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Bildung + Innovation Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Erschienen am 10.01.2019:

„Schulen können weiterhin vernetzt bleiben.“

Das Programm „Starke Schule“ wurde eingestellt

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Bildrechte: Hertie-Stiftung

Nach zehn Jahren endet das Programm „Starke Schule“, das innovative Schulen, die ihre Schülerinnen und Schüler erfolgreich zum Abschluss und in Ausbildung bringen, in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt hat. Auf einer Abschlussfeier Mitte Dezember 2018 in Frankfurt am Main wurden die Arbeit und das Engagement der Schulen gewürdigt und die „Initiative Starke Schulen“, in der sich die Schulen weiter miteinander vernetzen können, bekannt gemacht.

Das Programm „Starke Schule. Deutschlands beste Schulen, die zur Ausbildungsreife führen“, das die Gemeinnützige Hertie-Stiftung gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit, der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und der Deutsche Bank Stiftung zehn Jahre lang durchführte, wurde Ende des Jahres 2018 eingestellt. Es verband einen bundesweiten Schulwettbewerb für alle allgemein bildenden Schulen, die zur Ausbildungsreife führen, mit einem länderübergreifenden Netzwerk mit umfangreichen Fortbildungsangeboten für Lehrkräfte und ging 2008 aus dem seit 1998 durchgeführten „Hauptschulpreis“ hervor. In den letzten zehn Jahren wurden mit dem Programm bundesweit mehr als 4.200 Schulen und damit 155.400 Lehrkräfte und 1,7 Millionen Schüler erreicht sowie über 5.000 Lehrkräfte im Netzwerk fortgebildet. Viele der in diesen Jahren angestoßenen Themen sind heute Standard im Schulbetrieb, womit die Hertie-Stiftung ihr Ziel erfüllt sieht und das Programm im Dezember 2018 beendete.

Der Wettbewerb „Starke Schule“
Alle zwei Jahre wurden beim größten Schulwettbewerb Deutschlands Schulen ausgezeichnet, die sich in herausragender Weise für ihre Schüler einsetzen und diese zur Ausbildungsreife führen. Im Mittelpunkt standen dabei nicht die Leistungen einzelner Schüler, sondern das Konzept, mit dem die Schule ihre Schülerinnen und Schüler unterstützt und fördert, Angebote zur Berufsorientierung und die Förderung der Ausbildungsreife. Ausgewählt wurden die „Starken Schulen“ in einem zweistufigen Verfahren auf Landes- und Bundesebene. Aus dem Kreis der 16 erstplatzierten Landessieger bestimmte die Bundesjury die Bundessieger. Die drei „Stärksten Schulen“ Deutschlands erhielten im Rahmen einer Festveranstaltung in Berlin 15.000 €, 10.000 €, bzw. 5.000 € für den 1., 2. und 3. Platz.

Die Gewinner-Schulen des Wettbewerbs haben eines gemeinsam: Sie leisten unter schwierigen Umständen - viele von ihnen befinden sich in einem Brennpunktviertel mit einer großen Anzahl von Schülerinnen und Schülern aus sozial benachteiligten Familien und einem hohen Anteil an Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund - beeindruckende Arbeit. Sie setzen auf Persönlichkeitsentwicklung, frühzeitige Berufsorientierung, individuelle Förderung und weisen herausragende Erfolge vor: Die Schulabschlussquoten liegen bei bis zu 100 Prozent und ein Großteil der Schüler hat schon mit Beendigung der Schullaufbahn die Zusage für einen Ausbildungsplatz. Diese Schulen wollen jeden ihrer Schüler fördern, ihnen Chancen eröffnen und sie dazu bringen, diese Chancen auch zu ergreifen. Ziel des Programms „Starke Schule“ war es, diese Schulen in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken, ihre Arbeit zu würdigen und ihre Konzepte bekannt zu machen.

Das Netzwerk
Alle ausgezeichneten Schulen wurden in ein Netzwerk aufgenommen, in dem sie von- und miteinander lernen konnten. Das Netzwerk war ein Lernort an wechselnden Standorten zu den Bereichen Unterrichts- und Organisationsentwicklung. Es bot den Lehrkräften Austausch über aktuelle Herausforderungen und Entwicklungsaufgaben, Zugang zu zahlreichen länderübergreifenden, akkreditierten Fortbildungen und Konferenzen zu zentralen Themen der Organisations- und Unterrichtsentwicklung und Einblick in andere „Starke Schulen“, in andere erfolgreiche Konzepte und in andere Bundesländer. Schulleitungen und Lehrkräfte konnten von den guten Beispielen anderer Schulen lernen und erfolgreiche Lösungsansätze zur Weiterentwicklung der eigenen Schule aufgreifen. „Uns ging es darum, in den Fortbildungen auf die Stärken zu fokussieren“, erklärt Projektleiterin Anne Christine Mündnich von der Hertie-Stiftung.

