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Bildung + Innovation Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Erschienen am 02.06.2022:

„Die Motivation, Schule zu verändern, ist groß!“

Ergebnisse der Cornelsen Schulleitungsstudie 2022

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Bildrechte: FiBS Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie, Berlin

Was beschäftigt Schulleitungen im Alltag? Wo sehen sie Veränderungsbedarf? Und was brauchen sie, um Schulen zukunftsfähig zu machen? Im Auftrag von Cornelsen wurden über tausend Schulleitungen dazu befragt. Für die meisten steht fest: Schule muss anders gedacht und verändert werden. Schule als Lern- und Lebensort braucht eine neue Lernkultur. Ganztagsschulen gelten als das Modell der Zukunft.


Was braucht die Schule von morgen und was sollte sich aus Sicht der Schulleitungen ändern? Diesen und anderen Fragen ging die aktuelle Schulleitungsstudie „Schule zukunftsfähig machen“ nach, die das Berliner Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS) im Auftrag von Cornelsen erstellt und Ende März 2022 vorgestellt hat. Für die Schulleitungsstudie, die erstmals durchgeführt wurde, hat das FiBS von Juni bis Oktober 2021 leitfadengestützte Interviews mit 50 Schulleitungen aus allen deutschen Bundesländern und allen Schulformen geführt. Auf den Ergebnissen dieser Interviews aufbauend wurde anschließend anhand eines strukturierten Fragebogens eine repräsentative Online-Umfrage mit insgesamt 1116 Schulleitungen durchgeführt. Bildungsforscher Prof. Dr. Klaus Hurrelmann, unter dessen Beteiligung die Studie realisiert wurde, kommt zu der Ansicht, dass Schulleitungen viel experimentierfreudiger und moderner seien, als man gemeinhin annimmt. „Wer hätte das gedacht? Die Mehrheit der deutschen Schulleiterinnen und Schulleiter sind Reformer. Sie leugnen nicht, dass es in deutschen Schulen immer noch verkrustete Strukturen gibt, die tief im Alltag verankert sind. Aber genau diese wollen sie überwinden“, wird er in der Studie zitiert.

Mehr Digitalität in Schulen

Thema Nr. 1 unter den Schulleitungen sind zurzeit die digitale Infrastruktur und deren Ausstattung. 73 Prozent der befragten Schulleitungen sind der Meinung, dass sich Schule an Digitalität - wie Technik zum Lernen genutzt wird - orientieren sollte und 97 Prozent sind sogar der Überzeugung, dass Schüler*innen den verantwortungsbewussten Umgang mit digitalen Medien in der Schule lernen sollten. Insbesondere Apps und andere digitale Programme würden 87 Prozent der Schulleitungen zufolge das individualisierte Lernen in Zukunft unterstützen, während 78 Prozent davon überzeugt sind, dass sich das Schulmanagement durch die Einbindung technischer Hilfsmittel vereinfachen ließe. Für die Schulleitungen kann eine fortschreitende Digitalisierung aber nur mit entsprechenden Fortbildungen und personellen Aufstellungen einhergehen. Nur wenn Lehrkräfte wissen, wie sie mit digitalen Medien unterrichten können, würde Digitalisierung gelingen.

Schule soll lebensnah und gerecht werden
Neben den deutlichen Aussagen zur Digitalisierung in Schulen erklärten die Befragten mit ebenso hoher Übereinstimmung (97 Prozent), dass insbesondere Chancengleichheit ein wesentlicher Teil der Schule der Zukunft sein sollte. 92 Prozent möchten auf individuelle Förderangebote setzen, um allen Schüler*innen gerecht zu werden. 93 Prozent der Schulleitungen wünschen sich aber auch, dass im Unterricht mehr Lebenskompetenzen vermittelt werden, um die jungen Menschen auf das Erwachsensein und die Arbeitswelt vorzubereiten. Zu den „Life skills“ zählen Kompetenzen wie effektive Kommunikation, Beziehungsfähigkeit, Teamfähigkeit und Empathie. Als eine weitere Aufgabe von Schule sehen Schulleitungen die Berufsorientierung - sie steht wie die Lebenskompetenzen für ein erweitertes Verständnis von Bildung und Lernen in der Schule. Bei den gesellschaftlichen Themen sind den Leitungsverantwortlichen insbesondere „Digitale Bildung und Mündigkeit“ (92 Prozent), „Gesundheit und Ernährung“ (90 Prozent) und „Demokratie“ (88 Prozent) wichtig.

Schule braucht neue Inhalte

Viele Schulleitungen wünschen sich also, das Leben aktiv in die Schule zu holen und selbst in den Sozialraum hineinzuwirken. Für sie ist Schule nicht nur ein Ort des fachlichen Lernens, sondern auch des sozialen und beruflichen Lernens. Dazu braucht es innovative, flexible und offene Lernräume, kollaboratives Arbeiten in multiprofessionellen Teams und eine veränderte Lehr- und Lernkultur, die Unterrichtsinhalte stärker inhaltlich und fächerübergreifend verflechtet. Über die Hälfte der befragten Schulleitungen will sich in Zukunft stärker mit einer Veränderung der Lernkultur beschäftigen. 82 Prozent der Schulleitungen sind sogar der Ansicht, dass der Fächerkanon nicht mehr zeitgemäß sei und daher neu gedacht werden müsse. 51 Prozent befürworten projektorientiertes Arbeiten, circa einem Viertel (28 Prozent) würde eine fächerübergreifende Konzeption ausreichen. „Schulleitungen sehen die Schule der Zukunft als eine Schule mit flexiblen räumlichen, zeitlichen und pädagogischen Konzepten für experimentelles, lebensnahes Lernen, eine im Sozialraum verankerte lokale Bildungslandschaft”, lautet eine der Kernbotschaften der Schulleitungsstudie.

