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02. 04. 2009

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Unternehmen Stiftung

50 Jahre Körber-Stiftung

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Quelle: Körber-Stiftung

Um ihre Aufgaben und Zwecke erfüllen zu können, benötigen Kunst und Kultur, Wissenschaft und Forschung, Erziehung und Bildung finanzielle Unterstützung. Was früher ausschließlich die Sache einzelner Mäzene war, übernehmen heutzutage zu weiten Teilen Stiftungen. Eine der größten unter ihnen ist die Körber-Stiftung. Sie bekennt sich zu sozialer Verantwortung und will mit ihren zahlreichen Projekten, die vom „Körber-Netzwerk Außenpolitik“ über den „Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten“ und „KiWiss – Wissenschaft für Kinder und Jugendliche“ bis hin zum „BegegnungsCentrum Haus im Park“ reichen, „Menschen verschiedener politischer, sozialer und kultureller Herkunft zusammenführen“ und das individuelle Engagement anregen sowie zum nachhaltigen Impuls für das Gemeinwohl transformieren.

Vorstand, Stiftungsrat und Kuratorium
Die 1959 ins Leben gerufene Stiftung ist alleinige Eignerin der Körber AG. Hervorgegangen ist das Unternehmen für Tabak, Papier, Verpackung und Werkzeugmaschinen aus den Hauni-Werken, die sich auf die Konstruktion und Fertigung von Maschinen für die Zigarettenherstellung spezialisiert hatten. Ihr Gründer, der Berliner Unternehmer Kurt Adolf Körber (1909–1992), engagierte sich bereits 1957 im kulturellen Bereich. So trug die nach ihm benannte Stiftung zum Wiederaufbau des Thalia Theaters in der Hansestadt bei. Heute zählt die Körber-Stiftung mit einem Stiftungsvermögen von 516 Millionen Euro (2006) und ca. 30 Projekten zu den Giganten unter den gemeinnützigen Stiftungen in Deutschland. Neben der Förderung von Wissenschaft und Forschung, Bildung, Erziehung und Kultur will die Stiftung laut Satzung die Verständigung der Völker sowie die Fürsorge für alte und kranke Menschen stärken. Einer der lokalen Schwerpunkte liegt auf Hamburg. Vorstand, Stiftungsrat und Kuratorium der Körber-Stiftung arbeiten eng zusammen.

Geschichte lebt: Willkommen in der Bildung
„Cäsar eroberte Gallien. Hatte er nicht wenigstens einen Koch dabei?“, fragte einst der Dichter Bertolt Brecht mit ironischer Spitze gegen die Geschichtsschreibung über „große Männer“. Geschichte besteht eben nicht nur aus den Großtaten einzelner Köpfe, sondern ist das Ergebnis von oft kontroversen Ideen und Handlungen aller. Insofern geht Geschichte uns alle an. Wohl deshalb widmet sich die Körber-Stiftung im Bildungssektor – neben der Förderung des Schultheaters der Länder auf einem Theaterfestival –mehreren Projekten, die um das Thema Geschichte kreisen.

„Willkommen bei DemokratieMitWirkung“ ruft zum 60-jährigen Jubiläum des Grundgesetzes im Mai 2009 alle bisherigen 18- bis 25-jährigen Preisträgerinnen und Preisträger des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten dazu auf, Stärken und Schwächen unseres demokratischen Systems zu benennen – sei es in Form eines Essays, einer Dokumentation oder eines anderen kreativen Beitrages. Der Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten, 1973 von Kurt A. Körber und dem damaligen Staatsoberhaupt Gustav Heinemann ins Leben gerufen, ist fast schon zu einer Art Institution in Deutschland avanciert: Über 5000 junge Menschen zwischen acht und 21 Jahren gehen alle zwei Jahre unter Anleitung ihrer Lehrerinnen und Lehrer in Archive, befragen Ämter und Politiker und interviewen Zeitzeugen. „Das war mein aufregendster Wettbewerb, eine unglaubliche Erfahrung“, schrieb eine Teilnehmerin begeistert.

