Digital Leadership: Wie Fortbildung Schulleitungen befähigt, den digitalen Wandel in Schulen wirkungsvoll zu gestalten

05.11.2026: Wie können Fortbildungen Schulleitungen dabei unterstützen, digitale Transformationsprozesse wirksam zu gestalten? In unserer Good-Practice-Reihe zu erfolgreichen Qualifizierungsformaten im digitalen Wandel gibt Melanie Holdermann Einblicke in die Fortbildungsreihe „Digital Leadership - Führen in der Haltung zur Kultur der Digitalität“ des Pädagogischen Landesinstitutes Rheinland-Pfalz. Sie basiert auf einem Konzept des Forums Bildung Digitalisierung, das an die Rahmenbedingungen und Bedarfe des Landes angepasst und weiterentwickelt wurde.
Welchen konkreten Bedarf möchten Sie mit der Fortbildungsreihe „Digital Leadership - Führen in der Haltung zur Kultur der Digitalität“ adressieren?
Holdermann: Schulleitungen stehen vor der Aufgabe, den digitalen Wandel an ihrer Schule aktiv zu gestalten. Genau dabei möchten wir sie mit dieser Fortbildungsreihe unterstützen. Nach den ersten Erfahrungen in der Umsetzung haben wir im Sommer 2024, orientiert am Golden Circle von Simon Sinek, ein gemeinsames Verständnis unseres „WHY“ entwickelt. Im Mittelpunkt steht die Begleitung schulischer Transformationsprozesse. Wir möchten Schulleitungen darin stärken, eine zeitgemäße Führungshaltung weiterzuentwickeln und Schulentwicklung wirksam zu gestalten.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Vernetzung und Kollaboration, sowohl zwischen den teilnehmenden Schulen als auch im Tandem aus Schulleitung und Koordinator*in für Bildung in der digitalen Welt. Darüber hinaus geht es um digitale Souveränität, also die Fähigkeit, digitale Entwicklungen einzuordnen und Entscheidungen, etwa bei der Auswahl von Tools, selbstbestimmt zu treffen. Ziel ist es, die Transformationskompetenz von Schulleitungen zu stärken, damit sie die Kultur der Digitalität an ihren Schulen aktiv mitgestalten und Veränderungsprozesse wirksam führen können.
Wie kam es dazu, das vom Forum Bildung Digitalisierung entwickelte Konzept in Rheinland-Pfalz zu adaptieren?
Holdermann: Der Austausch mit dem Forum Bildung Digitalisierung begann früh, und auch auf bildungspolitischer Ebene bestand großes Interesse an dem Ansatz. Im Zuge der ersten Train-the-Trainer-Ausbildung im Jahr 2023 bildete sich ein Team, das das Konzept im Land pilotierte und entlang der rheinland-pfälzischen Bedarfe weiterentwickelte. So entstand schrittweise eine an die Rahmenbedingungen in Rheinland-Pfalz angepasste Fortbildungsreihe für unterschiedliche Schulkontexte.
Welche Elemente wurden an die spezifischen Strukturen und Bedarfe des Landes angepasst - und welche Bestandteile des ursprünglichen Konzepts sollten unbedingt erhalten bleiben?
Holdermann: Seit 2024 bildet Positive Leadership eine wichtige Grundlage, die sowohl vom Team gelebt, sowie als Führungsmodell in den Modulen thematisiert wird. Besonders wichtig war uns die Arbeit in Tandems, da die Koordinator*innen für Bildung in der digitalen Welt neben den Schulleitungen eine zentrale Rolle in digitalen Transformationsprozessen einnehmen. Gleichzeitig haben wir bewährte Bestandteile des ursprünglichen Konzepts erhalten. Dazu zählen die Standortanalyse, die Visionsarbeit sowie der „Kompass für den digitalen Wandel“, die wir gezielt weiterentwickelt haben, um Stärken und Handlungsfelder der Schulen sichtbar zu machen.
Mit der landeseigenen Transformationsbegleiter*innen-Ausbildung 2025 rückten zudem einige Inhalte und Methoden des ursprünglichen Konzepts des Forums Bildung Digitalisierung wieder stärker in den Fokus. Dazu zählt beispielsweise die Arbeit mit Lego® im Kontext des Cynefin-Modells. Außerdem wurde die Fortbildungsreihe um neue Elemente wie Lego® Serious Play® in der Visionsarbeit und agile Methoden aus dem Bereich der Liberating Structures erweitert.
In einer Kultur des gemeinsamen Wachsens entwickelt sich die Fortbildungsreihe stetig weiter. Neue Dozent*innen bringen zusätzliche Perspektiven und Impulse ein. Das gilt auch für die seit 2024 bestehende Reihe für kleinere Grund- und Förderschulen mit Primarstufe.
Was verstehen Sie unter „Digital Leadership“, und warum ist die Schulleitung der zentrale Hebel für nachhaltige digitale Schulentwicklung?
