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Bildung + Innovation Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Erschienen am 14.10.2021:

„Gegenseitiger Respekt, Vielfalt und Teilhabe sind selbstverständlich.“

Indiwi lebt Inklusion

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Bildrechte: Indiwi

Die Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung Indiwi eröffnet Kindern und Jugendlichen in Berlin ein großes, außerschulisches Angebot. Das Besondere ist: Inklusion steht immer an erster Stelle, sodass Kinder mit und ohne Beeinträchtigung gemeinsam an allen Freizeitaktivitäten teilnehmen können - ob beim Sport oder bei Reisen ins europäische Ausland.


„Schnell, zu unserem Läufer!“, ruft ein Mädchen in die Menge. Mit „Pompfen“ bewaffnete Kinder rennen aufeinander zu, andere laufen dazwischen und verteidigen das Tor. Die Kinder schwitzen und sind begeistert. „Es macht so viel Spaß“, hört man sie rufen. Jeden Samstag können alle interessierten Kinder und Jugendlichen die Trendsportart Jugger auf dem Tempelhofer Feld in Berlin ausprobieren und mitspielen. Ausgerichtet wird das inklusive Sportangebot von Indiwi.

Indiwi
Indiwi ist eine innovative, offene und außerschulische Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung in Berlin-Kreuzberg. Seit ihrer Gründung im Jahr 1993 unterstützt die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft die Einrichtung mit der Überzeugung: „Das Integrationsprojekt (Indiwi) ist in dieser Form einmalig in Berlin.“ Hier wird Inklusion praktiziert und gelebt. Die angebotenen Projekte und Aktionen sind für alle jungen Menschen ab fünf Jahren offen, unabhängig davon, ob sie eine Beeinträchtigung haben oder nicht. „Inklusion ist der Dreh- und Angelpunkt unseres Engagements“, so das Team der mehrfach ausgezeichneten gemeinnützigen Einrichtung. Gegenseitiger Respekt, Vielfalt und Teilhabe sind selbstverständlich. Inklusion wird als sozialer Prozess verstanden, in dem jeder Mensch so anerkannt wird, wie er ist. Stärken werden hervorgehoben und jede*r in der eigenen Persönlichkeit und Entwicklung gefördert. Alle lernen Verantwortung für sich und ihre Mitmenschen zu übernehmen. Die Teilnehmenden üben, sich kritisch mit Themen auseinanderzusetzen, eine eigene Meinung zu bilden und Entscheidungen zu treffen.

Ein breites Angebot
Durch die finanzielle Förderung von Stiftungen und der Berliner Senatsverwaltung ist es Indiwi möglich, zahlreiche Aktionen anzubieten. Die Angebote sind vielfältig, inklusiv und überwiegend kostenlos. Dazu gehören Sport- und Bewegungsangebote, Spielenachmittage, die Erstellung von Podcasts und eine Kunstwerkstatt, in der auch mit Holz gearbeitet wird. Außerdem gibt es eine inklusive Band, in der jede*r Instrumente ausprobieren und spielen kann, Ausflüge durch Berlin oder inklusives Basketball.

Eins der Sportangebote ist Jugger. Bei dem gemischtgeschlechtlichen Teamsport geht es darum, den Spielball (Jugg) zu erobern und so oft wie möglich in das gegnerische Tor (Mal) zu bringen. In jedem Team kann nur ein*e Spieler*in - der Läufer oder die Läuferin - mit dem Spielball ein Tor erzielen. Die anderen Spieler*innen - die Pompfer*innen - gehen mit gepolsterten Sportgeräten gegeneinander vor, um das gegnerische Team am Punkten zu hindern und kämpfen „ihrem*r Läufer*in“ den Weg frei. Gekämpft wird mit selbstgemachten, mit Schaumstoff gepolsterten Waffen, den sogenannten „Pompfen.“ Jugger bietet sich vor allem wegen der Rollenverteilung als inklusiver Sport an, denn hier werden verschiedene Fähigkeiten gebraucht. Es gibt keine unbedeutende Position. Jede*r ist wichtig und alle müssen miteinander kommunizieren. Wichtiger als das individuelle Können ist die Teamarbeit. Auch bei dem Bau der Pompfen sind die Spieler*innen eines Teams aufeinander angewiesen.

