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Bildung + Innovation Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Erschienen am 19.09.2019:

„Wir streben eine bessere Auffindbarkeit von Informationen für Interessenten weltweit an.“

Neue Zusammenarbeit zwischen dem Goethe-Institut und dem Deutschen Bildungsserver

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Bildrechte: Dr. Christoph Veldhues

In Zukunft soll die Zusammenarbeit zwischen dem Deutschen Bildungsserver und dem Goethe-Institut im Bereich „Deutsch als Fremdsprache/Zweitsprache“ (DaF/DaZ) intensiver gestaltet werden. Beide Institutionen haben Anfang des Jahres 2019 ein Memorandum of Understanding verabschiedet. Die Online-Redaktion von „Bildung + Innovation“ sprach mit Dr. Christoph Veldhues, dem Leiter der Abteilung „Sprache“ des Goethe-Instituts in München, über die Aufgaben des Goethe-Instituts und die Ziele der Zusammenarbeit.


Online-Redaktion: Das Goethe-Institut ist das weltweit tätige Kulturinstitut der Bundesrepublik Deutschland. Was sind seine Ziele und Aufgaben?

Veldhues: Das Goethe-Institut hat die drei großen Aufträge „Sprache - Kultur -  Information“ - so unser claim -, die sich auch in der Organisation als Abteilungen niederschlagen. Mit der Spracharbeit will es dafür sorgen, dass möglichst viele Menschen in der Welt möglichst gut Deutsch sprechen lernen. Die kulturelle Programmarbeit repräsentiert Deutschland im Ausland, durchaus mit einer gewissen kritischen Sympathie. Die Informationsarbeit berichtet über Deutschland; früher fand das sehr häufig im Bibliotheksbereich statt, heute immer mehr über digitale Kanäle.
 
Online-Redaktion: Mit welchen Aktivitäten trägt das Goethe-Institut dazu bei, die Begegnung und Auseinandersetzung mit der deutschen Kultur im Ausland zu ermöglichen?

Veldhues: Wir sind vor allem daran interessiert, die Kulturarbeit im Ausland dialogisch mit unseren Partnern zu gestalten. Wir wollen anderen nicht vormachen, was sie nachmachen sollen, sondern gemeinsam überlegen, wie etwas aussehen könnte, zum Beispiel im Museumsbereich, in dem wir gerade mehrere Großprojekte mit verschiedenen Ländern in Afrika zusammen angestoßen haben. Ein zunehmend wichtigerer Bereich unserer Aktivitäten ist das Thema Zivilgesellschaft, d.h. die Unterstützung von Aktivitäten in allen Ländern der Welt, die zur Förderung von Zivilgesellschaften beitragen. Wir gehen dabei sehr netzwerkorientiert vor. Es gibt ungefähr 160 Goethe-Institute weltweit, aber noch viel mehr weitere Partner, mit denen wir zusammenarbeiten, so dass wir in der ganzen Welt auftreten.

Online-Redaktion: Ein großer Schwerpunkt des Goethe-Instituts liegt in der Förderung der Kenntnisse der deutschen Sprache im In- und Ausland. Welche Kurse und Fortbildungen bieten Sie weltweit im Fach „Deutsch als Zweitsprache/Fremdsprache“ an?

Veldhues: Ganz wichtig ist, dass wir nicht nur von Kursen sprechen. Das Goethe-Institut bietet zwar zum einen weltweit Deutschkurse und -prüfungen an - alle werden präsentisch, im Blended-Learning-Format (präsentisch und online) und online angeboten -, mit deren Einnahmen wir rund ein Drittel unseres Budgets abdecken. Der weitaus größere und langfristig vielleicht sogar wirksamere Bereich ist aber unsere sogenannte Bildungskooperation Deutsch (BKD). Das heißt, dass wir in den Bildungssystemen der Länder, in denen wir vertreten sind, dafür sorgen, dass Deutsch als Fremdsprache einen wichtigen Stellenwert im Bildungssystem hat, dass Schülerinnen und Schüler überall dort, wo wir vertreten sind, Deutsch als Unterrichtsangebot in den Schulen bekommen und dass es auch an den Universitäten gelehrt und weiterentwickelt wird. Im Bereich der Bildungskooperation erzielen wir keine Einnahmen, sondern bekommen Zuwendungen des Auswärtigen Amtes.

