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Bildung + Innovation Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Erschienen am 13.01.2022:

Barrierefreie Weiterbildung

Das Projekt agnes@work schafft Unterstützungsstrukturen für blinde und sehbehinderte Erwerbstätige

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Bildrechte: agnes@work

Mit agnes@work will der Deutsche Verein für Blinde und Sehbehinderte in Studium und Beruf (DVBS) sehbeeinträchtigte Berufstätige bei der Sicherung ihrer Arbeitsplätze und bei der Planung ihrer beruflichen Entwicklung unterstützen. Mit seinen Angeboten stellt er Barrierefreiheit am konkreten Arbeitsplatz her und bezieht neben den unmittelbar Betroffenen sämtliche Beteiligte wie Kolleg*innen, Arbeitgeber*innen und Leistungserbringer mit ein.


Technische und organisatorische Veränderungen am Arbeitsplatz stellen für Blinde und sehbehinderte Berufstätige meist eine große Herausforderung dar. Nicht immer sind adäquate Unterstützungsstrukturen vorhanden. Auch Weiterbildungsangebote stehen oft nicht barrierefrei zur Verfügung. Dadurch, dass sich insbesondere durch die voranschreitende Digitalisierung Arbeitsmittel und Arbeitsinhalte stetig ändern, wird Weiterbildung für die berufliche Weiterentwicklung und damit auch für Erfolg und Aufstieg im Beruf immer wichtiger. Berufsfachliche Angebote berücksichtigen aber nur selten die Bedarfe blinder und sehbehinderter Menschen, während barrierefreie Angebote inhaltlich weitgehend auf behinderungsspezifische Themen ausgerichtet sind.

Das Projekt agnes@work
Vor diesem Hintergrund hat der Deutsche Verein für Blinde und Sehbehinderte in Studium und Beruf (DVBS) im August 2020 sein neues, vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) aus Mitteln der Ausgleichsabgabe gefördertes, Projekt agnes@work gestartet. agnes@work steht für „Agiles Netzwerk für sehbeeinträchtigte Berufstätige - Beratungs- und Kompetenznetzwerk am Arbeitsplatz“. Angesichts der digitalen Transformation, die seit Beginn der Corona-Krise noch zügiger voranschreitet, soll damit die berufliche Teilhabe und inklusive Weiterbildung von blinden und sehbehinderten Berufstätigen gewährleistet werden. Dieses auf drei Jahre ausgelegte Vorhaben führt der DVBS zusammen mit Partnern, Leistungs- und Kostenträgern und in Kooperation mit dem Bundesweiten Kompetenzzentrum für Menschen mit Blindheit und Sehbehinderung durch.

Vorläuferprojekt iBoB
Schon in früheren Projekten hat der DVBS an der Erarbeitung von Kriterien für die Barrierefreiheit von Dokumenten und Anwendungen mitgewirkt. Mit dem Projekt iBoB - inklusive berufliche Bildung ohne Barrieren -, das im Februar 2020 auslief, wurden Anforderungen formuliert, die es blinden und sehbehinderten Menschen ermöglichen, ohne besondere Mühe und ohne fremde Hilfe an beruflichen Weiterbildungsmaßnahmen teilzunehmen. Alle Informationen und Inhalte einer Bildungsveranstaltung müssen ihnen ebenso wie nichtbehinderten Teilnehmer*innen vollständig verständlich und nutzbar zur Verfügung stehen. In dem Vorgängerprojekt iBoB wurde ein Anforderungsprofil entwickelt, das Anbieter*innen bei der Bewertung und Optimierung ihrer Bildungsangebote hinsichtlich der Barrierefreiheit unterstützt. Neben 20 Anforderungen enthält es konkrete Prüfanleitungen, sowie zahlreiche Beispiele und Praxistipps.
Ein zentraler Baustein des Projekts iBoB ist die bundesweit nutzbare barrierefreie Weiterbildungsplattform, die die unkomplizierte Suche nach barrierefreien beruflichen Weiterbildungen für blinde und sehbehinderte Menschen ermöglicht. Sie steht Interessierten weiterhin zur Verfügung und wird von agnes@work gepflegt.

