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31. 01. 2013

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

„Energiebällchen“ und „FAM-Tische“

Das Programm „Lichtpunkte“ stärkt die seelische Widerstandskraft von Kindern

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Die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) unterstützt gemeinsam mit ihren Programmpartnern Projekte, die sich am Konzept der „Resilienzförderung“ orientieren, also an der Förderung der „seelischen Widerstandsfähigkeit“ von Kindern, Jugendlichen und Eltern in schwierigen Situationen, wie beispielsweise dem Leben in Armut. Eins dieser Projekte ist das Programm „Lichtpunkte“.


Kinder, die in Deutschland in Armut aufwachsen, haben weniger Chancen auf Bildung und Teilhabe am kulturellen Leben. Sie erlangen meist schlechtere Schulabschlüsse und sind später auch öfter arbeitslos bzw. haben nur einen eingeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt. Die Armut und die damit verbundenen Umstände verhindern, dass sie ihre Potenziale zeigen und entfalten können. Um ihre Lebensperspektiven zu verbessern, brauchen sie deshalb nicht nur mehr finanzielle Unterstützung, sondern auch einen besseren Zugang zu Bildungsangeboten.

Die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) unterstützt gemeinsam mit ihren Programmpartnern Projekte, die sich am Konzept der „Resilienzförderung“ orientieren, also an der Förderung der „seelischen Widerstandsfähigkeit“ von Kindern, Jugendlichen und Eltern in schwierigen Situationen, wie beispielsweise dem Leben in Armut.

Das Programm „Lichtpunkte
Das Programm „Lichtpunkte“, das die DKJS gemeinsam mit der RWE Stiftung ausrichtet, ist eins dieser Projekte. RWE hat zu Beginn des Jahres 2009 die RWE Stiftung gegründet, um die gemeinnützigen Aktivitäten des Konzerns in den Förderfeldern Bildung, Kultur und Soziales zu bündeln und neu zu gestalten.
Lichtpunkte“ macht den Kindern vielfältige Angebote, mit denen ihre Fähigkeiten und Potenziale gefördert werden und die ihnen sonst nur schwer zugänglich wären. Sie können neue Erfahrungen sammeln, etwas Interessantes lernen und sich ausprobieren. Die Projekte, die vor Ort von einem qualifizierten Team geleitet werden, orientieren sich an den Stärken der Kinder, Jugendlichen und Eltern und nicht an ihren Defiziten. Damit die Kinder nachhaltig gefördert und die Projekte vor Ort langfristig verankert werden können, werden von Anfang an lokale Unterstützer mit einbezogen.

Aktuelle Projekte in Berlin, Rheinland-Pfalz und NRW
In der ersten Phase des Programms von 2007 bis 2009 förderte die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung gemeinsam mit dem damaligen Partner mobilcom debitel 27 „Lichtpunkte“-Projekte für Kinder und Jugendliche im gesamten Bundesgebiet.
Im Jahr 2010 entwickelte die DKJS das Programm gemeinsam mit der RWE Stiftung und Partnern aus der öffentlichen Hand weiter. Aktuell werden sieben „Lichtpunkte“-Projekte in Rheinland-Pfalz, gemeinsam mit dem Ministerium für Integration, Familie, Kinder, Jugend und Frauen Rheinland-Pfalz, vier in Berlin-Neukölln, in Partnerschaft mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin, und neun in Nordrhein-Westfalen, in Kooperation mit dem Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, realisiert.

Das Programm „Lichtpunkte“ stärkt Kinder und Eltern
Schwerpunkt des Programms in Berlin ist die Stärkung von Kindern in ihrer persönlichen Entwicklung. Kostenlose Bildungs- und Freizeitangebote sowie die gemeinsame Verantwortungsübernahme von Akteuren vor Ort sollen ihre Lebensbedingungen verbessern. Die Berliner „Lichtpunkte“ machen sich stark für die Chancengerechtigkeit von jungen Menschen in Berlin-Neukölln, einem Bezirk, in dem Kinder unter schwierigen Lebensbedingungen aufwachsen und schlechte Bildungschancen haben. Auch ihre Eltern und das unmittelbare soziale bzw. sozialräumliche Umfeld werden in die Projekte mit einbezogen. Ein Beispiel ist der „Knowledge Club Berlin“ des Vereins Bildung ohne Grenzen e.V., Berlin. Jeder fünfte Jugendliche des Neuköllner Richardkiezes verlässt die Schule ohne Abschluss. Gleichzeitig ziehen immer mehr Studierende in das Viertel. Der „Knowledge Club Berlin“ führt beide Gruppen zusammen und bietet von Studierenden und anderen Erwachsenen aus der Umgebung ehrenamtlich durchgeführte Kurse für Kinder im Nachmittagsbereich der Richard-Grundschule an. Dazu gehören Hausaufgabenhilfe, Lerntraining, Theater-, Musik- oder Sport-AGs. Die Kinder und Jugendlichen dürfen über die Auswahl mitentscheiden und bekommen hier die Möglichkeit, ihre Talente zu entdecken und weiterzuentwickeln.

