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Fortbildung in themenbezogenen Netzwerken: Wie die Digitale Drehtür Qualifizierung, Austausch und Transfer verbindet

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Bildrechte: Michaela Rastede, privat

01.10.2026: Zwölf Bundesländer und Österreich stehen hinter der Digitalen Drehtür - einer länderübergreifenden Bildungsinitiative und -infrastruktur, die im Landesinstitut in Bremen verortet ist, die Potenzialentfaltung sowie Begabungs- und Begabtenförderung stärkt und selbstreguliertes Lernen ermöglicht. Über Live-Kurse, Selbstlernangebote und Projekträume eröffnet sie Schülerinnen und Schülern zusätzliche Lernmöglichkeiten und verbindet diese mit Qualifizierung, Schulentwicklung und länderübergreifendem Austausch.
Im ersten Teil des Interviews sprechen Michaela Rastede, Petra Schreiber und Dr. Lara Maschke darüber, wie im Rahmen der Digitalen Drehtür themenbezogene Netzwerke über Ländergrenzen hinweg zusammenarbeiten, gemeinsame Qualifizierungsangebote entwickeln und welche Impulse daraus für eine nachhaltige Lehrkräftefortbildung entstehen.


Was war der Ausgangspunkt der Digitalen Drehtür, und welche Vision verbinden Sie heute mit der Initiative?

Michaela Rastede: Die Digitale Drehtür ist aus einer Krise entstanden. Wir haben sie kurz nach dem ersten Lockdown während der Corona-Pandemie gegründet. Damals wurde deutlich, dass eine Bildungsinfrastruktur fehlte, die Kindern unabhängig von Wohnort, Schule oder vorhandenen Ressourcen ermöglicht, ihre Begabungen zu entfalten. Genau diese Infrastruktur wollten wir schaffen. Die Zeit war reif für diese Idee, und es gab Menschen, die an sie geglaubt und ihre Umsetzung möglich gemacht haben. Bremen hat mit Unterstützung der Karg-Stiftung die Initiative in den ersten zwei Jahren vollständig finanziert. So konnte aus der Idee eine tragfähige Bildungsinfrastruktur werden.
Die eigentliche Innovation für uns ist diese Bildungsinfrastruktur: Sie verbindet pädagogisch qualitätsgesicherte Lernangebote mit länderübergreifender Zusammenarbeit und schafft so neue Möglichkeiten, Potenziale unabhängig von Wohnort und Schulstandort zu entfalten.

Warum war es von Anfang an wichtig, länderübergreifend zusammenzuarbeiten?

Michaela Rastede: Unser Ziel ist es, die Digitale Drehtür in die Breite zu bringen und möglichst vielen Kindern die Chance zu geben, ihre Potenziale zu entfalten. Die unterschiedlichen Perspektiven aus den Ländern sind dabei eine wertvolle Ressource. Das gilt auch für länderübergreifende Fortbildungen: Niemand muss das Rad neu erfinden. Gute Praxis wird sichtbar und kann gemeinsam weiterentwickelt werden. So können Erfahrungen und Wissen über Ländergrenzen hinweg geteilt werden - damit möglichst viele Schülerinnen und Schüler davon profitieren.
2021 trafen wir uns jeden Freitag mit Vertreterinnen und Vertretern aus acht Bundesländern. In diesem kleinen Kreis während des Lockdowns tauschten wir Erfahrungen aus: Was habt ihr bei euch? Was funktioniert? Wo hakt es? Aus diesem vertrauensvollen Miteinander und dem gemeinsamen Interesse an der Sache entstand nach und nach das erste Netzwerk.

Wir entwickelten beispielsweise eine gemeinsame Modulreihe zur Qualifizierung von Schulentwicklungsberaterinnen und -beratern, damit auch die Potenziale der Kinder stärker in den Blick genommen werden. Jedes Land brachte seine Expertise ein: Das eine Land sagte: Dazu haben wir besondere Erfahrungen, ein anderes brachte ein weiteres Modul ein. So entstand etwas Gemeinsames, das auf den Ideen und Erfahrungen aller aufbaute. Die Reihe wartet bislang noch auf ihre Umsetzung, aber der Prozess hat gezeigt, wie wertvoll es ist, nicht zu sagen Das ist meins, das teile ich nicht, sondern: Gemeinsam wird es besser.