Für eine gemeinsame Bewegung in Richtung inklusive Gesellschaft
Ein weiteres Angebot von Indiwi ist movinBerlin. Das von der Aktion Mensch geförderte Projekt basiert auf einem Sport- und Bewegungsnetzwerk, in dem rund 20 Partner*innen aus Kinder- und Jugendeinrichtungen, Sport, Kultur und Politik mitwirken. Sie laden Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 27 Jahren dazu ein, in inklusiven Bewegungsangeboten die eigenen Grenzen auszuloten. Das können ein Tanzkurs im Jugendclub, Fußball oder Boxen im Sportverein, Bogenschießen im Park, Schach in der Schule oder Segeln sein, solange gewährleistet ist, dass die Angebote für alle jungen Menschen gleichberechtigt zugänglich sind, unabhängig von deren individuellen Voraussetzungen, Eigenheiten und Bedürfnissen.

Viele Jugendliche mit Handicap trauen sich oft nicht, die Regelangebote von Sportvereinen wahrzunehmen oder wissen erst gar nicht, welche Angebote es dort für sie gibt. Nicht immer sind auch bei movinBerlin alle Sportangebote wirklich für alle geeignet. Aber es geht darum, Inklusion so machbar wie möglich zu gestalten. Das Ziel des berlinweiten Netzwerks liegt in der Förderung der Gleichberechtigung für Menschen mit und ohne Behinderung. Indiwi und ihre Partner*innen wollen unkomplizierte Begegnungen von unterschiedlichsten Kindern und Jugendlichen ermöglichen, Freude an gemeinsamer Bewegung vermitteln, gesundheitliche Prävention und Inklusion nachhaltig verankern. Das Netzwerk bietet den teilnehmenden Einrichtungen auch Fortbildungen und Beratungen an, in denen sie Berührungsängste abbauen können und erfahren, wie Barrierefreiheit in den Einrichtungen z.B. auch baulich ermöglicht werden kann.

Reisen ins In- und Ausland
Indiwi führt außerdem das ganze Jahr über verschiedene Reisen ins In- und Ausland durch. Allen gemein sind die Inklusion, der Bezug zur Natur, kooperative Elemente und die enge und persönliche Elternarbeit. Jede*r kann bei jeder Reise mitfahren, die einzige Einschränkung betrifft die Altersspanne der Teilnehmenden. Indiwi kümmert sich immer um eine angemessene Betreuung, die sich an den Bedürfnissen jedes einzelnen Teilnehmers und jeder Teilnehmerin orientiert.
In den Schulferien werden inklusive Outdoorreisen angeboten. Es wird im Elbsandsteingebirge geklettert und auf der Mecklenburgischen Seenplatte Kanu gefahren. In Schweden findet ein richtiger „Survival“-Urlaub statt. Von einem kleinen Dorf namens Sinnerbo in Småland ausgehend, durchquert die ganze Gruppe die Region in Kanus oder zu Fuß mit dem Gepäck auf dem Rücken. In Kleingruppen wandern die Teilnehmenden mehrere Tage in einem Umkreis von 60 Kilometern von See zu See, schlagen Zelte auf und kochen abends gemeinsam über dem Lagerfeuer. Auch Rollstuhlfahrer*innen und Kinder mit anderen Beeinträchtigungen nehmen teil. Dabei versorgen sie sich selbst, ohne jeden Luxus. Das stärkt die Selbstständigkeit, das Selbstwertgefühl und gibt allen Kraft für eine inklusive Zukunft.




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Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 14.10.2021
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