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Bildung + Innovation Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Erschienen am 17.09.2020:

„Wir zeigen unser Gesicht gegen Diskriminierung und Menschenfeindlichkeit.“

Der Verein „Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland e.V.“ setzt sich gegen Rechtsextremismus ein

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Bildrechte: Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland

Der Verein „Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland e.V.“ mit Sitz in Berlin setzt sich gegen Rechtsextremismus ein. Er sensibilisiert Menschen gegen jede Art von Diskriminierung und ermutigt sie, gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus und rechte Gewalt aktiv zu werden. Der Verein arbeitet in den Bereichen Aufklärungs- und Projektarbeit.


Im August 2000 haben Uwe-Karsten Heye, Paul Spiegel und Michel Friedman den Verein „Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland“ in Berlin gegründet, um für eine tolerante Gesellschaft einzutreten. Damals dachten sie, dass ihr Verein bald wieder überflüssig sein werde. Wütend über die rechtsextremistischen Anschläge in Mölln und Solingen und nach dem Brandanschlag auf die Synagoge in Düsseldorf im Herbst 2000, hatten sie gehofft, der „Aufstand der Anständigen“ würde Wirkung zeigen. „Wir hatten gehofft, ein paar intensive Jahre würden ausreichen, um Deutschland zu einem weltoffenen Ort und uns überflüssig zu machen. Leider mussten wir feststellen: Pustekuchen“, stellten sie ernüchtert fest. Anlässlich des internationalen Holocaust-Gedenktags am 27. Januar 2020 erklärte Uwe-Karsten Heye: „Wir müssen uns eingestehen, dass rechtsnationalistisches Denken und Handeln nicht überwunden sind.“ Der Verein „Gesicht zeigen!“ ist deshalb - trotz aller Erfolge in den vergangenen Jahren - immer noch aktiv und feierte im August 2020 sein 20-jähriges Bestehen.

Aufgaben und Ziele von „Gesicht zeigen!“
Ziel des Vereins war von vorneherein die Stärkung des gesellschaftlichen Engagements, die Förderung einer internationalen Haltung und die Sensibilisierung gegen jede Art von Diskriminierung. „Gesicht zeigen!“ will Menschen zusammenbringen und mit seinen Aktivitäten dazu ermutigen, gegen Rassismus, Antisemitismus und rechtsextreme Gewalt einzustehen. „Gesicht Zeigen! ist nicht nur der Name unseres Vereins, sondern bedeutet auch aktiv zu sein. Ob internationale Aktionswochen gegen Rassismus, Flashmob vor dem Bundeskanzleramt, Demonstrationen gegen AfD und Pegida in Dresden, Leipzig oder Berlin - wir zeigen unser Gesicht gegen Diskriminierung und Menschenfeindlichkeit“, erklären die Initiatoren.

Der Verein entwickelt und unterstützt Projekte und Aktionen, die Vorurteile abbauen und das Miteinander fördern. Er initiiert Kampagnen für Zivilcourage, die von zahlreichen Prominenten unterstützt werden, er greift in die aktuelle politische Debatte ein und bezieht öffentlich Stellung. „Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland“ vertritt seine Ziele in der Öffentlichkeit außerdem durch Publikationen, Veranstaltungen, Plakate und Ausstellungen. Finanziert durch Spenden und Mitgliedsbeiträge, werden Projekttätigkeiten auch durch öffentliche Fördermittel ermöglicht. Der Verein arbeitet mit öffentlichen und privaten Organisationen und Institutionen zusammen, die seine Ziele teilen, und ist Teil der Initiative „Transparente Zivilgesellschaft“. Seit Juli 2006 ist Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröder Schirmherr von „Gesicht Zeigen!“

Verschiedene Projekte
Neben der umfangreichen Öffentlichkeitsarbeit zur Aufklärung der Gesellschaft, richtet sich „Gesicht zeigen!“ auch mit Workshops, Fortbildungen, Beratungen und Projekten zu Themen wie Ausgrenzung, Vorurteile oder Zivilcourage an Schüler*innen, Lehrer*innen, Multiplikator*innen und andere Interessierte.