In diesem Zusammenhang ist auch das „Körber-Netzwerk Geschichtsdidaktik“ zu sehen. In Kooperation mit 16 deutschen Universitäten wollen die Initiatoren und Träger des Geschichtswettbewerbs das Fach Geschichte an Schulen stärken. Lehramts-Studierende sollen in Seminaren und Kolloquien im Prozess des forschenden Lernens schulische Projektarbeit erleben, mitgestalten und leiten dürfen. Der Verein „Eustory“ schließlich hebt die Thematik auf eine europäische Ebene. Er vereint Mitgliederorganisationen verschiedener Länder von Belgien bis Weißrussland, die historische Wettbewerbe nach dem Vorbild des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten durchführen. 

Die junge Welt der Wissenschaft
Dass Wissenschaft nicht (nur) etwas für weltabgewandte und weißhaarige Köpfe ist – das zu beweisen fällt Wettbewerben und Projekten wie „Jugend forscht“ oder der von der Körber-Stiftung betreuten Initiative „KiWiss – Wissenschaft für Kinder und Jugendliche“ nicht schwer. Junge Menschen werden dort für wissenschaftliche Techniken und Methoden begeistert, indem sie sich aktiv einbringen. Lehrer verlassen die Rolle des vorgeblich allwissenden Erzählers, überantworten die Vermessung und Erfassung der Welt vielmehr ihren Schüler-„Coaches“.

In der „Initiative Naturwissenschaft & Technik NaT“ unterstützt die Stiftung gemeinsam mit Hamburger Unternehmen und einem breiten Hochschulbündnis Schülerinnen und Schüler darin, Fächer wie Mathematik, Chemie, Informatik, Physik oder Technik attraktiver und praxisnäher zu gestalten. Während der Preis „Stadt der jungen Forscher“ Städte prämiert, die junge Menschen für die Wissenschaft zu begeistern helfen, dürfen im Projekt „Hamburger Kinder Uni“ schon Knirpse die Alma Mater der Hansestadt unsicher machen. Vielleicht werden einige dieser jungen Forscher sich dann eines Tages auch bei den Projekten und Preisen wiederfinden, welche die Körber-Stiftung für Forscher älteren Semesters auslobt.

Während der „Deutsche Studienpreis“ Promovierte ohne Altersbeschränkung für herausragende Forschungsergebnisse prämiert und dazu Preise im Gesamtwert von 100.000 Euro vergibt, ehrt die Körber-Stiftung mit dem „Preis für die Europäische Wissenschaft“ arrivierte Wissenschaftler für innovative Forschungsvorhaben. In diesem Jahr geht der mit 750.000 Euro dotierte Preis an den niederländischen Physiker Andre Geim. Er wird am 17. April 2009 im Hamburger Rathaus verliehen. Für den Deutschen Studienpreis können sich bis zum 1. März 2010 all jene bewerben, die im Jahr 2009 mit einem exzellenten Ergebnis (magna oder summa cum laude) ihren Doktor gemacht haben. Eingereicht werden muss ein kürzerer Text von bis zu 40.000 Zeichen Länge, der die Ergebnisse und die gesellschaftliche Bedeutung der Dissertation spannend und verständlich darlegt. Denn das ist es, was die Juroren neben der fachwissenschaftlichen Qualität besonders interessiert: die gesellschaftliche Relevanz, die es von ausgewählten Kandidaten – auch jenseits bloßer ökonomischer Verwertbarkeit – dann vor einem Gremium zu verteidigen gilt.

Freifahrtschein für junge Kultur
Die Körber-Stiftung ermutigt junge Menschen, sich kulturell zu engagieren. Sie fokussiert dabei auf Hamburg, führt somit die Anfänge der Stiftung fort. Während der mit 10.000 Euro dotierte Boy-Gobert-Preis seit 1981 an junge Hamburger Schauspielerinnen und Schauspieler geht, fördert der „Körber-Foto-Award“ junge Fotografie. Themen der Foto-Essays, zu denen Fotokünstler/innen von einer Expertenjury eingeladen werden, waren zum Beispiel „Freiheit“, „Jugend“, „Migration“ und „Wie leben die Alten“.

