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Familie und öffentliche Erziehung - Kontinuitäten und Konjunkturen

24.01.2008 - 26.01.2008

Helmut-Schmidt-Universität
Hamburg
malmede@phil-fak.uni-duesseldorf.de


„Ich will mich darauf beschränken, zu sagen, daß mein Irrtum in dem Glauben bestand, die Tat eines Bürgers und eines Vaters dadurch zu tun, daß ich meine Kinder der öffentlichen Erziehung übergab, da ich sie nicht selbst zu erziehen vermochte ...“ (J.-J. Rousseau: Bekenntnisse).

Jean-Jacques Rousseau, radikaler Vordenker einer von gesellschaftlichen Zumutungen freien Individualerziehung und langen Kindheit, nannte die Weggabe seiner eigenen Kinder rückblickend einen Irrtum: nach dem „Gefühl“! Die „Vernunft“ sagte ihm hingegen, dass er als Staatsbürger und Vater richtig und rechtens gehandelt habe. Sichtbar wird an Rousseaus „Bekenntnis“, jenseits der Frage nach dessen Bewertung, die schon historisch und nicht erst gegenwärtig dringliche Frage nach den richtigen, mithin kompetent und verantwortlich handelnden Erziehern des Nachwuchses; eine Frage, die als Teil des komplexen Prozesses der Durchstaatlichung der europäischen Gesellschaften seit der Frühen Neuzeit (verstärkt seit dem 18. Jahrhundert) zunehmend Gewicht erhielt.

Sind es die Eltern bzw. Familien oder die öffentlichen bzw. staatlichen Erziehungs- und Bildungseinrichtungen mit ihren professionellen SpezialistInnen? Diese Frage, die ersichtlich nicht nur auf pädagogische Diskurse, Institutionen und Praxen beschränkt geblieben ist, weist gleichermaßen Kontinuitäten und Konjunkturen auf. Ihre aktuelle Konjunktur belegen für die Gegenwart die medienpräsenten familien- und bildungspolitischen Debatten sowie eine Flut von Publikationen, die das Versagen der einen wie der anderen Erziehungsinstitutionen diagnostizieren, aber auch die Rettung aus „Erziehungsnotstand“ und „Bildungskatastrophe“ versprechen. Historische Untersuchungen machen wiederum auf die Kontinuitäten entsprechender Problemwahrnehmungen und Problemlösungen aufmerksam.

Deshalb möchte der Arbeitskreis Historische Familienforschung (AHFF) das Themenfeld Familie und öffentliche Erziehung nach der Fachtagung an der Universität Gießen (Januar 2007) noch einmal unter einer erweiterten Fragestellung behandeln. So soll in historischer Perspektive insbesondere danach gefragt werden, wie relevant eigentlich die geläufigen Epochalisierungen und Zäsuren für die historischen Diskurse und die historische Gestaltung des Verhältnisses von Familie und öffentlicher Erziehung sind. Welche Kontinuitäten über Epochengrenzen hinweg lassen sich hier unter Umständen ermitteln? Zugleich: Welche politischen, sozialen, ökonomischen oder kulturellen Entwicklungen haben historisch zu Konjunkturen der Thematisierung und/oder der Reform des Verhältnisses von Familie und öffentlicher Erziehung geführt?

Schließlich: Lassen sich aus der historischen Analyse Erklärungsansätze für die aktuelle Konjunktur (oder die Kontinuität) der Frage nach dem angemessenen Verhältnis von Familie und öffentlicher Erziehung entwickeln? Zugleich können Analysen zu aktuellen Problemstellungen neue historische Perspektiven eröffnen.

Im Kontext dieser Fragestellungen und Perspektiven soll mit Blick auf aktuelle und auf historische Aspekte und Dimensionen des Themenfeldes das spannungsreiche Wechselverhältnis von Familie, Gesellschaft und Staat (Familienpolitik, Bildungspolitik) bzw. von Familien und öffentlichen Erziehungs- und Bildungsinstitutionen (von der Vorschulerziehung bis zur Familienbildung) behandelt und diskutiert werden.

Folgende Themenbereiche sind hierbei wiederum von besonderem Interesse:
- Leistungen und Aufgaben von Familie und öffentlicher Erziehung
- Wandel der Familienformen im Kontext öffentlicher Erziehung
- staatliche Familien- und Bildungspolitik in ihrem Wechselverhältnis
- Disziplinierungsformen im Kontext öffentlicher Erziehung
- Inanspruchnahme öffentlicher Erziehungsangebote durch Familien
- Diskurse über das Verhältnis von Familie und öffentlicher Erziehung.

Die Beiträge sollen 30 Minuten nicht überschreiten. Dead-line für Themenvorschläge mit einem kurzen Exposé ist der 30. 06. 2007.
Bitte schicken Sie Ihren Vorschlag per mail an Dr. Hans Malmede, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (malmede@phil-fak.uni-duesseldorf.de Tel. 0211/81-13679).



Prof. Dr. Carola Groppe
Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften Helmut-Schmidt-Universität, Universität der Bundeswehr
Hamburg
Postfach 700822
22008 Hamburg
mailto: groppe@hsu-hh.de


Dr. Hans Malmede
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf Erziehungswissenschaftliches Institut
Universitätsstr.1
40255 Düsseldorf
mailto: malmede@phil-fak.uni-duesseldorf.de

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Schlagwörter

Bildungsgeschichte, Genealogie, Familie, Öffentliche Erziehung, Familienpolitik, Bildungspolitik, Familienbildung,

Veranstalter Arbeitskreis Historische Familienforschung in der Sektion Historische Bildungsforschung der DGfE
Kontaktadresse Malmede, Hans
E-Mail des Kontakts malmede@phil-fak.uni-duesseldorf.de
Beginn der Veranstaltung 24.01.2008, 00:00
Ende der Veranstaltung 26.01.2008, 00:00
Veranstaltungsstätte Helmut-Schmidt-Universität
Land der Bundesrepublik Deutschland Hamburg
Staat Deutschland
Tagungssprache Deutsch
Inhaltsbereich der Veranstaltung Wissenschaft/Bildungsforschung
Adressaten Studierende; Hochschullehrer/innen / Forscher/-innen
Aufgenommen am 07.05.2007
Zuletzt geändert am 07.05.2007

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