Suche

Gebärdensprache DGS-Button Leichte Sprache LS-Button
Erweiterte Suche

Ariadne Pfad:

Inhalt

Bildung + Innovation Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Erschienen am 27.08.2020:

„Change, not Charity - sozialer Wandel, nicht Wohlfahrt.“

Die Ziele und Projekte der Frauenstiftung filia

Bild

Bildrechte: filia.die frauenstiftung

Die Frauenstiftung filia fördert Mädchen und junge Frauen weltweit in ihrem Recht auf Selbstbestimmung und in ihrer Teilhabe an der Gesellschaft. Mit dem MädchenEmpowermentProgramm unterstützt sie Projekte in Deutschland, die Mädchen und junge Frauen selbstständiger, stärker und freier machen. Ein Mädchenbeirat entscheidet, welche Projekte umgesetzt werden.


Die Frauenbewegung hat im letzten Jahrhundert viel erreicht, trotzdem gibt es noch keine vollständige Gleichberechtigung von Mann und Frau. Die Frauenstiftung filia hat sich deshalb die Förderung von Frauen und Mädchen zum Programm gemacht. Sie unterstützt insbesondere Projekte zu den Schwerpunkten „Partizipation“ und „Freiheit von Gewalt“ in Deutschland und weltweit.

filia.die frauenstiftung
filia.die frauenstiftung wurde 2001 von neun Frauen in Wiesbaden gegründet. Sie wurde nach dem Prinzip der Gemeinschaftsstiftung gebildet, damit sich so viele wie möglich an der Stiftung beteiligen können, um die Welt im Interesse von Frauen und Mädchen zu verbessern. 2004 wurde die Geschäftsstelle nach Hamburg verlegt. Die Stiftungsgründerinnen teilen die Vision von einer gerechten, menschenwürdigen und vielgestaltigen Welt, zu der Frauen Entscheidendes beizutragen haben. Frauen und Mädchen sollen überall auf der Welt bessere Chancen erhalten, damit sie ihr Leben selbstbestimmt gestalten können. filia kämpft deshalb für einen sozialen Wandel im Interesse von Frauen und Mädchen und unterstützt weltweit Frauen und Mädchen darin, ihre Rechte einzufordern, Entscheidungsmacht zu bekommen und Ressourcen gerechter zu verteilen. „Change, not Charity – sozialer Wandel, nicht Wohlfahrt“ ist das Ziel. Benachteiligende gesellschaftliche Strukturen sollen aufgebrochen werden. Getreu ihrem Motto „Geld verwandeln - Frauen stärken - Welt verändern“ sieht die Stiftung ihre Mission darin, Mittel zur Verfügung zu stellen und diese zu „verwandeln“, indem sie in Aktivitäten von Frauen und Mädchen für Frauen und Mädchen weltweit investiert werden.

Frauenförderung

filia versteht sich als Tochter der Frauenbewegung und ist seit ihrer Gründung Teil der weltweiten Frauenstiftungsbewegung. Sie hat viele Kontakte zu Frauenorganisationen aufgebaut und unterstützt deren Aktivitäten. Sie engagiert sich darüber hinaus im Netzwerk Prospera, das über 30 Frauenstiftungen aus allen Erdteilen miteinander vernetzt, und in awid, ein ebenfalls weltweites feministisches Netzwerk, das 5.000 Aktivistinnen, Forscherinnen und Geldgeberinnen aus über 160 Ländern miteinander verbindet.

