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12. 05. 2010

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Bewusstsein für Europa stärken

10. Mai - EU-Projekttag an Schulen in ganz Deutschland

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EU-Projekttag 2010

Europa sind wir. Aber wer kann schon alle 27 Mitgliedsländer nennen und weiß, dass dazu auch Länder wie Estland und Malta gehören? Wer könnte die Zuständigkeiten von EU-Kommission, EU-Rat und EU-Parlament auch nur ungefähr erklären? Viele EU-Bürger wissen immer noch recht wenig über Europa. Das gilt auch für deutsche Schülerinnen und Schüler. Der EU-Projekttag an Schulen in allen Bundesländern soll dem entgegenwirken und das Bewusstsein für Europa stärken.



Am 10. Mai 2010 fand bereits zum vierten Mal der EU-Projekttag statt. Er stellt alljährlich den Höhepunkt und Abschluss der bundesweiten Europawoche dar und geht auf eine Initiative der deutschen Ratspräsidentschaft von 2007 zurück. Die Bundeskanzlerin, Mitglieder der Bundesregierung sowie Abgeordnete des Deutschen Bundestages, des Europäischen Parlaments, der Landtage und die Ministerpräsidenten der Bundesländer besuchten an diesem Tag Schulen in ganz Deutschland. Die Politikerinnen und Politiker drückten noch einmal die Schulbank, um mit den Schülern über die Europäische Union zu sprechen. Diskussionen, Workshops und Ausstellungen zu EU-Themen bildeten ein vielfältiges Programm mit dem Ziel, das Interesse und Verständnis junger Menschen für die Europäische Union und deren politische Vorgänge zu fördern.

So besuchte Bundeskanzlerin Angela Merkel die Sophie-Scholl-Schule in Berlin-Schöneberg und der Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland, Matthias Peschke, sowie der Bildungsminister Mecklenburg-Vorpommerns, Henry Tesch, waren in der Europaschule Grundschule „Uns Hüsung“ in Neubrandenburg. Teilweise folgten die Schulen auch Einladungen von Politikern. Während EU-Energiekommissar Günther Oettinger im Roten Rathaus in Berlin mit Schülern über Klimaschutz diskutierte, waren 28 Berliner Schülerinnen und Schüler mit bilingualem Unterricht zu Gast bei Annette Schavan. „Der europäische Gedanke ist in unseren Schulen stark verankert“, so die Bundesbildungsministerin, die in diesem Zusammenhang vor allem die Mobilität junger Menschen innerhalb Europas betonte.

Eigene Erfahrung als Basis für mehr europäisches Verständnis
Tatsächlich sind die europäischen Austauschprogramme „Comenius“ für Schulpartnerschaften, „Leonardo da Vinci“ für die berufliche Bildung und „Erasmus“ für Universitätsbildung Erfolgsprogramme, die im Rahmen des Bildungsprogramms „Lebenslanges Lernen“ mit einem Fördervolumen von fast sieben Milliarden Euro seit 2007 verankert sind. Jedes Jahr nehmen Tausende Schüler, Auszubildende und Studierende die Möglichkeit wahr, eine Zeit lang in einem anderen europäischen Land zu leben und zu lernen, vom finnischen Helsinki bis ins maltesische Valletta.

Weniges ist prägender als die eigene Erfahrung und der Austausch mit Gleichaltrigen. Insofern gibt es gute Gründe dafür anzunehmen, dass gerade Schulpartnerschaften den frühesten und wichtigsten Grundstock für ein tieferes Verständnis Europas legen können. Doch müssen der schon jetzt bestehenden hohen Mobilität innerhalb Europas Interesse und Wissen für die jeweiligen Partnerländer vorausgehen. Auch ist vielen Schülerinnen und Schülern ebenso wie deren Eltern nicht wirklich bewusst, wie sehr europäische Entscheidungen Einfluss auf das tägliche Leben nehmen. So sind im Vertrag von Lissabon am 1. Dezember 2009 die Kompetenzen des Europäischen Parlaments noch einmal gestärkt worden: Noch mehr Gesetze kommen aus Brüssel und sind in Deutschland bindend.

