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Bildung + Innovation Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Erschienen am 27.05.2021:

„Vielfalt ist eine Chance.“

Das Projekt „Schule als Ort der Vielfalt“ fördert Integration und Teilhabe an Schulen

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Bildrechte: „Schule als Ort der Vielfalt“

Das Gemeinschaftsprojekt „Schule als Ort der Vielfalt“ von Teach First Deutschland und dem Beratungsunternehmen IMAP stärkt Teilhabeformate für Kinder, Jugendliche und deren Eltern an Schulen in Baden-Württemberg. Nach Projektende werden die erarbeiteten Handlungsansätze als Beispiele guter Praxis an andere Standorte und Akteure der Bildungsarbeit weitergegeben.


Die Vielfalt unserer Gesellschaft zeigt sich besonders in den Schulen. Über ein Drittel aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland haben einen Migrationshintergrund. Da sie deutlich häufiger von Armut betroffen sind, haben Schulen in strukturschwachen Regionen nicht selten einen Anteil von 70 bis 80 Prozent an Schüler*innen mit Migrationsgeschichte.

Das Projekt „Schule als Ort der Vielfalt“
Das dreijährige Schulentwicklungsprojekt „Schule als Ort der Vielfalt“ (Januar 2020 bis Juni 2022) möchte dazu beitragen, Integration und Teilhabe an Schulen in Baden-Württemberg zu stärken, damit Schüler*innen mit Migrationshintergrund gleiche Chancen auf Bildung bekommen. An zehn ausgewählten Schulstandorten werden gemeinsam mit den Schulen innovative Lösungsansätze für gelingende Teilhabe erarbeitet und als kultursensible Veränderungsprozesse umgesetzt. Im Fokus stehen die Förderung der demokratischen Teilhabe von Menschen mit Migrationshintergrund sowie der Aufbau nachhaltiger Organisationsstrukturen für die Integrationsarbeit in der Schule. In der ersten Projektphase geht es um die Entwicklung einer kultursensiblen Elternarbeit und Angebote im Rahmen der Berufsvorbereitung. Die fünf teilnehmenden Projektschulen der ersten Runde führen das Projekt von Anfang 2020 bis Mitte 2021 durch. Sie repräsentieren die vier Regierungspräsidien des Bundeslandes und befinden sich in den Städten Mannheim, Offenburg, Pforzheim, Ehingen und Heilbronn. Fünf weitere Schulen folgen zu einem späteren Zeitpunkt.

Die Projektpartner

Ausgerichtet wird das Projekt von Teach First Deutschland in Zusammenarbeit mit IMAP, gefördert wird es durch das EU-Förderprogramm AMIF (Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds). Teach First Deutschland ist eine gemeinnützige Bildungsorganisation, welche seit 2009 Hochschulabsolvent*innen, sog. Fellows an Schulen in strukturschwachen Gebieten Deutschlands einsetzt, um Lehrkräfte zu entlasten und Kinder und Jugendliche gezielt zu fördern. Die Fellows werden insbesondere an Schulen mit einem hohen Ausländeranteil eingesetzt. Sie wollen vermitteln, dass kulturelle Vielfalt an Schulen nicht nur eine Herausforderung, sondern vor allem eine Chance ist, die die Perspektivenvielfalt erhöht, zur Auseinandersetzung mit der eigenen Identität anregt und das Lehren und Lernen durch neue Impulse und unterschiedliche Erfahrungshintergründe bereichert. Im Rahmen des Projekts „Schule als Ort der Vielfalt“ werden 150 Fellows für den erfolgreichen Umgang mit Vielfalt an den Schulen qualifiziert. Neben dem Büro in Berlin hat Teach First Deutschland vier Regionalbüros, welche die Fellows in verschiedenen Bundesländern betreuen. Die Fellows aus dem Projekt „Schule als Ort der Vielfalt“ werden vom Regionalbüro Süd begleitet. IMAP ist ein systemisches Beratungsunternehmen für den öffentlichen Sektor mit Sitz in Düsseldorf und Berlin. Die Berater*innen von IMAP unterstützen die Bildungsorganisation und die Fellows durch ihre Erfahrungen in der Prozessbegleitung, im Vielfaltsmanagement und in der Gestaltung effektiver Interventionen.

