Guter Ganztag für alle: Wie Kommunen Ganztagsschulen erfolgreich steuern
Ein Gespräch mit und Dr. Svetlana Schirmbeck und Dr. Friederike Meyer-zu Schwabedissen von der REAB Niedersachsen
Ab 2026 gilt: Ganztagsbetreuung wird zum Rechtsanspruch für Grundschulkinder. Schritt für Schritt wächst das Angebot – bis 2029 für alle Klassenstufen. Doch was macht guten Ganztag aus und wie lässt er sich erfolgreich steuern?
Gespräch mit Dr. Friederike Meyer-zu Schwabedissen und Dr. Svetlana Schirmbeck von der REAB Niedersachsen über die Broschüre „Guter Ganztag für alle, kommunale Steuerungsmöglichkeiten“.
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Schlagwörter
Deutschland, Bildungspraxis, Ganztagsbetreuung, Ganztagserziehung, Ganztagsschule, Podcast, Ganztag, Ganztagsangebot,
| Art des Podcasts | Best Practice |
|---|---|
| Autor des Podcasts | Christine Schumann |
| Bildungsbereich | Grundschule |
| Laufzeit | 00:28:45 |
| Tag der Aufnahme | 06.07.2026 |
| Rechte | CC-by-sa, Namensnennung, Weitergabe unter gleichen Bedingungen |
| Letzte Änderung am | 2026-07-06 16:36:28 |
Lesefassung
(transkribiert und stark gekürzt mithilfe von KI)
Im Schuljahr 2026-2027 geht es los. Da tritt schrittweise der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Kinder im Grundschulalter in Kraft. Ab August 2026 sollen zunächst alle Kinder der ersten Klasse einen Anspruch darauf haben, ganztägig gefördert zu werden. In den Folgejahren wird der Anspruch dann je eine Klassenstufe ausgeweitet. Ab August 2029 soll dann jedes Grundschulkind der Klassenstufen 1 bis 4 einen Anspruch auf ganztägige Betreuung haben. Höchste Zeit also, sich damit auseinanderzusetzen, was eine gute Ganztagsschule ausmacht oder wie man den Ganztag am besten planen, umsetzen und steuern kann.
Darüber spreche ich heute mit Dr. Friederike Meyer-zu Schwabedissen und Dr. Svetlana Schirmbeck von der REAB Niedersachsen. Die beiden haben nämlich eine sehr praktische Broschüre herausgegeben „Guter Ganztag für alle, kommunale Steuerungsmöglichkeiten“.
Bevor wir einsteigen – stellen Sie sich bitte kurz vor und erklären Sie, was REAB bedeutet.
Svetlana Schirmbeck: Ich bin Geschäftsführerin der Transferagentur Niedersachsen und leite gemeinsam mit meiner Kollegin die REAB Niedersachsen – das steht für Regionale Entwicklungsagentur für kommunales Bildungsmanagement. Wir arbeiten im Rahmen eines bundesweiten Förderprojekts und unterstützen Kommunen dabei, Bildungsprozesse strategisch zu steuern.
Friederike Meyer-zu Schwabedissen: Ich bin ebenfalls Projektleitung in der REAB sowie Programmleitung in der Transferagentur. Gemeinsam mit allen REABs in Deutschland haben wir unsere Broschüre entwickelt – ein echtes Gemeinschaftsprojekt mit Praxisbeispielen aus dem ganzen Bundesgebiet.
Was genau verbirgt sich hinter dem Begriff „kommunales Bildungsmanagement“ – und warum ist er für den Ganztag so wichtig?
