Suche

Gebärdensprache DGS-Button Leichte Sprache LS-Button
Erweiterte Suche

Ariadne Pfad:

Inhalt

Bildung + Innovation Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Erschienen am 23.09.2021:

Lilo Lausch fördert das Zuhören

Die Stiftung Zuhören setzt sich für die frühe Zuhörbildung ein

Bild

Bildrechte: Lilo Lausch

Die Stiftung Zuhören fördert bei Kindern und Jugendlichen das Zuhören, damit sie besser lernen und sich verständigen können. Im Kita-Projekt „Lilo Lausch“ erfahren schon kleine Kinder, dass genaues Hinhören Spaß macht. Sie lernen aufmerksam zuzuhören und erforschen ihre Umgebung mit den Ohren. Das Projekt stärkt die Zuhörkompetenzen und die Dialogfähigkeit, steigert das Selbstbewusstsein der Kinder und trägt zu einem guten Übergang in die Grundschule bei.


Hören können die meisten Menschen von Geburt an, doch bewusstes Zuhören müssen viele erst üben. Dabei ist Zuhören eine Voraussetzung für gutes Lernen, für Kommunikation und interkulturelle Verständigung. Die Stiftung Zuhören mit Sitz in München hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Zuhören zu fördern, damit sich eine dialogfähige, aufmerksame Gesellschaft entwickeln kann. Die gemeinnützige Stiftung wurde 2002 durch verschiedene hessische und bayerische Rundfunkanstalten und Partner gegründet. Der Schwerpunkt ihrer Aktivitäten liegt aktuell auf der frühkindlichen Bildung, im vorschulischen Bereich und in der Schule. Als Initiator und Träger zahlreicher Bildungsprojekte kooperiert sie mit vielen interessierten Einrichtungen und hat über die Jahre ein breites Angebot zur Förderung der Medienkompetenz durch Zuhörbildung geschaffen.

Projekte der Stiftung Zuhören
Kinder und Jugendliche werden in allen Stiftungsprojekten zum Zuhören angeregt, indem sie selbst medienpraktisch tätig werden. Unter Anleitung forschen sie nach Klängen, erproben sich als Radioreporter*innen oder Hörfunkredakteur*innen. Im Projekt „Earsinnig hören“ zum Beispiel werden Schüler*innen mit den Grundregeln des Zuhörens vertraut gemacht und gestalten kurze Audiobeiträge wie Interviews, Reportagen oder Klangcollagen selbst. Im Projekt „Ohren spitzen“ wird die gesamte Kita zur zuhörfreundlichen Einrichtung weiterentwickelt und dadurch vielfältige Zuhörsituationen für die Kinder geschaffen. Die Stiftung setzt außerdem Impulse für die wissenschaftliche Zuhörforschung, informiert regelmäßig über qualitativ hochwertige Hörspielangebote und bietet eine Plattform für Diskussion und Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis.

Das Projekt „Lilo Lausch“
Um Kinder und Eltern unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft wirksam zu erreichen, hat die Stiftung Zuhören das Projekt „Lilo Lausch“ speziell für die frühe Zuhörbildung in Krippen und Kindertagesstätten entwickelt. Aufmerksames Zuhören ist schon im Kindergartenalter eine wichtige Grundlage für die Bildung von festen Bindungen. Bundesweit wird „Lilo Lausch“ bereits in mehr als 500 Kindertageseinrichtungen angeboten. Die Kinder in diesen Einrichtungen wissen, wenn die Handpuppe Lilo Lausch - ein süßer kleiner Elefant - ins Spiel kommt, wird es spannend. Dann beginnt die „Lilo Lausch-Zeit“ und sie erfahren, dass genaues Hinhören Spaß macht. Sie lernen einander aufmerksam zuzuhören, erforschen ihre Umgebung mit den Ohren, lauschen Klängen, Liedern und Geschichten. Sie spielen Zuhörspiele und lernen die Vielfalt an Sprachen und Kulturen ihrer Einrichtungen kennen. Durch das Projekt entsteht in den beteiligten Kitas eine offene Haltung und die Bereitschaft mit- und voneinander zu lernen.

Die „Lilo Lausch-Zeit“
In der „Lilo Lausch-Zeit“ erstellen Kinder, Eltern sowie Erzieherinnen und Erzieher, unterstützt von Medienpädagog*innen, gemeinsam Sprachspielereien, Rituale wie „Begrüßung in vielen Sprachen“ oder „Wir schenken uns einen Klang“, Zuhörspiele, Klangrätsel und Hörspaziergänge. Dafür sammeln sie Geräusche, denken sich Fortsetzungsgeschichten aus, übersetzen einzelne Wörter in andere Sprachen, singen zum Beispiel spanische Lieder oder sagen türkische Kinderverse auf. Mehrsprachigkeit und Vielfalt werden dabei als Bereicherung und Chance verstanden. Die Aktionen der einzelnen Kitas spiegeln die Sprachenvielfalt in den jeweiligen Einrichtungen wider. Kinder, die noch nicht gut Deutsch sprechen, werden ermutigt, sich in ihrer Familiensprache zu beteiligen. Das stärkt ihr Selbstvertrauen und ihren Mut Deutsch zu sprechen. Die Handpuppe Lilo Lausch bietet auf spielerische Weise viele Gesprächsanlässe an, hört den Kindern zu und ermuntert sie, so lange aufmerksam und still zu sein, bis die vorgespielten Klänge nicht mehr zu hören sind. Darüber finden die Kinder auch im Alltag einen altersgerechten Zugang, Gehörtes besser zu verstehen und in eigene Worte zu fassen.

