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Bildung + Innovation Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Erschienen am 11.03.2021:

Frauen machen Geschichte.

Das Digitale Deutsche Frauenarchiv (DDF) ist das Fachportal zur Geschichte der deutschsprachigen Frauenbewegungen

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Bildrechte: Digitales Deutsches Frauenarchiv

Das Digitale Deutsche Frauenarchiv (DDF) bündelt das Wissen über die deutschsprachigen Frauenbewegungen und lädt dazu ein, Themen, Akteurinnen und Netzwerke der Frauenbewegungen aus zwei Jahrhunderten kennenzulernen. Dazu präsentiert es neben Essays von Expertinnen digitalisiertes Material aus 40 Frauenarchiven, -bibliotheken und -dokumentationsstellen, die im i.d.a.-Dachverband organisiert sind.


Seit 110 Jahren wird am 8. März der Internationale Frauentag gefeiert. Rund um dieses Datum finden in Deutschland und in vielen anderen Ländern Veranstaltungen statt, auf denen die Gleichstellung von Mann und Frau gefordert wird. In diesem Jahr gab es wegen der Corona-Pandemie vielfältige Online-Angebote. Auch nach über hundert Jahren verlieren viele Forderungen nicht an Bedeutung: Auch heute sind Frauen am stärksten von Mehrfachdiskriminierungen betroffen, arbeiten häufig in niedrig entlohnten Berufen und bekommen auch bei gleichwertigen Tätigkeiten oft nicht den gleichen Lohn wie Männer. Frauen unterbrechen außerdem ihre Erwerbsarbeit nach wie vor deutlich häufiger als Männer für die Kindererziehung und die Pflege Angehöriger.

Ein Portal, das die Geschichte und die Forderungen der deutschsprachigen Frauenbewegungen sichtbar macht, ist das Digitale Deutsche Frauenarchiv (DDF). Seit 2018 macht es ausgewählte Quellen der Frauenbewegungsgeschichte in digitalisierter Form zugänglich und lädt dazu ein, Themen, Akteurinnen und Netzwerke der Frauenbewegungen aus zwei Jahrhunderten kennenzulernen.

Der Dachverband i.d.a. - informieren, dokumentieren, archivieren
Träger des DDF ist der i.d.a.-Dachverband, in dem rund 40 Lesben- und Frauenarchive, -bibliotheken und -dokumentationsstellen aus Deutschland, der Schweiz, Österreich, Luxemburg und Italien organisiert sind, die als zentrale Anlaufstellen Lesben- und Frauengeschichte im deutschsprachigen Raum zeigen und bewahren. Sie präsentieren im DDF Digitalisate aus ihren Beständen: Dazu gehören Bücher und Zeitschriften, Originaldokumente wie Briefe, Fotos oder Tonaufnahmen und Schätze aus Nachlässen von feministischen Wegbereiterinnen. Durch regionale Sammelschwerpunkte der einzelnen i.d.a.-Einrichtungen werden neben den allgemeinen Entwicklungen auch lokale Besonderheiten der Frauenbewegungen dargestellt.

Schon 2012 startete der i.d.a.-Dachverband das META-Projekt mit dem Ziel, die Bestände der ca. 40 Mitgliedereinrichtungen über eine zentrale Nachweisdatenbank im Internet recherchierbar zu machen. 2015 ging der META-Katalog online, seit Juli 2016 ist das META-Projekt in das Digitale Deutsche Frauenarchiv übertragen worden und bietet hier die Datengrundlage für das Online-Fachportal. Die digitalisierten Materialien bieten direkte Einblicke in die Bestände der Einrichtungen zur Frauenbewegung. Mehr als 540.000 Datensätze und 10.000 Digitalisate sind bereits online zu entdecken und kontinuierlich wird das Portal von der Berliner DDF-Geschäftsstelle weiter ausgebaut und wissenschaftlich kuratiert.