Seit 2008 geht „Gesicht zeigen!“ beispielsweise gemeinsam mit Prominenten im Rahmen des Projekts „Störungsmelder on tour“ auf Schulbesuche und diskutiert mit Schüler*innen über rechtsextreme Codes und Styles, klärt auf über rechte Musik und rechte Parolen, informiert über Rechtspopulisten und führt Workshops zu Zivilcourage durch. Mit dem Projekt „Die Freiheit, die ich meine“ - ein Projekt zur politischen Bildung, das sich gegen Muslimfeindlichkeit und religiösen Fanatismus wendet - richtet er sich insbesondere an muslimische Mädchen und Frauen, die von Mehrfachdiskriminierungen betroffen sind - Religionszugehörigkeit, Rassismus, schwierige sozioökonomische Umstände, ein patriarchales oder ein bildungsfernes Umfeld - und unterstützt sie dabei, diesen Herausforderungen selbstbewusst und eigenständig zu begegnen. Für das Engagement im Bereich Geschlechtergerechtigkeit wurde „Gesicht Zeigen!“ mit dem Hatun-Sürücü-Preis (2020), dem Erika-Heß-Preis (2019) sowie mit dem Phineo Wirkt-Siegel (2019) ausgezeichnet. Anfang 2020 hat der Verein das Projekt „United! - Gemeinsam gegen Rechtsextremismus“ ins Leben gerufen. Als aktives Mitglied des neuen, bundesweiten Kompetenznetzwerks Rechtsextremismusprävention und gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, beschäftigt sich das Team von „United!“ unter anderem mit den Folgen und Auswirkungen von Rechtsextremismus im Kontext von Justiz und Wirtschaft.

Fortbildungen, Fachtage und Konferenzen
Die Erfahrungen, die der Verein in der pädagogischen Praxis zu demokratie-relevanten Themen in den vergangenen Jahren gesammelt hat, will er in Fortbildungen für Multiplikator*innen und pädagogische Fachkräfte weitergeben. Schwerpunkt der Angebote bilden Materialien und Methoden (Lehr- und Lernansätze) für die politische Arbeit mit bildungsbenachteiligten Jugendlichen. Er informiert und berät außerdem zu Themen wie Rassismus, Diskriminierung, Muslimfeindlichkeit, Rechtspopulismus, Antisemitismus und Demokratieförderung. In regelmäßigen Abständen werden auch bundesweite Fachtage organisiert, die einen Austausch zu aktuellen Themen initiieren sollen. Referent*innen berichten von ihren täglichen Erfahrungen in der politischen Bildungsarbeit und der Demokratieförderung. Sie klären auf über rechte und rechtspopulistische Strategien und Akteure, Hate Speech sowie den Umgang mit Vielfalt und zivilcouragiertes Handeln.

10 Jahre „Lernort 7xjung“
Am „Lernort 7xjung - Dein Trainingsplatz für Zusammenhalt und Respekt“ veranstaltet „Gesicht zeigen!“ seit zehn Jahren Workshops zu den Themen Antisemitismus, Geschichte des Islam und die NS-Zeit für Schulklassen aller Schularten ab Jahrgangsstufe 5, für Berufsschulgruppen, Lerngruppen und „schuldistanzierte“ Jugendliche und Studierende. „7xjung - Dein Trainingsplatz für Zusammenhalt und Respekt“ ist der außerschulische Lernort von „Gesicht Zeigen!“ mitten in Berlin. Er wird von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie des Landes Berlin gefördert und umfasst auch mehrwöchige Bildungsprogramme des Teams von „Die Freiheit, die ich meine“ und Fortbildungs- sowie Beratungsformate. Der Lernort bietet ungewöhnliche Zugänge zur aktiven Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus sowie zu Identität, Ausgrenzung und Zivilcourage.

In seiner 20-jährigen Geschichte kann „Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland e.V.“ auf zahlreiche erfolgreiche Projekte, Publikationen, Kampagnen und eine Vielzahl von engagierten Workshops mit insgesamt rund 27.500 Kindern und Jugendlichen zurückblicken. Der Verein ist 2006 mit der Buber-Rosenzweig-Medaille geehrt worden, die jährlich an Persönlichkeiten, Initiativen oder Einrichtungen vergeben wird, die einen Beitrag für die christlich-jüdische Zusammenarbeit leisten.





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Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 17.09.2020
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