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Bildung + Innovation Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Erschienen am 21.11.2019:

„Freude an Bewegung und eine gesunde und genussvolle Lebensführung müssen im Kindesalter gefördert werden.“

Das Präventionsprogramm KIKS UP

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Bildrechte: KIKS UP

Das Präventionsprogramm KIKS UP vereint die Ansätze Bewegungsförderung, Ernährungsbildung und Genusstraining und unterstützt seit 15 Jahren Erzieher/innen, Lehrkräfte und Eltern dabei, Kinder in Kindertagesstätten, Schulen und Vereinen zu starken Persönlichkeiten zu machen und der Entwicklung von Fehlernährung sowie Gewalt- und Suchtverhalten vorzubeugen.


Begonnen hat alles im Jahr 2004. Zwei leitende Ärzte aus Bad Nauheim - Prof. Dr. med. Bernd Wüsten, Chefarzt der Klinik am Südpark, und Dr. M. Johannes Peil, leitender Arzt der Sportklinik Bad Nauheim und 1. Vorsitzender des Instituts für Sporternährung e.V. - beabsichtigten ein Programm zu entwickeln, in dem es um Bewegung und Ernährung im Kindergarten und in der Grundschule geht. Zufälligerweise versuchten zur gleichen Zeit Jochen Mörler vom Fachbereich Soziales der Stadt Bad Nauheim und Guido Glück von der Fachstelle Suchtprävention des Wetteraukreises, Programme zur psychosozialen Gesundheit in den gleichen Einrichtungen zu etablieren, um eine gesunde Entwicklung der Kinder zu unterstützen. Beide Initiativen fanden zusammen und entwickelten gemeinsam das ganzheitliche Präventionsprogramm KIKS UP, das die Ansätze Bewegungsförderung, Ernährungsbildung und Genusstraining vereint und damit die Lebens- und Sozialkompetenz der Kinder fördern und die Entwicklung von Fehlernährung sowie Gewalt- und Suchtverhalten vorbeugen will. Die Initiatoren bilden bis heute mit einer so genannten Planungsrunde das Gremium, das den Fahrplan von KIKS UP lenkt, Aktivitäten plant, Gelder akquiriert und mit Ministerien und Stiftungen zusammenarbeitet.

Das Programm KIKS UP
Der Name „KIKS“ steht für Kinder in Kindertagesstätten, Schulen und Vereinen. „UP“ bedeutet „nach oben“ und will die positive Motivation deutlich machen. KIKS UP orientiert sich an den Lebenswelten der Kinder und will sie zu starken Persönlichkeiten machen. Dazu bindet es alle an der Erziehung Beteiligten ein und stärkt sie in ihrer Erziehungskompetenz.

In allen drei Bereichen, in denen KIKS UP aktiv ist, kommen die Bausteine KIKS UP-Leben (Förderung sozial-emotionaler Gesundheit sowie Sucht- und Gewaltprävention), KIKS UP-Fit (Bewegungsförderung) und KIKS UP-Genuss (Ernährungsbildung und Genusstraining) zur Geltung. Ein Team aus Experten hat die aufeinander abgestimmten Maßnahmen gemeinsam entwickelt, die ineinander greifen und dadurch besonders wirksam sind.

Träger des Programms ist der Förderverein KIKS UP e.V., die Geschäftsstelle befindet sich seit 2010 im Goldsteinpark in Bad Nauheim. Hier finden auch die Fortbildungen und Weiterbildungsangebote der KIKS UP-Akademie statt. Schirmherren sind die hessische Staatsministerin Lucia Puttrich und der Spitzenkoch Thomas Bühner des Osnabrücker Restaurants La Vie.

KIKS UP für Kindertagesstätten
Das „Schöne an KIKS UP sind die praxistauglichen Maßnahmen“ erklärt Kindertagesstättenleiter Christopher Clotz. Für Kitas wurden Ideen entwickelt, die auch den Erzieher/inne/n Spaß machen und die individuell an die Bedürfnisse der Kitas angepasst werden können. Mit dem Präventionsprogramm Papilio werden die sozial-emotionalen Kompetenzen der Kinder gefördert. Der „Spielzeug macht Ferien-Tag“ beispielsweise unterstützt vor allem die soziale, „Paula und die Kistenkobolde“ die emotionale Kompetenz der Kinder. Beim „Meins-deinsdeins-unserSpiel“ wird das Einhalten von Regeln geübt. Zentrales Element von Papilio ist es, das entwicklungsfördernde Verhalten der Erzieher zu stärken. Für KIKS UP-Fit in den Kitas wurde eine Fortbildung entwickelt, die die Bewegungskompetenz von Kindern fördert und durch die die Erzieherinnen lernen, vorhandene Materialien und Räume bewegungsfördernd einzusetzen, KIKS UP-Genuss vermittelt Anregungen zur praktischen Umsetzung einer erlebnisorientierten Ernährungsbildung, bei der die Teilhabe der Kinder an der Zubereitung des Essens im Vordergrund steht. Prof. Dr. med. Bernd Wüsten ist sicher, dass es richtig ist, schon mit den ganz Kleinen solch ein bewusstes Ernährungsverhalten einzustudieren: „KIKS UP ist mir eine Herzensangelegenheit, da ich aus meiner langjährigen Tätigkeit als Kardiologe weiß, dass sowohl die Freude an Bewegung als auch eine gesunde und genussvolle Lebensführung vor allem im Kindesalter gefördert werden müssen, damit die Risiken von Herzerkrankungen in Zukunft abnehmen.“

