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Call for papers: ``Das Politische wird persönlich``. Familiengeschichte(n). Erfahrungen und Verarbeitung von Exil und Verfolgung im Leben der Toechter (II)

03.11.2006 - 05.11.2006

hansen.schaberg@t-online.de

Die Beiträge der Berliner Tagung haben gezeigt, dass die Frauenexilforschung nach ihrer ersten Phase, dem ``Ausgraben`` weiblicher Lebensgeschichte und Kulturleistungen, einen Perspektivwechsel vollzogen hat und der Kontextualisierung individueller Erfahrungen im politischen Raum inzwischen ein staerkeres Gewicht gibt. In Fortsetzung der Berliner Tagung 2005 sollen die Folgen der politischen Ausgrenzung aus oppositionellen und rassistischen Gruenden waehrend der NS-Herrschaft in den Familien untersucht werden. Dabei geht es in erster Linie um Bedeutung und Gewicht der Erfahrungen von Verfolgung und Exil, die den Toechtern ueber die Geschichte ihrer engsten Angehoerigen (das koennen die biologischen Eltern gewesen sein, aber auch hinzugekommene Pflege- und Adoptiveltern oder andere enge soziale Bindungen aus der Kindheit und Jugend) bewusst und unbewusst weitergegeben wurden und ihr Leben entscheidend gepraegt haben. Darueber hinaus soll es - wie in einigen Beitraegen der Berliner Tagung bereits geschehen - auch um die Spurensuche von Toechtern gehen, fuer die familiaere und gesellschaftliche Verdraengungs- und Verleugnungsmuster zum anfangs oft unbewussten Motiv werden, sich als Forscherin mit Exil und Verfolgung auseinanderzusetzen. Fuer beide Gruppen von Bedeutung ist die Frage der Art und Weise, wie in den jeweiligen familiaeren und/oder sozialen Kontexten dieses Erfahrungswissen vermittelt und wie mit den Erinnerungen umgegangen wurde. Denn dieses ‚Erbe’, das die Biographie der Toechter bereichert oder auch belastet haben kann, kann in Gespraechen, Interviews und lebensgeschichtlichen Dokumenten festgehalten sein, es kann seine Wirkungskraft aber auch als Quelle kuenstlerischer Kreativität und Auseinandersetzung (etwa in Romanen, Autobiographien, Objektkunst, Filmen etc.), in biographischen Rekonstruktionen und Forschungsbeitraegen oder in einer lebenslangen Disposition zu bestimmten Thematiken entfaltet haben. Auf der Grundlage dieser Ueberlegungen sollten angebotene Tagungsbeitraege, die eine solche Erinnerungsarbeit der Toechtergeneration ins Zentrum stellen, wie bereits auf der Berliner Tagung praktiziert, u.a. folgenden Fragestellungen nachgehen: - Gibt es eine besondere Affinitaet von weiblichen Nachkommen, sich dieses besonderen - zumeist familiaeren – ‚Erbes’ anzunehmen und es in ihrer Erinnerungsarbeit zu erschließen? - Gibt es einen spezifisch ‚weiblichen’ Umgang mit familiengeschichtlicher Tradierung, mit transgenerationeller Weitergabe von Erfahrungen und mit Erinnerungskultur? Und inwiefern unterscheidet er sich von einem ‚maennlichen’ Zugang der Soehnegeneration? - Haben Frauen aufgrund ihrer patriarchalen Ausgrenzungsgeschichte eine staerkere Motivation als Männer, den gesellschaftlich verdraengten, verleugneten, und marginalisierten Erfahrungen nachzugehen? - Hat die doch recht haeufig von weiblichen Nachkommen betriebene ‚Spurensuche’ eventuell mit der geschlechterspezifischen Rollenaufteilung zu tun, so dass innerhalb unserer heutigen Gesellschaftsordnung eher die weiblichen Nachkommen die Lebenszeit für Recherchen und deren Verarbeitung aufbringen, weil in weiblichen Lebenswegen oft Lebensphasen ohne tagesfuellende Erwerbsarbeit existieren? Fuehlen Frauen sich eher als Männer verantwortlich für die gesellschaftliche Erinnerungsarbeit? - Gibt es bei der Erinnerungsarbeit eine Art Aufgabenteilung zwischen Geschwistern, und weist diese geschlechtsspezifische Besonderheiten auf? - Welche Rolle spielt die Erfahrung von Verfolgung und Exil (der eigenen und/oder der Familie) für die Persoenlichkeitsentwicklung der Toechter? Welche Rolle spielt die Wahl der Sprache (``Muttersprache``, Kindheitssprache, Sprache des Exil-Landes), sowohl für die innerfamiliaere Auseinandersetzung als auch für die Darstellung der Ergebnisse? - Welchen Stellenwert hat die Erinnerung an die Exil-Erfahrung der Eltern oder eines Elternteils für die Konstruktion der eigenen Biographie, für das Lebensgefuehl und die Legitimität eines ‚eigenen’ Lebens fuer die Nachkommen? Vor allem aber: Welches sind die Besonderheiten dieser als schriftliche oder bildkuenstlerische Zeugnisse ueberlieferten ‚Erbe’-Figurationen? - In welcher Weise unterscheiden sich familiaere Erfahrungen mit dem Holocaust von denen mit dem Exil hinsichtlich der Verarbeitung und Einfluesse auf die Lebensplanung und Lebensgestaltung der Toechter? - Welche Rolle spielt die Veroeffentlichung von Ergebnissen der Erinnerungsarbeit, seien es Texte, Bilder oder auch Filme, die ja immer auch individuelle Gestaltung sind? - Welche Bedeutung hat es, in welchem Lebensalter die Toechter die Spurensuche aufgenommen haben und wo sie sich in der Gegenwart lebensgeschichtlich verorten (ob im Exilland, im Herkunftsland, in beiden oder in keinem)? - Inwiefern ist die spezifische Erinnerungsarbeit von Frauen geeignet, tradierte Formen von Erinnerungskultur, von Geschichtsvermittlung und -darstellung zu veraendern? Kann durch die Erinnerungsarbeit der Toechter eine gegenüber der Elterngeneration modifizierte und dennoch eigenstaendige Zeitzeugenschaft begründet werden? Die Tagungsbeitraege koennen sich Toechtern mit deutschsprachigem Familienhintergrund widmen und auch andersstaatliche Exil- und Holocaustbezuege und ihre Folgewirkungen auf die Toechtergeneration untersuchen. Vortragsangebote mit einem kurzen Exposé bitte bis zum 1. Februar 2006 an: Prof. Dr. Inge Hansen-Schaberg Birkenweg 15 D-27356 Rotenburg

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Schlagwörter

Frau, Exil, Verfolgung, Vergangenheitsbewältigung, Familiengeschichte, Erlebnisbericht,

Veranstalter Arbeitsgemeinschaft ``Frauen im Exil`` in der Gesellschaft für Exilforschung e.V
Kontaktadresse Prof. Dr. Inge Hansen-Schaberg; Birkenweg 15; 27356 Rotenburg
E-Mail des Kontakts hansen.schaberg@t-online.de
Beginn der Veranstaltung 03.11.2006, 00:00
Ende der Veranstaltung 05.11.2006, 00:00
Staat Deutschland
Tagungssprache Deutsch
Inhaltsbereich der Veranstaltung Wissenschaft/Bildungsforschung
Adressaten Studierende; Hochschullehrer/innen / Forscher/-innen
Aufgenommen am 30.05.2006
Zuletzt geändert am 30.05.2006

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