Online-Redaktion: Welche Aufgaben hat die Abteilung „Sprache“ der Zentrale in München, die Sie leiten?

Veldhues: Die Zentrale in München ist sowohl die Schnittstelle zum Auswärtigen Amt als auch zu all unseren Aktivitäten, die im Sprach- und zunehmend auch im Bildungsbereich in Deutschland stattfinden. Wir arbeiten konzeptionell, koordinieren viele Projekte und transportieren wichtige Entwicklungen aus Deutschland in unsere Gastländer sowie umgekehrt aus den Gastländern nach Deutschland. Zum Beispiel könnte Deutschland im Schulbereich von den Erfahrungen, die Skandinavien gerade im Bereich Digitalisierung gemacht hat und die sehr positiv sind, profitieren.

Aber das Goethe-Institut wird nicht zentral von München aus gelenkt, die eigentlichen operativen Einheiten, die auch die Hoheit über die Budgets haben und die wesentlichen Projektentscheidungen treffen, sind die Regionen. Das Goethe-Institut hat die Welt in 12 Regionen plus die Region Deutschland eingeteilt, und diese Regionen - zum Beispiel Nordamerika, Osteuropa / Zentralasien, Subsahara-Afrika - entscheiden, welche Projekte im Bereich Sprache in den Ländern der Region wichtig sind.

Online-Redaktion: Führen Sie auch digitale Projekte durch?

Veldhues: Digitale Bildungsangebote spielen bei uns eine immer größere Rolle - von Apps über Kursmaterialien, die wir selbst digital entwickeln, bis zu Maßnahmen, mit denen wir digital die Motivation speziell von Jugendlichen und Schülern steigern wollen. Dazu gehört zum Beispiel unsere digitale Kinderuniversität, die auf dem Kinderprogramm „Die Sendung mit der Maus“ aufbaut. Hierüber können registrierte Schülerinnen und Schüler weltweit Deutsch lernen und nebenbei noch MINT-Themen auf dem Niveau der Klassen 1 bis 6 kennenlernen. Ein anderes digitales Projekt ist das Jugendportal „Stepinto German“ der Goethe-Institute in den USA. Hier werden vier Themen - Fußball, Film, Musik und Deutsch - miteinander verbunden. Es werden Wettbewerbe sowie digitale Unterrichtsmaterialien für Lehrer/innen angeboten, und Schüler/innen können sich auf dem Portal vernetzen. Sehr erfolgreich ist auch unsere digitale Fortbildungskonferenz GetViCo, über die Deutschlehrerinnen und -lehrer in der ganzen Welt, eingeteilt nach Zeitzonen, auf digitalen Konferenzen Material tauschen, Vorträge halten und Gespräche führen können.

Online-Redaktion: Mit welchen Partnern arbeiten Sie zusammen?

Veldhues: In der Spracharbeit gibt es sehr viele Partnerschaften, zum Beispiel die verschiedenen Deutschlehrerverbände, namentlich der Internationale Deutschlehrerverband (ILV), in dessen Vorstand wir auch vertreten sind. Die Deutschlehrerverbände sind eng verbunden mit den öffentlichen Bildungsentscheidern, so dass sie für uns wichtige Partner sind. Ein anderer Typus von Partnerschaften im Sprachbereich sind die Sprachlernzentren. Sie führen ähnliche Sprachangebote wie wir durch, werden von uns auch qualitätskontrolliert, sind aber formal keine Goethe-Institute. Und mit dem Auswärtigen Amt, unser Partner und Hauptzuwendungsgeber, haben wir einen Rahmenvertrag abgeschlossen und vereinbaren gemeinsam unsere Zielvorhaben.

Online-Redaktion: Wie entstand die Idee zur Zusammenarbeit mit dem Deutschen Bildungsserver?