Schulen zeigen die Vielfalt europäischer Kultur(en)
Die Lehrer und Schüler konnten und können sich jeweils auf der Homepage der Bundeszentrale für politische Bildung mit Informationen versorgen, etwa zur Sozialstruktur Europas oder zum Vertrag von Lissabon. Während allein in der Hauptstadt Berlin mehr als 30 Schulen und im benachbarten Brandenburg insgesamt 87 Schulen am Projekttag teilnahmen, waren es im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen über 65 Schulen. Viele Projekte in NRW versuchten den Unterschieden und Gemeinsamkeiten europäischer Kultur(en) auf den Grund zu gehen: Sprachen, Lieder, Literaturen. So widmete sich das Erftgymnasium der Stadt Bergheim einem der derzeitigen ökonomischen Sorgenkinder der EU mit einer großen kulturellen Geschichte: Irland. Von Limericks bis zu irischer Folklore, bedeutenden irischen Poeten und der Rolle Irlands in der EU konnten die Schüler in Workshops mehr über den grünen Inselstaat im Westen Europas erfahren. Auf dem Programm standen zudem ein handfestes Quiz zum Thema „Wie funktioniert Europa?“ sowie Musik und Kultur des Beitrittskandidaten Türkei. Überhaupt bildete die Türkei einen Schwerpunkt an vielen Schulen – so wie bei der Alfred-Delp-Realschule Niederkassel, die zum Projekt „Willkommen in der Türkei“ einlud, oder im Kuniberg Berufskolleg in Recklinghausen, das nach einer Diskussionsrunde über den Beitritt der Türkei abstimmen ließ.

Die Gesamtschule der Stadt Brühl widmete sich dem Thema „Brühl und Europa“, wobei auch europäische Märchen vorgetragen und Lieder aus Europa gesungen wurden. Während das Städtische Krupp-Gymnasium Duisburg europäische Perspektiven in der Fotoausstellung „Europa bei uns“ ins Bild setzte, kümmerte sich das Düsseldorfer Franz-Jürgens-Berufskolleg für Metalltechnik ums Kulinarische. Unter dem Motto „So is(s)t Europa“ stellten Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen EU-Ländern typische Gerichte ihrer Heimat vor. Dazu gab Klaus-Heiner Lehne, CDU-Abgeordneter im Europäischen Parlament und Vorsitzender im Rechtsausschuss, Informationen zur europäischen Integration.

Europa an manchen Schulen schon jetzt gelebte Realität

Manche Schulen leben schon jetzt jeden Tag Europa vor, so die Städtische Gesamtschule Bockmühle in Essen, an der Schüler aus 49 Ländern, darunter aus vielen EU-Staaten, lernen. Oder die Städtische Gesamtschule Europaschule Herzogenrath, in der das europäische Jugendparlament mit 100 Schülerinnen und Schülern aus der Region unter der Schirmherrschaft des SPD-Fraktionsführers im Europäischen Parlament Martin Schulz tagte. Das Städtische Ostendorf-Gymnasium in Lippstadt hatte eine Diskussionsrunde zum Vertrag von Lissabon vorbereitet. Die Schüler diskutierten mit Vertretern des Vereins „Europa e. V.“ und der EU-Abgeordneten Birgit Sippel von der SPD Fragen, die viele Deutsche umtreiben: Was bringt der Vertrag? Wird Deutschland an Einfluss verlieren? Überhaupt widmeten sich viele Schulen in NRW hoch aktuellen Themen, so der Griechenland-Krise, über welche die Jahrgangsstufe 12 des Albert-Einstein-Gymnasiums in Sankt Augustin debattierte. Und so sah es in allen Bundesländern aus.

Der EU-Projekttag ist wichtig, aber nicht ausreichend
Der EU-Projekttag hat sich mittlerweile zu einer fest etablierten Veranstaltung entwickelt. Er fordert und fördert die Reflexivität der Schülerinnen und Schüler zum Thema Europa. Vorteilhaft ist, dass alle Schulformen in allen Bundesländern beteiligt sind und der Kreativität zu Workshops und Ausstellungen prinzipiell keine Grenzen gesetzt sind. Ein einzelner Tag oder auch eine ganze Europawoche können jedoch nicht alles leisten. Wünschenswert wäre beispielsweise, dass Europa und europäische Vorgänge mit all ihren Problemen wie Chancen in Fächern wie Politik und Gesellschaftskunde einen höheren Stellenwert erhalten – und das nicht nur an ausgewiesenen Europaschulen. An Europa muss mehr interessieren als Finanzkrisen oder versickerte Fördergelder. Denn letztlich stimmt ja die simple Aussage, die auch das Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung in Ahaus zum Motto seines EU-Projekttages gemacht hat: „Wir sind Europa.“

 

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Autor(in): Arndt Kremer
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Datum: 12.05.2010
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