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„Lernort Stadion“ motiviert fußballbegeisterte Jugendliche, sich mit politischen Fragen und demokratischen Werten auseinanderzusetzen

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Bildrechte: Michal Jarmoluk auf Pixabay

11.06.2026: Der Verein „Lernort Stadion“ nutzt die Fußballbegeisterung junger bildungsbenachteiligter Menschen, um ihnen in außerschulischen Workshops und Projektwochen zur politischen Bildung ein Bewusstsein für demokratische Werte zu vermitteln und sie für gesellschaftspolitische Themen zu sensibilisieren. Die Angebote zu Toleranz, Miteinander, FairPlay im Klassenraum, Antidiskriminierung, Gewaltprävention oder Homophobie finden direkt in den Fußballstadien statt. Schulklassen und Jugendgruppen kommen dafür stunden- oder tagesweise ins Stadion, setzen sich dort mit den gesellschaftlichen Themen auseinander und erkunden den besonderen Lernort bei einer Stadionführung.  
 
 
Vom 11. Juni bis zum 19. Juli 2026 findet die 23. Fußballweltmeisterschaft der Männer in den USA, Kanada und Mexiko statt. Millionen Menschen verfolgen aufgeregt die Spiele live in den 16 Stadien oder zuhause vorm Fernseher und fiebern für ihr Team mit.  
 
Die weit verbreitete Begeisterung für Fußball nutzt das Projekt Lernort Stadion, um Jugendliche für eine offene, demokratische und vielfältige Gesellschaft zu gewinnen. In bundesweit über 30 Lernzentren in Fußballstadien können 14  bis 18 Jährige Jugendliche überwiegend aus Haupt-, Real-, Gesamt- und Förderschulen außerschulische Workshops und Projektwochen der politischen Bildung besuchen. So werden die jungen Menschen, die häufig aus sozial herausfordernden Lebenssituationen kommen, niedrigschwellig und bewegungsorientiert an Themen wie Vielfalt, Fairplay, Toleranz und demokratisches Handeln herangeführt. Neben Schulklassen besuchen auch Gruppen aus Jugendeinrichtungen und Jugendfußballmannschaften die Lernorte. 
 
Lernort Stadion  
Lernort Stadion e.V. ist der Dachverband der Lernzentren an den Fußballprofistandorten. Initiiert wurde das Projekt im Jahr 2009 von der Robert Bosch Stiftung nach dem Vorbild „Study Support Centres“ in Großbritannien. 2010 stieg die DFL Stiftung (2008 vom DFL Deutsche Fußball Liga e.V. und der DFL Deutsche Fußball Liga GmbH gegründet) in die Förderung ein und ist seit 2017 Hauptförderin des Projekts. Vor Ort unterstützen die Proficlubs und die sozialpädagogischen Fanprojekte. Im Herbst 2014 gründete sich mit dem Lernort Stadion e.V. der wichtigste Partner, dem alle Lernzentren als gleichberechtigte Mitglieder angeschlossen sind. Jedes Jahr kommen neue Standorte hinzu. Unterstützt wird der Lernort Stadion von der DFL Stiftung, dem Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Profivereinen, Fanprojekten, Kommunen und vielen mehr. Gemeinsam mit der DFL Stiftung begleitet der Verein jährlich drei bis vier neue Standorte beim Aufbau eines Lernzentrums, der thematischen Schwerpunktsetzung und Fragen der Finanzierung. 
 
Aufgaben der Geschäftsstelle 
Die Geschäftsstelle des Dachverbands Lernort Stadion e.V. mit Sitz in Berlin fördert, begleitet und vernetzt die Lernzentren und beabsichtigt, langfristig an allen Profistandorten in Deutschland Lernzentren zu etablieren. Sie vertritt die Interessen der Mitglieder nach außen, stärkt die Öffentlichkeitsarbeit und bietet Netzwerk- und Austauschtreffen sowie Fachtage an. Auch berät sie ihre Mitglieder in Fragen der strategischen Ausrichtung, entwickelt und erprobt Praxisansätze der außerschulischen Jugendbildung für den Fußball- und Stadionkontext und organisiert zur Professionalisierung der politisch-bildnerischen Arbeit Fort- und Weiterbildungen für die Teamer*innen der Lernzentren. Daneben evaluiert sie kontinuierlich die Arbeit in den Lernzentren und entwickelt gemeinsam mit Partnern wirkungsorientierte Konzepte und Materialien für die Bildungsarbeit. Seit 2014 leitet Birger Schmidt das Projekt Lernort Stadion. Für sein Engagement in der politischen Bildung und sein Wirken für demokratische Werte wurde er 2019 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. 
 
