Ein kleiner Roboter unterstützt die Lehrkräfte an Heilbronner Grundschulen in der Sprachförderung
05.03.2026: Das Projekt „RobotErzählen“ unterstützt acht Schulen aus Heilbronn und der Region dabei, neue Wege des Lernens zu entwickeln, und zeigt, wie Künstliche Intelligenz (KI) gezielt zur Sprachförderung in der Grundschule eingesetzt werden kann. In dem wissenschaftlich begleiteten Kooperationsprojekt von aim Heilbronn und der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) unterstützt ein humanoider Roboter Lehrkräfte dabei, im Unterricht eine sprachförderliche und motivierende Atmosphäre zu schaffen und fordert die Kinder zum Sprechen auf.
Im November 2025 ist in der Heilbronner Wartbergschule ein humanoider Roboter eingezogen. „Robo“ wird drei Jahre lang an der Grundschule im Unterricht eingesetzt. Er wurde im Rahmen des Projektes „RobotErzählen“ entwickelt und unterstützt die Lehrkräfte vor allem in der Sprachförderung. Robo ist deutschlandweit der erste Erzählroboter, der in einer Schule zum Einsatz kommt.
Das Projekt „RobotErzählen“
Das Projekt „RobotErzählen“ ist Teil des Kooperationsprojektes CoTransform Heilbronn zwischen der aim - Akademie für Innovative Bildung und Management in Heilbronn-Franken und dem Team von Prof. Dr. Uta Hauck-Thum an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LUM). Die Schwerpunkte von CoTransform Heilbronn liegen in der Planung, Umsetzung und Reflexion innovativer Lehr- und Lernsettings an Grundschulen und der Entwicklung adaptiver Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen. Mit dem Einsatz eines KI-Roboters, der Grundschulkinder zum Sprechen motivieren soll, startet die aim ein bundesweit einzigartiges Pilotprojekt zur Sprachförderung mit Künstlicher Intelligenz. Neben der Ludwig-Maximilians-Universität München ist das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) Kooperationspartner, unterstützt wird das Vorhaben von der Dieter Schwarz Stiftung.
Frühe Sprachförderung ist wichtig
Ziel des Projektes ist es, mit Hilfe Künstlicher Intelligenz neue Wege in der Sprachförderung zu erproben, um Lehrkräfte zu entlasten und allen Kindern bessere Bildungschancen zu eröffnen. Grundschulen stehen heute vor enormen Herausforderungen. Forschungsergebnisse wie der IQB-Bildungstrend 2021 verweisen auf einen drastischen Rückgang der Kompetenzwerte von Viertklässler*innen in den Fächern Deutsch und Mathematik, insbesondere der bildungsbenachteiligten Kinder. Die Studie zeigt auch, dass sich der Zusammenhang zwischen sozialem Hintergrund der Kinder und erreichtem Kompetenzniveau bundesweit noch einmal verstärkt hat.
Gut entwickelte sprachliche Fähigkeiten führen zu besseren Lernleistungen, sozialer Teilhabe und persönlicher Entwicklung. Doch Sprechen lernt man durch Sprechen und die Redezeit eines Grundschulkindes im Unterricht beträgt nur wenige Minuten am Tag. Eine frühe Sprachförderung kann deshalb Schulerfolg, Kommunikationsfähigkeit und Chancengleichheit fördern.
Enger Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis
Praxis und Wissenschaft arbeiten in dem Projekt eng zusammen, um gemeinsam eine neue Lehr-, Lern- und Prüfungskultur zu entwickeln. Wissenschaftlich begleitet wird der Robotereinsatz über die gesamte Laufzeit von Prof. Dr. Uta Hauck-Thum. Sie erforscht mit ihrem Team anhand des Roboters, wie Künstliche Intelligenz Kinder zum Sprechen motivieren und ihre Diskurskompetenz stärken kann. Zusätzlich evaluieren sie, inwiefern sich die Mensch-Maschine-Interaktionen auf die kindliche Sprachentwicklung auswirken. Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hingegen entwickelt die technischen Möglichkeiten des Roboters, wie seine Erzählweise und seine Fähigkeiten, kontinuierlich weiter und kümmert sich um den Datenschutz.
Robo ist ein Erzählfreund
Robo - entwickelt von navel robotics - soll den Kindern an der Wartbergschule von der ersten bis zur dritten Klasse helfen, die deutsche Sprache besser zu lernen, indem er sie dazu motiviert, mit ihm zu sprechen. Im Unterricht unterstützt der Roboter Lehrkräfte dabei, eine sprachförderliche und motivierende Atmosphäre zu schaffen und die Kinder zum Reden anzuregen. Robo ist kein Lehrer, sondern vielmehr ein kleiner Erzählfreund. Die Kinder dürfen ihm Fragen stellen, er hört zu, antwortet und stellt selbst Fragen. Er ermutigt die Kinder, Geschichten zu erzählen, Fragen zu formulieren, zuzuhören und ihre Ideen auszusprechen. Die Kinder lieben „ihren Robo“ und wollen alle mit ihm sprechen. Das erweitert ihren Wortschatz und stärkt neben ihrer Ausdrucksfähigkeit auch ihr Selbstvertrauen. Sie entdecken außerdem spielerisch, was Zukunftstechnologien im Schulalltag bewirken können.
Parallel werden die Lehrkräfte in Kooperation mit der LMU München gezielt zum mündlichen Erzählen und im Umgang mit der KI fortgebildet. Sie lernen, wie Robo als Partner, der zuhört und zum Erzählen einlädt, sinnvoll in den Unterricht eingebunden werden kann. Ihre Erfahrungen und Optimierungswünsche teilen sie dem Karlsruher KIT mit.
Acht Schulen aus dem Stadt- und Landkreis Heilbronn setzen den Roboter ein
Für die Lehrkräfte ist dieses Experiment freiwillig. Auch die Eltern konnten frei über die Teilnahme ihrer Kinder am Projekt entscheiden. Vorbehalte gab es durch vorherigen intensiven Austausch kaum. Bis 2027 beteiligen sich acht Schulen aus dem Stadt- und Landkreis Heilbronn an dem Projekt. Ein zweiter KI-Roboter ist Anfang des Jahres 2026 an der Heilbronner Gerhard-Hauptmann-Schule an den Start gegangen. Auch hier soll er hauptsächlich in der Sprachförderung eingesetzt werden, außer im Deutsch- zum Beispiel auch im Englischunterricht. Die Kinder freuen sich und die Lehrkräfte sind gespannt, ob es Robo gelingen wird, die Sprachkompetenz der Grundschüler*innen in den kommenden Jahren zu verbessern.
Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 05.03.2026
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