„On stage“ heißt es bei dem Theaterfestival „Körber Studio Junge Regie“. Es verbindet die Präsentation von Arbeiten junger Regisseure im Hamburger Thalia Theater mit einem Forum, auf dem sie öffentlich Erfahrungen auszutauschen können. Bei einem eigenen Symposium zu Regiethemen diskutierten bereits so namhafte Regisseure wie Peter Stein, Heiner Goebbels und Karoline Gruber. Weil Theater aber nicht nur Nachwuchsregisseure, sondern generell begeisterten Nachwuchs braucht, ist ein weiteres Projekt aus der Taufe gehoben worden. „TuSch – neue Horizonte für Theater und Schulen in Hamburg“ heißt es für 14 Hamburger Theater und 18 Hamburger Schulen, die sich innerhalb von zwei Jahren nahekommen. Spielfreude und Kreativität, aber auch Sozialkompetenz sollen dadurch geweckt und gestärkt werden – eine sinnvolle Idee angesichts der Tatsache, dass gerade das immer noch nicht zum schulischen Fächerkanon gehörende Theaterspiel Schülern die Chance bietet, anders und doch sie selbst zu sein.

Aber nicht nur im Bereich Theater und Fotografie, sondern auch in der Musik engagiert sich die Stiftung. Das zweijährige Stipendium „Internationales Opernstudio“ an der Hamburger Staatsoper gewährt eine Sängerausbildung „auf höchstem Niveau, engste Verbindung zur Praxis und die Chance, Kontakt zu renommierten Künstlern der Opernszene zu bekommen und mit ihnen zu arbeiten“. Initiativen wie „Körber Fonds ZukunftsMusik“ mit einem Volumen von 100.000 Euro sowie „Kunst und Kultur in der HafenCity“ dienen der Kulturvermittlung. So sprach die kanadische Schlagzeugerin Evelyne Glennie mit 200 Jugendlichen aus Hamburger Schulen und gab ihnen Einblicke in Generalproben und Workshops.

Gesellschaft sind wir alle
Neben so viel junger Kultur und Nachwuchsarbeit verliert die Körber-Stiftung auch Menschen mittleren oder höheren Alters nicht aus dem Blick. Das „BegegnungsCentrum Haus im Park“ im Hamburger Stadtteil Bergedorf führt im Prinzip das erfolgreiche Konzept der Mehrgenerationenhäuser fort, nur dass es sich auf Menschen zwischen 50 und 90 Jahren beschränkt. Viele Menschen ab 50 Jahren treten nach dem Auszug der Kinder und dem Ausklingen der Erwerbsarbeit in eine neue Lebensphase – und haben plötzlich viel mehr Zeit, die sie sinnvoll nutzen möchten. Dafür bietet das Begegnungshaus Akademien, Kurs- und Vortragsreihen, einen Theatersaal, ein Café, eine Praxis für Physiotherapie und ambulante Pflegeangebote. Die Betonung liegt auf Aktivität und Selbstbestimmung – aber auch auf Hilfe für andere. All dies schafft „einen in Deutschland einzigartigen Ort“: „Umgeben von alten Bäumen und doch von Licht durchflutet.“

Interkulturelle Begegnung ist ein weiterer Schwerpunkt der Stiftung. Schließlich bilden über sieben Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland einen wichtigen und aktiven Teil der Gesellschaft. In der „Initiative Bürgerstiftung“ sind Foren wie das „Netzwerk türkeistämmiger MandatsträgerInnen“ oder der „Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration“ versammelt. Im Sachverständigenrat bezieht ein unabhängiges Gremium Stellung zu Fragen der Integration und Migration, im Netzwerk widmen sich den gleichen Themen Mitglieder deutscher Kommunal- und Landesparlamente, des Bundestages oder des Europäischen Parlaments, die selber oder deren Familien aus der Türkei stammen.

Wer den interkulturellen Gemeinsinn in Hamburg besonders fördert, erhält die wohl kostbarste „Blume“ der Welt: Die „Hamburger Tulpe“ mit einem Preisgeld von 10.000 Euro ermutigt Projekte in der Hansestadt, die sich für ein besseres Miteinander von Hamburger Bürgerinnen und Bürgern mit und ohne Zuwanderungsgeschichte einsetzen, sei es in Jugendzentren, am Arbeitsplatz, in Sportvereinen, Schulen oder Kindergärten. Die Tulpe ist selbst eine Blume mit „Migrationshintergrund“, denn sie gelangte vor rund 450 Jahren im Gepäck eines europäischen Gesandten nach Westeuropa. Woher sie kam? Aus der Türkei.

Autor(in): Arndt Kremer
Kontakt zur Redaktion
Datum: 02.04.2009
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