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14. 08. 2014

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

„Die Wissensolympiade war ein voller Erfolg!“

Weiterbildungsexperten richteten zum zweiten Mal erfolgreich eine Summer-School für Kinder aus

Bild

Nina Schaffert erklärt den Kindern den Tagesablauf

Bildung ist wichtig, um im Leben erfolgreich zu sein. Nicht alle aber haben die Möglichkeit, ihr Potenzial zu entwickeln. Um sozial benachteiligten Kindern bessere Startchancen zu verschaffen, hat das Institute of Corporate Education e.V. (Incore) gemeinsam mit den SOS-Kinderdörfern die Wissensolympiade ins Leben gerufen. Im Mittelpunkt standen in diesem Jahr die Themen Persönlichkeit, Finanzen und Technik.


13 Jungen und Mädchen im Alter von 10 bis 14 Jahren hörten aufmerksam den Ausführungen von Nina Schaffert zu, als sie erklärte, dass die rechte und die linke Hälfte des menschlichen Gehirns unterschiedliche Funktionen wahrnehmen und welche Rolle dies für die persönlichen Stärken eines jeden Einzelnen spielt. Nina Schaffert ist Mitarbeiterin von Incore und hat gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen vom 26. bis 28. Juli im Feriendorf der SOS-Kinderdörfer in Caldonazzo/Italien eine Summer-School ausgerichtet.

Das von der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft geförderte Institute of Corporate Education e. V. (Incore) ist ein Verein, der in Kooperation mit verschiedenen Universitäten neue, innovative Programme zur Weiterbildung von Führungskräften entwickelt und darüber hinaus den interdisziplinären Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis zu zukunftsrelevanten Themen und lebenslangem Lernen fördert. Incore übernimmt aber auch gesellschaftliche Verantwortung und engagiert sich unter anderem für die Bildung von Kindern, deren Startchancen alles andere als gut sind. Eine Initiative ist die Wissensolympiade, die im Jahr 2013 mit ähnlichen Themen zum ersten Mal stattfand und in Kooperation mit den SOS-Kinderdörfern durchgeführt wird.

Die Themen
Im SOS-Feriendorf am Caldonazzo-See verbringen jeden Sommer bis zu 1500 Kinder aus SOS-Dörfern aus mehr als einem Dutzend europäischen Ländern ihre Sommerferien. Direkt am See werden dann zahlreiche Zelte aufgebaut, in denen sie schlafen, essen und sich kreativ sowie sportlich betätigen können. In Absprache mit der Leitung des Feriendorfs der SOS-Kinderdörfer hat Incore auf dem Gelände an drei Tagen im Juli seine Summer-School eingerichtet, an der insgesamt 15 Kinder aus deutschen und österreichischen SOS-Kinderdörfern teilnehmen konnten. Mit Fragen wie „Wer bin ich?“, „Was kann ich gut?“, „Bin ich kreativ?“ oder „Warum ist es gefährlich, mehr Geld auszugeben als man hat?“, wurden die Kinder von den Mitarbeitern von Incore sowie dem Weiterbildungsbereich der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, die sich mit der Weiterbildung von Fach- und Führungskräften in Unternehmen beschäftigen, in speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Workshops an die Themen Technik, Persönlichkeit/Kommunikation sowie Finanzen/Geld herangeführt. Die Kinder lernten an diesen Tagen viel über Dinge, die in ihrem Alltag wichtig sind, sie erfuhren eine Menge über sich selbst und ihre eigenen Stärken, was letztendlich ihrem Selbstbewusstsein guttut.

