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20. 05. 2009

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Toleranz und aktiver Wissensaustausch

Das Engagement der Stiftung Mercator in der Bildungs- und Schulförderung

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Die Stiftung Mercator, Ende der 90er Jahre von der Duisburger Unternehmerfamilie Karl Schmidt ins Leben gerufen, hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Verantwortungsbewusstsein, die Fantasie und Kreativität Einzelner, auch von Entscheidungsträgern, und von Gruppen zu stärken. Sie begreift diese Gestaltungskräfte als unverzichtbare Bestandteile für gesellschaftlichen Fortschritt. Die in Essen ansässige Stiftung Mercator unter ihrem Geschäftsvorsitzenden Bernhard Lorenz besteht aus einem Team von 36 Mitarbeitern, darunter dreizehn Projektmanagern, welche die zahlreichen Projekte begleiten. Erstens sollen deutsche Hochschulen dabei unterstützt werden, international wettbewerbsfähiger zu werden und ihre Qualität in Forschung wie Lehre zu erhöhen. Zweitens sieht die Stiftung die Notwendigkeit, für Kinder und Jugendliche neue und gerechtere Bildungschancen zu eröffnen. Und drittens setzen sich Stiftungsträger, -mitarbeiter und -förderer für Toleranz und Völkerverständigung ein, wobei Osteuropa und Asien Schwerpunkte bilden. Im Fokus der Förderung stehen Projekte rund um die Themen Schule, Wissenschaft, internationale Verständigung, Klimawandel und das Ruhrgebiet, dem sich die Stiftung als Heimatregion der Gründerfamilie verbunden fühlt. Über die Förderung beantragter Projekte entscheidet ein sechsköpfiger Beirat. Die Stiftung Mercator verfügt laut Jahresbericht 2007 über ein Stiftungskapital von 128 Millionen Euro.

Deutsches Sorgenkind Bildung: Sozial ungerecht und international zweitklassig
Gerade in der Bildung sieht die Stiftung Mercator den Bereich, in dem sich die Zukunft entscheidet, denn nur eine bestmöglich (aus)gebildete Jugend vermag sich in der Welt von morgen zu behaupten und sie verantwortungsbewusst mitzugestalten. Deshalb bezieht die Stiftung deutlich Stellung zu bestehenden Defiziten im deutschen Bildungssystem, die nicht erst die Pisa-Studien offengelegt haben. Es bestehe dringender Handlungsbedarf, „weil unser Schulsystem im internationalen Vergleich bei weitem nicht leistungsfähig ist und weil die Bildungschancen in unserem Land massiv ungleich verteilt sind“. Vor allem sozial Schwache und Zuwanderer stünden „auf der Verliererseite“. Zahlreiche Förderprojekte widmen sich aus diesem Grund der Sprach- und Fachförderung für bessere Bildungs- und Integrationschancen von Migrantenkindern, der Lehrerbildung und Lehrerfortbildung sowie der Unterrichtsentwicklung.

Förderunterricht für sozial Benachteiligte aus Zuwandererfamilien
Der „Mercator-Förderunterricht“ ist ein solches Projekt. Wer die Sprache des Landes, in dem er lebt, nicht beherrscht, wird meist von vielen Berufen ausgeschlossen, kann auf Ämtern seine Rechte nicht artikulieren und damit nicht einfordern und wird nicht selten benachteiligt, ja, diskriminiert. Mit insgesamt zehn Millionen Euro engagiert sich die Stiftung Mercator deshalb dafür, die sprachlichen Fähigkeiten junger Migrantinnen und Migranten zu verbessern, aber auch ihre Kompetenzen in den einzelnen Schulfächern zu stärken. Neben dieser Zielgruppe profitieren von dem Projekt aber auch Studierende, die den Förderunterricht leiten. Unter fachlicher Begleitung der Hochschule lernen die angehenden Lehrerinnen und Lehrer in der Praxis, Unterrichtsmethoden zu erproben und eigene Konzepte zu entwickeln. Dass sich das Projekt bewährt, zeigt die Universität Duisburg-Essen. Schon seit mehr als 30 Jahren werden hier Schüler unterrichtet, was ins gesamte Bundesgebiet ausstrahlte und die Stiftung Mercator im Jahre 2000 dazu bewog, das Modell zu unterstützen. Die Zahlen sprechen für sich: In 14 Bundesländern und an 35 Standorten nehmen 6500 Schülerinnen und Schüler beider Sekundarstufen am Förderunterricht teil, der von 1100 Studierenden geleitet wird. Um auch Kindern, die von längerer Erkrankung betroffen sind, nach der Gesundung den Wiedereinstieg in den Schulalltag zu ermöglichen, ist das Projekt „Klick und Lern e. V.“ ins Leben gerufen worden. Dank Computer und Internet lassen sich Konferenzschaltungen zwischen Kranken- und Klassenzimmer herstellen. So können Mut und Motivation der kranken Kinder gestärkt werden, was letztlich auch ihre Genesung befördert.

