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Bildung + Innovation Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Erschienen am 14.03.2019:

„Mentees und Mentorinnen profitieren außerordentlich von dem anspruchsvollen, attraktiven und nachhaltigen Programm.“

Mentoring Hessen fördert Frauen in Wissenschaft und Wirtschaft

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Bildrechte: Mentoring Hessen

Das Verbundprojekt „Mentoring Hessen - Frauen in Wissenschaft und Wirtschaft“, eine Kooperation zwischen Hochschulen, Unternehmen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Hessen, will die Karrierechancen für Frauen verbessern und mehr Chancengleichheit für Frauen in Wissenschaft und Wirtschaft herstellen.


In Führungspositionen von Wissenschaft und Wirtschaft sind Frauen nach wie vor unterrepräsentiert. Auch in Hessen liegt der Professorinnen-Anteil bei nur 24,3 Prozent und der Anteil von Frauen in Führungspositionen der Wirtschaft bei 22,4 Prozent. In den MINT-Fächern und in Vorständen und Aufsichtsräten sind die Anteile noch deutlich niedriger.

Mentoring Hessen
Das Verbundprojekt Mentoring Hessen - eine enge Kooperation zwischen elf hessischen Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften, elf namhaften, international agierenden Unternehmen und drei außeruniversitären Forschungseinrichtungen - will durch eine Bündelung seiner Kompetenzen und Ressourcen die Karrierechancen für Frauen verbessern und mehr Chancengleichheit für Frauen in Wissenschaft und Wirtschaft erreichen. Das Projekt bietet eine bundesweit einmalige Förderstruktur für Studentinnen, Doktorandinnen, Nachwuchswissenschaftlerinnen und den weiblichen Führungsnachwuchs. Es setzt insbesondere in den Übergangsphasen zwischen Bachelor, Master und Promotion, beim Berufsübergang und beim Aufstieg in Führungspositionen an, wo ein starker Beratungs- und Orientierungsbedarf besteht. Mit seinem Ansatz aus Mentoring, Training und Networking bereitet das Verbundvorhaben die Frauen praxisnah auf den Beruf vor, stärkt sie in ihren Karriereambitionen und vermittelt den Austausch mit erfahrenen Expertinnen. Für die Zielgruppe der Studentinnen liegt der Schwerpunkt auf den MINT-Fächern, ab der Promotionsphase werden Frauen aller Fachrichtungen gefördert.

Die Kooperationsstruktur
Mentoring Hessen gibt es seit Anfang 2017, entstanden ist die neue Förderstruktur auf der Basis von drei vorhergehenden hessenweiten Mentoring-Projekten: Das MentorinnenNetzwerk für Frauen in Naturwissenschaft und Technik, das 1998 als eines der ersten Mentoring-Projekte an bundesdeutschen Hochschulen ins Leben gerufen wurde, SciMento, 2005 das erste Gruppen-Mentoring für Nachwuchswissenschaftlerinnen der naturwissenschaftlich-technischen Fächer an einer deutschen Universität, und ProProfessur, das 2008 zur Förderung des Professorinnen-Nachwuchses eingesetzt wurde. Die Konferenz Hessischer Universitätspräsidien (KHU) regte 2013 eine Zusammenführung der drei Mentoring-Projekte für Frauen an, und nach einer erfolgreichen Übergangsphase ging Mentoring Hessen 2017 an den Start. Die Geschäftsstelle ist angesiedelt an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Sie ist als Servicestelle für alle beteiligten Hochschulen für Konzeption, Durchführung und strategische Weiterentwicklung der vier Mentoring-Förderlinien und sonstigen Maßnahmen zur Karriereförderung verantwortlich. Eine Steuerungsgruppe trifft die strategischen Entscheidungen, ein Beirat aus Expertinnen und Experten berät die Geschäftsführung bei der Projektumsetzung. Die beiden Arbeitskreise „Mentoring Hessen an Hochschulen“ und „Mentoring Hessen in Unternehmen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen“ begleiten und unterstützen die Projektumsetzung auf der operativen Ebene. Die Schirmherrschaft für Mentoring Hessen hat die Bundesministerin für Bildung und Forschung Anja Karliczek.

Die vier Förderlinien
Das Verbundprojekt bietet ein vielfältiges Angebot zur Förderung von Frauen an Hochschulen - von der Studentin bis zur angehenden Professorin. Das Mentoring-Konzept unterteilt sich in vier zielgruppen- und bedarfsorientierte Förderlinien und garantiert damit eine passgenaue Unterstützung.
ProCareer.MINT unterstützt Studentinnen der Natur- und Ingenieurwissenschaften in ihrer beruflichen und persönlichen Entwicklung und ermöglicht ihnen einen praxisnahen Einblick in das Berufsleben. Als Mentorinnen engagieren sich erfolgreiche Naturwissenschaftlerinnen und Ingenieurinnen, die in Wirtschaft, Forschung, Verwaltung oder anderen Arbeitsbereichen tätig sind. ProCareer.Doc ist die Förderlinie für Doktorandinnen und frühe Postdocs. Mentorinnen kommen aus Wirtschaftsunternehmen, der Forschung, dem Wissenschaftsmanagement und vielen anderen Tätigkeitsfeldern und beraten die jungen Frauen bei der Entscheidungsfindung über Berufswege nach der Promotion. ProAcademia richtet sich an weibliche Postdocs bis 2 Jahre nach der Promotion und fortgeschrittene Doktorandinnen aller Fachrichtungen mit dem Ziel einer Karriere in Wissenschaft, Forschung und Entwicklung. Sie werden von Professor/inn/en, Junior-Professor/inn/en und Privatdozent/inn/en unterstützt. Bei ProProfessur beraten forschungsstarke und berufserfahrene Professorinnen und Professoren fortgeschrittene Wissenschaftlerinnen unmittelbar auf dem Weg in die Professur, unterstützen sie in ihrer wissenschaftlichen Profilbildung und strategischen Karriereplanung sowie im unmittelbaren Bewerbungsprozess und vermitteln ihnen wichtige Einblicke in die Scientific Community. Dazu Prof. Dr. Barbara Albert von der TU Darmstadt, ehemalige Mentorin im Fachbereich Chemie: „ProProfessur ist eine großartige Maßnahme auf dem Weg nach oben. Mentees und Mentorinnen profitieren außerordentlich von dem anspruchsvollen, attraktiven und nachhaltigen Programm. Es ermöglicht intensive Kontakte von Nachwuchswissenschaftlerinnen zu Professorinnen, die ihre Erfahrungen zu teilen bereit sind. Zusätzlich gibt es Angebote zur Professionalisierung und zum Netzwerken: Eine exzellente Kombination! Ich habe als Mentorin bei ProProfessur viel gelernt.“

