„In unseren Podcast-Formaten soll der praktische Nutzen deutlich werden.“
05.02.2026: In der „Clearingstelle evidenzbasierte Pädagogik“ der Qualitäts- und UnterstützungsAgentur - Landesinstitut für Schule (QUA-LiS NRW) werden der Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse sowie daraus resultierende Implikationen für die praktische Arbeit von Lehrkräften, Schulleitungen sowie allen weiteren an Schule Tätigen in den Blick genommen. Wir sprachen mit Dr. Johanna Gesang, Projektleitung der Clearingstelle, darüber, inwiefern die beiden Podcast-Reihen „Fachdidaktik für die Praxis“ sowie „Studiencheck. Schulforschung auf den Punkt“ diesen Wissenstransfer unterstützen und welche Themen die Podcasts zum Inhalt haben.
Online-Redaktion: Frau Dr. Gesang, Sie haben im Sommer 2024 die beiden Podcast-Formate „Fachdidaktik für die Praxis“ und „Studiencheck. Schulforschung auf den Punkt“ gestartet. Wie kamen Sie auf die Idee, Podcasts anzubieten, und welche Ziele verfolgen Sie damit?
Gesang: Podcasts sind ein zeitgemäßes Medium, das Wissen anschaulich vermittelt und einen niedrigschwelligen Zugang bietet, um wissenschaftliche Befunde kurz und präzise in die schulische Praxis zu tragen. In unseren beiden Formaten soll der praktische Nutzen unmittelbar deutlich werden. Sie sollen dazu anregen, das eigene pädagogische Handeln zu reflektieren und die Neugier auf Forschung zu wecken bzw. weiter zu stärken.
Online-Redaktion: Worin unterscheiden sich die beiden Reihen?
Gesang: Bei unserem Podcast-Format „Fachdidaktik für die Praxis“, das in der Regel rund 45 Minuten pro Folge umfasst, kommen Professor*innen verschiedener Fachdidaktiken zu Wort, die in ihrem Gebiet einschlägig forschen und publizieren. Sie geben unseren Hörer*innen einen Gesamtüberblick über die Entwicklung in einem Unterrichtsfach: Welche aktuellen Schwerpunkte prägen die fachdidaktische Diskussion und wie sieht zukünftiges fachdidaktisches Unterrichtshandeln aus? Ein Aspekt dabei ist auch die Frage, welche Bedeutung Künstliche Intelligenz (KI) in der jeweiligen Fachdidaktik bereits hat und künftig haben wird.
Im Podcast-Format „Studiencheck. Schulforschung auf den Punkt“ liegt der Fokus auf der Aktualität. Diese Podcasts geben in 15 bis 20 Minuten einen Einblick in eine neu erschienene Studie und können „nebenbei“ - zum Beispiel auf dem Weg zur oder von der Schule gehört werden. Wir sprechen mit Autor*innen empirischer Untersuchungen, deren Ergebnisse insbesondere für Unterricht und Lernen relevant sind. Zum Abschluss beleuchten wir, welche konkreten Konsequenzen sich daraus für Lehrkräfte und Schulleitungen ergeben und welche Impulse sie für ihren beruflichen Alltag mitnehmen können.
Online-Redaktion: Welche Aufgaben hat die Clearingstelle evidenzbasierte Pädagogik der QUA-LiS NRW und wie passen die Podcast-Reihen in ihr Portfolio?
Gesang: Die zentrale Aufgabe der Clearingstelle evidenzbasierte Pädagogik besteht darin, empirische Befunde zugänglich zu machen und in die schulische Praxis zu übertragen. Im Mittelpunkt steht dabei der Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse an alle Akteur*innen im System Schule - von Lehrkräften, pädagogischen Mitarbeitenden und Schulleitungen bis hin zu Schulaufsichten oder den Bezirksregierungen. Wir stellen unterstützende Materialien bereit und betreiben unter anderem den „Forschungsmonitor Schule“, eine Internetseite, auf der Studien knapp zusammengefasst, rezensiert und durch Reflexionsfragen sowie entsprechendes Unterstützungsmaterial ergänzt werden. In den vergangenen eineinhalb Jahren haben wir uns besonders intensiv mit datengestützter Qualitätsentwicklung befasst, den nationalen wie internationalen Forschungsstand systematisch ausgewertet und darauf aufbauend eine Handreichung für die Schulen in Nordrhein-Westfalen (NRW) entwickelt. Dieses Thema ist äußerst komplex und gewinnt durch Programme wie „Startchancen“ oder den „Schulkompass NRW 2030“ weiter an Bedeutung. Es fehlt vielen Schulen an Orientierung, wie sie sich diesem Thema nähern können. Als Clearingstelle evidenzbasierte Pädagogik möchten wir daher zentrale Erkenntnisse aufbereiten und an die Schulen weitergeben, um sie in ihrer eigenen Qualitätsentwicklung wirksam zu stärken.
