Suche

Gebärdensprache DGS-Button Leichte Sprache LS-Button
Erweiterte Suche

Ariadne Pfad:

Inhalt

Bildung + Innovation Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Erschienen am 20.05.2021:

„Etablierung einer diversitätssensiblen Schulentwicklung.“

Das Projekt „Vielfalt entfalten“ will Benachteiligungen von Kindern und Jugendlichen entgegenwirken, damit alle Kinder erfolgreich lernen können

Bild

Bildrechte: „Vielfalt entfalten - Gemeinsam für starke Schulen“

„Vielfalt entfalten - Gemeinsam für starke Schulen“, ein Projekt der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung will das Bewusstsein für Diversität und Diskriminierung im Schulalltag schärfen und die Gestaltung eines vorurteilsbewussten und chancengerechten Unterrichts fördern. 2019 ist das Projekt in Schleswig-Holstein gestartet.


Die Gesellschaft in Deutschland wird immer vielfältiger. Damit diese Vielfalt in der Arbeitswelt als Normalität und Chance begriffen wird, hat die Charta der Vielfalt e. V. - ein mehr als 3.900 Organisationen starkes Netzwerk - am 18. Mai 2021 bereits zum neunten Mal den Deutschen Diversity-Tag (DDT21) ausgerichtet. In diesem Jahr zeigten die Unterzeichner*innen des Netzwerks und ihre Beschäftigten sowie alle Organisationen und Unternehmen, in denen Diversity gelebt wird und die sich gegen Diskriminierung stark machen, mit über 2.000 kreativen Online-und Offline-Aktionen bundesweit Flagge für Vielfalt. Als Unterzeichnerin der Charta der Vielfalt hat auch die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) es sich zur Aufgabe gemacht, nicht nur als Arbeitgeberin für mehr Diversität und gegen Diskriminierung einzustehen, sondern auch Chancengleichheit und Vielfalt an Schulen zu fördern. So unterstützt sie mit dem Projekt „Vielfalt entfalten - Gemeinsam für starke Schulen“ über einen Zeitraum von vier Jahren (2019 bis 2023) die Etablierung einer diversitätssensiblen Schulentwicklung, um der Benachteiligung von Kindern und Jugendlichen entgegenzuwirken. Gefördert wird das Projekt von der Stiftung Mercator.

Vielfalt fördern
Schulen stehen vor der Herausforderung, Barrieren sowie strukturelle Diskriminierung abzubauen und ein Umfeld zu gestalten, in dem ein gemeinsames, wertschätzendes Lernen für alle Schüler*innen möglich ist. Vor allem Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund und schwachem sozioökonomischen Status werden in Folge von strukturellen Diskriminierungen besonders häufig in der Schule ungleich behandelt. „Alle Schüler*innen in Deutschland sollen das Recht auf gleiche Chancen für ihren Bildungsweg haben. Mit dem Projekt `Vielfalt entfalten` unterstützen wir Akteure in Schulen und Bildungsverwaltungen dabei, diversitätssensibel auf die wachsende Heterogenität der Schülerinnen und Schüler einzugehen, damit alle Kinder erfolgreich lernen können und Diversität in Deutschland zum Normalfall wird“, so Michael Schwarz, Geschäftsführer der Stiftung Mercator.

Ziel des Projekts ist es, das Bewusstsein für Diversität und Diskriminierung im Schulalltag zu schärfen und dies als Potenzial für die Unterrichts- und Schulentwicklung zu nutzen. „Wir schauen nicht auf Defizite, sondern auf das, was junge Menschen mitbringen. Daran knüpfen wir auch mit dem Projekt Vielfalt entfalten an und bestärken Lehrkräfte in Werkstätten und anderen Austauschformaten darin, chancengerechter und vorurteilsbewusster zu unterrichten. Gemeinsam wollen wir dafür konkrete Handlungsansätze erarbeiten“, erklärt Dr. Heike Kahl, Geschäftsführerin der DKJS. Durch die enge Zusammenarbeit von Schulen und Bildungsverwaltung im Rahmen des Projekts werden Diversitätsansätze in den Bereichen Unterrichts-, Personal- und Organisationsentwicklung systematisch miteinander verknüpft.

