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Bildung + Innovation Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Erschienen am 23.04.2020:

„Heute an morgen denken.“

Das Weltaktionsprogramm „Bildung für nachhaltige Entwicklung“

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Bildrechte: Vereinte Nationen

Die Vereinten Nationen haben im September 2015 die globale Nachhaltigkeitsagenda verabschiedet, nach der eine friedliche und nachhaltige Gesellschaft gestaltet werden soll. Das UNESCO-Weltaktionsprogramm „Bildung für nachhaltige Entwicklung“, das sich für die Umsetzung der Agenda einsetzt, hat zum Ziel, Bildung für nachhaltige Entwicklung in allen Mitgliedsländern strukturell zu verankern. In diesem Jahr wird das auslaufende Programm von dem Nachfolger „ESD for 2030“ abgelöst und fortgeführt.


Mit der Vision, eine friedliche und nachhaltige Gesellschaft zu gestalten, haben die Vereinten Nationen im September 2015 die globale Nachhaltigkeitsagenda verabschiedet. 17 Ziele nachhaltiger Entwicklung - die Sustainable Development Goals (SDGs) - bilden den Kern der Agenda und fassen zusammen, in welchen Bereichen nachhaltige Entwicklung verankert und gestärkt werden muss. Dazu gehören etwa nachhaltiger Konsum und nachhaltige Produktion oder Geschlechtergerechtigkeit. Qualitativ hochwertige Bildung ist eine wichtige Grundbedingung für das Erreichen dieser Ziele. Das globale Nachhaltigkeitsziel 4 will „bis 2030 für alle Menschen inklusive, chancengerechte und hochwertige Bildung sicherstellen sowie Möglichkeiten zum lebenslangen Lernen fördern“. Bildung für nachhaltige Entwicklung wird im Unterziel 4.7 der SDGs erstmals als eigenständiges Handlungsfeld definiert und ist zugleich ein wichtiger Treiber für die gesamte Agenda 2030. Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) will eine gerechte und nachhaltige Welt schaffen und Menschen dazu befähigen, zukunftsfähig zu denken und zu handeln, die Auswirkungen des eigenen Handelns zu verstehen und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen. Die Lebensweise in vielen Industrieländern ist durch hohen Konsum, Ressourcennutzung, Energieverbrauch, Verkehrsaufkommen und Abfallmengen geprägt. Die Menschen sollen beurteilen können, was vermeidbar ist, ohne die Entwicklung eines Landes zu stark einzuschränken und wie Menschen und Staaten sich weiter entwickeln und Wachstum erzielen können, ohne dabei anderen Menschen und Staaten weder jetzt noch in nachfolgenden Generationen die Lebensgrundlage zu entziehen. Bildung für nachhaltige Entwicklung will Menschen die Kompetenzen vermitteln, ihr eigenes Umfeld selbst zu gestalten.

Das Weltaktionsprogramm „Bildung für nachhaltige Entwicklung“
Das ebenfalls 2015 gestartete fünfjährige UNESCO-Weltaktionsprogramm „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ hat zum Ziel, langfristig eine systemische Veränderung der Bildungssysteme zu bewirken und Bildung für nachhaltige Entwicklung strukturell zu verankern. Damit leistet es einen wesentlichen Beitrag zur Agenda 2030. Es unterstützt weltweite Aktivitäten, um Bildung und Lernen so zu gestalten, dass jeder die Möglichkeit hat, sich das Wissen, die Fähigkeiten, Werte und Einstellungen anzueignen, die erforderlich sind, um zu einer nachhaltigen Entwicklung beizutragen.

Das Programm baut auf den Erfolgen der abgeschlossenen UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ auf, die von 2005 bis 2014 andauerte. Die UN-Dekade hat nicht nur das Bewusstsein für BNE geschärft, sondern auch weltweit Akteure mobilisiert, eine Plattform für internationale Zusammenarbeit geschaffen und zur Koordinierung der relevanten Stakeholder auf nationaler Ebene beigetragen.

