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13. 08. 2009

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

MINT vom Kindergarten bis zum Abitur

Die Siemens Stiftung engagiert sich für mathematisch-naturwissenschaftliche Bildung

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Der Name Siemens ist ein fester Bestandteil in der nationalen und internationalen Firmenlandschaft. Das vor 160 Jahren gegründete Unternehmen mit weltweit rund 430.000 Mitarbeitern bündelt sein gesellschaftliches Engagement seit Ende September 2008 nun in einer gemeinnützigen Stiftung mit Sitz in München. Die Siemens Stiftung konzentriert sich besonders auf den Einsatz innovativer Technologien zur Verbesserung der Lebensbedingungen, für die Optimierung des Bildungswesens, den Klimawandel und den demografische Wandel. Zielgruppen der Bildungsförderung sind vor allem Vorschulen, Kindergärten, Schulen, Horte und Jugendzentren.
Die Stiftung agiert vorrangig mit eigenen Programmen und als Partner in nationalen und internationalen Projekten, unter bestimmten Bedingungen auch als Förderträger. Dafür hat das Unternehmen Siemens der Stiftung ein Kapital in Höhe von 390 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, das ausschließlich für gemeinnützige Zwecke bestimmt ist.

Heilsame Schockwirkung: Mathematisch-naturwissenschaftliche Förderung nach PISA
Ein großer Teil der zur Verfügung stehenden Summe fließt in die Förderung junger Menschen in den Bereichen Mathematik, Technik und Naturwissenschaften. Denn spätestens seit den PISA-Studien ist bekannt, dass der mathematisch-naturwissenschaftliche Unterricht in Deutschland verbesserungswürdig ist. Besonders die Ergebnisse der ersten Studie 2000 waren ein Schock: Deutschland landete sowohl in den Naturwissenschaften als auch in Mathematik gerade einmal auf Platz 20 (von 32 Teilnehmerstaaten). Zwar haben sich die Resultate der deutschen Schülerinnen und Schüler in den Nachfolgestudien verbessert, aber viele  Probleme sind geblieben: Noch immer fühlen sich Mädchen im naturwissenschaftlich-mathematischen Unterricht benachteiligt. Darüber hinaus entscheiden sich nach wie vor viel zu wenige junge Menschen für einen technisch-naturwissenschaftlichen Beruf. Und das, obwohl sich gerade hier die größten Jobchancen eröffnen – bei Siemens und bei vielen anderen Unternehmen. Aus diesem Grund fördert die Siemens Stiftung zahlreiche Projekte, die sie unter dem Schlagwort MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) zusammengefasst hat. Vom Kindergarten über die Grundschule bis hin zum Abitur werden Kinder, Schüler sowie Lehr- und Erziehungsberechtigte gefördert und weitergeschult. 

Kontaktschulen, Partnerschulen, Namensschulen
Schulen können sich um eine Förderung von Projekten bewerben, die sich auf die MINT-Fächer beziehen. Voraussetzungen sind Gemeinnützigkeit und gesellschaftliche Bedeutung, Innovation und  didaktisch-inhaltliche Qualität des Projekts sowie ein effizienter Kosten-Nutzen-Faktor. Von der Förderung ausgeschlossen sind Klassen- oder Studienfahrten, Schüleraustausche, Auslandsaufenthalte sowie rein private, politische und religiöse Initiativen. Während mit so genannten Kontaktschulen in eher loser Form punktuelle Maßnahmen und Projekte (Workshops, AGs, Wettbewerbe) abgestimmt werden, bietet die Siemens AG im Rahmen eines eigenen Partnerschulprogramms interessierten Schulen auch eine längerfristige Kooperation an. Regionale Siemens-Büros betreuen die Partnerschulen und koordinieren die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Unternehmen über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren und länger.

Besonders verbunden mit den Idealen und Inhalten von Siemens sind die Namensträgerschulen. Die erste, das Werner-Siemens-Realgymnasium in Berlin-Schöneberg, wurde 1909 gegründet. Heute tragen 36 deutsche Schulen und sogar eine argentinische Schule Siemens im Namen. Bei den einzelnen Projekten geht es darum, so auf der Website der Stiftung, „die Verflechtung von Wirtschaft, Technik und Gesellschaft verständlich zu machen“, wobei die Schüler in den Namensgebern ihrer Schulen „Vorbilder für eine selbstbestimmte und zugleich verantwortungsbewusste Gestaltung ihres Lebens“ finden können. Das führte 2002 und 2003 unter anderem zu einem Internet-Wettbewerb „Die beste Website rund um Siemens“, zu einem bundesweiten Schulleitertreffen der 30 deutschen Namensträgerschulen und zu einer Wanderausstellung, die sich mit dem Unternehmensgründer Werner von Siemens beschäftigte.