filia setzt sich besonders für die Teilhabe von Mädchen und jungen Frauen an der Zivilgesellschaft ein und fördert Aktivitäten von Frauen und Mädchen zu den Themen „Freiheit von Gewalt“ und „Partizipation“. Gefördert werden ausschließlich Projekte von eingetragenen Frauen- und Mädchenorganisationen, in denen Frauen und Mädchen ihre Perspektive sichtbar machen, ihre Rechte lautstark vertreten und mitbestimmen wollen. filia ist sicher: Frauen und Mädchen wissen selbst, was sie benötigen und wie sie die Welt verändern wollen. Sie sind Expertinnen für ihre eigene Situation, sie können Ideen, Aktivitäten und Strukturen zur Verbesserung der Chancengerechtigkeit für sich und alle Menschen selbst entwickeln. Deshalb unterstützt filia diese Ideen und Projekte von Frauen und Mädchen und lädt alle Frauen und Mädchen ein, mitzudiskutieren und mitzubestimmen. Die Stiftung ist aber vor allem für diejenigen Frauen und Mädchen da, die aufgrund verschiedener Ursachen mehrfach benachteiligt werden: „In besonderer Weise fühlen wir uns den Frauen verpflichtet, die nicht nur aufgrund ihres Geschlechts, sondern auch wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft oder ihrer sexuellen Orientierung Diskriminierungen ausgesetzt sind.“ Ebenso wie ältere Frauen und Frauen mit Behinderungen.

Alle Projekte, die von filia gefördert werden, haben gemeinsam, dass sie Mädchen und/oder junge Frauen fördern, die mehrfach diskriminiert werden. Sie sollen in den Projekten ihre Rechte erfahren, lernen, was sie selbstständiger und freier macht und wie sie sich sicht- und hörbar machen können.

Projekte weltweit und in Deutschland
filia ermöglichte bisher rund 400 selbstbestimmte Aktivitäten und Projekte von Frauen und Mädchen in 40 Ländern in verschiedenen Teilen der Welt. Ungefähr 80 Prozent ihrer Mittel fließen an Projekte weltweit, größtenteils nach Mittel-Ost-Europa und in Länder des Südens, 20 Prozent der Fördergelder gehen an Mädchenprojekte in Deutschland.

In den Regionen Mittel- und Osteuropa (MOE) und im Globalen Süden (GS) hat filia langfristige Partnerschaften mit Frauenorganisationen und -stiftungen aufgebaut, deren Projekte sie unterstützt. filias Partnerinnen führen z. B. Kampagnen gegen häusliche Gewalt in ländlichen Regionen in Georgien durch, setzen sich für Flüchtlinge auf den Straßen von Belgrad in Serbien ein, unterstützen junge Frauen in der Ukraine dabei, eigene Perspektiven zu entwickeln, und bestärken Frauen in Goražde in Bosnien und Herzegowina darin, ihre Sicht auf lokalpolitische Probleme öffentlich zu vertreten.

In Deutschland hat filia ein MädchenEmpowermentProgramm aufgelegt. „Mädchen zu empowern erfordert ihre aktive Einbeziehung in Entscheidungsprozesse“, heißt es in der UN-Resolution vom 19. Dezember 2011 zum internationalen Mädchentag. Das MädchenEmpowermentProgramm (MEP) von filia will daran etwas ändern, dass Mädchen ihre Potenziale oft nicht ganz entfalten und ausleben. Seit 2012 fördert filia deutschlandweit Projekte, die es Mädchen und jungen Frauen ermöglichen, mit Verantwortung und Geld umzugehen, sich gegen Übergriffe zu wehren, neue Fähigkeiten zu erlernen und auszuprobieren und selbstbewusst in Führung zu gehen; ein Mädchenbeirat entscheidet mit, welche Projekte umgesetzt werden.

Das MädchenEmpowermentProgramm

Kinder und Jugendliche sind in Deutschland zwar oft Zielgruppe von Stiftungen – kaum eine bezieht sie aber als Entscheider*innen mit ein. Bei filia hingegen entscheidet ein Mädchenbeirat, bestehend aus jungen Frauen zwischen 14 und 24 Jahren, die verschiedene Diversitätskriterien erfüllen, einmal im Jahr über die Förderung von Mädchenprojekten. Der Mädchenbeirat wurde als Modellprojekt von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes gefördert. Seit 2018 unterstützt Benefit Cosmetics im Rahmen ihrer Kampagne BOLD IS BEAUTIFUL das MädchenEmpowermentProgramm. Allein bis 2016 haben 28 Mädchen und junge Frauen aus neun verschiedenen Bundesländern über 162.424 Euro Fördermittel für 35 Projekte von und für Mädchen und junge Frauen in 18 verschiedenen Städten in Deutschland entschieden. „Die Welt zu verbessern und tolle Projekte zu fördern, ist etwas Großartiges. Deshalb habe ich mich für den Mädchenbeirat beworben. Ich weiß, dass man nicht alles in der Welt verbessern kann. Aber wenigstens ein bisschen“, meint Paloma, 22 Jahre alt, die erste Rollstuhlfahrerin im Mädchenbeirat.

