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Bildung + Innovation Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Erschienen am 14.01.2021:

„Die Kraft der Gemeinschaft.“

Der Deutsche Nachbarschaftspreis würdigt Projekte, die das Miteinander stärken

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Bildrechte: Deutscher Nachbarschaftspreis

Die nebenan.de Stiftung vergibt seit 2017 den Deutschen Nachbarschaftspreis (DNP) an engagierte Nachbarschaftsprojekte aus ganz Deutschland auf Landes- sowie Bundesebene. Damit will sie das Engagement der Menschen anerkennen und es sichtbar machen. 2020 wurde zusätzlich auch der Publikumspreis „Coronahilfe“ verliehen.


Nachbarn, die füreinander da sind, sich unterstützen oder gemeinsam tolle Projekte auf die Beine stellen, die die Gemeinschaft fördern - diese Menschen möchte die nebenan.de Stiftung sichtbar machen und würdigen. Die nebenan.de Stiftung ist die gemeinnützige Tochterorganisation des Berliner Sozialunternehmens Good Hood GmbH, das die Nachbarschaftsplattform nebenan.de betreibt, auf der man Nachbarschaftshilfe finden und anbieten kann. Die nebenan.de Stiftung wurde 2017 gegründet. Sie will das Bewusstsein dafür schärfen, dass lokale Gemeinschaften eine große Bedeutung für den Zusammenhalt der Gesellschaft haben und hat im selben Jahr den Deutschen Nachbarschaftspreis ins Leben gerufen. „Unsere Vision ist eine Gesellschaft, in der ein offenes Miteinander alle Bewohner*innen im Viertel einschließt und in der Nachbarn*innen für ihr Lebensumfeld Initiative ergreifen“, so die Initiatoren. Die Stiftung ruft einmal im Jahr zum „Tag der Nachbarn“ auf, damit im ganzen Land an einem Tag kleine und große Nachbarschaftsfeste organisiert werden und man mit den Menschen zusammenkommt, denen man sonst nur flüchtig im Hausflur oder auf der Straße begegnet. Sie kooperiert mit einem großen Netzwerk aus Partnern in ganz Deutschland und ist Mitglied im Bundesverband Deutscher Stiftungen. Förderer des Nachbarschaftspreises sind die Deutsche Fernsehlotterie, die Diakonie Deutschland, die Wall GmbH, der Deutsche Städtetag und der EDEKA-Verbund.

Der Deutsche Nachbarschaftspreis
Der Preis zeichnet einmal im Jahr Projekte und Initiativen mit Vorbildcharakter aus, die sich für ihr lokales Umfeld einsetzen und die Gemeinschaft stärken. Er ist mit insgesamt 58.000 Euro dotiert und wird auf Landes- und Bundesebene vergeben. In jedem Bundesland wählt eine unabhängige Landesjury den jeweiligen Landessieger aus und nominiert diesen gleichzeitig für die Bundespreise. Die Landessieger erhalten jeweils ein Preisgeld von 2.000 Euro. Die Bundesjury, bestehend aus Vertreter*innen der Hauptförderer, des Vereins startsocial, nebenan.de, der Generationsbrücke Deutschland und dem Stressforscher Prof. Dr. Mazda Adli bewertet die 16 Landessieger und wählt aus ihrem Kreis die drei Bundessieger aus. Der erste Bundessieger erhält 10.000 Euro, der zweite 7000 und der dritte 5000 Euro.

Die Preisträger 2020
2020 wurde der Deutsche Nachbarschaftspreis bereits zum vierten Mal vergeben. Auf der Preisverleihung, die am 10. November 2020 wegen der Corona-Pandemie digital stattfand, wurden die drei Bundessieger gekürt. Der erste Bundessieger kommt aus Sachsen-Anhalt. In der Nähe der jüdischen Gemeinde und dem Kiez-Döner, die im Oktober 2019 Zielscheibe des Attentäters von Halle wurden, befindet sich seit Jahresbeginn 2020 der „WELCOME Treff“. Der 2015 gegründete Begegnungsort für Geflüchtete und Engagierte bietet Sprach- und Kulturangebote, gemeinsames Nähen und Kochen, Pflanzenexkursionen, Sportmöglichkeiten oder Unterstützung bei Behördengängen und der Arbeitssuche an. „Der Treff ist für alle, hier wird nicht nach dem Ausweis geguckt und nicht gefragt, woher man kommt“, berichtet Mitarbeiterin Jana Hemming-Lange. Hier geht es darum, dass sich jede*r wohl fühlt. Die Menschen, die hierhin kommen, wollen in erster Linie Leute kennenlernen, sie suchen Kontakt zu Deutschen und zu Ausländern und helfen sich auch gegenseitig. Die Atmosphäre ist freundlich und aufgeschlossen, für viele ist der Treff ein neues Zuhause geworden. „Eine funktionierende Nachbarschaft hat einen großen Wert, weil man sich sicher fühlt“, meint Hemming-Lange. Auch die Bundesjury ist begeistert: „Das Engagement für mehr Toleranz und Integration des Projektes „WELCOME Treff“ ist bewundernswert. Es setzt an diesem besonderen Ort in Halle ein Zeichen für mehr Vielfalt und ist damit eine Inspiration für andere Regionen in ganz Deutschland.“