Einbindung in die NWS-Strategie
Im Rahmen von agnes@work soll das Thema inklusive Barrierefreiheit in die Strukturen der Nationalen Weiterbildungsstrategie (NWS) der Bundesregierung eingebunden werden. Die Nationale Weiterbildungsstrategie (NWS) wurde 2019 von den Bundesministerien für Arbeit und Soziales sowie Bildung und Forschung ins Leben gerufen, um den wirtschaftlichen und technologischen Wandel in Bezug auf Arbeit 4.0 und die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung erfolgreich zu gestalten. Gemeinsam mit den Ländern und Partnern aus Wirtschaft, Bildung und mit den Sozialpartnern sollen in 10 Handlungsfeldern Weichen für die Zukunft gestellt werden.

Im Mittelpunkt der Unterstützungsangebote von agnes@work stehen die Anforderungen und Standards zu Barrierefreiheit und Inklusion bezüglich der Teilhabe von Beschäftigten mit einer Sehbehinderung an beruflicher Weiterbildung. Dafür bietet agnes@work eine Reihe von Leistungen an, wie die Beratung zur Barrierefreiheit von Weiterbildungsdatenbanken oder -plattformen, die Bereitstellung von Checklisten und Informationsmaterial bis hin zur Unterstützung bei der Erstellung und Umsetzung konkreter Bildungsangebote.

Multiprofessionelle Kompetenznetzwerke von Fachleuten

Ein zentrales Mittel, das im Projekt entwickelt wird, sind die Task Forces. Das sind multiprofessionelle Beratungs- und Kompetenznetzwerke, die agnes@work in Kooperation mit Bildungseinrichtungen, Berufsförderungswerken, Expert*innen für technische Hilfsmittel, Kostenträgern und der Rentenversicherung aufbaut und die bundesweit unmittelbar am Arbeitsplatz und im Arbeitsumfeld eines berufstätigen Menschen mit Blindheit oder Sehbehinderung zum Einsatz kommen. Beim Erarbeiten einer passgenauen Lösung berücksichtigen sie alle Aspekte im Betrieb oder der Abteilung. Sie analysieren das konkrete Arbeitsumfeld eines sehbeeinträchtigten Menschen und beraten qualifiziert zu Fragen der Barrierefreiheit am Arbeitsplatz. Dabei beantworten sie technische Fragen in Bezug auf Arbeitsgeräte und Hilfsmittel genauso wie solche, in denen es um Arbeitsabläufe und die Zusammenarbeit im Team geht. Diese multiprofessionellen Expertenteams bieten auch Schulungen an und beziehen sehbeeinträchtigte Menschen als Expertinnen und Experten mit ein und vernetzen sie.

Qualizierung und Weiterbildung

Daneben wendet sich agnes@work auch mit Seminaren an Akteur*innen der beruflichen Teilhabe. Die Angebote zur barrierefreien beruflichen Teilhabe von Beschäftigten mit einer Seheinschränkung sind inklusiv angelegt, sie beziehen neben den unmittelbar Betroffenen sämtliche Beteiligte wie Kolleg*innen, Arbeitgeber*innen, Leistungserbringer von Anfang an mit ein. Im Mittelpunkt steht die Förderung gemeinsamer Potenziale, um die Zusammenarbeit innerhalb eines diversen Teams zu entwickeln. In Präsenz- und Online-Kursen erfahren Interessierte zum Beispiel, wie sie Weiterbildungen für blinde und sehbehinderte Menschen barrierefrei anpassen können oder wie Betroffene die richtige Weiterbildung für sich finden. Auf der Internetplattform von agnes@work stehen alle Informationen und Materialien rund um die Themen berufliche Teilhabe und Barrierefreiheit in Bildung und Beruf zur Verfügung. Darunter sind auch die Handreichungen und Praxisleitfäden zur Gestaltung von Bildungsveranstaltungen und zur barrierefreien Aufbereitung von Lehrmaterialien auffindbar.

Im Verlauf des Projekts wird zudem ein Wiki erarbeitet, das alle Informationen zum Thema Beschäftigung und berufliche Weiterbildung von Beschäftigten mit einer Sehbeeinträchtigung bereithält und die Themenfelder Digitalisierung und Strukturwandel am Arbeitsplatz, Einstellung, Fördermöglichkeiten sowie Qualifizierung aufgreift.


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Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 13.01.2022
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