Auch der Wunsch nach mehr Fortbildungen ist groß. 72 Prozent der befragten Schulleitungen wünschen sich, dass ihr Lehrkollegium regelmäßig fort- und weitergebildet wird, damit der Lernerfolg ihrer Schüler*innen gesichert werden kann. 96 Prozent der Schulleitungen würden gerne selbst regelmäßig fortgebildet werden, um neue Inspirationen für die Schulentwicklung zu bekommen und ihrer Rolle rundum gerecht zu werden.

Ganztagsschule als Modell der Zukunft

Die Ganztagsschule gilt als das Modell der Zukunft. In der Studie sprach sich eine große Mehrheit aller befragten Schulleitungen für diese Schulform aus. Demnach bietet sie den Schüler*innen die besten Möglichkeiten, ihren eigenen Interessen entsprechend über einen längeren Zeitraum in Gemeinschaft zu lernen und sich zu entfalten. Insbesondere der gebundene Ganztag, bei dem Schüler*innen an mindestens drei Wochentagen bis zum Nachmittag in der Schule gemeinsam verschiedene Lernangebote wahrnehmen, biete laut Schulleitungen die besten Lern- und Gestaltungsmöglichkeiten (89 Prozent) und verbessere damit auch die Bildungschancen (82 Prozent). 73 Prozent der befragten Schulen bieten bereits eine Form der Ganztagsschule (offen, gebunden oder teilgebunden) an. Anna Margarete Davis, Programmleitung von „LiGa - Lernen im Ganztag“ freut sich über das Ergebnis: „Die Schulleitungsstudie bestätigt, dass wir mit unserem Programm ‚LiGa - Lernen im Ganztag‘ viele Themen bearbeiten, die für Schulleiter*innen heute und mit Blick auf die Zukunft relevant sind. Dazu zählt vor allem die Weiterentwicklung der Ganztagsschulen zu Lern- und Lebensorten, die mehr Bildungsgerechtigkeit und individualisiertes Lernen ermöglichen. In LiGa gehen wir der Frage nach, wie Schulleitungen und Schulaufsicht diese Entwicklung gemeinsam voranbringen können - und was sie dafür brauchen. In unserer Programmarbeit spüren wir tagtäglich, was auch die Studie zeigt: Die Motivation, Schule zu verändern, ist groß!“, so Davis.

Mehr Zeit für die Schulentwicklung
Schulleiter*innen repräsentieren ihre Schule, leiten das Kollegium, unterrichten, organisieren, vermitteln bei Problemen und gestalten Schule weiter. Sie haben einen entscheidenden Einfluss darauf, wie Schule gemacht wird. 80 Prozent der Befragten wünschen sich, sich mehr auf die Strategie- bzw. die Unterrichtsentwicklung und den Lernerfolg der Schülerschaft konzentrieren zu können. Hierfür bräuchten sie allerdings auch mehr Zeit, denn rund die Hälfte der Befragten gab an, maximal drei Stunden pro Woche für das Thema Schulentwicklung zur Verfügung zu haben. Mehr Zeit hätten sie auch gerne für die großen Veränderungen, die auf die Schulen zukommen, und die sie gerne vorantreiben würden. Angeführt wird die Einschätzung der aktuell größten Herausforderungen von der Digitalisierung. Damit sind nicht nur der Ausbau der digitalen Ausstattung an Schulen (67 Prozent), sondern auch die Digitalität des Unterrichts (58 Prozent) gemeint. Bauliche Themen wie notwendige Sanierungen, Um- und Neubauten werden zusätzlich als besonders dringlich empfunden (62 Prozent). Knapp dahinter findet sich an vierter Stelle die Personalgewinnung mit 54 Prozent.

Wunsch nach mehr Gestaltungsfreiheit

Stattdessen beanspruchen administrative Aufgaben einen Großteil der Arbeitszeit, 54 Prozent der Schulleitungen verbringen damit laut Studie wöchentlich mehr als zehn Stunden. Aktuell empfindet deshalb ein Großteil der Schulleitungen Unzufriedenheit (72 Prozent). Nur etwas mehr als die Hälfte der Befragten (52 Prozent) blickt optimistisch in die Zukunft. „Die Cornelsen Schulleitungsstudie zeigt, dass die Mehrheit der Schulleitungen in Deutschland ihre Rolle aktiver und souveräner wahrnehmen möchte als bisher, aber dafür nicht die politische und rechtliche Unterstützung erfährt“, fasst Prof. Dr. Klaus Hurrelmann zusammen. Als Brückenbauer zwischen allen Akteur*innen des Systems Schule und als Gestalter*innen für das Wesen einer Schule wünscht sich die überwiegende Anzahl der Schulleiter*innen mehr Autonomie, Gestaltungsfreiheit und eine umfassende Entscheidungsbefugnis bei Personalauswahl, Mitteleinsatz und Schulentwicklung von der Bildungspolitik. Um Schulleitungen als Zukunftsgestalter*innen mehr Ausdruck zu verleihen und ihnen eine Stimme zu geben, beabsichtigt Cornelsen die Schulleitungsstudie von nun an regelmäßig durchzuführen.


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Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 02.06.2022
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