Holdermann: Digital Leadership verstehen wir als Führung in der Haltung zur Kultur der Digitalität: Schulleitungen entwickeln eine Vision für die digitale Transformation ihrer Schule, führen die Schulgemeinschaft in Richtung einer Kultur der Digitalität, stoßen Entwicklungsprozesse an und treffen dafür die notwendigen Entscheidungen.
Schulleitungen sind der zentrale Hebel, weil sie Orientierung geben und Rahmenbedingungen schaffen, damit Veränderungen von der gesamten Schulgemeinschaft getragen und langfristig wirksam werden. Dafür braucht es eine entsprechende Haltung: visionär bleiben, Komplexität durch Sinn reduzieren, die Energie der Zusammenarbeit nutzen, durch Ausprobieren lernen, Entwicklungsmöglichkeiten bieten und gemeinsam wachsen.
Wie lässt sich diese Haltung in einer Fortbildung entwickeln und stärken?
Holdermann: Wir orientieren uns an Positive Leadership und legen das PERMA-Lead®-Modell zugrunde, das Führung auf Stärken, gute Beziehungen, Sinn und Wohlbefinden ausrichtet. Eine solche Haltung entsteht nicht allein durch theoretische Impulse, sondern auch durch das Erleben von Führung und Zusammenarbeit in der Fortbildung. Das Verhalten der Transformationsbegleiter*innen unterstützt Schulleitungen und Koordinator*innen dabei, ihre eigene Haltung weiterzuentwickeln und neue Perspektiven auf Führung und Schulentwicklung zu gewinnen.
Dazu gehört, Potenziale im System zu erkennen, Ungewissheit als Chance zu begreifen sowie Vertrauen, Offenheit und den Mut zum Loslassen und Ausprobieren zu entwickeln. Ebenso wichtig ist psychologische Sicherheit: Ein Klima, in dem Bedenken offen geäußert werden können, hilft, Widerstände sichtbar zu machen und wertzuschätzen.
Wie ist die Fortbildungsreihe in Rheinland-Pfalz aufgebaut, und welche Elemente sind aus Ihrer Sicht entscheidend dafür, dass aus Fortbildung konkrete Veränderungsprozesse in den Schulen entstehen?
Holdermann: Die Reihe beginnt mit einer digitalen Onboarding-Session, die deutlich macht: Es handelt sich um eine Führungsfortbildung, nicht um eine Tool-Schulung. Die Teilnehmenden lernen sich kennen, arbeiten erstmals im begleitenden Schulcampus-Kurs und reflektieren ihre Erwartungen an Digital Leadership.
Es folgen zwei Präsenzmodule, ein Vernetzungstreffen und ein Abschlussmodul an einer der teilnehmenden Schulen. In den Präsenzmodulen stehen Haltung und Digital Leadership sowie die Arbeit der Tandems mit dem rheinland-pfälzischen „Kompass für die Digitale Transformation“ im Mittelpunkt. Anhand der erarbeiteten Schulportraits gewinnen die Teilnehmenden Einblicke in andere Schulen, gleichen Stärken und Handlungsfelder ab und finden Kooperationsmöglichkeiten. Im zweiten Modul wird diese Kooperation gestärkt und die unterschiedlichen Expertisen finden zueinander. Mit der Visionsarbeit legen wir dann den Grundstein für die Weiterarbeit in den Schulen. Die Tandems gewinnen Erkenntnisse für ihre nächsten Schritte und lernen Methoden kennen, mit denen sie die Schulgemeinschaft aktiv in den Prozess einbinden können. Im Abschlussmodul feiern wir gemeinsam die Erfolge und wagen einen Ausblick auf nächste Schritte.
Zwischen den Modulen begleiten wir die Schulen in E-Sessions und weiteren Austauschformaten, in die Kolleg*innen aus unterschiedlichen Arbeitsbereichen unseres Instituts, etwa aus dem KI-Team des Digitalen Kompetenzzentrums, ihre Expertise einbringen. Entscheidend ist die enge Verbindung von Fortbildung und Praxis. Die Teilnehmenden entwickeln konkrete Vorhaben, erproben diese im Schulalltag und reflektieren ihre Erfahrungen im Austausch mit anderen Schulen. So entstehen Entwicklungsprozesse, die unmittelbar an den Bedarfen der jeweiligen Schulen ansetzen.
Die Teilnahme im Tandem aus Schulleitung und Koordinator*in für Bildung in der digitalen Welt gilt als besonders wirksam. Was macht diese Struktur so wertvoll für den Transfer in die Schule?
Holdermann: Die Evaluation zeigt: Intensiver Austausch, enge Zusammenarbeit und gemeinsame Reflexion sind wesentliche Erfolgsfaktoren. Die Tandemarbeit verbindet unterschiedliche Perspektiven auf Schulentwicklung und schafft ein gemeinsames Verständnis von Zielen und Veränderungsprozessen. Methoden wie die Standortanalyse oder die Visionsarbeit machen diese Perspektiven sichtbar, unterstützen beim Entwickeln gemeinsamer Zukunftsbilder und führen dazu, dass Entscheidungen von Anfang an gemeinsam getragen werden. Das stärkt den Transfer in die Schule.
