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Bildung + Innovation Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Erschienen am 15.04.2021:

„Es ist wichtig, Mädchen zu stärken und sie auch auf dem Weg zu unterstützen, andere Berufe zu ergreifen, als es den Klischees entspricht.“

Das Programm „Wir stärken Mädchen“ fördert die Auseinandersetzung mit geschlechteruntypischen Berufsbildern und Kompetenzen

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Bildrechte: Wir stärken Mädchen

Das Programm „Wir stärken Mädchen“, das die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung gemeinsam mit der Stiftung „RTL - Wir helfen Kindern“ durchführt, will Mädchen für MINT-Themen begeistern und ihnen Mut machen, sich für einen Beruf in diesem Bereich zu entscheiden. Mädchen sollen all ihre Möglichkeiten ausschöpfen und ihre Zukunft selbstbestimmt planen können.


Mädchen und junge Frauen können heute jeden Beruf ergreifen, den sie möchten, trotzdem wählt etwa die Hälfte aller jungen Frauen aus nur rund zehn von 325 anerkannten Ausbildungsberufen aus. Auch die von Frauen am häufigsten belegten Studiengänge gehören überwiegend zum sozialen und medizinischen Bereich. Es gibt also immer noch Berufe und Branchen, die als ‚typisch männlich‘ und ‚typisch weiblich‘ gelten. Mit diesen Stereotypen kommen Mädchen schon in der Schulzeit in Kontakt. Dort gelten MINT-Fächer oft noch als typische Jungenfächer, sie selbst wählen seltener Leistungskurse aus diesem Bereich, obwohl sie gute Leistungen erzielen. Und auch MINT-Studiengänge und MINT-Ausbildungsberufe werden wesentlich seltener von Frauen bevorzugt als von Männern. Umso wichtiger ist eine Berufsorientierung, die diese Typisierung aufbricht und Mädchen und jungen Frauen alle Möglichkeiten in Bezug auf ihre Interessen, Fähigkeiten und Potenziale aufzeigt.

Chancengerechte Bildung für Mädchen fördern
Die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung hat gemeinsam mit der Stiftung „RTL - Wir helfen Kindern“ 2020 das Programm „Wir stärken Mädchen“ gestartet. Es will die Auseinandersetzung mit geschlechteruntypischen Berufsbildern und Kompetenzen für eine chancengerechte und selbstbestimmte Zukunft fördern und den Mädchen Mut machen, ihren eigenen Weg jenseits von Klischees zu gehen. 33 Projekte an Schulen in Nordrhein-Westfalen (NRW), Berlin und Rheinland-Pfalz werden bis zum Sommer 2022 mit finanziellen Mitteln, Vernetzungs- und Online-Angeboten sowie Fachveranstaltungen unterstützt. Mentorinnen aus der Arbeits- und Berufswelt begleiten die Mädchen während dieser Zeit und geben als Vorbilder Impulse. Länderübergreifend erhalten die pädagogischen Begleiter*innen Informationen zu gendersensibler Pädagogik und Berufsorientierung, damit sie ihr eigenes Verhalten reflektieren und sich mit anderen Pädagog*innen vernetzen können.

Projekte in drei Bundesländern
Das Spektrum der geförderten Projekte ist groß. Gemeinsam ist ihnen, dass Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren ihre Kompetenzen im digitalen und mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich erproben können und von der Planung über die Umsetzung bis hin zur Präsentation der Projektergebnisse alles selbst in die Hand nehmen. Nur von Mädchen umgeben, können sie sich ungeniert ausprobieren und Handlungsmut entwickeln. „Es ist wichtig, Mädchen zu stärken und sie auch auf dem Weg zu unterstützen, andere Berufe zu ergreifen, als es den Klischees entspricht. Selbstbewusstsein ist eine der wichtigsten Ressourcen, die wir unseren Kindern mitgeben können. Das Programm schafft einen geschützten Rahmen, in dem Mädchen gemeinsam ihre Potenziale entdecken und entwickeln können, um ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten“, meint Elke Büdenbender, Schirmherrin der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung und Patin von „Wir stärken Mädchen.“

