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„Teilhabe beginnt mit Vertrauen: Wie Kitas geflüchteten Familien den Weg ebnen können“ 

Interview mit Hila Kakar, Leuphana Universität Lüneburg

Auf Grundlage ihrer Forschung zeigt Hila Kakar, welche Erfahrungen geflüchtete Eltern beim Zugang zu frühkindlicher Bildung machen, welche Hürden ihnen begegnen und wie Kitas durch verständliche Kommunikation, verlässliche Beziehungen und echte Beteiligung Vertrauen aufbauen können. Gleichzeitig wird deutlich, warum Engagement einzelner Fachkräfte allein nicht ausreicht und welche strukturellen Voraussetzungen Politik und Träger schaffen müssen.

Eine interessante Folge für Kita-Leitungen, pädagogische Fachkräfte, Träger und alle, die sich für frühkindliche Bildung, Integration und Chancengerechtigkeit interessieren.

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Schlagwörter

Deutschland, Bildungsforschung, Bildungspraxis, Erzieher, Frühpädagogik, Migration, Podcast, Vertrauen,

Art des Podcasts Forschungstransfer
Autor des Podcasts Christine Schumann
Bildungsbereich Kindertageseinrichtungen / Tagespflege
Laufzeit 00:19:48
Tag der Aufnahme 05.10.2026
Rechte CC-by-sa, Namensnennung, Weitergabe unter gleichen Bedingungen
Letzte Änderung am 2026-10-05 14:19:54

Lesefassung

(stark gekürzt mithilfe von KI)

Herzlich willkommen bei Bildung auf die Ohren, dem Podcast des Deutschen Bildungsservers. Mein Name ist Christine Schumann. Kindertageseinrichtungen sind oft die erste Bildungsinstitution, mit der geflüchtete Familien in Deutschland in Kontakt kommen. Welche Rolle spielt Vertrauen dabei, ob Familien frühpädagogische Angebote nutzen und Teilhabe gelingt? Darüber spreche ich heute mit Hila Kakar von der Leuphana Universität Lüneburg.

Herzlich willkommen, Frau Kakar.


Hila Kakar: Vielen Dank, ich freue mich, hier zu sein.

Was hat Vertrauen mit Integration und gesellschaftlicher Teilhabe geflüchteter Familien zu tun?

Hila Kakar: Wenn Eltern ihre Kinder in die Kita geben, vertrauen sie anderen Menschen etwas sehr Wertvolles an. Für geflüchtete Eltern kommt hinzu, dass sie sich in einem neuen und oft unbekannten System orientieren müssen. Vertrauen hilft dabei, mit Unsicherheit umzugehen und handlungsfähig zu werden. Besonders wichtig ist dies im frühpädagogischen Bereich, weil der Kita-Besuch freiwillig ist und Eltern selbst aktiv werden müssen. In meiner Untersuchung zeigt sich, wie bedeutsam Menschen sind, denen Eltern bereits vertrauen: Verwandte, Freundinnen, Nachbarn oder Fachkräfte. Sie erklären Abläufe, helfen bei der Anmeldung und stellen Kontakte her. Vertrauen ist damit schon vor dem Kita-Besuch ein wichtiger Faktor. Gleichzeitig reicht Vertrauen allein nicht aus. Es braucht auch verfügbare Kita-Plätze und verständliche Zugangswege.

Welche Erfahrungen machen geflüchtete Familien mit Kitas?

Hila Kakar: Die Erfahrungen sind unterschiedlich, grundsätzlich stehen die befragten Eltern Kitas aber sehr positiv gegenüber. Sie verbinden damit Bildung, Sicherheit und gute Zukunftschancen für ihre Kinder. Gleichzeitig berichten sie von langen Wartezeiten, komplizierten Anmeldeverfahren und schwer verständlichen Informationen. Wiederholt verschobene Kita-Starts können Unsicherheit erzeugen. Auch die Erreichbarkeit spielt eine Rolle, insbesondere wenn Familien kein Auto haben. Eine weitere Herausforderung ist die Kommunikation. Alltagsgespräche funktionieren oft gut, schwieriger wird es bei Elternabenden oder behördlichen Schreiben. Viele Eltern möchten sich beteiligen, erhalten dafür aber nicht immer ausreichende Unterstützung.