In allen Förderlinien wird ein passgenaues Mentoring-Format angeboten, das sowohl eine One-to-One-Betreuung als auch die Unterstützung in der Peer-Gruppe ermöglicht. Die Inhalte und Ziele im Mentoring hängen von den individuellen Bedürfnissen der Mentees ab und werden zu Beginn der Kooperation in einer Zielvereinbarung festgehalten, beinhalten aber im Wesentlichen die Förderung der Eigeninitiative und Motivation der Mentees, berufliche Ziele intensiv und strategisch zu verfolgen. Zudem werden vielfältige berufliche Wege und Alternativen aufgezeigt sowie Karrierewege geebnet. Zurzeit sind 2.295 Studentinnen der MINT-Fächer, 573 Doktorandinnen, Postdocs und angehende Professorinnen sowie 838 Mentorinnen und Mentoren aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung an dem Projekt beteiligt.

Trainings- und Networking-Angebote
Zusätzlich zum Mentoring wurde ein gemeinsames Trainings- und Networking-Angebot konzipiert, das zielgruppenspezifische und übergreifende Workshops und Veranstaltungen beinhaltet. Die ein- bis zweitägigen Workshops bieten vielfältige Impulse zur Entwicklung wichtiger Kompetenzen für den Berufsübergang in Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung sowie zur Qualifizierung für Wissenschaftskarriere und Führungsposition. Der Schwerpunkt der Workshops liegt je nach Zielgruppe bei den Themen Bewerbung, Selbstpräsentation, Entscheidungsmanagement, Potenzialanalyse und Führungsanforderungen, darunter Angebote wie beispielsweise „1.000 Wege - welcher ist meiner?“, „Was erwartet mich in einem Assessmentcenter?“ oder „Wie sticht meine Bewerbung in einem Berg von Bewerbungsunterlagen hervor?“. Das Trainingsprogramm für die Förderlinien ProCareer.MINT und ProCareer.Doc konzentriert sich auf Themen, die die Entscheidungsfindung und Orientierung in den Übergangsphasen zur weiteren beruflichen Entwicklung befördern. Das Trainingsprogramm für die Förderlinien ProAcademia und ProProfessur ist thematisch auf die Qualifizierung für eine Wissenschaftslaufbahn bzw. unmittelbar für den erfolgreichen Übergang in eine Professur ausgerichtet. Aybike Demirsan, Informatikerin am Europäischen Raumflugkontrollzentrum und ehemalige Mentee, ist froh, dass sie an dem Programm teilgenommen hat. „Dank des Mentoring-Programms hatte ich das Glück, Kontakt zu einer Mentorin aus der Raumfahrt zu knüpfen. Mit dem Wissens- und Erfahrungsaustausch steigerte sich meine Motivation und mein Selbstvertrauen, meinen Traumjob bei der ESA zu erlangen - ich bin sehr dankbar für dieses Programm und kann es allen jungen Frauen auf der Suche nach Unterstützung nur empfehlen!“, rät sie.

Auch die Mentorinnen erhalten die Möglichkeit, ihre Beratungs- und Führungskompetenzen in Workshops rund um die Themen Beratung und Führung zu vertiefen. Das Angebot umfasst Workshops wie „Mut zur Führung“, „Durchsetzungsstrategien“ oder „Meinen Karriereplan entwickeln“. Darüber hinaus gibt es das Angebot der kollegialen Beratung unter Mentorinnen (Powerteams). Alle Trainings finden an den hessischen Hochschulen oder in den kooperierenden Unternehmen und Forschungseinrichtungen statt.

Vernetzung spielt wesentliche Rolle
Im Networking werden themenbezogene Vernetzungstreffen und Karrieregespräche sowie Exkursionen zu Unternehmen und Forschungseinrichtungen angeboten, an denen sowohl Mentees als auch Mentorinnen teilnehmen können. Darüber hinaus gibt es Karrieregespräche für Mentees und spezielle Networking-Abende für Mentorinnen. Der Vernetzungsaspekt spielt für Mentoring Hessen eine große Rolle. Die Frauen lernen die Relevanz von Networking kennen und erfahren, wie sie es für ihre persönliche und berufliche Entwicklung nutzen können. Das Netzwerk bringt bereits über 3.000 Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaftlerinnen, Mathematikerinnen, Ingenieurinnen und Technikerinnen zusammen und ermöglicht ihnen den fachlichen, strategischen und persönlichen Austausch.



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Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 14.03.2019
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