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Bildung + Innovation Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Erschienen am 15.12.2022:

„Es ist unsere Pflicht, möglichst allen Kindern die besten Startbedingungen zu geben.“

Das Projekt „Klangstrolche“ fördert die musikalische Früherziehung
Das Bild zum Artikel
Bildrechte: Klangstrolche

Das überwiegend durch Spenden finanzierte Projekt „Klangstrolche - Musik für jedes Kind“ bietet eine systematische und nachhaltige musikalische Frühförderung für Kinder in den ersten sechs Lebensjahren. Mit dem Projekt werden vor allem Kinder aus finanziell schwachem Umfeld, deren Eltern keinen Musikunterricht und keine Instrumente finanzieren können, musikalisch gefördert. Dadurch werden die Potenziale der Kinder geweckt und es werden ihnen größere Bildungs- und Zukunftschancen ermöglicht.


Die Stiftung Kultur Palast Hamburg startete im Mai 2007 mit einem Verbund aus zwölf regionalen Partnereinrichtungen das Projekt „Klangstrolche - Musik für jedes Kind“. Ihr Ziel: Kindereinrichtungen und Familien in und um Hamburg bei der musikalischen Bildung zu unterstützen und möglichst vielen Kindern zwischen sechs Monaten und sechs Jahren eine musikalische Früherziehung zu ermöglichen. „In den ersten sechs Jahren werden die Grundlagen für die Entwicklung von Kompetenzen in allen Lebensbereichen gelegt. Musik und das eigene Musizieren sind ein Schlüssel zum Erlernen von Sprache, sozialem Verhalten, logischem Denken und Motorik“, so die dahinterstehende Überzeugung.

Musikalische Früherziehung unterstützt die Entwicklung verschiedener Kompetenzen
Weil Kinder aus finanziell schwachem Umfeld oft ihren Bedürfnissen entsprechend nicht gefördert werden können, richtet sich das Projekt „Klangstrolche“ bewusst an solche aus benachteiligten Familien. Sie sollen durch die Chance auf eine musikalische Frühförderung ihre Potenziale entfalten können und größere Bildungschancen erhalten. Zum Einsatz kommt das Projekt vor allem in Gebieten wie Hamburg-Billstedt, einem Stadtteil mit einer defizitären Bildungssituation, einem überdurchschnittlich hohen Anteil nichtdeutscher und sozial benachteiligter Bevölkerungsgruppen und einer hohen Erwerbslosenquote. Dort ist der Kultur Palast ansässig und dort sind auch die Klangstrolch-Kurse in den Kita-Alltag integriert, sodass keine zusätzlichen Kosten für die Musikausbildung und -ausstattung der Kinder auf die Familien zukommen. „Kinder sind unser Glück und unsere Zukunft. Daher ist es unsere Pflicht, möglichst allen Kindern die besten Startbedingungen zu liefern. Die Lotterie des Lebens verteilt die Chancen jedoch weder gleich noch gerecht. Das Konzept der Klangstrolche setzt genau hier an und schafft über die Sprache der Musik mehr Bildungsgerechtigkeit, wobei das Lernen mit jeder Menge Spaß und Spiel verbunden ist. Diese Idee hat mich von Anfang an begeistert. Darum übernehme ich mit großer Freude die Schirmherrschaft und werde mich dafür engagieren, damit das Motto der Klangstrolche demnächst alle Spatzen von Hamburgs Dächern pfeifen: Jedem Kind Musik!“, so NDR-Moderator Carlo von Tiedemann.

Weiterbildung von Erzieher*innen, Musiker*innen und Ehrenamtlichen
Jedes Kind, das regelmäßig am Klangstrolch-Unterricht teilnimmt, ist ein „Klangstrolch“ und Einrichtungen, die die kleinen Klangstrolche ausbilden, wie Klangstrolch-Kitas und andere, werden „Strolchereien“ genannt. In und um Hamburg gibt es bereits 30 Klangstrolch-Kitas und mehr als 2.000 Kinder in 150 Klangstrolch-Gruppen nehmen regelmäßig an Klangstrolch-Kursen teil. Für die Ausbildung der kleinen Klangstrolche bildet die Stiftung Kultur Palast gemeinsam mit Seminarleiter*innen der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, des Instituts für elementare Musikerziehung in Mainz und der YAMAHA Academy of Music Hamburg auf Grundlage der Methoden „International Music Education“, „Musikgarten“ und „SimSaLaBim“ Erzieher*innen, Musiker*innen und Ehrenamtliche zu Klangstrolchlehrer*innen aus.

