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Bildung + Innovation Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Erschienen am 23.07.2020:

„Wir zeichnen Kitas und Bündnisse aus, für die Qualitätsentwicklung nie beendet ist.“

Deutscher Kita-Preis 2020

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Bildrechte: DKJS / F. Schmitt und A. Wendler

Am 16. Juni 2020 wurde der Deutsche Kita-Preis zum dritten Mal vergeben. Der Preis ist eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung mit Partnern und zeichnet insgesamt zehn Einrichtungen bzw. Bündnisse aus: Neben der „Kita des Jahres“ und dem „Lokalen Bündnis für frühe Bildung des Jahres“ werden jeweils auch vier Zweitplatzierte prämiert.


In der Kindertagesstätte PINGUIN in Aurich, Niedersachsen, lernen jeden Tag 150 Kinder nach dem forschenden Prinzip der Reggio-Pädagogik, 24 Mitarbeitende begleiten sie dabei als sie wertschätzende Ideengeber. Die Kinder sollen sich nach ihren individuellen Möglichkeiten entfalten und in Projekten lernen, die ihre unterschiedlichen Ausdrucksmöglichkeiten fördern. In der Kinderlernwerkstatt entdecken sie die Welt der Buchstaben und Schriftzeichen, in Musik- und Vorlese-Angeboten erleben sie die Vielfalt von Sprache, Rhythmus und Melodie, und im Kita-Atelier toben sie sich kreativ aus. Die Kita, seit fast 50 Jahren als Elterninitiative geführt, ist Teil des Familienzentrums Aurich, in dem sich Eltern und Kinder Hilfestellung holen können, und fungiert dabei als Vermittler und Unterstützer.

Der Kita-Preis 2020
Am 16. Juni wurde die PINGUIN Kindertagesstätte Aurich e.V. in einer digitalen Award-Show als Kita des Jahres 2020 ausgezeichnet. Der Deutsche Kita-Preis ist eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung in Partnerschaft mit der Heinz und Heide Dürr Stiftung, der Gisela-Sdorra-Stiftung, der Karg-Stiftung, dem Eltern-Magazin und dem Didacta-Verband. Er wird seit 2018 jährlich in den Kategorien „Kita des Jahres“ und „Lokales Bündnis für frühe Bildung des Jahres“ verliehen und ist mit insgesamt 130.000 Euro dotiert. Jeweils 25.000 Euro gehen an die Erstplatzierten und jeweils 10.000 Euro an die vier Zweitplatzierten in beiden Kategorien. Für den Deutschen Kita-Preis 2020 wurden insgesamt 1.529 Bewerbungen eingereicht, 1.389 in der Kategorie „Kita des Jahres“ und 140 in der Kategorie „Lokales Bündnis für frühe Bildung des Jahres“.

Gute Qualität weiterentwickeln

Die Auswahl der Preisträger erfolgt durch eine fachkundige, jährlich wechselnde Jury anhand von Kriterien, die den vier Qualitätsdimensionen Kindorientierung, Partizipation, Sozialraumorientierung und lernende Organisation zugeordnet werden. Danach geht der Preis an Kita-Teams und lokale Bündnisse, die im Zusammenspiel mit ihren Trägern, mit Eltern und mit Akteuren aus dem Umfeld der Kita gute Qualität kontinuierlich weiterentwickeln und sich dabei an den Bedingungen vor Ort orientieren, sich als lernende Organisation begreifen, ihr Handeln konsequent am Kind ausrichten, den unterschiedlichen Lebenswelten von Kindern und ihren Familien Rechnung tragen, den Sozialraum als Ressource in ihre Arbeit einbeziehen und Partizipation große Bedeutung beimessen. Dabei werden nicht nur Ergebnisse gewürdigt, sondern auch Prozesse. Einrichtungsleiterin Heike Klumbies, die dieses Jahr Mitglied der Jury war und mit ihrer Kita FABIDO in der Bornstraße in Dortmund 2019 den Kita-Preis erhalten hat, meint: „Durch den Deutschen Kita-Preis, der erstmalig 2018 in den Kategorien „Kita des Jahres“ und „Lokales Bündnis für frühe Bildung des Jahres“ verliehen wurde, bekam die Elementarbildung endlich einen Platz, an dem hochengagierte Fachkräfte die Würdigung bekamen, die sie schon lange verdient hatten. Selbst zu den Preisträgern zählen zu dürfen, hat unserem Netzwerk große Aufmerksamkeit geschenkt und uns in unserem Weg bestärkt, weiterhin jeden Tag unser Bestes zu geben, um die Kinder und Familien in unserem Quartier in ihren vielfältigen Belangen zu unterstützen. Zu sehen, welch hohe Qualität in deutschen Kitas und lokalen Bündnissen für frühe Bildung gelebt wird, begeistert mich! An diesem Prozess als Jurymitglied teilnehmen zu dürfen, ist mir eine große Freude und besondere Ehre.“