Bedarfe der Projektschulen
Nach einer gemeinsamen Auftaktveranstaltung im Januar 2020 hat die Umsetzung des Modellprojekts an den ersten fünf Schulstandorten begonnen. Als erstes erfolgte eine Diagnosephase zur Analyse der Ausgangslage an den Schulen mit den jeweiligen individuellen Herausforderungen und Bedarfen. Wegen der Corona-Pandemie fanden zunächst alle Kennenlern-Gespräche und auch die Bestandsaufnahmen telefonisch oder digital statt. Die Erkenntnisse aus dieser Phase wurden genutzt, um bedarfsgerechte Maßnahmen für die einzelnen Standorte zu bestimmen.
Die Pfingstbergschule in Mannheim beispielsweise ist im Bereich der Berufsorientierung schon gut aufgestellt, aus diesem Grund möchte sie im Rahmen des Projekts gezielt die kultursensible Elternarbeit stärken und für Interkulturalität sensibilisieren. Die Eltern der Schule bringen sehr vielfältige Kulturen mit und sind durch sprachliche Barrieren wenig am Schulalltag beteiligt. Auch an der Rosenauschule in Heilbronn kommen die meisten Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund, sodass eine internationale Elternarbeit sehr wichtig ist. An Elternabenden wird die Schule von einem großen Netz an Übersetzer*innen unterstützt. Von der Teilnahme an dem Projekt erhofft sich die Schule Fortschritte in der Elternarbeit und eine Stärkung der Zusammenarbeit aller an der Schule Beteiligten. Anders sieht es an der Astrid-Lindgren-Schule, einer Grund-, Haupt und Werkrealschule in Offenburg, aus. Hier funktioniert die Zusammenarbeit mit den Eltern schon recht gut, doch es fehlen kultursensible Angebote im Rahmen der Berufsvorbereitung. Deshalb soll während des Projekts der Schwerpunkt darauf gelegt werden.

Im Austausch miteinander - dazu gehören noch die Insel-Werkrealschule in Pforzheim und die Grund- und Werkrealschule Michel-Buck in Ehingen - möchten alle Schulen ihre Projektziele voranbringen. Sie suchen Wege, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu erkennen und von den Erfahrungen der anderen Schulen zu lernen. Dies geschieht durch den regelmäßigen Austausch mit den Fellows und auf Vernetzungsveranstaltungen, auf denen Lehrkräfte sowie das gesamte soziale Umfeld der Modellschulen miteinander ins Gespräch kommen. Auch die fünf Schulen, die in der zweiten Förderperiode dazu kommen, werden zukünftig in die Treffen eingebunden.

Erfolgreiche Projektansätze werden weitergetragen
Um langfristig Wirkung zu entfalten, fließen die Projektergebnisse in die Schulprogramme der jeweiligen Schulen ein. Die erprobten Projektansätze werden außerdem als Beispiele guter Praxis in Form von Handlungskonzepten an andere Standorte und Akteure der Bildungsarbeit weitergegeben; so können nicht beteiligte Schulen und auch die nachfolgenden Fellow-Jahrgänge davon profitieren. Eine weitere Handreichung, an der auch das Kultusministerium beteiligt ist, wird für interessierte Schulen Baden-Württembergs erstellt. Und schließlich soll über die internationale Dachorganisation Teach For All das Thema „Vielfaltsmanagement durch Netzwerkarbeit an Schule“ auch im internationalen Bildungsdiskurs fortgeführt werden.


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Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 27.05.2021
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