„SimSaLaBim-Wunderwelt Musik“ wurde von der YAMAHA Academy of Music speziell für die musikalische Frühförderung in Kindergärten und Kindertagesstätten entwickelt. Die Methode vermittelt nicht nur musikalische und ästhetische Bildung, sondern greift auch Bildungselemente aus der Mathematik und den Naturwissenschaften auf. Rund 20 Themen, zum Beispiel „Zähneputzen“, „Auf dem Marktplatz“ oder „Afrika“ werden anhand von einzelnen Musikstücken den Bedürfnissen und dem Alter der Kinder entsprechend mit Singen, Tanzen, Musizieren, Basteln, Malen und Spielen behandelt, wobei alle Sinneswahrnehmungen aktiviert und die sensorischen, motorischen, sprachlichen, sozialen und logischen Fähigkeiten gestärkt werden. Im „Musikgarten“ wiederum wird die musikalische Wechselbeziehung zwischen dem Kind und dem Erwachsenen betont. Durch musikalische Kinderspiele, Tänze und das gemeinsame Singen können die Kinder zusammen mit ihren Eltern ohne Leistungserwartungen ihre eigene Musikalität entdecken. Einfache Instrumente wie Klanghölzer, Glöckchen, Rasseln oder Trommeln führen die Kinder in die Welt der Klänge ein. Begleitet werden sie dabei altersentsprechend von den Klangstrolch-Figuren Dore, Mifa, Sola und Tido, die zugleich als Identifikationsfiguren des Projekts dienen. Der Hase Dore begleitet die kleinsten Strolche, die Null- bis fast Zweijährigen, Mifa, die Schildkröte, singt und tobt mit den Klangstrolchen, die älter als ein Jahr und bis drei Jahre alt sind, Frosch Sola flötet am liebsten mit den Drei- bis Fünfjährigen und Tido, der Bär, ist für die Strolche von vier bis sechs Jahren da.

Die Methode „International Music Education“

Die dritte Methode „International Music Education“ ist ein auf der „Music Learning Theory“ von Edwin E. Gordon basierendes musikpädagogisches Projekt, das entwicklungspsychologische Erkenntnisse mitberücksichtigt. Bei der „Music Learning Theory“ wird der Lernprozess vom Hören aus gedacht. Ähnlich wie beim muttersprachlichen Lernen hören die Kinder zunächst über einen langen Zeitraum hinweg die vorgesungenen Lieder und reagieren dann zu einem von ihnen selbst gewählten Zeitpunkt auf die gehörte Musik. Diese Reaktionen greifen die Erzieher*innen und Musiker*innen auf und führen sie musikalisch weiter, bis Töne, Melodien und Rhythmen verstanden werden. Um eine gemeinsame Identität zu schaffen, wird auf ein internationales Kinderliedrepertoire zurückgegriffen.

Jede Einrichtung beginnt nach der Ausbildung zur „Strolcherei“ auf Grundlage der drei Konzepte mit eigenen Kursangeboten und steht auch in regelmäßigem fachlichen Austausch mit den Partnereinrichtungen. Zusammen werden beständig weitere neue Angebote entwickelt und erprobt. Kinder, die nicht in einer Klangstrolch-Kita sind und trotzdem gerne Klangstrolche werden möchten, können an Klangstrolch-Kursen im Kultur Palast teilnehmen.

Veranstaltungen im Kultur Palast

Zusätzlich gibt es jeden Monat Klangstrolch-Veranstaltungen im Kultur Palast, die für die am Projekt beteiligten Kinder und Erzieher*innen kostenlos sind. Ein ausgewähltes Programm an Konzerten mit Mitmachelementen, Theaterstücken und Kinderopern schafft den Klangstrolchen einen ersten Zugang zu hochwertigen kulturellen Angeboten. 30 Kinderkonzerte mit jährlich 6.000 Besucher*innen gab es schon seit 2007. Zweimal im Jahr - in den Frühjahrs- und Herbstferien - können die Klangstrolche und ihre Klangstrolch-Lehrer*innen Musik in allen Facetten auch auf dem „Kongress der Klangstrolche“ kennenlernen. Gemeinsames Musizieren, Tanzen, Trommeln, Klangreisen, Basteln, Experimentieren und Entdecken werden dann in rund 60 Workshops im Kultur Palast für alle angeboten. 31 Kongresse mit insgesamt 1000 Workshops und Konzerten haben schon stattgefunden, die von über 12.500 Teilnehmer*innen besucht wurden. Auch zu verschiedenen Anlässen zeigen die Klangstrolche ihr Können. Mit instrumentaler Unterstützung von Klangstrolchlehrer*innen treten verschiedene Gruppen zu Anlässen wie Stadtteilfesten, Jubiläen und bei weiteren Veranstaltungen auf.

15 Jahre Klangstrolche - Großes Jubiläums-Fest beim Gipfeltreffen in der Laeiszhalle
Mit hochkarätigen Musiker*innen und prominenten Gästen veranstalten die Klangstrolche außerdem jedes Jahr ein großartiges Konzert in der Laeiszhalle, um die Zukunft des Projekts zur musikalischen Früherziehung für alle Kinder zu sichern und die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Themen Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit zu lenken - das sogenannte Gipfeltreffen. In diesem Jahr feierten fast 1000 Kinder beim diesjährigen Gipfeltreffen am Freitag, 22. April 2022, in der Laeiszhalle gemeinsam mit Schirmherr Carlo von Tiedemann, Rolf Zuckowski, Kindermusik-Komponist und Botschafter des Projekts und vielen weiteren bekannten Gästen wie dem KIKA-Moderator Juri Tetzlaff, den Symphonikern Hamburg und der Senatorin für Arbeit, Gesundheit, Soziales, Familie und Integration, Dr. Melanie Leonhard, das 15-jährige Jubiläum des mehrfach prämierten Projekts „Klangstrolche - Musik für jedes Kind“. Gemeinsam mit Dore, Mifa, Sola und Tido - in den Kostümen waren Tänzer*innen der HipHop Academy - tanzten die Kinder ausgelassen mit den Erwachsenen im Großen Saal des Konzerthauses und alle sangen gemeinsam das bekannte Geburtstagslied von Rolf Zuckowski dazu.



Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 15.12.2022
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