Zweiter Bundessieger wurde das Projekt „Offener Garten Osnabrück - aus Gärten werden Spielplätze“ der Freiwilligen-Agentur Osnabrück in Niedersachsen. Als die Spielplätze der Stadt wegen Covid-19 geschlossen wurden, stellten Nachbar*innen, da viele Familien nicht über einen eigenen Garten verfügen, spontan ihre Gärten als Spielplätze bereit. Das war für viele Kinder die einzige Möglichkeit, draußen spielen zu können. Das Projekt hat viele Menschen zueinander geführt und die Nachbarschaften gestärkt. „Das Projekt fördert die Zusammenkunft über soziale Schichten hinweg und bietet damit Familien ohne Garten den nötigen Zugang zur Natur“, zeigt sich die Bundesjury beeindruckt. Und auch das Projekt „Krone - wachgeküsst!“ aus Thüringen, dritter Bundessieger, hat laut Jury einen Preis verdient. Die Krone ist ein altes verfallenes Wirtshaus im Dorfkern von Schweina, einem Ortsteil von Bad Liebenstein, in dem schon im 16. Jahrhundert die Bürger*innen zusammenkamen. Selbst Martin Luther soll hier sein Bier getrunken haben. Nachdem das Haus jahrzehntelang verfiel, gründeten die Einwohner 2011 die Bürgerinitiative Krone Schweina e.V., um das Gebäude wieder herzurichten und zu einem neuen Treffpunkt auszurichten. Die Krone soll wieder Mittelpunkt des Ortes und ihrer Gemeinschaft werden. Viele ältere und junge Nachbarn treffen sich seitdem regelmäßig und haben 2016 mit der Sanierung der Wirtschaft begonnen. Und obwohl immer noch viel Arbeit vor ihnen liegt, freuen sie sich schon auf die Stammtische, die Feiern, Lesungen und Konzerte, die hier und im Garten unter der großen Linde dann wieder veranstaltet werden können.

Publikumspreis „Coronahilfe“
Gute Nachbarschaft und engagierte Nachbar*innen sind immer wichtig, doch insbesondere in den vergangenen Monaten, in denen die Corona-Pandemie unser aller Leben stark eingeschränkt hat, war es für viele überlebenswichtig, in einer intakten Gemeinschaft zu leben. Gerade ältere und kranke Menschen, die ihre Wohnung über Monate kaum verlassen konnten, waren umso mehr auf die Hilfe ihrer Nachbarn angewiesen. Überall in Deutschland sind in der Zeit neue Initiativen entstanden, um diejenigen zu unterstützen, die in dieser Situation besonders dringend Hilfe benötigen. Die nebenan.de Stiftung hat deshalb 2020 zusätzlich den Publikumspreis „Coronahilfe“ vergeben, um diesen Projekten besondere Anerkennung zu schenken. Und nicht die Jury hat diesen Sieger ernannt, sondern Nachbar*innen selbst konnten ihn in einer Online-Abstimmung aus 65 herausragenden Nachbarschaftsprojekten auswählen. Das Projekt, das bei der Online-Abstimmung die meisten Stimmen bekam, erhielt 10.000 Euro Preisgeld und wurde ebenfalls am 10. November 2020 prämiert.

Die „Corona-Nachbarschaftshilfe Fürstenfeldbruck“
Gewonnen hat die „Corona-Nachbarschaftshilfe Fürstenfeldbruck“ aus Bayern, die während der Pandemie unerlässlich für ihre Mitbürger*innen da war. „Wir wollen überall da helfen, wo aufgrund der Covid-19-Pandemie in irgendeiner Form Hilfsbedarf entsteht“, erzählt Monika Graf, die die Nachbarschaftshilfe am 12. März 2020 gegründet hat. Nach dem Motto „Geht nicht, gibt es nicht“ haben lokale ehrenamtliche Helfer*innen, deren Zahl in kurzer Zeit auf über 1600 anwuchs, schnell, unkonventionell und unbürokratisch überall da geholfen, wo Hilfsbedarf entstand: Kinderbetreuung für Ärzt*innen und Pflegekräfte, Einkäufe und Besorgungen für Mitglieder von Risikogruppen, dazu gehört auch, nachts Medikamente aus der Apotheke zu holen, Fahrdienste zu Ärzten, Telefonseelsorge, Hunde Gassi führen etc. Eine Nähgruppe hat am Anfang Mundschutze genäht, dann Schutzkittel für Krankenhäuser und Altenheime. „Wir haben für die Altenheime vor Ort mobile Videotelefonieplattformen eingerichtet“ berichtet Graf, damit die Hilfe auch da ankommt, wo sie am dringendsten gebraucht wird. Über 7500 Stunden ehrenamtlich geleistete Hilfe kamen seitdem zusammen - und bestimmt kommen in den nächsten Monaten noch viele Stunden dazu. „Für mich ist durch dieses Projekt unsere Heimatstadt lebenswerter und liebenswerter geworden“ schwärmt Graf. „Ich habe ganz viele neue Freunde kennengelernt und ich habe die Sicherheit, dass, wenn in meinem Leben jemals irgendwas passiert, ich nie allein sein werde. Die Kraft der Gemeinschaft, was es bewirkt, wenn alle an einem Strang ziehen, das ist übermächtig und da kann uns auch so ein Virus nichts anhaben, wenn wir zusammenhalten. Das ist ein unfassbar bereicherndes Gefühl für mich.“

Das Forum „Engagierte Nachbarschaft“
Neben den Preisgeldern erhielten alle aktuellen und ehemaligen DNP-Bewerber*innen vom 11. bis 13. November 2020 die Chance zur Teilnahme am Forum „Engagierte Nachbarschaft.“ Hier konnten sie sich kennenlernen, austauschen und weiterbilden. 2020 fand das Forum als Web-Seminarreihe mit verschiedenen Sessions und Workshops statt. Dabei konnten sich alle Engagierten miteinander vernetzen und wertvolle Tipps und Tricks erlernen, wie sie ihre Projekte noch wirksamer vorantreiben können. Unterstützt wurden sie dabei von Expert*innen aus den Bereichen Ehrenamtsmanagement, Fundraising, Communityaufbau und vielen weiteren Bereichen.



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Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 14.01.2021
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