Energie! Schülerwettbewerb in Mathematik, Naturwissenschaften und Technik
Energieschübe hin zu mehr Interesse für die MINT-Fächer verspricht ein aktueller Wettbewerb der Siemens-Stiftung mit dem Thema: „Energie-Genies der Zukunft – Ideen für mehr Effizienz“, der unter der Schirmherrschaft des Bundesumweltministers Siegmar Gabriel steht. Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 11 bis 13 an allgemein bildenden Schulen, Fachoberschulen und Fachgymnasien können Antworten finden auf die zentrale Frage, wie Energie sich wirksamer erzeugen, transportieren und verbrauchen lässt. Wo schlummern Sparpotenziale im Haushalt, wie lässt sich Energie nachhaltiger verbrauchen? Visionäre Projektideen von Einzelnen oder von Teams von bis zu drei Personen, die von einer Lehrkraft betreut werden, sind willkommen. Auf ihre Stichhaltigkeit geprüft werden sie durch Juroren von drei Technischen Universitäten, mit denen die Siemens Stiftung bei dem Wettbewerb kooperiert. Anreize geben können Lehrkräfte, indem sie beispielsweise das von der Stiftung zur Verfügung gestellte digitale Unterrichtsmaterial rund um das Thema Energie nutzen. Für den ersten Platz winkt ein Preisgeld in Höhe von 30.000 Euro. Anmeldeschluss für den Wettbewerb ist der 13. November 2009, die Arbeiten müssen bis zum 15. Januar 2010 eingereicht werden.

Mehr Experimente wagen – schon in der Grundschule
Nicht nur die Stiftung selbst fördert Bildung. Auch 60 Unternehmen in Deutschland haben sich zu einem Netzwerk zusammengeschlossen. Durch diese „Wissensfabrik – Unternehmen für Deutschland“ sind bereits 1000 Bildungspartnerschaften zustande gekommen. Der Verband engagiert sich insbesondere für die Vermittlung von Naturwissenschaften, Sprache, Technik und Wirtschaft, wobei die Siemens Stiftung zwei Leuchtturmprojekte betreut: „NaWi – geht das?“ und „KiTec – Kinder entdecken Technik“. Beide Projekte sollen Kindern schon im frühen Alter einen „positiven emotionalen Bezug“ zu Naturwissenschaft und Technik geben, wie er sich nur aus eigenem Ausprobieren ergibt: learning by doing. „NaWi“ zielt genau dahin. Durch anschauliche Experimente, etwa im Fach Chemie, soll bei Grundschulkindern das Interesse für naturwissenschaftliche Fragestellungen geweckt und gefördert werden. Grundschullehrerinnen und -lehrer lernen auf Tagungen den Umgang mit speziellen Experimentierkisten, die vom Institut Didaktik der Chemie der Universität Frankfurt a. M. entwickelt wurden. Die den Schulen kostenlos zur Verfügung gestellten Kisten enthalten kindgerechte Versuchsanordnungen zu den Themen Luft, Wasser und Lebensmittel. „KiTec“ wiederum besteht aus drei Experimentiersets zu Bau-, Fahrzeug- und Elektrotechnik, um die Techniker und Ingenieure von morgen schon in den Grundschulen für Statik, Dynamik, Masse und Energie zu begeistern. 

Science Camps für zukünftige Ingenieurinnen
Es ist kein Klischee, sondern Wirklichkeit: Frauen sind in naturwissenschaftlich-technischen Studiengängen und Berufen nach wie vor deutlich in der Unterzahl. Nur Ewiggestrige würden hier noch argumentieren, dass dies eben an kaum veränderbaren geschlechtsspezifischen Präferenzen liege. Es liegt vor allem an der Erziehung in Elternhaus und Schule, denn Interesse ist nicht genetisch festgeschrieben, sondern wird durch Sozialisation geweckt. Mädchen stärker für technische und naturwissenschaftliche Karrieren zu begeistern, ist deshalb das erklärte Ziel des nächsten „Science Camps“. Die seit vier Jahren bestehenden Förderprogramme der Siemens AG für Schülerinnen werden von der Siemens Stiftung übernommen und sollen alle zwei Jahre stattfinden. Auf dem kommenden Camp im Herbst 2010 können bis zu 40 Schülerinnen mit herausragenden Leistungen in den Fächern Mathematik und Physik ihr Talent unter Beweis stellen – bei Werksführungen, Diskussionsforen und Workshops.  


Zentrum für kindliche Mehrsprachigkeit
Wer keine Sprache hat oder in vielen Sprachen sprachlos ist, dem helfen auch naturwissenschaftliche und technische Kenntnisse nur bedingt. Wie soll der Jugendliche sie an den Mann oder die Frau bringen, wenn er sich in einer Firma bewirbt? Nur wer miteinander ausreichend kommunizieren kann, kann auch miteinander leben und arbeiten. Viele Kinder mit Migrationshintergrund werden aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse schon jetzt benachteiligt. Dem will die Siemens Stiftung entgegenwirken und unterstützt mit dem Programm KIKUS das „Zentrum für kindliche Mehrsprachigkeit“ (ZKM) und dessen Sprachförderkonzept für Kinder mit nicht-deutscher Muttersprache. Bereits bei Kindern im Alter von drei Jahren beginnen die Kursleiterinnen mit einer spielerischen Sprachförderung, die nicht die Entwöhnung von der Muttersprache, sondern die Förderung kindlicher Mehrsprachigkeit zum Ziel  hat. In den darauf folgenden Deutschkursen an Kindergärten und Grundschulen werden die pädagogischen Fachkräfte vor Ort und die Eltern jeweils einbezogen. Erzieher/innen und Lehrer/innen können sich zu KIKUS-Kursleitern fortbilden lassen, damit sich das Konzept nach einer gewissen Zeit selbstständig trägt. So wie eigentlich alles im Bereich Bildung. Im Idealfall zumindest.

Autor(in): Arndt Kremer
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Datum: 13.08.2009
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