Wie entsteht Vertrauen, und was kann es fördern oder behindern?

Hila Kakar: Vertrauen entsteht durch Erwartungen und Erfahrungen. Eltern vertrauen einzelnen Fachkräften, der Einrichtung oder dem Bildungssystem insgesamt. Diese Ebenen beeinflussen sich gegenseitig. Wenn Fachkräfte aufmerksam zuhören, kompetent handeln und Absprachen einhalten, stärkt das Vertrauen. Belastend wirken dagegen unklare Zuständigkeiten, schwer verständliche Verfahren oder wiederholte Enttäuschungen. Besonders wichtig sind Verlässlichkeit, verständliche Kommunikation, Beziehungsarbeit und konkrete Unterstützung. Vertrauen muss im Alltag immer wieder bestätigt werden.

Was können Kitas konkret tun, um Vertrauen aufzubauen?

Hila Kakar: Zunächst sollte nicht davon ausgegangen werden, dass Vertrauen selbstverständlich vorhanden oder dauerhaft stabil ist. Informationen sollten verständlich und bei Bedarf mehrsprachig bereitgestellt werden. Eltern möchten nachvollziehen können, wie die Kita arbeitet, welche Ziele sie verfolgt und warum bestimmte Abläufe wichtig sind. Hilfreich sind klare Sprache, Sprachmittlung und die Möglichkeit, unkompliziert Fragen zu stellen.

Ebenso wichtig sind verlässliche Beziehungen. Eltern sollten feste Ansprechpersonen haben und erleben, dass man ihnen zuhört und auf Augenhöhe begegnet. Regelmäßige Gespräche, ehrliche Rückmeldungen und transparente Informationen fördern Vertrauen.
Auch niederschwellige Begegnungsmöglichkeiten wie Elterncafés oder offene Sprechstunden sind wertvoll. Eltern sollten ihre Erfahrungen und Ressourcen einbringen können. Viele verfügen über sprachliche, berufliche oder kulturelle Kompetenzen, die das Kita-Leben bereichern können.

Was wünschen Sie sich von Kitas und der Politik?

Hila Kakar: Von Kita-Leitungen wünsche ich mir, dass Vertrauensarbeit als Teil von Qualitätsentwicklung verstanden wird: mit Zeit für Gespräche, verständlichen Informationen, festen Ansprechpartnern und echter Beteiligung. Fachkräfte sollten Eltern offen und wertschätzend begegnen und ihre individuellen Bedürfnisse erfragen, statt von ihrer Herkunft auf bestimmte Vorstellungen zu schließen.

Von der Politik wünsche ich mir bessere Rahmenbedingungen : ausreichend Personal, finanzierte Sprachmittlung, einfachere Anmeldeverfahren und gut erreichbare Betreuungsangebote. Viele engagierte Personen gleichen derzeit strukturelle Barrieren aus. Langfristig sollten Unterstützungsangebote verlässlich organisiert werden. Teilhabe bedeutet auch, dass Eltern bei der Weiterentwicklung von Angeboten mitwirken können. Frühkindliche Bildung sollte für jede Familie zugänglich sein, unabhängig davon, welche privaten Unterstützungsnetzwerke vorhanden sind.

Vielen Dank, Frau Kakar, für das Gespräch und die vielen aufschlussreichen Einblicke.

Hila Kakar: Vielen Dank Ihnen. Mir ist wichtig zu betonen: Vertrauensaufbau ist keine Aufgabe einzelner engagierter Fachkräfte allein, sondern eine gemeinsame strukturelle Verantwortung.

 

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