Veldhues: Die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Bildungsserver entstand eher zufällig. Wir kamen auf der Didacta 2018 ins Gespräch und haben dabei festgestellt, dass wir beide im Bereich Deutsch für Jugendliche und Kinder sehr engagiert sind. Darüber entstand die Idee, eine Zusammenarbeit zu formalisieren. Erste Schritte waren die zeitgleiche Veröffentlichung unserer Dossiers zum Thema „Jugendliche“, die sich gegenseitig ergänzen und verlinken. Das ist beim Goethe-Institut das Dossier „Deutsch für Jugendliche“ und beim Deutschen Bildungsserver „Jugendliche in Deutschland“.

Online-Redaktion: Auf dieser ersten Zusammenarbeit aufbauend ist dann zwischen den beiden Institutionen Anfang des Jahres 2019 ein Memorandum of Understanding verabschiedet worden. Worauf legen sich beide Institutionen in dem Memorandum fest?

Veldhues:
Wir streben mit einer Vernetzung der Online-Inhalte auf beiden Portalen eine bessere Auffindbarkeit von Informationen für Interessenten weltweit an. Auch soll so eine größere Vollständigkeit der Informationsdarstellung erreicht werden, und es können Synergien geschaffen und Wiederholungen vermieden werden. Außerdem können beide Institutionen durch die Zusammenarbeit ihre Reichweite erhöhen, um das, was sie haben, noch bekannter zu machen.

Ein nächster Schritt in der Zusammenarbeit war die gegenseitige Ergänzung und Verlinkung weiterer Teilprogramme, bei denen der Deutsche Bildungsserver und das Goethe-Institut gemeinsame Interessen haben. Das ist zum einen das Thema „Frühe Mehrsprachigkeit“ bzw. „Frühes Fremdsprachenlernen in Deutschland" und zum anderen „MINT-Bildung“ und „MINT - Lernen mit CLIL“. Auch der Eduserver, der englischsprachige Bereich des Deutschen Bildungsservers, verlinkt die Angebote des Goethe-Instituts zum Deutschlernen und -lehren via RSS-Newsfeed und macht kenntlich, woher sie kommen.

Online-Redaktion: Wie soll die Zusammenarbeit in Zukunft ausgebaut werden?

Veldhues: Geplant ist ein weiterer Austausch von redaktionellen Inhalten zum Thema „Deutsch als Fremd-/Zweitsprache“ für verschiedene Alters- und Zielgruppen. Die Projekte des Goethe-Instituts werden außerdem in die Projektedatenbank des Innovationsportals im Deutschen Bildungsservers integriert. Auch wollen wir in Sachen Öffentlichkeitsarbeit (Newsletter, Social Media etc.) und Bereitstellung frei verfügbarer Unterrichtsmaterialien, „Open Educational Resources“ (OER), intensiver zusammenarbeiten. Überlegt wird, den bereits beim Deutschen Bildungsserver angelegten Pool an offen zur Verfügung stehenden Online-Daten über OER gegebenenfalls mit vom Goethe-Institut angebotenen Gratisdownloads zu erweitern. So kann die Zielgruppe der DaF-/DaZ-Lernenden stärker ins Blickfeld auch beim Deutschen Bildungsserver rücken. Die Herausgeberschaft bzw. Urheberschaft der in die Datenbanken des Deutschen Bildungsservers aufgenommenen Materialien des Goethe-Instituts würde aber kenntlich gemacht werden, so dass deutlich wird, dass der Deutsche Bildungsserver nur als Metaserver auf sie verweist.



Dr. Christoph Veldhues leitet seit dem 01.01.2019 die Sprachabteilung des Goethe-Instituts e.V. (Zentrale München). Er kommt ursprünglich aus Westfalen, ist ausgebildeter Deutsch- und Russischlehrer (Erstes und Zweites Staatsexamen), lehrte Literaturwissenschaft an der Fakultät für Slawische Philologie der Ruhr-Universität Bochum (Promotion 1991, Habilitation 2001). Leitung der Sprachabteilungen der Goethe-Institute in Ankara (Türkei), Chicago (USA) und Moskau (Russland; mit regionaler Verantwortung für Osteuropa/Zentralasien) sowie New York und Washington, DC (mit regionaler Verantwortung für Nordamerika).

 

Projekte des Goethe-Instituts in der Projektedatenbank des Innovationsportals:

The Language Magician - A European Languages Project

Schulwärts! Stipendienbasierte Lehramtspraktika im Ausland

Studienbrücke
 

 

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Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 19.09.2019
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