Gefördert wird das digitale Archiv vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Über den DDF-Projektfonds erhalten auch die i.d.a.-Einrichtungen eine Förderung zur Digitalisierung ihrer Bestände, die sie im DDF präsentieren. Bundesministerin Dr. Franziska Giffey erklärte am 14. Januar 2020 im Rahmen einer Pressekonferenz: „Ich freue mich sehr, dass wir das Digitale Deutsche Frauenarchiv ab diesem Jahr institutionell fördern. Durch dieses digitale Archiv können wir uns praktisch an jedem Ort der Welt und zu jeder Zeit ansehen und bestaunen, was die Frauenbewegung erkämpft hat. Für eine moderne Gleichstellungspolitik ist es wichtig, sich diese historische Errungenschaft bewusst zu machen. Die Erinnerung an Vorbilder macht Mut für aktuelle Auseinandersetzungen, wie den Einsatz gegen häusliche Gewalt und die Aufwertung der sozialen Berufe.“

Akteurinnen der Frauenbewegung
Die einzelnen Rubriken des Portals machen die Themen und Vorbilder der Frauenbewegung sichtbar. Über 100 Essays geben in der Rubrik „Akteurinnen“ einen biografischen Überblick über das Leben und Wirken von Pionierinnen, die vielen Frauen den Weg in die Emanzipation geebnet haben und Vereine, Frauengruppen oder Proteste organisierten. Darunter sind bekannte, wie Alice Salomon, Rosa Luxemburg oder Clara Zetkin, aber auch weniger bekannte Alltagskämpferinnen, Aktivistinnen und Außenseiterinnen. Zugleich werden auch Organisationsformen und Zusammenschlüsse vorgestellt, wie zum Beispiel der Allgemeine Deutsche Frauenverein (ADF), der von 1865 bis 1933 existierte, und eine der größten und erfolgreichsten Selbsthilfeorganisationen von Frauen in Deutschland war.

Die Themen der Frauenbewegungen
Um ihre Forderungen nach Gleichberechtigung und Gleichstellung sichtbar zu machen, organisierten viele Frauen Demonstrationen, gründeten eigene Zeitschriften, schufen sich mit Frauenzentren oder -buchhandlungen eigene Räume und rebellierten mit Hilfe von Kunst und Kultur gegen patriarchale Geschlechterverhältnisse. Das Portal macht in zahlreichen Essays von ausgewiesenen Expertinnen und Wissenschaftlerinnen in sechs großen Themenschwerpunkten auf die Forderungen der Frauenbewegungen aufmerksam. Dazu gehören gleichberechtigte Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen, gleicher Lohn bei gleicher Arbeit, gerechte Aufgabenverteilung in den Bereichen Hausarbeit, Erziehung und Pflege, das aktive und passive Wahlrecht für Frauen sowie gleichberechtigte Teilhabe an Bildung und Wissen für Frauen und Mädchen an Schulen und Universitäten. Auch arrangierte Ehen und Gewalt im familiären Bereich und in Paarbeziehungen wurden in das öffentliche Bewusstsein gerückt. Die Frauenbewegungen kämpften für das Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper, wozu auch das Recht auf die eigene Entscheidung über einen Schwangerschaftsabbruch gehört. Alle Essays sind mit ausgewählten digitalisierten Schlüsseldokumenten versehen, die den jeweiligen Textinhalt unterstreichen. Diese Digitalisate (Textdokumente, Plakate, O-Töne, Filme etc.) sind mit dem META-Katalog verknüpft und können dort direkt in den i.d.a.-Beständen recherchiert werden. Auch sind die Essays über Verlinkungen und Verweise thematisch miteinander verbunden und laden so zu Entdeckungstouren durch das Portal ein.

Weitere Angebote
Darüber hinaus gibt es auf der Webseite weiterführende Informationen und Angebote wie zum Beispiel ein Dossier zum Thema „30 Jahre geteilter Feminismus“, das 30 Jahre deutsche Einheit aus feministischer Sicht begleitet. Oder die Feministische Sommeruni, die seit 2018 jeden Sommer unterschiedliche Feminismen, Generationen und Akteur*innen verbindet und aktuelle sowie historische Perspektiven aus feministischen Archiven, frauenbewegter Kultur, Wissenschaft und Politik zusammenbringt. Erst im Februar 2021 trafen sich Interessierte im DDF-Blog zur Online-Konferenz „Digital Humanities and Gender History“. Die Konferenz wurde gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Geschlechtergeschichte der Friedrich-Schiller-Universität Jena und dem Arbeitskreis Historische Frauen- und Geschlechterforschung e.V. veranstaltet und hat geschlechtergeschichtliche Aspekte der Geschichte des Digitalen und der Digital Humanities sowie die Anwendung von digitalen Methoden und Forschungsworkflows für geschlechtergeschichtliche Fragestellungen und Erkenntnisinteressen aufgegriffen.




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Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 11.03.2021
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