Beim Deutschen Bildungsserver
Welche Rolle spielt die Train-the-Trainer-Qualifizierung dabei, ein extern entwickeltes Fortbildungskonzept in bestehende Landesstrukturen zu überführen und eigenständig weiterzuentwickeln?
Holdermann: In der Train-the-Trainer-Qualifizierung und unserer Ausbildung der Transformationsbegleiter*innen stehen Selbsterleben und Reflexion im Zentrum. Es geht darum, aus der Rolle der Dozent*in in die Rolle der Begleitung zu kommen und einen Rahmen zu schaffen, in dem Entwicklung und Wachstum möglich werden. Diese gemeinsame Haltung erlaubt es, bewährte Elemente nicht nur zu übernehmen, sondern sie in Landesstrukturen zu integrieren und weiterzuentwickeln. Die Qualifizierung sowie die Fortbildungsreihe leben von einer Kultur des Teilens, in der alle Beteiligten Erfahrungen und Expertise einbringen und neue Impulse für die eigene Praxis gewinnen.
Welche Erfahrungen haben Sie aus den bisherigen Durchgängen gewonnen? Was hat sich als besonders wirksam erwiesen - und was haben Sie aus Evaluation und Praxis für die Weiterentwicklung des Angebots genutzt?
Holdermann: Die Teilnehmenden erleben die Methoden selbst und reflektieren auf einer Metaebene, was davon für die eigene Schule hilfreich und übertragbar ist. Veränderungen gelingen besonders dann, wenn sie an den konkreten Bedarfen der Schule ansetzen und gemeinsam getragen werden.
In den Abschlussveranstaltungen erleben wir, dass die Kooperationserfahrungen Mut machen, neue Wege zu gehen. Oft geht es dabei weniger um den großen Wurf als um die Bereitschaft, erste konkrete Schritte anzustoßen und daraus zu lernen. Besonders wirksam sind laut Evaluation und Praxis die Tandemarbeit, die enge Vernetzung der Teilnehmenden und die Reflexion der eingesetzten Methoden mit Blick auf die eigene Schule. Diese Erkenntnisse fließen kontinuierlich in die Weiterentwicklung ein.
Was lässt sich aus den Erfahrungen für die Gestaltung wirksamer Fortbildungen zu digitaler Transformation allgemein ableiten - und welchen Mehrwert bietet es, solche Angebote länderübergreifend zu entwickeln, zu adaptieren und weiterzuentwickeln?
Holdermann: Aus meiner Sicht beginnt wirksame Fortbildung bei uns Dozent*innen selbst: Wir erweitern unsere Transformationskompetenzen, entwickeln Veränderungsbereitschaft und leben eine Kultur des Teilens und Wachsens. Wir stellen die Gestaltung von Entwicklungs- und Veränderungsprozessen in den Mittelpunkt, schaffen Raum für die digitale Entwicklung der Schule und passen das dynamische Konzept des Forums Bildung Digitalisierung laufend an. Die länderübergreifende Zusammenarbeit eröffnet neue Perspektiven, ermöglicht den Austausch von Erfahrungen und fördert die gemeinsame Weiterentwicklung bewährter Ansätze. Das Forum Bildung Digitalisierung schafft dafür wichtige Räume der Vernetzung, so entstanden bereits digitale länderübergreifende Kooperationsformate zwischen Brandenburg, Bremen und Rheinland-Pfalz.
Melanie Holdermann beschäftigt sich am Pädagogischen Landesinstitut Rheinland-Pfalz mit der Fortbildung von Schulleitungen von heute und morgen. Neben dem Schwerpunkt „Vorbereitung auf Führungsaufgaben“ begleitet sie im Rahmen der Fortbildungsreihe „Digital Leadership“ Schulen dabei, Transformationsprozesse aktiv zu gestalten und eine Kultur der Digitalität weiterzuentwickeln. Dies trägt zur digitalen Schulentwicklung und zur Professionalisierung von schulischen Führungskräften bei.
Die Schulleitungsqualifizierung „Digital Leadership und die Gestaltung schulischer Transformationsprozesse“ wurde vom Forum Bildung Digitalisierung gemeinsam mit der Dieter Schwarz Stiftung, der Akademie für Innovative Bildung und Management Heilbronn-Franken (aim) sowie der Wübben Stiftung Bildung entwickelt. Ihr Ziel ist es, Schulleitungen dabei zu unterstützen, die digitale Transformation ihrer Schule aktiv zu gestalten und ihre Rolle als Digital Leader weiterzuentwickeln. Im Mittelpunkt stehen prozessorientiertes Lernen, die Zusammenarbeit in professionellen Lerngemeinschaften sowie praxisnahe Grundlagen für die Gestaltung und Steuerung schulischer Entwicklungsprozesse. Das Konzept ist unter einer Creative-Commons-Lizenz frei nutzbar und wird durch eine Train-the-Trainer-Qualifizierung für Multiplikator*innen ergänzt. In mehreren Bundesländern wurde die Qualifizierung bereits an die jeweiligen Rahmenbedingungen angepasst und weiterentwickelt.
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Autor(in): Miriam Holstein
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Datum: 05.11.2026
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