Zu den geförderten Projekten des Jahres 2019 zählt zum Beispiel „Say no to FGM! Mein Körper gehört mir!“ der Maisha e.V – Selbsthilfegruppe afrikanischer Frauen in Deutschland. Diesem Projekt geht es darum, afrikanische Mädchen in Bezug auf den eigenen Körper sowie die eigene Unversehrtheit weiterzubilden, insbesondere bezüglich FGM (Female Genital Mutilation). Die Mädchen und jungen Frauen sollen zu Gesundheitsmediatorinnen und Vorbildern werden und ihr Wissen in ihren Communities weitergeben. Ein anderes Projekt ist „24 Stunden Vertrauensraum“ der Organisation Feuervogel e.V. Bei diesem Projekt verbringen Mädchen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben, zwei Wochenenden in einem geschützten Raum miteinander, um sich mit dem eigenen Körper, Achtsamkeit, Musik und Gefühlen auseinanderzusetzen. Sie sollen lernen, aus dem Gefühl der Ohnmacht und der Opferrolle herauszutreten.

Das MädchenEmpowermentProgramm will Mädchen und jungen Frauen aber auch Sichtbarkeit und Stimme geben: Bei Veranstaltungen, wie zum Beispiel beim Deutschen Stiftungstag 2019, sowie in Radiointerviews und Fernsehsendungen sprechen die Mädchenbeirätinnen für sich selbst, denn sie können ihre eigene Perspektive am wirkungsvollsten vertreten.

EmpowermentProgramm Frauen & Flucht

Durch erfolgreiches Fundraising ist es filia gelungen, neben dem MädchenEmpowermentProgramm einen weiteren Förderschwerpunkt in Deutschland zu ermöglichen: das neue EmpowermentProgramm Frauen & Flucht. Fast 50 Prozent der in Deutschland lebenden Geflüchteten sind Frauen und Mädchen. Geflüchtete Frauen stehen oft vor großen Hürden wie einem unsicheren Aufenthaltsstatus, unangemessenen Unterkünften, einem eingeschränkten Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung und Arbeitsmarkt. Viele Frauen erleben außerdem geschlechtsspezifische Traumata, sind sexueller Belästigung und Gewalt ausgesetzt.
filia möchte durch die Förderung von Projekten von und mit geflüchteten Frauen und ihren migrantischen und deutschen Verbündeten die Stärkung von Selbstorganisation und gesellschaftlicher Mitbestimmung von Frauen mit Fluchterfahrung in Deutschland erreichen.



Ihr Kommentar zu diesem Beitrag. Dieser Beitrag wurde bisher nicht kommentiert.

 Weitere Beiträge in „Bildung + Innovation“.

Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 27.08.2020
© Innovationsportal

Die Übernahme von Artikeln und Interviews - auch auszugsweise und/oder bei Nennung der Quelle - ist nur nach Zustimmung der Online-Redaktion von Bildung + Innovation erlaubt.

Die Redaktion des Online-Magazins Bildung + Innovation arbeitet journalistisch frei und unabhängig. Die veröffentlichten Beiträge bilden u. a. auch interessante Einzelmeinungen zum Bildungsgeschehen ab; die darin zum Ausdruck gebrachte Meinung entspricht nicht notwendig der Meinung der Redaktion oder des DIPF.

Inhalt auf sozialen Plattformen teilen (nur vorhanden, wenn Javascript eingeschaltet ist)