KLASSE KLASSE
Für die Grundschule hat sich KIKS UP das Präventionsspiel KLASSE KLASSE ausgedacht, mit dem es bundesweit bekannt wurde. Lehrkraft und Schüler spielen gemeinsam täglich an einem Spielbrett Einheiten zu verschiedenen Themen, deren Auswahl die Lehrkraft trifft, da diese ihre Klasse am besten kennt und weiß, zu welchem Zeitpunkt welche Lerneinheit passt. Dabei kann sie unter ca. 20 Themen wie „Klassengemeinschaft stärken“, „Konflikte lösen lernen“, „Regeln etablieren“ oder „Werbung verstehen“ wählen. Das magnetische Spielbrett wird im Klassenraum für alle gut sichtbar aufgehängt. Kurze Balanceübungen dienen als „Würfel“ und ermöglichen es der Klasse, ihre Spielfigur über das Spielfeld zu bewegen. Täglich zieht ein Kind der Klasse eine Bewegungskarte und führt die beschriebene Bewegungseinheit durch, die gleichzeitig als Leseübung genutzt werden kann. Von der ersten bis zur vierten Klasse bauen die Gleichgewichtsübungen sukzessive aufeinander auf. Diese werden immer anspruchsvoller und die Bewegungskompetenzen der Kinder steigen, was sich auch leistungsfördernd auswirkt. Über Ereignisfelder werden Einheiten zur Ernährungsbildung und aus dem Bereich der Sucht- und Gewaltprävention integriert. Zweitägige Fortbildungen bereiten die Lehrkräfte auf die Umsetzung von KLASSE KLASSE im Unterricht vor.

Die Internetplattform KIKS UP-familie.net
Die Eltern werden in alle Maßnahmen eingebunden, da die Präventionseinheiten dann am besten wirken, wenn die Unterstützung und vielleicht auch Fortführung zuhause sichergestellt ist. Auch Hebammen, Ärzte und Kirchen werden in die ganzheitlichen Präventionsideen eingebunden. Bei KIKS UP-familie.net vereint KIKS UP außerdem private, regionale, kommunale und freie Anbieter von Kursen und Workshops in einem Netzwerk und unterstützt sie dabei, ihre Angebote zur Sucht- und Gewaltprävention, Bewegungsförderung und Ernährungsbildung aufeinander abzustimmen. Auf Wunsch können die Netzwerkpartner kostenfreie Schulungen besuchen. KIKS UP-familie.net bietet eine klare Übersicht möglichst aller Angebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene und ist damit auch für Eltern eine Hilfe bei der Auswahl des richtigen Angebots.

Viele Auszeichnungen
Seit seiner Entstehung bekam KIKS UP für seine erfolgreiche und vorbildliche Präventionsarbeit schon viele Auszeichnungen. Es gewann beispielsweise den ersten Dirk Nowitzki Stiftungspreis, wurde für den Deutschen Präventionspreis nominiert und erhielt den hessischen Präventionspreis „Der Impuls“, indem es als Projekt mit Vorzeigecharakter ausgezeichnet wurde. Auch ist es autorisierter Partner von „gesundheitsziel.de“ und darf das damit verbundene Gütesiegel tragen. KIKS UP ist Preisträger des Wettbewerbs „Besser essen. Mehr bewegen“ und wird aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gefördert. Die KIKS UP Akademie wurde von der Karl Kübel Stiftung als Lernort der Zukunft ausgezeichnet. „KIKS UP ist ein bemerkenswertes Projekt, weil es mit dem kommunalen Netzwerk für gesundes Aufwachsen Übersicht im Präventionsbereich schafft. Eine einfache Idee, die aber sehr wirkungsvoll ist und finanzielle Unterstützung verdient!“, lobt Dr. Andreas Rickert, Vorstandsvorsitzender der PHINEO gAG, die sowohl von der Leistungsfähigkeit der Organisation als auch der exzellenten Wirkung der Aktivitäten überzeugt ist und ihr das WIRKT!-Siegel verlieh.

Eine Akademie zur überregionalen Fortbildung
Nach den guten Ergebnissen von KIKS UP in Bad Nauheim wuchs die bundesweite Nachfrage nach dem Programm, so dass eine Akademie zur Verbreitung des Konzepts eingerichtet wurde. Die einzelnen Bausteine ergänzen sich und sind über die gesamte Zeit des Heranwachsens aufeinander abgestimmt. Sie können deshalb leicht in andere Kommunen, Kindertagesstätten, Schulen oder Vereine übertragen werden. Die Angebote der Akademie sind modular aufgebaut und richten sich sowohl an Praktiker als auch an Experten, damit diese vor Ort ein eigenes Netzwerk aufbauen können.

 

 

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Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 21.11.2019
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