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Bildung + Innovation Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Erschienen am 25.01.2018:

„Gegen Vorurteile sensibilisieren und demokratische Kompetenzen fördern.“

Vielfalt und Mitbestimmung in der Kita

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Bildrechte: Deutsches Kinderhilfswerk

Das Modellprojekt „bestimmt bunt – Vielfalt und Mitbestimmung in der Kita" des Deutschen Kinderhilfswerks verfolgt das Ziel, Kinder in der frühkindlichen Bildung gegen Vorurteile zu sensibilisieren und demokratische Kompetenzen zu fördern, um Tendenzen von Diskriminierung und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit im späteren Erwachsenenalter vorzubeugen.


Die Mitbestimmung der Kinder wird in der Kita „Bussi Bär“ in Magdeburg groß geschrieben. Die  Meinung der Kinder wird in viele alltägliche Situationen und Entscheidungen einbezogen: In der Cafeteria können sie aussuchen, mit wem sie, was und wann zu Mittag essen. Sie entscheiden selbst darüber, in welchen Räumen sie spielen und was sie anziehen, wenn sie rausgehen. Außerdem gibt es einen Beschwerdebriefkasten und eine Kindersprechstunde. Seit 2012 hat die Kita eine eigene Verfassung, in der die Partizipationsrechte der Mädchen und Jungen festgeschrieben und offengelegt sind.

Seit 2016 ist die Kita „Bussi Bär“ mit drei weiteren Kitas – der Kita „Fliederhof II“ in Magdeburg, der Kita „Hochkirchstraße" in Berlin-Schöneberg und der Kita „Kleine Weltentdecker“ in Berlin-Hellersdorf – an dem Modellprojekt „bestimmt bunt – Vielfalt und Mitbestimmung in der Kita“ des Deutschen Kinderhilfswerks beteiligt. Das Projekt verfolgt das Ziel, Kinder in der frühkindlichen Bildung gegen Vorurteile zu sensibilisieren und demokratische Kompetenzen zu fördern, um Tendenzen von Diskriminierung und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit im späteren Erwachsenenalter vorzubeugen.

Kinder bestimmen mit

In den vier Modell-Kitas erfahren die Kinder über einen Zeitraum von zwei Jahren (2016-2018) durch altersgerechte Mitbestimmungsmöglichkeiten im Kita-Alltag ihre Selbstwirksamkeit und erlernen spielerisch demokratische Prozesse. Gemeinsam mit den Erzieher/innen überlegen sie, wie sie sich in Alltagssituationen einbringen können, wie sie die Planung des Tages oder die Raumgestaltung mitentscheiden und -gestalten können. Denn auch wenn sie noch ziemlich jung sind, so wissen sie schon ganz genau, was sie spielen oder wohin sie den nächsten Ausflug unternehmen möchten. Indem sie an Mitbestimmungsprozessen beteiligt werden, lernen sie, Ideen zu formulieren, sich gemeinsam mit anderen auf eine Entscheidung zu einigen, zu entscheiden, wer welche Aufgaben übernimmt und welche festen Regeln gelten. „Kinder lernen Demokratie, indem sie Demokratie erleben. Konkret heißt das, ihren Anliegen Gehör zu verschaffen, ihnen Gelegenheit zu geben, ihre Interessen auszuhandeln und ihnen Stück für Stück mehr Verantwortung einzuräumen. Sie erfahren dadurch Selbstwirksamkeit und lernen andere Meinungen und Ansichten zu respektieren“, weiß Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes, aus langjähriger Erfahrung. Aber natürlich sind die ausgehandelten Vereinbarungen nicht für alle Zeiten festgeschrieben. Die Erzieherinnen und Erzieher stehen jeden Tag vor der Aufgabe, feinfühlig auf Veränderungswünsche der Kinder zu reagieren und gegebenenfalls weitere demokratische Prozesse zu aktivieren.

Vielfalt wertschätzen
In dem zweiten Schwerpunkt des Projekts geht es darum, die Vorschulkinder für Vorurteile zu sensibilisieren und gleichermaßen dagegen handlungsfähig zu machen, indem im Kita-Alltag ein Miteinander gefördert wird, in dem Vielfalt wertgeschätzt wird. Das Ziel einer solchen vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung ist, alle Kinder in ihrer eigenen Identität zu stärken und sie auf das Leben in einer heterogenen Gesellschaft vorzubereiten. Denn auch in ihrer Kita entdecken sie, dass jeder Mensch anders ist. Sie erkennen, dass Menschen unterschiedliche Haar- und Hautfarben und unterschiedliche Figuren haben und verschiedene Sprachen sprechen. Sie sehen, wenn jemand nicht laufen kann und einen Rollstuhl benötigt oder nicht spricht. Sie erkennen, dass einige Kinder mit Mama, Papa und Geschwistern aufwachsen, andere allein bei einem Elternteil, bei den Großeltern oder in Heimen. Im Rahmen des Projekts werden sie dazu angeregt, über Gerechtigkeit kritisch nachzudenken und dazu motiviert, aktiv gegen Unrecht und Diskriminierung vorzugehen. Sie lernen, dass alle Kinder die gleichen Rechte und das Recht auf die gleiche Behandlung haben, egal, welche Hautfarbe, Religion oder Sprache sie haben und ob sie Junge oder Mädchen sind. Die Erzieher/innen helfen ihnen dabei, indem sie die Lebensrealitäten der Kinder in den pädagogischen Alltag mit einbeziehen, jedem Kind in der Gruppe mit Respekt gegenübertreten und diesen auch weitervermitteln.