Petra Schreiber: Genau das ist das Besondere: Wir arbeiten nicht nur wertschätzend zusammen, sondern schauen darauf, welche Expertise jeder Einzelne einbringen kann. Aus der Summe der Teile entsteht etwas Größeres und das wiederum hat einen Mehrwert für alle Beteiligten.

Welche Rolle spielen gemeinsame Werte und ein gemeinsames Verständnis für die Zusammenarbeit?

Michaela Rastede: Eine sehr große. Wir haben gemeinsam mit allen Ländern ein Leitbild entwickelt - als Grundlage für unsere Arbeit und auch für die gemeinsame Fortbildung. Ohne ein gemeinsames Wertesystem und Klarheit darüber, wofür wir das tun und welche Kompetenzen uns wichtig sind, kann nichts Gemeinsames entstehen.

Lara Maschke: Der Leitbildprozess hat gezeigt, wie unsere Zusammenarbeit funktioniert: kooperativ, mit vielen Beteiligten und mit dem Vertrauen, dass diejenigen, die gerade Kapazitäten haben, im Sinne aller handeln. Das war ein wertschätzender Prozess, der gezeigt hat, wie gut die Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg funktionieren kann.

Petra Schreiber: Dieses Vertrauen ist zu einem Selbstverständnis geworden. Wir können direkt in die Inhalte einsteigen, weil klar ist: Es geht ausschließlich um das gemeinsame Ziel.

Wie ist die Digitale Drehtür organisatorisch aufgestellt, damit diese Zusammenarbeit funktioniert?

Michaela Rastede: Die Organisation fußt auf Prinzipien der Soziokratie. Es gibt keinen Top-down-Prozess, sondern gemeinsames Entscheiden. Wir haben einen Rat, in dem die Vertreterinnen und Vertreter der Länder einmal im Monat zusammenkommen und aus den Arbeitsgruppen erfahren, was sich getan hat. Alle tragen das, was entsteht, mit. Bremen übernimmt eine koordinierende Rolle, aber die Entscheidungen werden gemeinsam getroffen.

Es gibt mehrere miteinander verbundene Netzwerke: den gemeinsamen Rat, das Netzwerk der Landesinstitute, ein Wissenschaftsnetzwerk und ein Netzwerk von Kooperationspartnern, die Inhalte bereitstellen. Diese Netzwerke arbeiten nach dem Ringmodell der Soziokratie zusammen. Das schafft Vertrauen und gibt die Gewissheit, dass der Kreis, der sich jeweils um ein Thema kümmert, Entscheidungen im Sinne des gemeinsamen Ziels trifft.  

Wie werden in diesem Netzwerk gemeinsame Angebote entwickelt und Entscheidungen getroffen?

Michaela Rastede: Unsere Angebote entstehen in einem kokreativen Prozess. In den Arbeitsgruppen wird intensiv um Qualitätsmerkmale gerungen. Die soziokratische Arbeitsweise hilft uns dabei. Es geht nicht um Konsens im Sinne einer gemeinsamen Meinung, sondern um Consent, also darum, dass alle mit einer Lösung leben und sie mittragen können. Das bringt uns ins gemeinsame Gestalten und verhindert, dass wir uns in Problemen verlieren.
Ein Beispiel ist die AG Länderübergreifende Fortbildungsentwicklung (LüF): Es ist nicht ein kleines Team der Digitalen Drehtür, das eine Fortbildung entwickelt und anschließend den Ländern vorgibt, wie sie aussehen soll. Die Beteiligten entwickeln sie gemeinsam - auf der Basis gemeinsamer Absprachen und mit der Expertise der verschiedenen Länder.

Was bedeutet diese Form der Zusammenarbeit für die Qualitätsentwicklung?

Michaela Rastede: Wir sind im Föderalismus und machen gleichzeitig länderübergreifende Fortbildungen. Dabei profitieren wir von der Vielfalt der Länder. Wir entwickeln beispielsweise auch Module für einzelne Länder. Dort werden sie erprobt und weiterentwickelt - und anschließend allen Ländern zur Verfügung gestellt. So entsteht ein Qualitätsmanagementprozess, der uns gerade durch die unterschiedlichen Perspektiven weiterbringt. Man muss nicht jeden Fehler selbst machen. Man kann auch daraus lernen, was an anderer Stelle nicht so gut funktioniert hat und dort angepasst wurde. Landesinstitute und Qualitätseinrichtungen spielen dabei eine Schlüsselrolle, weil sie den Zugang zu den Schulen ermöglichen und wichtige Informationen aus der Praxis zurückspiegeln.