Die Mädchen programmieren am Computer Roboter für den Einsatz in der Pflege, experimentieren in Laboren oder erschaffen gemeinsam mit Auszubildenden Handwerksstücke in Werkstätten. An der Blandine-Merten-Realschule in Trier (Rheinland-Pfalz) beispielsweise verwirklichen sie im Projekt „Mädchen für Mädchen: der BMR-Schulpodcast“ ihre eigenen Ideen. Sie entscheiden, welche Themen in den Folgen vorkommen, nehmen die Beiträge selbst auf und schneiden sie. Mit dem Podcast wollen sie ihre Mitschülerinnen erreichen und diese über das Schulleben und Themen aus den Bereichen Umwelt, Naturwissenschaft, Gesellschaft und Politik informieren. Erklärt werden u.a. naturwissenschaftliche Gesetze oder wie das Berufspraktikum verläuft.

Schülerinnen der Sekundarschule Wiehl (NRW) wiederum planen, konstruieren und programmieren ihren eigenen Wetterballon und schicken ihn in die Stratosphäre, damit er Daten und Bilder aufnimmt. Dabei lassen sie sich von außerschulischen Expert*innen, unter anderem des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums, beraten und geben ihr Wissen auch an andere Mädchen weiter. Junge Frauen des Werner-von-Siemens-Gymnasiums in Berlin haben sich in ihrem Projekt zum Ziel gesetzt, Forscherinnen, Entdeckerinnen und Influencerinnen aus dem Bereich MINT bekannt zu machen, indem sie diese in Kurzvideos vorstellen. Die Projektteilnehmerinnen gehen davon aus, dass sich Mädchen eher dazu entscheiden, einen Beruf im MINT-Bereich zu ergreifen, wenn sie mehr Frauen aus der Branche kennenlernen und von diesen selbst über ihre Arbeitsabläufe informiert werden.

Mentoring ist wichtig
„Frauen als Vorbilder“ ist zentraler Bestandteil des gesamten Programms „Wir stärken Mädchen“. Geplant ist die Bildung eines breiten Netzwerks von Expertinnen. Frauen, die haupt- oder nebenberuflich in einer von Frauen unterrepräsentierten Branche oder Position tätig sind, sollen als Mentorinnen ihre Erfahrungen teilen, Einblicke in ihren Werdegang sowie ihre Arbeitswelt geben und den Mädchen als Ansprechpartnerinnen für ihre Projekte zur Verfügung stehen. Mädchen und junge Frauen brauchen weibliche Vorbilder, die einen eigenen Weg gegangen sind, von deren Erfahrungen sie profitieren können. Das können Frauen aus der Geschichte sein, wie Ada Lovelace, die schon Mitte des 19. Jahrhunderts die systemische Verarbeitung von Informationen formulierte, vor allem aber junge Frauen, die nicht viel älter sind als sie selbst und ihnen Mut machen, neue Wege einzuschlagen. Louisa Fay zum Beispiel, Gewinnerin des Women’s Award 2020. Sie hat in ihrer Abschlussarbeit nach einem Algorithmus geforscht, der vorhersagen soll, ob bei Patient*innen mit schwarzem Hautkrebs eine Immuntherapie anschlagen könnte, die meist sanfter für den Körper ist als eine konventionelle Chemotherapie.

Impulsveranstaltungen und Mädchenstammtisch
Darüber hinaus wird es im Programmverlauf regelmäßig Impulsveranstaltungen und Mädchenstammtische geben. Bei regionalen Impulsveranstaltungen in Berlin, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz können sich die Projektteams untereinander austauschen, so neue Denkanstöße für ihre Projektarbeit erhalten und Rollenvorbilder persönlich kennenlernen. Zum Schuljahresende ist zudem eine überregionale Veranstaltung geplant, auf der die Mädchen den Stand ihrer Projekte vorstellen können.

In den offenen einstündigen Online-Mädchenstammtischen treten die Mädchen direkt miteinander in Austausch und vernetzen sich. Sie berichten sich gegenseitig über interessante weibliche Persönlichkeiten und stellen ihre Projekte vor. Beim ersten Mädchenstammtisch am 24. März 2021 kamen Mädchen aus den Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz zusammen und haben sich anschließend hochmotiviert direkt zum zweiten Stammtisch verabredet.






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Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 15.04.2021
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