Unterschiedliche Formate und Veranstaltungen

Seit 2019 nehmen in Schleswig-Holstein 27 Schulen sowie Mitarbeiter*innen des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur und des Instituts für Qualitätsentwicklung an Schulen an dem Projekt teil. In drei weiteren Bundesländern soll das Projekt zu einem späteren Zeitpunkt starten. Insgesamt werden 150 bis 200 Schulen gemeinsam mit rund 150 Mitarbeitenden der Bildungsverwaltungen individuelle Vorhaben für die eigene Schule sowie Modelle zum Umgang mit Diversität im Schulalltag, beispielsweise in den Themenfeldern Elternarbeit, Umgang mit eigenen Vorurteilen, Heterogenität im Fachunterricht oder Digitalisierung im Kontext von Vielfalt, entwickeln. An diesen eigenen Entwicklungsvorhaben aus der Alltagspraxis reflektieren, trainieren und qualifizieren die Akteur*innen ihre Haltung und Handlungsmuster. In Netzwerktreffen und Trainings werden sie dazu ermutigt, sich aktiv mit Fragen zu Diversität und Diskriminierung auseinanderzusetzen und den Fragen nachzugehen, wie ein Umfeld aussieht, in dem Schüler*innen verschiedener Herkunft, Lebenssituation und Identität gut miteinander lernen können, welchen Beitrag Lehrkräfte, Schulleitungen, Mitarbeitende der Lehrkräftebildung und die Bildungsverwaltung dazu leisten können und welche außerschulische Begleitung es dafür braucht. Außerdem erhalten sie kollegiales Feedback zu ihren Vorhaben sowie fachliche Impulse und Einblicke in die Praxis bewährter Modelle anderer Schulen und Akteure.

Impulse für die pädagogische Praxis
Regelmäßig stattfindende Fachtage auf Landes- und Bundesebene sollen Lehrkräften, Schulleitungen, Mitarbeitenden der Lehrkräftebildung sowie der interessierten Fachöffentlichkeit einen Erfahrungs- und Fachaustausch zu den Themen Diversität, vorteilsbewusste Bildung und diversitätsorientierte Schulentwicklung ermöglichen und besonders Teilnehmer*innen aus Schule und Lehrkräftebildung neue Perspektiven bieten sowie einen kritischen Austausch anstoßen. In Schleswig-Holstein hat der erste Landesfachtag im August 2020 bereits stattgefunden. Rund 200 Politiker*innen, Bildungsexpert*innen, Lehrkräfte, Vetreter*innen der Bildungsverwaltung und außerschulische Akteur*innen trafen sich unter dem Titel „Diversitätssensible Schulentwicklung - Impulse und Vernetzung für die pädagogische Praxis“, tauschten sich wegen der Corona-Pandemie in virtuellen Workshops über ihre Erfahrungen aus der Schulpraxis aus und diskutierten darüber, wie eine diversitätssensible Schulentwicklung in Schleswig-Holstein gelingen kann. „Gerade vor dem Hintergrund des wachsenden Rassismus, des Anstiegs von Diskriminierung, gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Rechtsextremismus gewinnt diversitätssensible Schulentwicklung enorm an Bedeutung. Deshalb müssen wir langfristige Maßnahmen und tragfähige Konzepte für Teilhabe und Bildungsgerechtigkeit aller Schülerinnen und Schüler entwickeln und ausbauen“, mahnte Karin Prien, Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein anlässlich des ersten digitalen Landesfachtages des Projekts.

Bedarfe im Bereich diversitätsorientierter Lehrkräftebildung
In Diversity-Werkstätten identifizieren Multiplikator*innen der Bildungsverwaltung und Lehrkräftebildung sowie außerschulische Partner*innen, wie z.B. Migrant*innenorganisationen außerdem Bedarfe im Bereich diversitätsorientierter Lehrkräftebildung und Schulentwicklung. Sie erarbeiten Strategien, um Schulen dabei zu unterstützen, ein Umfeld zu schaffen, in dem Schüler*innen unterschiedlicher Herkunft, Lebenssituation und Identität chancengerechter lernen können. Gleichzeitig werden Handlungsansätze entwickelt, um das Thema Diversität stärker in der Lehrkräfteaus- und -weiterbildung zu verankern. In Schleswig-Holstein arbeiten Akteur*innen der Lehrkräftebildung, Schulaufsichten, Referent*innen aus dem Bildungsministerium sowie außerschulische Kooperationspartner*innen in verschiedenen Gruppen an gemeinsamen Vorhaben zur Förderung einer diversitätssensiblen Schulentwicklung. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen langfristig im Bildungssystem verankert werden.



Ihr Kommentar zu diesem Beitrag. Dieser Beitrag wurde bisher nicht kommentiert.

 Weitere Beiträge in „Bildung + Innovation“.

Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 20.05.2021
© Innovationsportal

Die Übernahme von Artikeln und Interviews - auch auszugsweise und/oder bei Nennung der Quelle - ist nur nach Zustimmung der Online-Redaktion von Bildung + Innovation erlaubt.

Die Redaktion des Online-Magazins Bildung + Innovation arbeitet journalistisch frei und unabhängig. Die veröffentlichten Beiträge bilden u. a. auch interessante Einzelmeinungen zum Bildungsgeschehen ab; die darin zum Ausdruck gebrachte Meinung entspricht nicht notwendig der Meinung der Redaktion oder des DIPF.

Inhalt auf sozialen Plattformen teilen (nur vorhanden, wenn Javascript eingeschaltet ist)