 

 

Lag es aufgrund der Struktur der Digitalen Drehtür nahe, auch Schulen und Lehrkräfte miteinander zu vernetzen und Netzwerklernen als Fortbildungsansatz zu nutzen?

Lara Maschke: Ja, absolut. Wir veranstalten Netzwerktreffen und beobachten, wie stark Schulen untereinander den Austausch suchen. Häufig nehmen Schulen auch selbst Kontakt zu anderen Schulen in der Nähe auf, die ebenfalls mit der Digitalen Drehtür arbeiten.
Zu Beginn der Netzwerktreffen gibt es meist kurze Impulse, anschließend geht es schnell um die praktische Umsetzung. Lehrkräfte berichten, wie sie Herausforderungen lösen, und erhalten Feedback. Schulen setzen die Digitale Drehtür individuell ein, stehen aber häufig vor ähnlichen Fragen und Herausforderungen. Der Austausch unterstützt sie sehr.
Bei einem Treffen fanden sich beispielsweise zwei Lehrkräfte, die jetzt gemeinsam die Qualifizierung machen und eine Arbeitsgruppe gründen. Solche Netzwerke schaffen Möglichkeiten, niedrigschwellig in den Austausch, die Reflexion und die Umsetzung zu kommen.

Welche Bedeutung hat dabei der länderübergreifende Austausch?

Petra Schreiber: Menschen aus verschiedenen Ländern lernen miteinander, weil sie sich bewusst für ein Thema entschieden haben. Das ist auch für uns interessengeleitetes Lernen: Es schafft Motivation und Freude und erweitert den eigenen Horizont. Manchmal relativiert der Austausch über Ländergrenzen hinweg auch die eigene Unzufriedenheit. Der Blick über den eigenen Tellerrand öffnet eine neue Welt.

Michaela Rastede: Wenn man ausschließlich von den eigenen Länderstrukturen ausgeht, wird man schnell betriebsblind. Länderübergreifende Netzwerke ermöglichen es, Wissen und Erfahrungen gemeinsam bereitzustellen, zu erproben und zu reflektieren. Dadurch steigen Qualität und Nachhaltigkeit.

Petra Schreiber: Dieses dialogische Miteinander ermöglicht kontinuierliche Qualitätsentwicklung. Erfahrungen und Wissen werden geteilt, gemeinsam weiterentwickelt und fließen unmittelbar in die Praxis zurück. So endet Fortbildung nicht mit einer einzelnen Veranstaltung, sondern wird zu einem kontinuierlichen Entwicklungsprozess.

Im zweiten Teil geht es darum, wie sich die länderübergreifende Zusammenarbeit in die Fortbildungspraxis vor Ort übersetzt, welche Rolle Netzwerke für nachhaltige Professionalisierung spielen und was andere Akteure aus dem Modell der Digitalen Drehtür lernen können.


Michaela Rastede leitet am Landesinstitut für Schule Bremen das Referat Potenzialentfaltende Schulentwicklung und die länderübergreifende Bildungsinitiative Digitale Drehtür. Sie hat die Digitale Drehtür initiiert und anschließend Mitstreiterinnen und Mitstreiter aus verschiedenen Bundesländern dafür gewonnen, die Idee gemeinsam weiterzuentwickeln und eine länderübergreifende Bildungsstruktur aufzubauen. 

Petra Schreiber verantwortet am Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) in der Abteilung Fort- und Weiterbildung den Schwerpunkt Begabten- und Begabungsförderung.

Dr. Lara Maschke ist im Koordinationsbereich Schule und Fortbildung der Digitalen Drehtür tätig. Sie berät Schulen bei der Implementierung der Digitalen Drehtür im Schul- und Unterrichtsalltag und koordiniert die Entwicklung länderübergreifender Fortbildungs- und Austauschformate in der AG Länderübergreifende Fortbildungsentwicklung.

 

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Autor(in): Miriam Holstein
Kontakt zur Redaktion
Datum: 01.10.2026
© Bildung + Innovation

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