Workshop Technik
„Wir freuen uns sehr, dass sich die tolle Zeit des vergangenen Jahres wiederholt hat. Auch dieses Jahr waren die Kinder wieder mit großem Eifer dabei!“, schwärmt Nina Schaffert, die Leiterin des Incore-Projekts. Besonders waren für sie und das gesamte Team die Momente, in denen es gelang, die Kinder mit ihren eigenen Leistungen zu überraschen. Die Workshops wurden von Incore gemeinsam mit Kooperationspartnern wie der Firma dilotec GmbH, deroso GmbH, der Wissensfabrik – Unternehmen für Deutschland e.V. und des Learn Money e.V. gestaltet. Dabei wurde pro Tag ein Themenschwerpunkt behandelt. Am ersten Tag ging es um Technik. Die Kinder wurden in vier Gruppen aufgeteilt, jede Gruppe hatte einen Betreuer. Anschließend bekam jede Gruppe eine große KiTec-Kiste, eine eigens von der Wissensfabrik in Kooperation mit wissenschaftlichen Kooperationspartnern gestaltete Werkzeug- und Materialkiste sowie verschiedene Arbeitsaufträge. Um sich zunächst mit dem Werkzeug vertraut zu machen, mussten sie im Werkzeug-Memory Kärtchen, auf denen die Bezeichnung der Werkzeuge stand, dem Material zuordnen. Dann sollten sie sich vorstellen, dass sie auf einer einsamen Insel gestrandet seien. Um dort überleben zu können, war es notwendig bestimmte Aufgaben zu erfüllen. Eine Gruppe musste eine Brücke bauen, eine andere einen Turm, auf dem sie über die Insel schauen konnten. „Der Workshop war eigentlich nur für den Vormittag vorgesehen, aber die Kinder waren so Feuer und Flamme, dass sie nachmittags wiederkamen und weiterbauten“, erzählt Nina Schaffert.

Welcher Typ bin ich?

Am zweiten Tag ging es um die Themen Persönlichkeit und Kommunikation. Fragen wie „Welche Stärken habe ich?“, „Wie kann ich sie für mich einsetzen?“, „Wie kann ich Sprache benutzen, um mich durchzusetzen?“ standen im Vordergrund. Die Mitarbeiter erklärten den Kindern auf Grundlage des „Herrman Brain Modell“ warum jeder Mensch unterschiedliche Stärken hat. Das Vier-Quadranten-Modell des Gehirns (HBDI, engl. Herrmann Brain Dominance Instrument) ist ein Modell zur Denkstilanalyse von Ned Herrmann. Es besagt, dass unterschiedliche Menschen unterschiedliche Arten haben können, zu denken. Gemäß diesem Modell kann man – völlig wertfrei – Menschen verschiedenen Kategorien zuordnen bzw. die Ausprägung ihres Denkstils in Richtung einer Kategorie messen. Das kann zum Beispiel nützlich sein für die Berufswahl oder für die Auswahl von Mitarbeitern. Danach sollten die Kinder sich ihrer eigenen Eigenschaften bewusst werden, indem sie aus einer großen Auswahl an Aussagen, die auswählen sollten, die auf sie selbst zutreffen. Die Aussagen waren farblich den Vier-Quadranten zugeordnet. So konnten die Kinder herausfinden, welcher Typ sie sind: vorsichtig, genau, experimentell oder emotional. Darüber haben sie gelernt, sich mit sich selbst zu beschäftigen, sich selber besser einzuschätzen und sie haben festgestellt, dass jeder von ihnen zwar überwiegend einen bestimmten Typ verkörpert, dass aber, wenn auch im geringeren Maße, fast immer auch Eigenschaften der anderen Typen auf einen zutreffen.

Giraffen- und Wolfssprache
Eine weitere Übung galt der gewaltfreien Kommunikation. Die gewaltfreie Kommunikation (GFK) ist ein Konzept, das von Marshall B. Rosenberg entwickelt wurde. Es soll Menschen ermöglichen, so miteinander umzugehen, dass ihre Art miteinander zu kommunizieren zu mehr Vertrauen und Freude am Leben führt. Rosenberg unterscheidet zwei Arten zwischenmenschlicher Kommunikation, die gewaltfreie Kommunikation und die lebensentfremdende Kommunikation. Unter letzterer versteht er Formen der Kommunikation, die die Verbindung zwischen Menschen blockieren und zu psychischer oder physischer Gewalt beitragen können. Zur spielerischen Veranschaulichung bezeichnet er sie auch gern als „Giraffensprache“ und „Wolfssprache“. In dem Workshop sollten die Kinder zum Beispiel sagen, wie sie sich ausdrücken, wenn sie wütend sind und versuchen, ihre Worte in die „Giraffensprache“ umzuformulieren. Also zum Beispiel anstatt „verpiss dich“ zu sagen: „ich wünsche mir, dass du weggehst“. „Das hat die Kinder anscheinend sehr beeindruckt“, berichtet Nina Schaffert, „denn auch lange nach dem Workshop haben sie versucht sich anders auszudrücken.“ Und auch beim Mittagessen war die gewaltfreie Kommunikation Thema, wie Mitarbeiter der SOS-Kinderdörfer bestätigten.