Die PINGUIN Kindertagesstätte Aurich
Was der Jury an der PINGUIN Kindertagesstätte Aurich besonders gut gefallen hat, ist, dass Erwachsene und Kinder sie zusammen so gestalten, dass sie sich jeden Tag in der Kita und miteinander wohlfühlen. Kinder erleben, dass sie mit ihren Ideen ernst genommen werden und etwas bewirken können. Sie bestimmen und gestalten ganz selbstverständlich mit. Sie folgen ihren Themen und Interessen und erfahren sich als kompetent und wirksam. Den Fachkräften wiederum gelingt es beispielhaft, zwei grundlegende Bedürfnisse von Kindern zu erfüllen: Sie können ungestört mit den Freundinnen und Freunden spielen und werden bei der Erkundung ihrer Welt von aufmerksamen Erwachsenen begleitet, die ihnen interessante Impulse geben. „Die Art und Weise, wie die Menschen in der Einrichtung und aus dem Umfeld zusammenwirken und gemeinsam die Qualität verbessern und das Konzept weiterentwickeln, entspricht in hohem Maße der Idee eines kompetenten Systems, in das Kinder, Eltern, Fachkräfte, Leitung und der Kita-Träger eingebunden sind“, so die Jury. „Alle Beteiligten verstehen sich als Lernende, die sich wertschätzend begegnen, ihre Visionen teilen, sich gegenseitig Impulse geben, ihr pädagogisches und organisationales Handeln fortlaufend reflektieren und sich selbst und die Kita zusammen weiterentwickeln.“

Zweitplatzierte in der Kategorie „Kita des Jahres“ sind die Kita Güstener Spatzen in Güsten (Sachsen-Anhalt), die Kita Rehefelder Straße in Dresden (Sachsen), die inklusive WABE-Kita Lauenburg (Schleswig-Holstein) und der Kindergarten St. Franziskus im Kirchtal, Benningen am Neckar (Baden-Württemberg).

Lokales Bündnis für frühe Bildung des Jahres 2020

Den ersten Platz in der Kategorie „Lokales Bündnis für frühe Bildung“ erhielt in diesem Jahr das Bündnis „Aus der Gereuth für die Gereuth“ in Bamberg (Bayern), Zweitplatzierte sind das Förderbündnis Familienzentrum Königsberg in Biebertal (Hessen), das Lokale Bündnis für Familie im Landkreis Uecker Randow, Torgelow (Mecklenburg-Vorpommern), das Kinder- und Jugendhaus Dorfen (Bayern) und das Bildungsnetz Heerstraße Nord - AG Frühe Förderung in Berlin-Spandau.

In Gereuth, einem Stadtteil Bambergs, ist seit 2017 ein Zusammenschluss aus zivilgesellschaftlichen Gruppen, Beratungsinstitutionen, dem katholischen Kindergarten St. Gisela, der Grundschule sowie Einrichtungen der Jugendhilfe aktiv. Die Arbeit des Bündnisses zeichnet sich dadurch aus, dass der Sozialraum nicht in die Kita geholt wird, sondern die Kita direkt in den Sozialraum hinein geht. Gemeinsam mit den dort lebenden Menschen will sie den täglichen Herausforderungen begegnen. Die Anwohner werden dazu angeregt, sich für den eigenen Stadtteil einzusetzen, es werden Ideen gesammelt und gemeinsam umgesetzt. So entstanden unter anderem schon Stadtteil- und Sommerfeste, auf denen sich die Anwohner kennenlernen konnten.

Beeindruckt hat die Jury auch, wie viel Wert in Gereuth auf die Kindorientierung und die Partizipation gelegt wird: Kinder werden nicht als hilfs- und unterstützungsbedürftig angesehen, sondern als Akteure, die mitreden, mitbestimmen und ganz konkret mitwirken können. Angebote werden hier nicht für sie, sondern mit ihnen gemeinsam gestaltet, und sie werden so als Zielgruppe konsequent in die Arbeit des Bündnisses mit einbezogen und in ihrer Selbstwirksamkeit gestärkt. Durch Gespräche, Befragungen und Kinderkonferenzen können sie ihre Themen einbringen. Auf diese Weise kamen bereits Kinderturnen und Eltern-Kind-Kochworkshops zustande. Die meisten Veranstaltungen sind kostenlos, und jeder ist willkommen. Wer nicht selbstständig oder alleine kommen kann, wird gerne auch abgeholt oder begleitet.




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Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 23.07.2020
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