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Bildung + Innovation Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Erschienen am 29.11.2018:

„Die Initiativen zeigen, wie bürgerschaftliches Engagement in einer lebendigen Demokratie funktioniert.“

Deutscher Integrationspreis vergeben

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Bildrechte: Gemeinnützige Hertie-Stiftung

Am 8. November 2018 hat die Gemeinnützige Hertie-Stiftung bereits zum zweiten Mal den Deutschen Integrationspreis für überzeugende Integrationsprojekte von und für Geflüchtete/n vergeben. Für die Prämierten war es bis dahin ein weiter Weg. Die Wettbewerbsteilnehmer/innen mussten sich zunächst in einem Crowdfunding-Contest beweisen, dann mit zusätzlichen Stiftungsgeldern ihre Projekte ausbauen und umsetzen und sich schließlich auf der Preisverleihung erneut einer Jury stellen.

Der Crowdfunding-Contest
Bis zum 27. November 2017 konnten Interessierte und Engagierte beim zweiten Deutschen Integrationspreis ihre Projektideen einreichen. Ende Januar 2018 wurden die 32 ausgewählten Projekte zu einem Auftaktworkshop nach Frankfurt am Main eingeladen, um mit Unterstützung von Experten ihre Crowdfunding-Kampagne vorzubereiten. Mit dem Crowdfunding-Contest sollten die Projekte auf sich aufmerksam machen und innerhalb eines Monats mindestens 10.000 Euro von Unterstützern einsammeln, um beim Wettbewerb weiter „im Rennen zu bleiben“.

Am 9. April um 12 Uhr startete der Crowdfunding-Contest. Alle Kampagnen waren auf der Plattform Startnext gelistet. Mehr als 10.000 Menschen folgten dem Aufruf und spendeten insgesamt rund 380.000 Euro. Das Crowdfunding endete für alle am 9. Mai um 23:59 Uhr. Von den 32 Projekten, die auf Startnext Spenden gesammelt hatten, hatten 27 Projekte ihr Funding-Ziel erreicht oder übertroffen und kamen eine Runde weiter. Die Hertie-Stiftung honorierte anschließend die Projektideen mit den meisten Unterstützern mit Preisgeldern von insgesamt 140.000 Euro. Diese konnten nun ihre Ansätze zur Integration von Geflüchteten realisieren und ausbauen. „Wir freuen uns, dass nun so viele Projekte ihre Ideen weiter in die Tat umsetzen können und so die Integration von Geflüchteten in Deutschland mitgestalten“, bemerkte John-Philip Hammersen, Geschäftsführer der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, nach Abschluss der Crowdfunding-Phase. Unterstützt wird der Deutsche Integrationspreis 2018 von der Initiative „Integration durch Bildung“ des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft e.V., Startnext, einer deutschen Crowdfunding-Plattform für die Finanzierung von Ideen, Projekten und Startup-Unternehmen, sowie den „neuen deutschen organisationen“ (ndo), einem bundesweiten Netzwerk von Initiativen, die sich für Vielfalt und gegen Rassismus engagieren.

Die Umsetzung der Projekte
Eine hochkarätig besetzte Jury mit acht namhaften Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Medien und Öffentlichkeit bewertete anschließend alle 27 erfolgreich finanzierten Projekte hinsichtlich ihrer Wirkungspotenziale, Skalierbarkeit und Bedarfsorientierung sowie insbesondere hinsichtlich der aktiven Mitwirkung von Geflüchteten. Sie wählte die sechs Projektideen mit den überzeugendsten Lösungsansätzen aus und lud sie zur Preisverleihung ein. „Die Vielfalt an Projektideen und das Engagement aller Beteiligten ist beeindruckend. Es war nicht einfach, unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Finalisten zu bestimmen. Ein entscheidendes Kriterium ist, dass sich die Projekte nicht nur für Geflüchtete einsetzen, sondern sie auch in die Umsetzung mit einbeziehen“, betonte Juror Hans-Jörg Vetter, Vorsitzender des Kuratoriums der Hertie-Stiftung.