Durch die Einbindung aller Sprachen und Kulturen der beteiligten Kinder, fühlen sich auch die Eltern wertgeschätzt. Alle sind eingeladen, sich aktiv an der „Lilo Lausch-Zeit“ zu beteiligen. Eine Sammlung von Zuhör-Empfehlungen und Spielideen, die sich mühelos in den Alltag integrieren lassen, fördert das Zuhören auch zu Hause. Die Kinder freut es - so kann Lilo Lausch sie schon beim Frühstück, während eines Spaziergangs oder auch am Abend mit Geräuschrätseln oder Zuhör- und Bewegungsspielen begleiten.

Basis- und Vertiefungsfortbildungen
In bundesweiten Fortbildungen vermittelt die Stiftung Zuhören pädagogischen Fachkräften die Grundlagen des Lilo Lausch-Konzepts. Wesentlicher Bestandteil der Basisfortbildung ist die Bedeutung des Zuhörens für frühkindliche Lernprozesse und gelingende Kommunikation, die Reflexion des eigenen Zuhörverhaltens und der Umgang mit Interkulturalität im pädagogischen Alltag. Die Fortbildungen beinhalten praxiserprobte Methoden und Materialien in über 50 Sprachen und bieten sowohl vielfältige Anregungen für die Arbeit mit Kindern von zwei bis sieben Jahren als auch für die Zusammenarbeit mit den Eltern. Anhand zahlreicher Beispiele aus der Praxis wird verdeutlicht, wie die „Lilo Lausch-Zeit“ ohne viel Vorbereitung im Alltag, in Gruppen und gemeinsam mit Eltern, z.B. im Morgenkreis, in der Mittagspause oder während Ausflügen, gestaltet werden kann. Die praxisnahen Fortbildungen werden von Fachreferent*innen für Frühe Sprach- und Zuhörbildung mit langjähriger Praxiserfahrung geleitet, deren methodische und didaktische Qualität selbst durch regelmäßige Schulungen gesichert wird. Mehr als 1.500 pädagogische Fachkräfte haben bisher an den Basisfortbildungen teilgenommen. In den Vertiefungsfortbildungen werden verschiedene Themenschwerpunkte aufgegriffen. Das Seminar „Hörstücke selbst gestalten“ hilft den pädagogischen Fachkräften z.B. dabei Hürden und Ängste im Umgang mit Technik abzubauen. Im Seminar „Stille und Entspannung“ hingegen stehen (Selbst-)Reflexionen über Stress und Belastungsfaktoren, die Bedeutung von Entspannung und das eigene Zuhörverhalten im Mittelpunkt.

„Lilo Lausch“ wurde evaluiert
Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass die Projekte der Stiftung die Basiskompetenz Zuhören vom frühkindlichen Bereich bis in die Schule wirksam fördern: Kinder, die an den Projekten teilgenommen haben, lernen leichter, haben eine höhere Chance auf gesellschaftliche Beteiligung und steigern ihre Medienkompetenz. Auch die Zuhörbedingungen im Unterricht und in der Gruppe verbessern sich. Die Beteiligten nehmen einen Rückgang der Störungen, insbesondere durch Lärm wahr, und die Bereitschaft zuzuhören nimmt zu.

Um die Wirkung von „Lilo Lausch“ messen zu können, wurde das Programm unter der Leitung von Prof. Dr. Norbert Neuß, Professor für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt „Pädagogik der Kindheit“ an der Justus-Liebig-Universität Gießen, über einen Zeitraum von zwei Jahren mit 40 pädagogischen Fachkräften evaluiert. Die Evaluation belegt, dass das Projekt die Zuhörkompetenzen und die Dialogfähigkeit stärkt, das Selbstbewusstsein der Kinder steigert und zu einem gelingenden Übergang in die Grundschule beiträgt. Auch die Bildungs- und Erziehungspartnerschaft mit den Eltern verbessert sich. „Bei den Kindern wurde erkannt, dass insbesondere Kompetenzen in den Bereichen Zuhören, Aufmerksamkeit und Konzentration sowie sprachliches Interesse wachsen. Durch die Beteiligung der Eltern an den Hörclubs und dem Hörspielprojekt wurde eine interkulturelle Willkommenskultur verstärkt. In der Wahrnehmung der Erzieher*innen fühlen sich die Eltern mit ihrer Herkunft, Kultur und Sprache angenommen und wertgeschätzt. Das Projekt wirkt deutlich in die Familien hinein”, so Prof. Dr. Norbert Neuß.






Ihr Kommentar zu diesem Beitrag. Dieser Beitrag wurde bisher nicht kommentiert.

 Weitere Beiträge in „Bildung + Innovation“.

Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 23.09.2021
© Innovationsportal

Die Übernahme von Artikeln und Interviews - auch auszugsweise und/oder bei Nennung der Quelle - ist nur nach Zustimmung der Online-Redaktion von Bildung + Innovation erlaubt.

Die Redaktion des Online-Magazins Bildung + Innovation arbeitet journalistisch frei und unabhängig. Die veröffentlichten Beiträge bilden u. a. auch interessante Einzelmeinungen zum Bildungsgeschehen ab; die darin zum Ausdruck gebrachte Meinung entspricht nicht notwendig der Meinung der Redaktion oder des DIPF.

Inhalt auf sozialen Plattformen teilen (nur vorhanden, wenn Javascript eingeschaltet ist)