Ziel der Lernzentren 
In den Lernzentren werden sozial benachteiligte Jugendliche mit Hilfe ihrer Faszination für den Profifußball, durch Wertschätzung und Methodenvielfalt darin unterstützt, aktiv an der Gesellschaft teilzuhaben und ein Bewusstsein für demokratische Werte zu entwickeln. In den Angeboten wird auf die Stärken und individuellen Fähigkeiten der Jugendlichen gesetzt und eine kritische Auseinandersetzung mit eigenen Positionen, Gesellschaft und Politik gefördert. In den Lernzentren, wie der Leverkusener Bayer 04-Lernkurve, der Lernkurve Leipzig oder der BildungsArena Eintracht Frankfurt, werden Jugendliche in Workshops zu den Themen Kunst, Kultur, Stadt- und Vereinsgeschichte sowie Inklusion, Antidiskriminierung, Teilhabe durch Sport, Teambuilding, Persönlichkeitsentwicklung, Berufsbildung und Medienkompetenz zum Mitdenken, Mitbestimmen und Mitgestalten angeregt.
 
Entwicklung verschiedener Projekte 
In enger Kooperation mit einzelnen Standorten setzt der Verein auch eigene innovative Projekte zur Demokratieförderung und Teilhabe auf Bundesebene um. In dem Projekt „Freiheit auf den Rängen?!“ steht beispielsweise die Geschichte ost- und westdeutscher Fußballfans und ihre Rolle in gesellschaftlichen Wandelprozessen der 1960er bis 1990er Jahre im Mittelpunkt. Das Projekt verbindet historische Quellenarbeit, Zeitzeug*innen-Interviews und digitale Lernformate, um Jugendlichen die Bedeutung von Fanszenen als Räume von Gemeinschaft, Widerstand und Selbstbestimmung nahezubringen. Mit einem gesamtdeutschen, verbindenden Ansatz schlägt es Brücken zwischen Ost und West, stärkt das kritische historische Bewusstsein und regt dazu an, die heutige Bedeutung von Freiheit und Demokratie im Sport wie auch in der Gesellschaft zu reflektieren. Mit dem Projekt „Stadion Europa“ erlebten Jugendliche unmittelbar vor der UEFA EURO 2024 an vier deutschen Standorten – Dresden, Mönchengladbach, Darmstadt und Bremen – ein besonderes Festival, das Fußballbegeisterung mit politischer Bildung und gesellschaftlichem Dialog verband. In den Stadien wurden interaktive Workshops, sportliche Aktivitäten, kulturelle Beiträge und lebendige Diskussionsrunden zu den Themen Europa, Zusammenhalt und Demokratie veranstaltet, in denen Jugendliche spielerisch und kreativ europäische Werte entdecken konnten.  
  
Langfristige Strukturen etablieren 
Mit Unterstützung der DFL Stiftung baut der Verein seit 2023/2024 im Sonderprojekt „Unterklassig? Erstklassig!“ neue Lernzentren in Ostdeutschland auf. Im Fokus stehen traditionsreiche Vereine mit Strahlkraft unterhalb der ersten beiden Profiligen. Mit Unterstützung der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) wurden bereits drei neue Lernzentren in Babelsberg (Potsdam), Chemnitz und Jena initiiert. Die Lernzentren befassen sich mit Demokratiebildung, dem Umgang mit Fake News und verschiedenen Präventionsansätzen, um Jugendliche durch dialogorientierte Bildungsformate für aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen zu sensibilisieren. Zugleich verfolgt das Projekt das Ziel, stabile und langfristige Strukturen aufzubauen, die die pädagogische Qualität und Wirksamkeit der Lernzentren dauerhaft sichern. 
 

Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 11.06.2026
© Bildung + Innovation

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