Ziel des Weltaktionsprogramms
Das Weltaktionsprogramm (WAP) verfolgt eine doppelte Strategie: Einerseits soll nachhaltige Entwicklung in die Bildung integriert werden und andererseits Bildung in die nachhaltige Entwicklung: Es soll eine Neuorientierung von Bildung und Lernen stattfinden und zugleich eine Stärkung der Rolle von Bildung erfolgen. Das BNE-Konzept soll in die einschlägigen Bereiche der Politik integriert werden, die Nachhaltigkeitsprinzipien von BNE in sämtlichen Bildungs- und Ausbildungskontexten verankert werden, die Kompetenzen von Erzieher/inne/n und Multiplikator/inn/en im Bereich BNE gestärkt werden, weitere BNE-Maßnahmen speziell für Jugendliche entwickelt werden und die Ausweitung der BNE-Programme und -Netzwerke auf der Ebene von Städten, Gemeinden und Regionen erfolgen.

Umgesetzt wird das Programm auf internationaler, regionaler, subregionaler, nationaler, subnationaler und lokaler Ebene. Dabei liegt der Fokus global vor allem auf den Gruppen, die besonders von den negativen Auswirkungen nicht-nachhaltiger Entwicklung betroffen sind. Dazu gehören vor allem Mädchen und Frauen, die Small Island Developing States sowie der Kontinent Afrika.

Die Nationale Plattform Bildung für nachhaltige Entwicklung
Die Bundesregierung beteiligt sich am Weltaktionsprogramm, das federführende Ressort ist das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Es hat eine Nationale Plattform und begleitende Gremien zur Umsetzung des WAP eingerichtet, die am 29. September 2015 von der ehemaligen Bundesministerin für Bildung und Forschung, Prof. Dr. Johanna Wanka, einberufen wurden. Neben dem Vorsitzenden Christian Luft, Staatssekretär im BMBF, gehören 39 Entscheidungsträger und Entscheidungsträgerinnen aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft dem Gremium an. Die Fachforen frühkindliche Bildung, Schule, berufliche Bildung, Hochschule, Non-formales- und informelles Lernen/Jugend sowie Kommunen fungieren als beratende Arbeitsgremien. Sie arbeiten eng mit zehn Partnernetzwerken zusammen, die Akteure untereinander vernetzen und Impulsgeber für die Umsetzung vor Ort sind. Zu wissenschaftlichen Fragen wird die Nationale Plattform beraten von Professor Dr. Gerhard de Haan, Freie Universität Berlin, zu internationalen Fragen von Minister a.D. Walter Hirche, ehemaliger Präsident der Deutschen UNESCO-Kommission.

Inhalte des Nationalen Aktionsplans Bildung für nachhaltige Entwicklung
Im Juni 2017 hat die Nationale Plattform den Nationalen Aktionsplan zur Umsetzung des UNESCO-Weltaktionsprogramms „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ verabschiedet. 130 Ziele und 349 konkrete Handlungsempfehlungen des Nationalen Aktionsplans sollen in den einzelnen Bildungsbereichen dazu führen, dass Bildung für nachhaltige Entwicklung strukturell in der deutschen Bildungslandschaft verankert wird. Dazu gehören Lehrpläne, Curricula und Ausbildungsordnungen sowie Aus-, Fort- und Weiterbildungen der pädagogischen Fachkräfte in der formalen, non-formalen sowie informellen Bildung. Weitere Aspekte sind eine stärkere Vernetzung der BNE-Akteure und guter Praxis, sowie eine ganzheitliche Transformation von Lerneinrichtungen hin zur Nachhaltigkeit. „Der Beschluss der Nationalen Plattform ist ein Meilenstein. Nun geht es an die Umsetzung, die nur als Gemeinschaftswerk gelingt. Denn Nachhaltigkeit geht uns alle an“, betonte die damalige Bundesbildungsministerin Johanna Wanka. Vertreter und Vertreterinnen aus über 350 Organisationen aus Zivilgesellschaft, Politik, Bildung und Wirtschaft sowie Ministerien auf Bundes- und Landesebene erarbeiten seitdem gemeinsam die Ziele und Handlungsempfehlungen.