Unsere Podcast-Formate passen von daher gut in dieses Aufgaben-Portfolio, da auch sie dem Wissenstransfer dienen. Sie eröffnen Lehrkräften, die im Arbeitsalltag stark beansprucht sind und die nur begrenzt Zeit oder Ressourcen haben, um Primärliteratur zu recherchieren, die Möglichkeit, sich fundiert und aktuell zu informieren.
Online-Redaktion: Welche Folgen sind bisher erschienen?
Gesang: Die Podcasts werden circa alle vier bis sechs Wochen im Wechsel veröffentlicht. Die Fachdidaktik-Reihe haben wir mit je einer Folge zu den Hauptfächern Deutsch, Mathematik und Englisch begonnen und mit Beiträgen zu den Fächern Physik, Sport und Musik fortgeführt. In Folge 6 beispielsweise spricht Professor Dr. Daniel Mark Eberhard von der Universität Eichstätt-Ingolstadt über den Musikunterricht. Ein zentraler Schwerpunkt des Gesprächs liegt auf der Frage, warum das Fach Musik möglichst schülerorientiert gestaltet werden sollte und wie sich das konkret umsetzen lässt. Hierbei wird auch überlegt, was KI kann und inwiefern sie für den Musikunterricht relevant ist. In der kommenden Folge sprechen wir mit Professorin Dr. Nikola Brauch von der Ruhr-Universität Bochum über das Fach Geschichte und die neueren Entwicklungen darin, z.B. im Hinblick auf die Aufgabenkultur.
Für den Studiencheck haben wir bislang ebenfalls sechs Folgen produziert. In der ersten Folge „Wem soll man glauben?“ geht es im Gespräch mit Dr. Roman Abel um die Frage, wie Schüler*innen besser lernen können und ob Informationen aus dem Internet - z.B. auf Social Media - als eher mehr oder weniger vertrauenswürdig einzuschätzen sind. In Folge 2 „Ist es besser, wenn Lehrkräfte Kinder überschätzen?“ sprechen wir mit Jessica Gnas darüber, ob es motivierender und in pädagogischer Hinsicht von Vorteil ist, wenn Lehrkräfte Kinder eher überschätzen, als sie akkurat einzuschätzen. Die weiteren Folgen handeln von Klassenmanagement, Lernen mit Sketchnotes und Datennutzung in der Schule. Die jüngste Folge thematisiert Unterrichtsstörungen und wie Lehrkräfte angemessen darauf reagieren können bzw. welche Strategien sich als eher kontraproduktiv erweisen.
Online-Redaktion: Wie werden die Podcasts angenommen?
Gesang: Wir sind mit der Entwicklung unserer Abonnierenden- und Followerzahlen sehr zufrieden und erhalten zahlreiche positive Rückmeldungen, was uns sehr freut. Die Themen scheinen zu interessieren und gut anzukommen. Gleichzeitig bleibt es eine Herausforderung, unsere Reichweite zu erhöhen, da wir bislang nicht auf Social Media präsent sind. Interessanterweise wird der Fachdidaktik-Podcast stärker nachgefragt als das kürzere Format. Was wir uns wünschen, ist ein intensiverer Austausch mit den Hörer*innen. In den Show Notes findet sich unsere E-Mail-Adresse transfer@qua-lis.nrw.de. Über Feedback zu einzelnen Folgen oder Anregungen für neue Themen freuen wir uns sehr!
Online-Redaktion: Welche Podcasts planen Sie für die kommenden Monate?
Gesang: Im Format „Fachdidaktik für die Praxis“ stehen als Nächstes Folgen zu den Fächern Chemie und Biologie an. Anschließend prüfen wir, inwiefern wir das Konzept für eine zweite Staffel weiterentwickeln möchten. Für „Studiencheck. Schulforschung auf den Punkt“ planen wir zurzeit eine Episode mit Professor Dr. Stephan Gerhard Huber zur Planung und Reflexion von Schulentwicklungsprozessen mit Hilfe des BIO+-S-Modells. Gerade mit Blick auf die Strategie datengestützte Qualitätsentwicklung bietet es viele Chancen, es kann aber auch in Kombination mit vielen anderen Daten sehr sinnvoll für die Weiterentwicklung von Schule und Unterricht eingesetzt werden.
Dr. Johanna Gesang, geb. Otto, ist Referentin am Landesinstitut für Schule NRW (QUA-LiS NRW) und koordiniert dort die Clearingstelle evidenzbasierte Pädagogik im Arbeitsbereich 2 „Evidenzgestützte Qualitätsentwicklung und -sicherung“. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Transfer, Kooperation mit Wissenschaft sowie datengestützte Schulentwicklung. Dr. Johanna Gesang promovierte 2014 am Institut für Schulentwicklungsforschung an der TU Dortmund.
Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 05.02.2026
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