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04. 09. 2003

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Kitas auf dem Prüfstand

In Brandenburg nutzen Kindertagesstätten die Chance zur vergleichenden Bestandsaufnahme ihrer pädagogischen Qualität

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Logo des Kita-Qualitätswettbewerbes

Gespannt warten die Erzieherinnen und Erzieher, die Kindertagesstättenleiterinnen und -leiter im Brandenburgsaal der Staatskanzlei in Potsdam auf die Ergebnisse des Wettbewerbs. Vor einigen Monaten hatten sie sich zum "Kita-Qualitäts-Wettbewerb" angemeldet. Dieser fand im Mai seinen Abschluss, als der Bildungsminister des Landes, Steffen Reiche, vor allen 50 teilnehmenden Kindertagesstätten die Sieger verkündete.

Der Kita-Qualitäts-Wettbewerb
Ausgeschrieben wurde der Wettbewerb im Mai 2002. Das Bildungsministerium rief gemeinsam mit dem Institut PädQUIS gGMBH, einem Kooperationsinstitut der Freien Universität Berlin, sämtliche 1900 Kindertagesstätten des Landes Brandenburg dazu auf, an dem "Kita-Qualitäts-Wettbewerb" teilzunehmen. Damit wurde erstmals allen Kitas die Möglichkeit gegeben, ihre Arbeit zu dokumentieren und ihre Qualität messen zu lassen. Ziel des Wettbewerbs war aber nicht nur die Qualitätsfeststellung, sondern über die Feststellung zur Qualitätsentwicklung beizutragen.

"Für die Kitas des Landes Brandenburg war der Qualitäts-Wettbewerb eine gute Gelegenheit, ihre pädagogische Qualität nach außen hin zu zeigen", so Minister Reiche. "Durch ihre Teilnahme am Wettbewerb konnten sie feststellen, wo sie stehen, was noch fehlt, wo sie von anderen lernen, aber auch anderen etwas vermitteln können. Daher war neben der Qualitätsmessung auch eine differenzierte und gründliche Rückmeldung der jeweils erzielten Qualität an jede teilnehmende Einrichtung Bestandteil des `Kita-Qualitäts-Wettbewerbs'."

Die Kriterien
Beworben hatten sich insgesamt 311 Kindertagesstätten mit Kindern im
Krippen-, Kindergarten- und Hortalter. Von diesen wurden 50 per Los für die Messung und Bewertung der Qualität ihrer Arbeit ausgewählt. Gemessen wurden circa 40 Merkmale, die in sechs Qualitätseinheiten zusammengefasst waren: Pädagogisches Konzept, Möbel und Ausstattung für Kinder, Pflege und Sicherheit, Bildungsorientierte Aktivitäten, Sozialer Umgang und Struktur der pädagogischen Arbeit.

Unter Bildungsorientierten Aktivitäten fallen beispielsweise die Merkmale Sprachgebrauch, Fein- und Grobmotorische Aktivitäten, Rollenspiel, aber auch Bauen, Naturerfahrungen oder Künstlerisches Gestalten. Beim sozialen Umgang wird unter anderem auf eine freundliche Begrüßung und Verabschiedung sowie auf Interaktionen zwischen dem Kind und der Erzieherin bzw. anderen Kindern geachtet.

Die Kitas: Freude und Resignation
Über mehrere Monate hinweg besuchten die geschulten Erheberinnen und Erheber von PädQUIS die Kindertagesstätten und nahmen die Qualitätsmessungen vor. Allen 50 Kitas wurden die Ergebnisse im März und April dieses Jahres persönlich mitgeteilt.

Natürlich gab es bei den Erzieherinnen und Leiterinnen sowohl Freude als auch ein wenig Resignation, nachdem das Qualitätsniveau bekannt wurde, beschreibt Dirk Stoewer, Mitarbeiter des Instituts, seine nicht immer leichte Aufgabe. Allen aber liefert es wertvolle Standortbestimmungen und Orientierungen für Entwicklungsnotwendigkeiten. Die Rückmeldungen gingen auch in schriftlicher Form ausschließlich an die Kindertagesstätten und wurden nicht veröffentlicht.

Monitoring
Mit dem Wettbewerb erhielten die Kindertagesstätten in Brandenburg erstmals öffentlich die Gelegenheit, ihre pädagogische Qualität freiwillig messen und vergleichen zu lassen. Bisherige Untersuchungen dieser Art wurden in Brandenburg, ebenfalls von PädQUIS, in Form einer stichprobenartigen Untersuchung durchgeführt. Zunächst 1993/94 im Rahmen einer bundesweiten Untersuchung. 2001 auf eigenen Antrieb. Brandenburg sammelt also bereits seit gut zehn Jahren systematisch Informationen über die pädagogische Qualität an Kindertagesstätten.

 "Es bedarf aber auch einer entsprechenden Dauerbeobachtung, um die Qualität und die Qualitätsentwicklung richtig einschätzen zu können", beurteilt Herr Kohlberger, Projektleiter des Wettbewerbs beim Ministerium für Bildung, Jugend und Sport. Gerade im Zuge verschiedener Veränderungs- und Reformprozesse. Das Ziel des Ministeriums ist es auch oder gerade unter Berücksichtigung der Ergebnisse der einzelnen Untersuchungen - die Ergebnisse bescheinigten eine überwiegend mittlere Qualität - Grundsätze der Bildungsarbeit bis zum Jahresende fest zu verabreden.

PädQUIS gGMBH
Ermittelt wurden die Werte von PädQUIS unter Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Tietze mit international anerkannten Standardverfahren: Der Kindergarteneinschätzskala (KES-R) bzw. entsprechend gleichartiger Instrumente für Kinder in anderen Altersgruppen (Krippen-Skala (KRIPS), Hort-Skala (HOS).

