platz belegt.

Wöchentliche Trainingseinheiten
Zum Projektstart bekommt jedes Team eine Mannschafts-Trikotausstattung, einen Fußball mit den Unterschriften der Profispieler des 1. FC Köln, sowie eine von Verlagen und Buchhandlungen gespendete gut gefüllte Bücherkiste mit mehr als 70 Titeln, darunter Action-, Humor-, Fantasy-, Sach- und Fußballbücher. Die Titel werden dem jeweiligen Leseniveau angepasst und für jede Gruppe variiert. Jeder Junge erhält außerdem einen Trainingspass, der Informationen zum Projekt, Lesetipps, einen Fairnesspass sowie eine persönliche Lesekarte enthält. Mit ihr weisen die Jungen nach, was und wie viel sie gelesen haben. Die gelesenen Seiten werden zum Schluss in Punkte umgewandelt - ein wichtiges Element für den Gewinn des kicken&lesen-Pokals, den es beim Abschlussturnier, kurz vor den Sommerferien, zu gewinnen gibt. Auch faires Verhalten zahlt sich aus. Pro Schulhalbjahr wird der fairste Junge ermittelt, welcher als Fahnenkind bei einem Heimspiel des 1. FC Köln ins Stadion einlaufen darf.

Integriertes Fußball- und Lesetraining

Im Vorfeld entscheiden die Schulen, ob die Maßnahme im Regelunterricht oder als AG umgesetzt wird. Einmal pro Woche treffen sich die Teams dann zu einer Trainingseinheit von 90 Minuten, in der sie Fußball- und Leseübungen praktizieren, wobei auch „integrierte“ Fußball- und Lesespiele zum Einsatz kommen können. Nach einem Staffellauf mit Dribbling folgt zum Beispiel eine Lautlese-Übung zu zweit, nach einer Schusstechnik-Übung liest der Trainer vor. In Tandems aus jeweils einem besseren und einem etwas weniger guten Leser bewältigen sie die Aufgaben im Team. Übungen nach dem Lautlese-Verfahren sollen vor allem die kognitiven Prozesse der Schüler beim Lesen fördern, also die Wort- und Satzidentifikation und die Herstellung von Zusammenhängen zwischen den einzelnen Sätzen. Das Verfahren wird insbesondere bei den Jungen eingesetzt, die noch größere Schwierigkeiten beim Lesen haben, während fortgeschrittenere Leser vom Viellese-Verfahren profitieren. Hier werden feste Lesezeiten in die Trainingseinheit eingebaut, in denen die Schüler frei wählbare Lektüre aus der Bücherkiste lesen. Durch das gesteigerte Lesepensum wird ihre Leseleistung verbessert. Die Trainingspläne werden von den Betreuer*innen konzipiert und durchgeführt. Sie wurden intensiv mit dem Konzept vertraut gemacht und in einem von der Universität zu Köln geleiteten Tagesseminar auf das Projekt vorbereitet. Auch während des gesamten Projektverlaufs stehen ihnen die Projektleitung, der künstlerische Leiter und das Evaluationsteam der Universität zu Köln beratend zur Seite.

Trainingstag beim 1. FC Köln
Highlight jedes Jahr ist der Trainingstag beim 1. FC Köln. Die Jungen werden zu einem eintägigen Besuch in der Fußballschule des Bundesligisten eingeladen, wo sie ein professionelles Nachwuchstraining erleben und sich viele Tipps und Tricks abgucken können. Die Begegnungen mit den Bundesliga-Spielern ist für viele Jungen ein unvergessliches Erlebnis. In einer Fragerunde haben sie Gelegenheit, Dinge von den Spielern zu erfahren, die sie schon immer wissen wollten. Zum Beispiel, ob Steffen Baumgart ein strenger Trainer ist oder welches die Lieblingsbücher der Spieler sind. Auch hier werden Lese-Spiele integriert, die für die Motivation der Jungen besonders wichtig sind. Weitere Höhepunkte im Projektjahr sind der Besuch eines Fußballspiels des 1. FC Kölns und des Sport- und Olympiamuseums, Lesungen in Buchhandlungen oder eine Stadionführung.

Die Abschlussturniere
Da beim Sport auch der Wettbewerbsgedanke eine Rolle spielt, gibt es zum Abschluss der Projektzeit ein zweiteiliges Turnier: Ein Fußballturnier beim 1. FC Köln sowie einen Book Slam®, bei dem die Teilnehmer der Gruppen gegeneinander antreten. Hierbei soll nicht die Lesefertigkeit unter Beweis gestellt werden, wie bei einem Vorlesewettbewerb, sondern der Inhalt eines Buches möglichst originell dargestellt werden, zum Beispiel als Rap, als Schattentheater oder als Tanz. Dazu haben die Jungen nur drei Minuten Zeit. Das Publikum und eine Jury entscheiden, wer diesen Teil des Wettkampfes gewinnt. Zusammen mit den Lesepunkten aus den Trainingsbüchern bildet das Ergebnis die Ausgangsbasis für das abschließende Fußballturnier, bei dem alle acht Mannschaften auf dem Gelände des 1. FC Köln nach den Regeln von Streetfootball-Turnieren gegeneinander antreten. Aus der Zusammenfassung der Lesepunkte, des Book Slams und des Fußballturniers errechnet sich dann der Gesamtsieger, der im Rahmen eines Heimspiels des 1. FC Köln feierlich geehrt wird.




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Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 12.05.2022
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