Fortbildung der Erzieher/innen
Damit Kinder in der Kita mitentscheiden können und Vielfalt wahrnehmen, ist eine partizipatorische und vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung der pädagogischen Fachkräfte Voraussetzung. Die Erzieher/innen schaffen die Basis für einen respektvollen Umgang miteinander und geben den Kindern den nötigen Freiraum. Deshalb steht bei dem Modellprojekt „bestimmt bunt – Vielfalt und Mitbestimmung in der Kita", das vom Bundesfamilienministerium im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ gefördert wird, die Fortbildung der Erzieher/innen in der ersten Projektphase im Mittelpunkt. Die Qualifizierungen der Kitas bzw. ihrer Mitarbeiter/innen in ihrer partizipatorischen und inklusiven vorurteilsbewussten Erziehungs- und Bildungsarbeit in den Feldern Lernumgebung, Interaktion mit Kindern, Zusammenarbeit mit Eltern sowie Zusammenarbeit im Team/ Kollegium erfolgt in Kooperation mit dem Institut für Partizipation und Bildung, Kiel, und der Fachstelle KINDERWELTEN für Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung, Institut für den Situationsansatz (ISTA), Berlin, von erfahrenen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. Diese bilden die pädagogischen Fachkräfte darin aus, die Entwicklung der demokratischen Kompetenzen bei Kindern zu fördern und das Aufwachsen der Kinder als tolerante, selbstwirksame und wertschätzende Individuen zu begleiten. Die pädagogischen Fachkräfte lernen zunächst ihr Know-how, das sie als Erzieherin bzw. Erzieher mitbringen, kritisch zu überprüfen und um ein Bewusstsein für Diversität wie auch für Diskriminierungs- und Anschlussrisiken zu ergänzen sowie ihre eigene Praxis im Kita-Alltag in Bezug auf Vorurteile und deren Auswirkungen zu reflektieren. Das stößt bei den Erzieher/innen auf großes Interesse. „Wir wollen lernen, wie wir und wo wir die Beteiligung der Kinder erhöhen und ermöglichen können. Es bestehen noch Ängste bei den Erzieher/innen, dies auf alle Bereiche auszudehnen. Wir wünschen uns Handwerkszeug für die praktische Arbeit, welches uns Anregungen und ein Stück Sicherheit in der praktischen Durchführung gibt“, meint Martina Junius, Leiterin der Kita „Kleine Weltentdecker“ in Berlin-Hellersdorf. Dazu gehört zum Beispiel auch, wie die Räume und Angebote in der Kita so gestaltet werden können, dass jedes Kind sich darin wiederfinden kann und alle Kinder eine Wertschätzung für ihre Sprache und Kultur erfahren, damit sie eine positive Identität aufbauen können.

Die zweite Projektphase

Zeitgleich zur ersten Phase (2016-2018) erarbeitet ein Expertenbeirat ein integriertes Fortbildungskonzept für einen Einstieg in die jeweiligen Themen, welches in der zweiten Phase des Projekts – ab Sommer 2018 – in sechs weiteren Kitas umgesetzt wird. Kitas, die ihre pädagogische Praxis inklusiv und demokratisch gestalten und zu den Themen Kinderrechte, vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung sowie Partizipation fachlich begleitet und qualifiziert werden möchten, können sich noch bis zum 31. Januar 2018 bewerben. Die Einrichtungen erhalten über einen Zeitraum von 18 Monaten neben einer fachlichen Beratung und vielfältigen Praxismaterialien eine kostenlose dreitägige Fortbildung für das gesamte pädagogische Team.

Das komplette Projekt wird begleitend evaluiert und filmisch dokumentiert. Die im Rahmen des Modellprojekts entwickelten Materialien und Umsetzungskonzepte werden auf der Website allen interessierten Kindertageseinrichtungen bundesweit kostenfrei zur Verfügung gestellt.


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Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 25.01.2018
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