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Bildung + Innovation Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Erschienen am 02.09.2021:

Aus couragierten Kindern werden couragierte Erwachsene

Der Verein Aktion Zivilcourage e.V. bietet Projekte zur Demokratiepädagogik und politischen Bildung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene an

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Bildrechte: Aktion Zivilcourage e.V.

Mit seinen Angeboten will der Verein Aktion Zivilcourage e.V. in Sachsen Demokratie für Kinder erlebbar machen und sie dazu ermutigen, Verantwortung zu übernehmen. Das Projekt „Couragierte Kinder” zeigt schon Kita-Kindern, wie sie ihre Probleme gewaltfrei lösen können und motiviert sie dazu, ihre Meinung zu äußern.


Eine kleine Rauferei auf dem Schulhof oder ein kurzer Schlag mit der Schippe im Sandkasten: In vielen Kitas und Grundschulen lösen Kinder ihre Konflikte mit Gewalt und nicht mit Worten. Einrichtungen in Sachsen, die ihren Kindern gewaltfreies Konfliktlösen vermitteln wollen, können sich von dem Projektteam „Couragierte Kinder” der Aktion Zivilcourage unterstützen lassen. Mit Handpuppen und über Geschichten kommen die Pädagog*innen des Projekts in kindgerechter Weise mit den Kindern ins Gespräch. Fünf Mitarbeiter*innen arbeiten im Team „Couragierte Kinder” zusammen und betreuen circa 16 bis 18 Partnereinrichtungen im Jahr. Bei größeren Problemen bleiben sie mindestens ein Jahr in der Einrichtung.

Die Aktion Zivilcourage
Die Aktion Zivilcourage wurde Ende der 1990er von engagierten Jugendlichen ins Leben gerufen. Vor dem Hintergrund hoher Kommunalwahlergebnisse rechtsextremer Parteien im damaligen Landkreis Sächsische Schweiz und einer zunehmenden Gewaltbereitschaft junger Menschen, wollten sie sich für eine offene, freundliche und wertschätzende Gesellschaft einsetzen. Sie überzeugten engagierte Pirnaerinnen und Pirnaer, den damaligen Bürgermeister, den Landrat, die Polizei, das Amtsgericht und viele Vereine und gründeten ein Bündnis, das sich langfristig und nachhaltig für Demokratie einsetzt und demokratische Werte wie Engagement, Menschenwürde und kontroversen Meinungsaustausch vorlebt.

Ziele des Bündnisses
Seitdem will der in Pirna ansässige Verein Aktion Zivilcourage e.V. mit seinen Angeboten Perspektiven für gesellschaftliches Engagement eröffnen. Dazu gehört, Demokratie erlebbar zu machen, Menschen dazu zu ermutigen, Verantwortung für die Gemeinschaft zu übernehmen und sie dazu zu befähigen an der Gesellschaft teilzuhaben und eine eigene Meinung zu bilden. Der Schwerpunkt der Angebote liegt in der Demokratiepädagogik und politischen Bildung. Der Verein arbeitet sachsenweit und stärkt besonders Menschen im ländlichen Raum. In Form von Workshops und Fortbildungen werden gesellschaftliche und politische Bildungsangebote für alle Altersgruppen angeboten und Begegnungen zwischen Menschen verschiedener Hintergründe ermöglicht. Mit Coachings werden Interessierte außerdem dabei unterstützt, eigene Ideen zu realisieren und an kommunalen Prozessen teilzuhaben.

Das Angebot „Couragierte Kinder”
Die Entwicklung eines sicheren und situationsangemessenen Sozialverhaltens ist eine der zentralen Entwicklungsaufgaben im Kindesalter. Mit dem Projekt „Couragierte Kinder” fördert die Aktion Zivilcourage Kinder zwischen 3 und 12 Jahren in ihren Sozialkompetenzen, stärkt sie für die Herausforderungen des zwischenmenschlichen Umgangs und wirkt damit auch Gewalt, Mobbing und Diskriminierung entgegen. Die Projektverantwortlichen sind überzeugt, dass Kinder, die wissen, wie sie gewaltfrei kommunizieren und anderen Menschen mit Respekt und Empathie begegnen, auch in Zukunft couragiert handeln und Verantwortung für sich und andere übernehmen können.

Langfristig und bedarfsorientiert werden Kinder und pädagogische Fachkräfte in den Partnereinrichtungen Kita, Hort und Grundschule mit Fachtagen, Beratungen und Kindertrainings bei der Teamentwicklung, der Anwendung von Konfliktlösestrategien und wertschätzenden Kommunikation begleitet. Im EFFEKT®-Training „IKPL - Ich kann Probleme lösen!“ beispielsweise lernen Kinder von vier bis sieben Jahren spielerisch und moderiert durch Handpuppen die Grundlagen der sozial-kognitiven Problemlösung kennen und probieren verschiedene Lösungen aus. Dabei lernen sie sozial-kognitive Problemlösefertigkeiten und erwerben Empathiefähigkeit.

Ein weiteres Angebot im Rahmen des Programms „Couragierte Kinder” ist „Gemeinsam Stark”. Das Training mit Elementen aus der Erlebnispädagogik ist für Grundschul- bzw. Hortkinder geeignet und fördert deren Sozialkompetenzen, Selbstwertgefühl und Körperbewusstsein. Im Mittelpunkt steht eine Gruppe, die im Team verschiedene Herausforderungen bewältigen muss und über Wahrnehmungs-, Vertrauens- und Kooperationsspiele lernt, zu helfen und sich helfen zu lassen, Verantwortung zu übernehmen und Strategien für Problemlösungen zu finden.

Kinder werden gehört
Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts ist, das Engagement von Kindern und Jugendlichen zu fördern und sie bewusst in Entscheidungsprozesse einzubeziehen. So erfahren Kinder schon früh, dass ihre Meinung zählt und dass sie Entscheidungs- und Mitgestaltungskraft haben. Denn auch Kinder besitzen natürlich eine Meinung zum aktuellen Weltgeschehen, wollen sich gerne einbringen und auch mitbestimmen. Nur fragt sie meistens keiner. Im Projekt „Couragierte Kinder” sollen sie erzählen, was sie während der Corona-Pandemie beschäftigt, worüber sie sich Gedanken machen und welche Ideen oder Vorschläge sie haben. Die Antworten werden aufgezeichnet und in einem Kurzfilm zusammengeschnitten.

Weitere Projekte
Über das Programm „Couragierte Kinder” hinaus hat der vielfach ausgezeichnete Verein noch jede Menge weitere Angebote für Kinder, Jugendliche und Pädagog*innen im Programm. Dazu gehört der Bereich „Gesellschaft lernen”, in dem Kinder vor Ort erfahren, wie das öffentliche Leben einer Stadt funktioniert oder bei dem sie Planspiele machen, in denen sie lernen, wie Entscheidungen im Stadtrat getroffen werden, indem sie selbst in entsprechende Rollen schlüpfen.

Auch Projekte zum globalen und sozialen Lernen gehören dazu und solche, die zum Abbau von Vorurteilen, Alltagsrassismus und Diskriminierung beitragen, Zivilcourage fördern und Medienkompetenz stärken. Bei letzteren setzen die Teilnehmer*innen sich u.a. mit Hass und Diskriminierung im Netz auseinander und bekommen Handlungskompetenzen für „Counterspeech” (Gegenrede) an die Hand, um in sozialen Netzwerken auf „Hate Speech” reagieren zu können.


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Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 02.09.2021
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