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Bildung + Innovation Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Erschienen am 28.05.2020:

„Der persönliche Kontakt begünstigt die Entscheidung.“

Programm sucht Lehrkräfte für ländliche Regionen

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Bildrechte: Perspektive Land

In ländlichen Regionen führt der Lehrermangel zu einer Gefährdung der Unterrichtsqualität. Mit dem ideellen und finanziellen Unterstützernetzwerk „Perspektive Land“, einem Programm der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS), gefördert durch das Sächsische Staatsministerium für Kultus, sollen Lehramtsstudierende für den späteren Einsatz in ländlichen Regionen Sachsens begeistert werden.


In Sachsen geht bis 2025 die Hälfte der Lehrkräfte in den Ruhestand, während gleichzeitig die Schülerzahlen steigen. Mit Ausnahme von Dresden, Leipzig und den angrenzenden Gemeinden werden dann in allen Regionen Lehrkräfte fehlen. Schon jetzt ist der Anteil von Seiteneinsteigern groß. Insbesondere in ländlichen Regionen führt der Lehrermangel zu verstärktem Unterrichtsausfall und einer Gefährdung der Unterrichtsqualität.

Das Sachsenstipendium
Aus diesem Grund führte das Sächsische Staatsministerium für Kultus 2015 das Sachsenstipendium ein. Lehramtsstudierende erhielten 300 Euro monatlich, wenn sie sich verpflichteten, später in Bedarfsregionen zu arbeiten. Damit wollte man angehende Lehrerinnen und Lehrer schon während des Studiums an den ländlichen Raum binden und auf ihre spätere Tätigkeit in einer Bedarfsregion vorbereiten. Neben dem finanziellen Zuschuss erhielten die Stipendiaten auch eine ideelle Förderung. Die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) bot ein umfangreiches Unterstützungs- und Vernetzungsangebot für Lehramtsstudierende der Schularten, die besonderen Bedarf an Lehrkräften haben. Durch themenbezogene Seminare, Hospitationen und Austauschformate sowie mit einer individuellen Begleitung an der Universität und in der zukünftigen Einsatzregion konnten die Studierenden Ideen für ihre zukünftige Arbeit entwickeln und dazu beitragen, dass alle Kinder und Jugendlichen in Sachsen, unabhängig von ihrem Wohnort, gleichwertige Chancen auf gute Bildung haben. „Während wir anfangs annahmen, dass Geld locken würde, hat sich das Unterstützernetzwerk als viel wirkungsvoller erwiesen“, erklärt Kultusminister Christian Piwarz. Das bestätigt auch die DKJS. „Übereinstimmend berichten Studierende, dass insbesondere der persönliche Kontakt zu den Kollegien an den ländlichen Schulen und zu den Verantwortlichen der Schulaufsicht ihre Entscheidung, zukünftig in einer Bedarfsregion unterrichten zu wollen, begünstigt“, sagt Christoph Anders, Regionalleiter der DKJS in Sachsen.

„Perspektive Land“
Seitdem wurde das Sachsenstipendium weiterentwickelt und nennt sich jetzt „Perspektive Land“. Auch unter dem neuen Namen möchte es dazu beitragen, Schulen in ländlichen Regionen für Lehramtsstudierende attraktiver zu machen, damit junge Menschen in ganz Sachsen gleichwertige Bildungschancen haben. Deshalb wird allen angehenden Lehrerinnen und Lehrern im Rahmen des Programms auch weiterhin das Unterstützernetzwerk angeboten. Sie erhalten in ganz- oder halbtägigen Seminaren, Fortbildungen und Akademien thematische Impulse, lernen das Lehramtsstudium ergänzende Themen kennen oder vertiefen bereits Bekanntes praxisnah. Dafür wurden zusätzliche Außenstellen der Ausbildungsstätten Dresden und Chemnitz in Löbau und Annaberg-Buchholz eingerichtet. In Exkursionen und Hospitationsreisen gewinnen die Studierenden außerdem Einblicke in die Schulkonzepte der Schulen im ländlichen Raum und bauen Kontakte auf. Neu ist aber, dass Referendarinnen und Referendare, die ihren Vorbereitungsdienst in ländlichen Regionen - alle Regionen in Sachsen außerhalb der Ballungszentren Leipzig und Dresden - absolvieren, anstelle eines Stipendiums in Höhe von 300 Euro neben dem Anwärtergrundbetrag von derzeit knapp 1.500 Euro zusätzlich einen Anwärtersonderzuschlag in Höhe von bis zu 1.000 Euro monatlich bekommen. „Der Zuschlag zielt in die gleiche Richtung wie das Stipendium, kann jedoch eine deutlich stärkere Wirkung erzielen als das Stipendienprogramm“, hofft Kultusminister Christian Piwarz. Die Referendarinnen und Referendare verpflichten sich zudem, nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung für fünf Jahre an einer öffentlichen oder freien Schule im ländlichen Raum in Sachsen zu arbeiten. Dazu erhalten sie nach Bestehen des Zweiten Staatsexamens vom Landesamt für Schule und Bildung ein Einstellungsangebot mit möglichen Einsatzschulen.

Schulen der Bedarfsregionen, die auf sich aufmerksam machen möchten, präsentieren sich den Lehramtsstudierenden bereits an den Universitäten oder stellen sich auf der Homepage von „Perspektive Land“ vor. Auf einer Übersichtskarte findet man neben allgemeinen Informationen zur jeweiligen Schule auch Hinweise auf die Schulumgebung, die Schulkonzepte, das besondere Engagement der Schulen sowie zu möglichen Hospitationen.

Vorteile des Landlebens

Die Regionen außerhalb der Ballungsräume bieten gerade jungen Lehrerinnen und Lehrern eine gute berufliche und wirtschaftliche Perspektive. Die Schulen in den Landkreisen und Gemeinden sind gut ausgestattet, schon Berufseinsteiger erhalten in der Regel sehr gute Arbeitsbedingungen mit hervorragenden Gestaltungsspielräumen. Außerdem bietet Sachsen auch außerhalb von Dresden, Leipzig und Chemnitz eine vielfältige Kultur- und Musiklandschaft sowie abwechslungsreiche Sport- und Freizeitangebote. Die Lebensqualität ist also hoch, der Lebensunterhalt dafür deutlich günstiger, Mieten oder Wohneigentum sind nicht so teuer wie in den Städten, zudem gibt es ausreichend Kita-Plätze für eigene Kinder.

Damit Studierende sich ein Bild von der Attraktivität ländlicher Schulstandorte machen können, können sie neben den Hospitationen auch ihre Schulpraktika dort absolvieren. Für Fahrt- und Unterkunftskosten können sie über die Homepage finanzielle Unterstützung beantragen. Wer ein Praktikum oder einen Vorbereitungsdienst in einer ländlichen Region absolvieren möchte, aber noch Fragen hat, kann sich außerdem an einen der „Local Peers“ wenden. Das sind junge Lehrerinnen und Lehrer, die den Sprung in die sächsischen Regionen bereits gewagt haben und die man anschreiben oder auch treffen kann.

 

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Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 28.05.2020
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