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Bildung + Innovation Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Erschienen am 20.12.2021:

„Empowerment statt Förderung per Gießkanne.“

Die Jubiläumsinitiative des Stifterverbandes ehrt die besten Ideen für das Bildungs-, Wissenschafts- und Innovationssystem von morgen

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Bildrechte: Wirkung hoch 100

Die Jubiläumsinitiative des Stifterverbandes „Wirkung hoch 100“ hat 100 Ideen für das zukünftige Bildungs-, Wissenschafts- und Innovationssystem per Ausschreibung gesucht und diese in dem Zeitraum von Juni 2020 bis November 2021 finanziell gefördert, gecoacht und weiterentwickelt. Am 15. und 16. November 2021 zeichnete sie die drei Projekte aus, die das größte Veränderungspotenzial aufweisen.


Anlässlich seines 100-jährigen Jubiläums hat der Stifterverband im Juni 2020 mit „Wirkung hoch 100“ ein besonderes Förderprogramm gestartet. Er suchte aus über 500 Projekten, die sich beworben hatten, 100 mit besonders guten Ideen, das Bildungs-, Wissenschafts- und Innovationssystem von morgen voranzubringen, aus. Diese wurden in einem mehrstufigen Prozess gefördert. Allen Projekten war gemein, dass sie sich in einem frühen Stadium befanden.

Die Jubiläumsinitiative

Doch die Initiative „Wirkung hoch 100“ ist nicht nur ein Förderprogramm, sondern auch ein Experiment, mit dem ein neuartiger Förderansatz erprobt werden sollte. Die 100 ausgewählten Projekte (62% Bildung, 21% Wissenschaft, 17% Innovation) ließ der Stifterverband über einen Zeitraum von sechs Monaten zusätzlich von Expert*innen und Förderpat*innen aus Stiftungen und Unternehmen begleiten und beraten. „Ein Projekt in der Größe von 'Wirkung hoch 100' ist nur als Gemeinschaftsinitiative zu realisieren“, ist der Stifterverband sicher und ergänzt: „Gemeinsam mit unseren Partnern vernetzen wir diese Pioniere und verhelfen ihren Projekten mit der Kraft unseres Netzwerks zum Durchbruch. Die Mission: miteinander statt Nebeneinander. Empowerment statt Förderung per Gießkanne.“ 270 Unternehmen, Institutionen und Privatpersonen unterstützten die Jubiläumsinitiative in den vergangenen eineinhalb Jahren, so auch die Daimler AG. „Gerade in herausfordernden Zeiten wie diesen ist es wichtig für Gesellschaft und Unternehmen, Themen mutig und erfinderisch anzugehen. Gemeinsam mit dem Stifterverband wollen wir den Wandel aktiv gestalten - mit großem Engagement und den besten Ideen für die Zukunft von Bildung, Wissenschaft und Innovation,“ betont Elisabeth Viebig, Leiterin Community Commitment/Volunteering & Memberships.

Die erste Förderphase
Alle ausgewählten Projekte erhielten 10.000 Euro Startgeld - 5.000 Euro als direkte finanzielle Förderung und 5.000 Euro als ideelle Förderung in Form von Coaching- und Qualifizierungsangeboten. Bei einem virtuellen Arbeitstreffen am 9. Dezember 2020 trafen sich die Verantwortlichen der 100 ausgewählten Projekte erstmals persönlich mit ihren Unterstützer*innen. Gemeinsam erarbeiteten sie in virtuellen Arbeitsgruppen, wie sie ihre Ideen erfolgreich umsetzen können. Die Projektteams erfuhren auch, wie sie via Crowdfunding weitere finanzielle Mittel erschließen konnten. An dem ersten virtuellen Werkraum nahmen fast 250 Personen teil, darunter 60 Förderer und Wirkungspat*innen. In einer Art „Speeddating“-Runde zu Beginn des Werkraums wurden immer jeweils zwei Teilnehmer*innen einander zugelost, um das Kennenlernen zu fördern. Im Hauptraum der virtuellen Veranstaltungsplattform, der „Lobby“, führte Wissenschaftsjournalistin Christina Sartori die Teilnehmer*innen mit Interviews und Hintergrundinformationen durch den Tag. Daneben gab es 14 themenspezifische Räume, in denen die Projektverantwortlichen ihre Ideen in kleinen Gruppen innerhalb ihrer Wirkungsfelder vorstellten und sich untereinander sowie mit ihren persönlichen Wirkungspat*innen vernetzten. Themenfelder waren unter anderem Anti-Diskriminierung & Diversität, Demokratische Gesellschaft, Hochschule 2.0/Agile Hochschule und Inklusion. In insgesamt über 650 Einzelgesprächen kam es zum Austausch vieler Ideen und Erfahrungen.