Jeder Mensch ist anders – und jedes Kind lernt anders
Weil Menschen zwar Sozialwesen, aber auch einzigartige Individuen sind, muss sich jeder Förderunterricht an den besonderen Bedürfnissen und dem speziellen Lernverhalten jedes einzelnen Schülers orientieren. Aufgrund oftmals großer Klassen und fehlender Lehrkapazitäten sind viele Schulen in Deutschland gerade auf diese individuellen Anforderungen der Schüler nicht genügend vorbereitet. Hier setzt das Projekt „indive“ an. Es hilft Lehramtsstudenten und Lehrenden, praktikable Wege zur individuellen Förderung zu begehen, wobei großer Wert auf die Vernetzung von Schule und Hochschule, Wissenschaft und Praxis gelegt wird.

Darauf zielen auch der „Mercator Schulclub“ oder das Projekt „Schulen im Team“. Beide leisten einen wichtigen Beitrag dazu, das Einzelkämpfertum der Schulen zu verhindern. Im Schulclub tauschen sich von der Stiftung ausgewählte allgemein bildende Essener Schulen jedweder pädagogischen Ausrichtung und Trägerschaft untereinander aus und verwirklichen gemeinsam innovative Ideen. „Schulen im Team“ wiederum vernetzt Schulen in unmittelbarer Nachbarschaft miteinander. So kann jede Schule von den Erfahrungen anderer profitieren. In dem Projekt, auf drei Jahre ausgerichtet und begleitet vom Institut für Schulentwicklungsforschung, arbeiten die Schulen gemeinsam an einem Thema der Unterrichtsentwicklung, sei es der Leseförderung ab der fünften Klasse, der Jungenpädagogik oder der Mädchenförderung in den naturwissenschaftlichen Fächern.

Besonders interessant ist das Projekt „Schulcoaching durch SeniorExperten NRW“ in Duisburg und Essen. Schulleiter, die im Zuge der Forderung nach autonomeren Schulen eine immer größere Verantwortung, auch Macht erhalten, werden von qualifizierten Führungskräften aus der Wirtschaft, aber auch von pensionierten Managern auf ihr neues Aufgabenspektrum vorbereitet. Die Senior-Experten wiederum werden von pädagogisch-didaktischen Fachleuten gecoacht.

Kinder führen Kinder durch die weite Welt der Kunst
Dass Kinder oftmals am besten lernen, wenn sie sich die Unterrichtsstoffe unter fachkundiger, aber eben nicht lehrerzentrierter Anleitung gegenseitig selbst beibringen, ist spätestens seit den Forschungen des französischen Didaktikers Jean-Pol Martin in den 80er Jahren ein zentraler Gedanke moderner Pädagogik. Das Anfang 2005 initiierte Projekt „Kinder führen Kinder“ greift diese Überlegung auf. Kinder begleiten im Essener Museum Folkwang gleichaltrige und jüngere Museumsbesucher auf ihrer Entdeckungsreise durch die Kunst. Die jungen Museumsführer erklären die Ausstellungsstücke dabei eben nicht in der manchmal recht abgehobenen Sprache der Erwachsenen, sondern so, dass ihre Altersgenossen sie spannend finden: „Wir sind Kinder und führen Kinder bis 13 Jahre durch das Museum. Erwachsene haben dort nix zu suchen. Wir kennen uns aus und sind fast immer im Museum unterwegs“, berichtete nicht ohne Stolz vor zwei Jahren die damals zwölfjährige Laura Schneider.