Die Preisverleihung
Die Preisverleihung fand am 8. November in Frankfurt am Main statt, dem Hauptsitz der Hertie-Stiftung. Die sechs zur Preisverleihung eingeladenen Projekte erhielten die Chance, ihre Ideen noch einmal direkt vor der Jury zu präsentieren, bevor diese sich für die drei Träger des Integrationspreises – insgesamt mit 100.000 Euro dotiert – entschied. Besonders beeindruckt hat die Jury das Projekt „Space2groW“, das mit dem ersten Platz ein Preisgeld von 50.000 € erhielt. Damit würdigte sie den besonderen Einsatz von geflüchteten Frauen für andere geflüchtete Frauen. Das Projekt bietet berlinweit Workshops und Beratungsgespräche für geflüchtete Frauen zu Sexualität, Familienplanung und Gesundheit an, baut Barrieren ab und schafft Zugänge zu Informationen über Verhütung und Schwangerschaftsvor- und –nachsorge. „Space2groW ist deswegen so wichtig und unersetzlich, weil wir als geflüchtete Frauen untereinander und miteinander zu den Themen Familienplanung, Frauengesundheit und Empowerment arbeiten. Selbstbestimmt Entscheidungen zu fällen über den eigenen Körper und in der eigenen Familie, ist eine Grundvoraussetzung für alle weiteren Schritte in die Gesellschaft hinein. Das leistet Space2groW – dadurch, dass wir Trainerinnen Teil der Communities sind und deren Erfahrungen teilen. Durch diese Vertrauensebene werden die Inhalte besser angenommen. Mit dem Preisgeld können wir das Konzept zunächst auf weitere Standorte im Osten Deutschlands ausweiten. Langfristig sollen das Netzwerk und das Konzept deutschlandweit stattfinden", erklärten die Gründerinnen und Projektleiterinnen Anab Mohamud und Zeina Massaad hoch erfreut.

Der zweite Preis, der mit 30.000 Euro dotiert ist, ging an das Projekt „Triaphon“ aus Berlin. Das Projekt löst das Problem der Sprachbarriere bei der Behandlung von Patient/inn/en mit Migrations- oder Fluchthintergrund mit einem telefonischen 24h-Übersetzungsdienst für Krankenhäuser und Arztpraxen. Mit Platz drei und 20.000 Euro wurde das Projekt „Flüchtlingspaten Syrien“ ausgezeichnet, ebenfalls aus Berlin, das den Familiennachzug für Geflüchtete aus Syrien mithilfe von privaten Bürgschaften ermöglicht und bei Sprachkursen sowie der Job- und Wohnungssuche unterstützt. Die Mitglieder des Projektteams haben eigene Fluchthintergründe. Für den Juryvorsitzenden Prof. Nico Hofmann, CEO der UFA GmbH und Mitglied des Kuratoriums der Hertie-Stiftung, ist diese Auszeichnung mehr als verdient: „Die Initiativen, die sich heute für den Deutschen Integrationspreis präsentiert haben, zeigen, wie bürgerschaftliches Engagement in einer lebendigen Demokratie funktioniert. Alle heute Abend ausgezeichneten Projekte leben und zeugen von einer Begegnung auf Augenhöhe.“

Weitere Auszeichnungen

Und auch die anderen drei Projekte, die ihre Ideen vorstellen durften, wurden ausgezeichnet. Dazu gehören das Berliner Projekt „Camp One“, das Tandem-Workshops von Geflüchteten gemeinsam mit Fachkräften, Psychologen und Unternehmensberatern zu Themen wie Resilienz im Beruf oder Diversität in Organisationen organisiert, das Projekt „Hacker School PLUS“ aus Hamburg, das Kinder für IT begeistert, Geflüchteten eine Brücke in den Arbeitsmarkt baut und Unternehmen mit neuen Fachkräften vernetzt, sowie „Teachers on the Road“ aus Frankfurt am Main, die kostenlose, offene und niedrigschwellige Deutschkurse für Geflüchtete bieten und sie bei Behördengängen, der Suche nach Ausbildung und Beruf sowie bei Asylverfahren begleiten.





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Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 29.11.2018
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