Aus den 100 besten Ideen für die Zukunft von Bildung, Wissenschaft und Innovation identifizierte der Beirat der Jubiläumsinitiative - 36 Persönlichkeiten aus Unternehmen, Hochschulen, öffentlichen Institutionen und Bildungseinrichtungen - für die zweite Förderphase die 30 Projekte mit dem größten Potenzial.

Phase 2 und 3
Am 7. und 8. Juni 2021 stand für die 30 ausgewählten Projektteams der zweite virtuelle Werkraum an, in dem sie mit Expert*innen an projektübergreifenden Herausforderungen wie Skalierung, Übertragbarkeit, Wirkung und Nachhaltigkeit arbeiteten. Dazu erhielten sie Input von Thomas Gegenhuber, Professor für Socio-Technical Transitions an der Johannes Kepler Universität Linz, der einen Impulsvortrag zum Thema „Von der Idee zum Impact“ hielt, und den Unternehmerinnen Ulrike Garanin (Joblinge), Dr. Ute Gallmeier (Stiftung Haus der kleinen Forscher) und Dr. Helga Lukaschat (femtec). Letztere berichteten, wie sie ihre Projekte in die Breite skaliert und zu mehr Wirkung geführt haben. Am 13. September 2021 hatten alle 30 Projektteams die Gelegenheit, in der Essener Villa Hügel ihre Projekte vorzustellen. Die zehn Projekte mit dem größten Entwicklungsfortschritt und Skalierungspotenzial wurden für die dritte und finale Phase ausgewählt und erhielten - je nach individuellem Bedarf - eine weitere finanzielle Förderung von insgesamt einer Million Euro.

Nach einer intensiven, von dem Netzwerk des Stifterverbandes begleiteten Arbeitsphase, präsentierten die zehn Finalisten auf der Abschlussveranstaltung der Jubiläumsinitiative „Wirkung hoch 100“ am 15. und 16. November 2021 in Berlin allen Interessierten ihre Projekte und erarbeiteten Lösungen. In einem abschließenden Transferwerkraum wurden mit den Partner*innen die erarbeiteten Lösungen und Standards diskutiert und weiterentwickelt, um nachhaltig Veränderung in der Breite zu bewirken. Dabei wurden auch neue und innovative Formen der Förderung - Fördern 2.0 - diskutiert und reflektiert. Eine unabhängige Jury vergab schließlich die Preise an die drei Projekte mit den größten Fortschritten und besten Erfolgsaussichten.

Klimawandel - verstehen und handeln
Preisträger in der Kategorie „Bildung“ ist das an der Fakultät für Physik der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) angesiedelte Projekt „Der Klimawandel - verstehen und handeln“. Vor dem Hintergrund, dass das für junge Menschen hochaktuelle Thema Klimawandel bisher zu wenig im MINT-Unterricht behandelt wird und der Bezug zum Alltag der Schülerinnen und Schüler oft fehlt, hat das Projektteam unter der Leitung von Astrophysikerin Dr. Cecilia Scorza Unterrichtsmaterialien für verschiedene Jahrgangsstufen entwickelt. In deren Mittelpunkt steht der Klimakoffer, mit dem Schülergruppen die wissenschaftlichen Hintergründe, Auswirkungen und den MINT-Charakter des Klimawandels experimentell erkunden können. Mit relativ einfachen Aufbauten können - von der Absorption von Wärmestrahlung durch CO2, über den Albedo-Effekt, bis hin zur Versauerung der Meere - verschiedene naturwissenschaftliche Zusammenhänge in Schülerexperimenten untersucht werden. Dabei übernehmen Schüler*innen Verantwortung, lernen Handlungsmöglichkeiten kennen und erfahren Selbstwirksamkeit. Durch ein Begleitprogramm werden sie zudem befähigt, den Klimawandel auch politisch zu durchdringen und gemeinsam dagegen vorzugehen. Auch die Vernetzung von Lehrenden, die sich für den Klimaschutz engagieren, wird von Anfang an mitgedacht.