Auszeichnungen guter Praxis
Viele Menschen setzen sich deutschlandweit für BNE ein. Es gibt schon viele „Gute-Praxis-Beispiele“ die zeigen, wie BNE erfolgreich strukturell verankert werden kann. Bereits während der UN-Dekade wurden viele Projekte, Maßnahmen und Kommunen von der Deutschen UNESCO-Kommission (DUK) ausgezeichnet. Die Kriterien für die Auszeichnungsvergabe wurden im WAP BNE weiterentwickelt. Seit 2016 zeichnen das BMBF und die Deutsche UNESCO-Kommission jährlich Kommunen, Lernorte und Netzwerke aus, die BNE besonders gelungen umsetzen und langfristig verankern. „Wie es gelingen kann, dass BNE eine gelebte Realität wird, zeigen uns hervorragende Initiativen, die die Deutsche UNESCO-Kommission gemeinsam mit dem BMBF im Rahmen des Weltaktionsprogramms auszeichnet. Viele am Prozess beteiligte Organisationen tragen schon jetzt mit Selbstverpflichtungen dazu bei, die Umsetzung des NAP voranzubringen“, bestätigte Professor Verena Metze-Mangold, ehemalige Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission. Die Auszeichnungen machen erfolgreiche BNE-Initiativen sichtbar, inspirieren und tragen BNE in die Breite. Von 2016 bis 2019 wurden insgesamt 309 Auszeichnungen an 148 Lernorte, 131 Netzwerke und 30 Kommunen vergeben.

Evaluation im Frühling 2020

Im Frühjahr 2020 wird Deutschland eine Evaluation der Umsetzung des Nationalen Aktionsplans und des bisherigen Prozesses präsentieren und damit auch Bilanz ziehen: Wie sieht der aktuelle Stand der Umsetzung des Nationalen Aktionsplans BNE in Deutschland aus? Und an welchen Stellen können Optimierungspotenziale für die Zukunft herausgearbeitet werden? Die Arbeitsstelle des wissenschaftlichen Beraters des Weltaktionsprogramms, Prof. Gerhard de Haan, führte ein Monitoring-Verfahren zur Erfassung von BNE im deutschen Bildungssystem durch, um die Qualität der BNE-Aktivitäten in allen Bildungsbereichen zu erheben und so ein systematisches und differenziertes Bild der BNE-Umsetzung zu zeichnen. Es wird davon ausgegangen, dass es zentrale Hebel (leverage points) innerhalb des Bildungssystems gibt, die das Potenzial haben, eine breite Verankerung von hochwertiger BNE in allen Bildungsbereichen besonders effektiv voranzutreiben. Diese Hebel sollen identifiziert werden.

„BNE 2030“

Angesichts brisanter globaler Entwicklungen wie dem Klimawandel behält BNE auch nach Ablauf des Weltaktionsprogramms seine Priorität. Nach fünf erfolgreichen Jahren startet die UNESCO Mitte 2020 mit ihrem neuen Programm „Education for Sustainable Development: Towards achieving the SDGs“ - kurz „ESD for 2030“. Auch in den nächsten zehn Jahren wird die UNESCO damit die Verankerung von BNE in den globalen Bildungslandschaften vorantreiben und die Bedeutung von BNE für die Erreichung der gesamten Agenda 2030 hervorheben. Das neue Programm orientiert sich eng an der globalen Nachhaltigkeitsagenda und deren Nachhaltigkeitszielen und nimmt zugleich deren Zielkonflikte stärker in den Blick. Welchen Beitrag BNE zu jeden einzelnen der SDGs leisten kann, steht im Mittelpunkt der neuen Dekade bis 2030.

Auch Deutschland unterstützt das Folgeprogramm entschlossen. Die Mitglieder der Nationalen Plattform kamen im November 2019 zusammen. Die dort vorgestellte Zwischenbilanz machte die Fortschritte in den einzelnen Bildungsbereichen deutlich. Um BNE auch in Zukunft in den unterschiedlichen Bildungsbereichen zu verankern, werden die nationalen BNE-Gremien im neuen UNESCO-Programm ihre Arbeit fortsetzen. Dabei wird ihre Struktur an einigen Stellen angepasst. So sollen in Zukunft zum Beispiel neue Impulsgeber in die Gremien aufgenommen werden.

Den Auftakt für „BNE 2030“ bildet eine von der UNESCO und dem Gastgeberland Deutschland ausgerichtete internationale Konferenz. Aufgrund der COVID-19-Pandemie muss die Konferenz, die vom 2. bis 4. Juni 2020 mit rund 800 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Berlin stattfinden sollte, bis auf Weiteres verschoben werden. Das Gleiche gilt für die nationale Auftaktkonferenz „Mit BNE in die Zukunft - BNE 2030“, die im Anschluss an die Weltkonferenz stattfinden sollte.


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Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 23.04.2020
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