Wirkungen des Programms
Im Zeitraum von 2008 bis 2018 wurde das Programm „Starke Schule“ in fünf Evaluationsphasen durch die AG Bildungsforschung der Universität Duisburg-Essen und das Zentrum für Qualitätssicherung und -entwicklung (ZQ) der Universität Mainz unter der Leitung von Professorin Isabell von Ackeren wissenschaftlich begleitet. In diesen Evaluationsphasen wurde untersucht, welche Wirkungen das Programm als Schulwettbewerb und Netzwerk prämierter Schulen entfalten konnte und welchen Einfluss die vielfältigen Fördermaßnahmen auf die Entwicklung von Schulen, Lehrkräften sowie Schülerinnen und Schüler hatten. Insgesamt kann festgehalten werden, dass beide Aspekte des Programms Starke Schule, der Wettbewerb und das Netzwerk, eine positive Wahrnehmung und Wirkung entfalten konnten. Bereits die Bewerbung bei dem Schulwettbewerb führte bei den Teilnehmenden zu einem Prozess der „systematischen Bestandsaufnahme“, der zu einem Bewusstsein der eigenen Stärken und Schwächen beitrug und auf dessen Grundlage Veränderungen gezielter in Angriff genommen werden konnten. Eine erfolgreiche Teilnahme führte zudem meist zu einer Steigerung des Wir-Gefühls, zu einer Verbesserung der Motivation und des Schulklimas sowie der Außendarstellung. Lehrkräfte erhielten dadurch die Anerkennung für ihre Arbeit, die sie im Arbeitsalltag selten bekommen, und auch den Schülerinnen und Schülern wurde durch die Auszeichnung bewusst, auf eine besondere Schule zu gehen, was dazu führte, dass sie sich stärker als zuvor mit ihrer Schule identifizierten.

Die Abschlussveranstaltung
Mit der Abschlussveranstaltung am 13. und 14. Dezember 2018 in Frankfurt am Main ist „Starke Schule“ nach zehn erfolgreichen Jahren würdig beendet worden. Die über 300 Teilnehmer konnten im Rahmen einer Messe nochmals zahlreiche Kontakte knüpfen und Erfahrungen austauschen. Fünf Filmporträts von „Starken Schulen“ im ganzen Bundesgebiet zeigten beispielhaft eindrucksvoll auf, wie diese Schulen Kinder und Jugendliche individuell fördern und auf das Berufsleben vorbereiten. An der Mittelschule Gochsheim in Bayern beispielsweise hat der Sport einen hohen Stellenwert. Viel Bewegung geht mit positiven Effekten für die Leistung der Schüler einher, ist Schulleiter Detlef Haas sicher. An der Schule werden zahlreiche Sportarten wie Klettern, Rudern oder Turnen angeboten und regelmäßig ausgeübt, gerade das Bogenschießen verhilft vielen Schülerinnen und Schülern nachweislich dazu, sich besser zu konzentrieren. Die Schule an der Haveldüne in Berlin wiederum setzt auf das Konzept „Unterricht + praktische Angebote“. An „PLTagen“, Praktischen Lerntagen, werden sie auf das Arbeitsleben vorbereitet, indem sie unter „echten Arbeitsbedingungen“ Reparaturen vornehmen oder das Schulgelände verschönern. Am Ende der 8. Klasse werden die Schülerinnen und Schüler, die prognostisch keinen Abschluss schaffen werden, ins produktive Lernen empfohlen. Dort haben sie drei Praktikumstage pro Woche und lernen in dieser Zeit einen oder mehrere Betriebe kennen. Fast alle Schülerinnen und Schüler erreichen damit den Abschluss oder sogar eine Gymnasialempfehlung, vielen wird ein Ausbildungsplatz angeboten.

Auf der Feier wurde auch der Ideenband „Schulen machen Schule. Ein Blick zurück und viele Impulse für die Zukunft“ vorgestellt, der zum Abschluss des Programms veröffentlicht wurde. Hier werden Strukturen und Wirkungen des Programms zusammengefasst und über 40 Praxisideen von „Starken Schulen“ in den Bereichen Berufsorientierung, Schul- und Unterrichtsorganisation sowie soziales Lernen vorgestellt.

Die „Initiative Starke Schule“
Trotz Beendigung des Programms möchte die Hertie-Stiftung das Netzwerk „Starke Schule“ in anderer Form erhalten. Deshalb arbeitet sie gemeinsam mit einer Gruppe engagierter Schulleitungen an der Integration des Netzwerks in das übergeordnete Alumni-Programm der Hertie-Stiftung fellows & friends. „Die Schulen sollen die Möglichkeit haben, sich im Rahmen des Netzwerks weiter auszutauschen. Wir legen die Initiative hierzu aber ab jetzt in ihre Hände“, erläutert Anne Christine Mündnich. In der „Initiative Starke Schule“ können sich die Schulen weiter miteinander vernetzen, über ein Online-Schulportal nach starken Schulen und bestimmten Konzepten suchen, Unterrichtsmaterial austauschen, über Schulthemen diskutieren, selbst organisierte Fortbildungen besuchen und mit der Hertie-Stiftung und ihren rund 5.000 Hertie Fellows (Alumni) aus Bildung, Wissenschaft, Kultur, Verwaltung und Politik im Austausch bleiben.



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Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 10.01.2019
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