Die Instrumente messen die pädagogische Qualität jeweils auf einer siebenstufigen Skala und sind die deutsche Version der US-amerikanischen Early Childhood Rating Skala (ECERS). Alle drei Verfahren bestehen aus den oben bereits erwähnten jeweils 38-43 Qualitätsmerkmalen.

"Zu den jeweiligen ungeraden Ankerstufen 1 (unzureichend), 3 (minimal), 5 (gut) und 7 (ausgezeichnet) gibt es eine Anzahl von einzelnen Qualitätsaspekten, deren Vorhandensein vom Beobachter einzeln festzustellen ist und auf deren Grundlage dann der zutreffende Wert (zwischen 1 und 7) vergeben wird", erklären Dagmar Pottloch, Daena Schlecht und Wolfgang Tietze.

Die Erhebungen
Die Untersuchungen erfordern eine in etwa dreistündige Beobachtung sowie ein anschließendes Interview mit der Gruppenerzieherin. Der Gesamtwert macht dann eine schnelle Einordnung der Qualität der Gruppe möglich. Das zugleich erstellte Qualitätsprofil spiegelt zudem Stärken und Schwächen in den einzelnen Merkmalen wieder, die gezielt verbessert werden können. Um die pädagogische Qualität vollständig zu erfassen, werden zusätzlich Verfahren zur Selbstevaluation durch die Gruppenerzieherin und Fragebögen zur Erfassung von Strukturbedingungen der pädagogischen Arbeit für die Einrichtungsleiterinnen und die Gruppenerzieherinnen eingesetzt. Außerdem werden die Eltern schriftlich befragt.

Die Sieger
"Gewonnen hat die Kita Missen im Verwaltungsgebiet Vetschau/Spreewald!", verkündet Bildungsminister Reiche den stolzen Siegern. Die Kita Missen ging als beste Kindertagesstätte Brandenburgs aus dem Wettbewerb hervor. Überglücklich nahm Leiterin Beate Berg mit ihrem Team die Ehrung entgegen. Große Freude auch bei den Erzieherinnen und Leiterinnen der Kita "Mischka" in Glienicke, die den zweiten Platz machte und der Christlichen Kita Schatzkiste in Woltersdorf, die es auf den dritten Platz schaffte.

Neben diesen drei Kindertagesstätten beurteilte der Wettbewerb auch die Kitas mit dem besten Kindergarten, ebenfalls die Christliche Kita Schatzkiste in Woltersdorf, mit der besten Krippe, Kita "Rasselbande" in Elsterwerda-Biehla und mit dem besten Hort, Kita Pumuckel in Senzig.

Ergebnisse
Alle fünf Kindertagesstätten haben sich in den meisten Merkmalen durch überdurchschnittliche Leistung hervorgetan und zwar unabhängig von ihren Ausgangsbedingungen. Diese waren bei den wenigsten optimal. Es sind also die Einrichtungen selber, "die aus ihren Ausgangsbedingungen besonders "viel gemacht" haben", bescheinigen die Institutsmitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Insgesamt zeigen die Durchschnittswerte aller "noch nicht wirklich gute Qualität, aber nicht weit davon entfernt" beurteilt Prof. Tietze. Ein grobes Qualitätsmuster der Kitas zeigt, dass in der Regel ein freundliches Interaktionsklima herrscht, das aber noch durch gezielte Anregungen und Erfahrungsmöglichkeiten in sprachlichen, auf Sachwissen bezogenen, ästhetisch-kreativen und bewegungsbezogenen Anregungs- und Entwicklungsbereichen ergänzt werden könnte. Hygienischen und Sicherheitsaspekten sollte allgemein mehr Beachtung geschenkt werden.

Wie geht es weiter?
Auch wenn nur fünf Kitas ausgezeichnet werden können - "Gewonnen haben in diesem landesweiten Vergleich alle beteiligten Einrichtungen" so Minister Reiche. Und darum bekommen auch alle eine Plakette mit der Aufschrift "Kita-Qualitäts-Wettbewerb", die gut sichtbar an das Fenster der Kita angebracht werden soll. So können alle Eltern sehen, dass diese Kita bereit ist, sich einer externen und vergleichenden Evaluation zu unterziehen.

"Mit dieser fortlaufenden Qualitätsbeobachtung werden die Erfolge und die Entwicklungsnotwendigkeiten der Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungseinrichtung Kindertagesstätte Gegenstand öffentlicher Betrachtung und Bewertung", ist Bildungsminister Reiche überzeugt.

Und darum geht es: Der Qualitätsgedanke sowie die Merkmale für eine sinnvolle frühkindliche Bildung sollen verankert bzw. bekannt werden. Bei den Erzieherinnen, bei den Eltern, bei den Trägern der Einrichtungen, in der Öffentlichkeit. Erst das Interesse aller schafft den Nährboden für eine umfassende Qualitätsentwicklung.

Aus diesem Grund unterstützt das Bildungsministerium den Prozess auch weiterhin. Geplant sind jährlich stattfindende Wettbewerbe.
Der "Kita-Qualitäts-Wettbewerb" 2003/2004 läuft bereits. Es haben sich ebenfalls über 300 Kindertagesstätten angemeldet. Und das Gute: Auch wer die Anmeldefrist (31.07.03) verpasst hat oder es nicht dem Zufall überlassen will, unter den 50 per Los gewählten Kindertagesstätten zu sein, der kann sich bei selbst finanzierter Evaluation noch bis zum 15. Oktober anmelden!


 

Autor(in): Petra Schraml
Kontakt zur Redaktion
Datum: 04.09.2003
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