Svetlana Schirmbeck: Datenbasiertes kommunales Bildungsmanagement, abgekürzt DKBM, ist ein Steuerungsinstrument für Kommunen, mit dem sie als Schulträger Herausforderungen im Bildungsbereich begegnen und auch handlungsfähig bleiben können. Es verbindet zwei zentrale Elemente:
- Bildungsmanagement: Planung, Koordination und Vernetzung von Akteuren
- Bildungsmonitoring: Systematische Datenerhebung als Entscheidungsbasis
Um beispielsweise herauszufinden, wie große eine Mensa gebaut werden muss, sollte man wissen, um wie viele Schüler es überhaupt geht, wer den Ganztag nutzen möchte und wer nicht. Da hilft datenbasiertes kommunales Bildungsmanagement als übergreifender Steuerungsansatz der Bildungsarbeit vor Ort enorm.
Die Broschüre „Guter Ganztag für alle, kommunale Steuerungsmöglichkeiten“
Wie entstand die Idee zur Broschüre?
Friederike Meyer-zu Schwabedissen: Wir haben die Broschüre in einem Fachnetzwerk gemeinsam mit anderen Regionalen Agenturen für kommunales Bildungsmanagement aus ganz Deutschland erarbeitet. Dazu haben wir alle Herausforderungen gebündelt und dann entschieden, da anzusetzen, wie Kommunen den Ganztag konkret gestalten können.
Svetlana Schirmbeck: Der Bedarf ist bundesweit enorm, vor allem durch den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung. Unser Ziel war eine praxisnahe Unterstützung: Kommunen sollen schnell umsetzbare Lösungen erhalten und voneinander lernen.
Weitere Informationen
Fokus ländlicher Raum – aber übertragbar
Warum legen Sie einen Schwerpunkt auf den ländlichen Raum?
Svetlana Schirmbeck: Die meisten Kommunen liegen im ländlichen Raum – daher unser Fokus. Grundsätzlich funktioniert DKBM aber überall. Herausforderungen bestehen sowohl in Städten als auch auf dem Land, unterscheiden sich aber in ihrer Ausprägung.
Strategische Steuerung im Ganztag: Konzepte und Instrumente
Im ersten Kapitel der Broschüre geht es um Strategische Steuerung. Welche Möglichkeiten haben Kommunen, den Ausbau zu steuern?
Friederike Meyer-zu Schwabedissen: Ein zentrales Instrument ist ein kommunales Rahmenkonzept. Darin werden Ziele definiert und gemeinsam mit allen relevanten Akteuren geplant. Wichtig ist dabei:
- Beteiligung aller relevanten Gruppen
- transparente Zieldefinition
- langfristige Planung
Zusätzlich können Steuergruppen eingerichtet werden, die den Prozess moderieren und koordinieren. So wird die Kommune nicht nur Bauverantwortliche, sondern auch aktive Gestalterin.
Praxisbeispiel: Schulverpflegung – Steuerung konkret umgesetzt
Können Sie ein konkretes Beispiel nennen?
Friederike Meyer-zu Schwabedissen: Am Thema Schulverpflegung zeigt sich gut, wie Beteiligung funktioniert: Kommune, Schule, Eltern und Schüler entwickeln gemeinsam Lösungen – etwa bei der Planung einer Mensa oder bei Essensangeboten.
Svetlana Schirmbeck: Unsere Erfahrung zeigt: Wenn Bedarfe systematisch erhoben und gemeinsam diskutiert werden, lassen sich oft schon mit kleinen Anpassungen große Verbesserungen erzielen. Das steigert die Zufriedenheit bei Kindern, Eltern und Personal gleichermaßen.
Sozialräumliche Perspektive und Datenbasierung im Ganztag
Im zweiten Kapitel geht es um die sozialräumliche Perspektive
Friederike Meyer-zu Schwabedissen: Hier geht es darum, den Blick über die Schule hinaus zu richten. Welche Angebote gibt es im Umfeld? Welche Vereine oder Einrichtungen können eingebunden werden? Wo gibt es verfügbare Räume? Was sind die Bedarfe von Familien? Das gilt besonders im ländlichen Raum, wo Ressourcen verteilt sind. Daten helfen dabei, diese Potenziale sichtbar zu machen und gezielt zu nutzen – sowohl personell als auch räumlich.