Zum Abschluss des zweiten Tages lernten die Kinder die Grundbegriffe der Fotografie und der Bildbearbeitung kennen. Sie erfuhren, dass zum Beispiel nicht alle Werbegesichter so hübsch sind, wie sie dargestellt werden, sondern dass am Computer fleißig nachgearbeitet wird. „Wir wollen, dass sie mit einer gesunden Skepsis an die Medien rangehen.“ Als Übung haben die Kinder das Wort „Wissensolympiade“ mit ihren Körpern dargestellt und fotografiert. Dann sollten sie max. zehn Bilder von ihren Lieblingsplätzen, lieben Menschen etc. machen, die ihnen wichtig waren. Die Bilder wurden zum Abschluss der Olympiade ausgestellt und jeder konnte dazu berichten.

Wie gebe ich mein Geld richtig aus?

Am dritten Tag ging es um das Thema Finanzen und Geld. Viele Jugendliche sind heute schon hoch verschuldet. Dabei wäre das zu verhindern, wenn die Kinder besser aufgeklärt wären. Das Thema Geld und Wirtschaft Kindern und Jugendlichen näherzubringen ist das Ziel des Vereins Learn Money e.V., den Wirtschaftsexpertin und TV-Journalistin Carola Ferstl im Jahr 2009 zusammen mit anderen gründete. Sie kam selbst nach Caldonazzo und erklärte den Kindern gemeinsam mit Christian-Titus Klaiber aus dem Weiterbildungsbereich der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft im Rahmen der Wissensolympiade anschaulich u.a. in einem Rollenspiel – einer war die Bank, einer der Handyverkäufer, ein anderes Kind ein guter Freund – den Unterschied zwischen EC- und Kreditkarten sowie die Begriffe Tauschhandel, Schulden und Werteverlust. Hautnah bekamen die Jungen und Mädchen ein Gefühl für Geld. Dann sollten sie sich selbst Geldscheine im Wert von 100 Euro malen und überlegen, wie viel sie davon ausgeben, investieren, sparen und spenden möchten. „Ein großer Teil wurde gespart und auch gespendet“, war Nina Schaffert überrascht.

Die nächste Olympiade wird schon geplant!

Aus der Mitarbeit, kleineren schriftlichen Übungen und den Fotos wurden schließlich die Sieger ermittelt. Bei einem abschließenden Grillabend wurden die Preise vergeben. Die sechs Gewinner dürfen gemeinsam mit einem Freund oder einer Freundin ihrer Wahl einen Freizeitpark in der Nähe ihres Heimat-SOS-Kinderdorfes besuchen, die anderen sieben bekamen eine Kamera. Genau wie im vergangenen Jahr war die Summer-School auch dieses Mal ein voller Erfolg. Die Kinder waren extrem engagiert, diszipliniert und begeistert bei der Sache. Jedes von ihnen hat eine Menge Anregungen und neue Eindrücke mit nach Hause genommen und viel gelernt – vor allem über sich selbst! Doch nicht nur die Kinder, auch das Team von Incore ist erfüllt von den Erlebnissen und Erfahrungen, die es nun schon zum zweiten Mal sammeln durfte. „Ich freue mich schon auf nächstes Jahr“, strahlt Nina Schaffert. Denn eins steht jetzt schon fest: Die Summer-School wird auch in den nächsten Sommerferien wieder stattfinden. Und jeder, der in diesem Jahr dabei war, kann natürlich auch im nächsten Jahr wieder mitmachen.

 

 

Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 14.08.2014
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