Es bleibt den Kindern, die durch das Museum führen, überlassen, welche Form der Vermittlung sie – je nach Interessen und Vorlieben – wählen. Deren Wortgewandtheit und Selbstvertrauen werden dadurch genauso gestärkt wie das Kunstverständnis der jungen Besucher. Aufgrund des großen Erfolges des Projekts hat die Stiftung Mercator beschlossen, das Vorhaben bis zur Fertigstellung des Neubaus des Folkwang-Museums bis 2010 zu unterstützen. Dann ist Essen zusammen mit dem Ruhrgebiet Kulturhauptstadt – und hoffentlich auch voller „kunstverrückter“ Kinder und Jugendlicher.

Das Kunstverständnis fördern und eine bessere Welt schaffen
Aber nicht nur bildende Kunst öffnet die Horizonte junger Menschen. Auch Theater schafft einzigartige Möglichkeiten, sich mit dieser Welt auseinanderzusetzen – und sich gleichzeitig immer wieder neu und anders zu zeigen. Zusammen mit sieben Theatern im Ruhrgebiet, unter anderem dem Jungen Schauspielhaus Bochum und dem Dortmunder Kinder- und Jugendtheater, setzt die Stiftung Mercator mit dem Projekt „pottfiction“ ganz auf das kreative Potenzial von Jugendlichen. Gefragt ist, wie sich junge Menschen eine bessere Welt vorstellen und was sie dafür zu tun bereit sind. Im Zentrum des Modells stehen jeweils zwei große Camps. Das Eröffnungscamp im Sommer 2009 bildet den Auftakt mit Workshops, Konzerten und Aktionen. Ein Jahr später folgt dann das „pottfiction“-Finale in einem zweiten Camp, bei dem die Jugendlichen präsentieren, was sie über das Jahr an den verschiedenen Theatern gelernt haben. Gerade das zweite Camp verspricht thematische Vielfalt, widmet sich doch jedes Theater einer anderen Fragestellung: Demokratie und Macht, Werte und Moral, Zusammenleben im Großen und Kleinen etc.

Musik für Anfänger, unbeschwert und ungestört
Dass Musik verbindet, ist ein Gemeinplatz. Musik ist aber auch gleichzeitig diejenige Kunstform, zu der Jugendliche gleich welcher Herkunft den schnellsten Zugang finden – soweit und solange es ihre Art der Musik ist. Deshalb ruft das Projekt „jamtruck“ dazu auf: „Macht eure Musik!“ Nicht gestandene Bandmitglieder, sondern gerade bislang musikalisch unerfahrene Jugendliche sollen so den Zugang zur Musik finden und ihr kreatives Potenzial entdecken. Begonnen im Schuljahr 2008/2009 und angelegt für zunächst sieben Jahre, umfasst das Projekt ein Fördervolumen von 1,73 Millionen Euro. Fünf bis sechs Jugendliche im Alter zwischen 10 und 18 Jahren haben in einem Bandproberaum mit Instrumenten und eigenem Tonstudio an Essener Schulen und Jugendeinrichtungen die Gelegenheit, ein Jahr lang eine Stunde wöchentlich Musik zu machen – unbeschwert und ungestört. Geplant sind nicht nur jährliche jamtruck-Feste, sondern auch ein Symposium und ein Konzert im Kulturhauptstadtjahr 2010.

Kunst debattieren und Debattierkunst
Ein weiteres Forum dafür, auch zur Reflexion, bildet der nun schon dritte Kongress „KinderKunstLernen“ am 10. Juni 2009, der ein „Curriculum des Unwägbaren“ zeigt und bespricht. Künstler und Lehrer, Kultur- und Bildungspolitiker sowie Vertreter von Kulturinstitutionen sind eingeladen, sich in die Diskussion einzubringen. Wissenschaftliche Foren, künstlerische Ateliers und andere kreative Zentren bilden die Plattform dafür. Debattiert werden soll auch beim Bundeswettbewerb „Jugend debattiert“, den die Mercator Stiftung in Kooperation mit den Stiftungen Hertie, Heinz Nixdorf und Robert Bosch seit 2002 unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten ausrichtet. Der Wettbewerb stärkt die wichtigsten Fähigkeiten für gelingende Kommunikation: Zuhören und sich artikulieren können. 2007/2008 nahmen bundesweit 540 Schulen mit ca. 70 000 Schülern teil, die von ihren Lehrern in Unterrichtseinheiten zur Rhetorik auf die Rededuelle vorbereitet wurden.

Autor(in): Arndt Kremer
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Datum: 20.05.2009
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