Durch die Förderung der Jubiläumsinitiative hat das Projekt an Fahrt aufgenommen. „Nach der Bekanntgabe der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) im April über die Schirmherrschaft unseres Projektes haben wir ca. 1.700 Anfragen für den Klimakoffer aus Schulen und mehrere Einladungen von Stiftungen und von Universitäten erhalten. Die Kultusministerien verschiedener Bundesländer sind ebenfalls an unseren Materialien interessiert. Dies ist eine vielversprechende Entwicklung für die bundesweite Skalierung unseres Projektes!“, freuen sich die Projektmitglieder. Es wird u.a. vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz gefördert und in Zusammenarbeit mit Schulen und engagierten Lehrerinnen und Lehrern weiterentwickelt. Besonders gelobt hat die Jury, dass das Projekt bereits eine internationale Skalierung im Blick hat.

Preisträger „Wissenschaft“ und „Innovation“
Mit dem „Wirkung hoch 100“-Preis in der Kategorie „Wissenschaft“ wurde das Institut für Inklusive Bildung, eine selbstständige, der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel angegliederte Einrichtung, ausgezeichnet. Das Projekt hat einen Weg gefunden, um Menschen mit Behinderungen beruflich zu qualifizieren, ihnen eine Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt anzubieten und die bislang defizitäre Betrachtung von Menschen mit Behinderungen zu einer kompetenzorientierten Betrachtung zu verändern. „Das Thema Inklusion wird aus einer lösungsorientierten Perspektive gedacht und schafft einen Austausch auf Augenhöhe, der die Barrieren in den Köpfen überwindet“, so die einhellige Meinung der Jury. Das Projekt möchte bis Ende 2023 an zehn Hochschulstandorten insgesamt 60 Bildungsfachkräfte qualifizieren. Als langfristige Vision soll das Institut für Inklusive Bildung ein bundesweit vernetzter Vorreiter in Sachen Inklusion und Hochschule werden.

Das Team des Projekts „Federated Secure Computing“ der LMU München wurde im Bereich „Innovation“ mit dem ersten Platz geehrt. Es arbeitet daran, gemeinsam an Daten zu forschen, ohne diese austauschen zu müssen. „Der sichere Austausch von Daten in Europa ist eine große Herausforderung für Hochschulen, Unternehmen, Politik und Gesellschaft. „Federated Secure Computing“ ermöglicht es, Datenschätze sicher und vor allem datenschutzkonform zu erheben und für Wirtschaft und Wissenschaft nutzbar zu machen. Der Innovation sind damit keine Grenzen gesetzt. Das Geniale dabei ist: Die Datenanalyse erfolgt ohne, dass die Daten selbst getauscht werden müssen. Durch den Open Source Code und die hohe Kompatibilität birgt das Projekt ein großes Potenzial in unterschiedlichsten Bereichen - überall dort, wo Daten anfallen und gesammelt werden“, heißt es in der Laudatio der Preisjury.

Ein gelungenes Experiment
Mit der Auswahl der drei Siegerteams endet die Jubiläumsinitiative des Stifterverbandes. „Mit unserer Jubiläumsinitiative 'Wirkung hoch 100' ist es uns gelungen, eine wirkungsvolle Innovationsallianz aus Graswurzelinitiativen für bessere Bildung, Wissenschaft und Innovation zu schmieden“, erklärt Volker Meyer-Guckel, stellvertretender Generalsekretär des Stifterverbandes. „Gemeinsam mit unseren Mitgliedern und Unterstützern haben wir diese Pioniere vernetzt und mit einem mehrstufigen Förderkonzept, dem Fördern 2.0, individuell unterstützt und bedarfsorientiert weiterentwickelt - ganz nach unserem Grundsatz 'Miteinander statt Nebeneinander!'“
In einem Jahr will der Stifterverband die Fortschritte der geförderten Projekte und Ideen überprüfen, um daraus dann weitere Erkenntnisse ableiten zu können.





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Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 20.12.2021
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