Ein weiteres Projekt in Berlin-Neukölln ist „Meine Eltern sind stolz auf mich - Bildung und Gleichberechtigung im Rollbergviertel!". Es stärkt Mädchen, ihren eigenen (Bildungs-)Weg zu suchen und zu gehen. Die Mitarbeiterinnen des Mädchentreffs leisten Hilfe bei der beruflichen Orientierung oder Unterstützung beim Umgang mit Konflikten. Sie besuchen die Mädchen auch zu Hause und arbeiten bei Bedarf mit den Müttern und Vätern zusammen, damit die jungen Mädchen familiären Rückhalt haben, um ihre Zukunftswünsche auch wirklich umsetzen zu können.

Lichtpunkte“ in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen
In Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen liegt der Schwerpunkt auf der Unterstützung der Eltern, da diese die wichtigsten und prägendsten Menschen im Leben ihrer Kinder sind. Wenn Eltern ihre Stärken entfalten, können sie als verlässliche Bezugspersonen auch unter widrigen Umständen für ihre Kinder da sein.

Lichtpunkte“ in Rheinland-Pfalz bietet Unterstützungsangebote für Mütter und Väter, die in Armut leben, um sie in ihren Erziehungs- und Familienkompetenzen zu stärken. Im „Elterncafé des Palais e.V." in Trier beispielsweise finden sie Möglichkeiten zum Austausch, lernen Beratungsangebote kennen oder erhalten Ideen für eine abwechslungsreiche Alltagsgestaltung – auch ohne viel Geld. Im Rahmen des Projekts „FAM-Tische – fidibus“, ein Kochprojekt für Eltern und Kinder, laden Eltern andere Mütter und Väter aus ihrem Bekanntenkreis zu sich nach Hause ein, tauschen sich aus, profitieren von den Tipps der anderen und geben ihr eigenes Wissen weiter.

Die „Lichtpunkte“-Projekte in Nordrhein-Westfalen bauen eine Brücke zwischen Eltern und Einrichtungen wie beispielsweise Familienzentren. Denn selbst das größte Engagement kann nur nachhaltig wirken, wenn Frühpädagoginnen und -pädagogen und Eltern gemeinsam Verantwortung dafür übernehmen, dass die Kinder entsprechend ihrer Fähigkeiten und Interessen in ihrem Bildungsprozess unterstützt werden.
In dem Projekt „Bornbredes Zauberwald“ nutzt das städtische Familienzentrum Bornbrede in Herford die kulturelle Vielfalt seiner Besucher. Unter dem Oberthema „Märchen“ werden Aktivitäten für Kinder, Eltern und die ganze Familie angeboten: vom „Märchenhaften Kochabend für Väter“ und Rollenspielen für Kinder über einen gemeinsamen Theaterworkshop bis hin zum Märchenfest. Eltern und Fachkräfte aus der Kita lernen sich besser kennen, die Eltern knüpfen neue soziale Kontakte, und die Kinder verbessern ihre Sprachkompetenz. Das Familienzentrum in Marl unternimmt im Projekt „Von der Mitte in die Welt“ wöchentlich gemeinsame Ausflüge mit Kindern und Eltern: zur Bücherei, ins Museum oder zum nahe gelegenen Wald. Auf diese Weise wird die Beziehung zwischen Eltern, Kindern und Fachkräften gestärkt und der Aktionsradius von Müttern und Vätern, unabhängig von ihren Ressourcen, erweitert. Und das Familienzentrum der RUHRWERKSTATT in Oberhausen-Mitte bietet Eltern sog. „Energiebällchen“ an: Wohlfühlabende, Unterstützung bei der Selbstbehauptung gegenüber Ämtern oder auch Unternehmungen für die ganze Familie, wie zum Beispiel Wochenendfahrten, damit sie sich von ihrem anstrengenden Alltag bei knappen (Zeit-)Ressourcen erholen können – denn von entspannten Eltern profitieren die Kinder am meisten.

Projekte führen zu positiven Veränderungen

Um ihre Arbeit zu optimieren und von den Erfahrungen der anderen zu lernen, organisieren die Projektverantwortlichen gelegentlich Netzwerktreffen und Fachtagungen. Dort können sie sich miteinander austauschen und sich gegenseitig Anregungen geben. Dass die Arbeit der „Lichtpunkte“-Projekte aber insgesamt zu positiven Ergebnissen führt, zeigt die Evaluation der ersten Projekte durch Prof. Margherita Zander im Jahr 2008. Sie ist Professorin für Sozialpolitik an der Fachhochschule Münster und forscht seit 1997 zum Thema Kinderarmut. Ihre Studie gibt Aufschluss darüber, dass die Projekte schon nach einer Laufzeit von nur einem Jahr wahrnehmbare positive Veränderungen bei den Teilnehmenden erzielten, u.a. im Bereich der Konflikt- und Problemlösefähigkeit, im Bereich der sozialen Kompetenzen sowie in der Stärkung des Selbstwertgefühls.

Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 31.01.2013
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