Ferienbetreuung: Transparenz durch digitale Lösungen
Ein konkretes Beispiel?
Friederike Meyer-zu Schwabedissen: Ja, aus Hessen: Dort wurde ein digitales Bildungsportal entwickelt, das Ferienangebote transparent macht. Grundlage war eine Bedarfsanalyse, an der zahlreiche Akteure beteiligt waren – von Verwaltung über Schulen bis hin zu freien Trägern: Die Fachdienste für Schulen und Gebäude, die Kinderjugendhilfe, verschiedene Gremien wie der Kreisausschuss und die Schulleiterdienstversammlung, die Bürgermeister und Bürgermeisterinnen, die freien und öffentlichen Träger und auch die außerschulischen Bildungsakteure.
Mit dieser Aufzählung wird deutlich, wie komplex die Abstimmungsprozesse im Ganztag sein können – und wie wichtig strukturierte Zusammenarbeit ist.
Beim Deutschen Bildungsserver
- Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder - Ausbau und Qualität
- Ganztagsbetreuung und Horte in den Bundesländern
- Ganztagsschulen in den Bundesländern: Konzepte, Angebote und Handreichungen im Überblick
- Ganztagsschule: Konzepte, Lernumgebungen und Materialien zur individuellen Förderung
- Ganztagsbetreuung und Hort
Kooperation & Vernetzung: Erfolgsfaktoren für Ganztagsschulen
Müssen denn wirklich all diese Akteure zusammenarbeiten, damit der Ausbau gelingt? Oder welche Ideen und Konzepte gibt es dazu noch?
Friederike Meyer-zu Schwabedissen: Zumindest sollten alle frühzeitig beteiligt werden. Ganztag gelingt nur gemeinsam: Schulen, Kommunen, Vereine, Eltern, Lehrkräfte und viele mehr. Wichtig ist, eine gemeinsame Vorstellung von gutem Ganztag zu entwickeln.
Formate wie Fachtage oder Steuergruppen helfen, ins Gespräch zu kommen und Lösungen zu entwickeln. Wenn sich die Akteure kennen, lassen sich viele Herausforderungen schneller lösen.
Qualitätsentwicklung im Ganztag sichern
Das letzte, sehr wichtige Kapitel beschäftigt sich mit Qualitätsentwicklung. Wie können die Kommunen die Qualität der Angebote sichern?
Friederike Meyer-zu Schwabedissen: Ein gutes Instrument sind Qualitätszirkel: Regelmäßige Treffen aller Beteiligten, um Bedarfe zu analysieren und Angebote weiterzuentwickeln. Auch Fortbildungen für pädagogisches Personal spielen eine wichtige Rolle.
Svetlana Schirmbeck: Wichtig ist: Qualität ist kein einmaliges Ziel, sondern ein fortlaufender Prozess. Daten helfen dabei, Maßnahmen zu überprüfen und anzupassen.
Umsetzung des Ganztags: Wie lange dauert der Ausbau?
Wie früh muss man starten?
Svetlana Schirmbeck: Viele Kommunen haben früh begonnen, etwa mit Bauprojekten oder Konzepten. Andere starten mit Mindestlösungen und bauen schrittweise aus. Der Prozess wird uns noch lange begleiten. Denn Ganztagsentwicklung ist kein einmaliges Projekt, sondern ein langfristiger Prozess. Angebote, Strukturen und Konzepte müssen regelmäßig überprüft und angepasst werden – idealerweise auf Basis von Daten.
Fazit: Praxishilfe für Kommunen im Ganztagsausbau
Die Broschüre „Guter Ganztag für alle – überall“ bietet Kommunen konkrete Unterstützung beim Aufbau und Ausbau von Ganztagsangeboten. Sie zeigt praxisnah:
- wie strategische Steuerung gelingt
- wie Daten sinnvoll genutzt werden
- wie Kooperationen aufgebaut werden können
- und wie Qualität langfristig gesichert wird
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Thematischer Kontext