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04. 12. 2008

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Versteckte Talente finden und entwickeln

Das Hauptschulprojekt der Randstad Stiftung

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Eine "Randstad-Patin" stellt das Projekt vor

Unter dem Titel „Du bist ein Talent“ wendet sich die Randstad Stiftung seit dem Sommer 2008 an Hauptschulen in Deutschland, um ihre Schülerinnen und Schüler im Rahmen mehrjähriger Patenschaften für den Arbeitsmarkt fit zu machen. „Wir wählen insbesondere Schulen aus, an denen der Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund sehr hoch ist“, berichtet Claudia Nies, die Leiterin des Projekts. Diese Kinder und Jugendlichen sind oft doppelt benachteiligt und verlassen die Schule vorzeitig oder mit schlechten Noten. „Mit Hilfe der Patenschaften sollen alle Schüler einen qualifizierten Hauptschulabschluss erreichen und im Anschluss an die Schule eine Ausbildungsstelle bekommen“, lautet das Ziel des Projekts.

Randstad zeigt gesellschaftliche Verantwortung
Entwickelt wurde das Konzept von der in Eschborn ansässigen Randstad Stiftung vor dem Hintergrund, dass vier von zehn Jugendlichen mit Hauptschul- beziehungsweise ganz ohne Abschluss auch zweieinhalb Jahre nach dem Verlassen der Schule keinen Ausbildungsplatz haben. Nach dem – Mitte Juni 2008 präsentierten – zweiten Nationalen Bildungsbericht hält die Wirtschaft jeden Vierten eines Jahrgangs für nicht ausbildungsfähig. Das will die Randstad Stiftung nicht ohne weiteres hinnehmen. Das Ziel der 2005 gegründeten Stiftung ist es, Beiträge zur Weiterentwicklung der Arbeitswelt in Deutschland zu leisten. Der „’Arbeits-Platz’ ist ein identitätsstiftendes Element für jeden einzelnen von uns – ein wichtiger Teil unseres ’Platzes’ im Leben“, so die Stiftung. Im Rahmen der firmeneigenen Strategie für die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung (Corporate Social Responsibility) will sie mit Projekten wie „Lernen im Job“ – ein Qualifizierungsprojekt für Beschäftigte von Zeitarbeitsfirmen – oder der Hauptschulpatenschaft diesen Veränderungsprozess begleiten und gestalten.

Talente entwickeln!
In dem Hauptschul-Projekt „Du bist ein Talent“ widmet sich die Stiftung unter dem Motto: „Versteckte Talente für Wirtschaft und Gesellschaft müssen nur gefunden und entwickelt werden“ in Form von mehrjährigen Patenschaften langfristig der Hauptschulproblematik. Sie erhofft sich dadurch, in den Klassen möglichst früh das Interesse an der Berufswelt zu wecken, Verständnis für diese herzustellen sowie Neigungen und Talente der Schüler zu erkennen und zu fördern. Die Abschlussquoten und die Berufsfähigkeit von Hauptschülern sollen sich deutlich verbessern. Begonnen hat das Projekt im Schuljahr 2008/2009 an acht Pilotschulen – der Gustav-Sieber-Schule in Tamm, der Hauptschule Obereschach bei Ravensburg, der Lerchenrainschule in Stuttgart, der Gesamthauptschule Bilderstöckchen in Köln, der Greenwich Schule in Berlin, der Erich Kästner-Schule in Augustdorf, der Haupt- und Realschule Allermöhe in Hamburg und der Schule am Hölkeskampring in Herne. Geplant sind Patenschaften an weiteren Schulen.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Randstad übernehmen Patenschaften
Ausgeführt wird die Patenschaft von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Niederlassungen Randstad Deutschland. Interessierte Niederlassungen schließen jeweils einen Kooperationsvertrag mit einer Schulklasse ab. Die Mitarbeiter stehen den Jugendlichen während des gesamten Projekts als feste Ansprechpartner zur Verfügung. „Sie finden eine hohe Akzeptanz bei den Jugendlichen, da sie im Gegensatz zu ihren Lehrern aus der Praxis kommen, den Markt gut kennen und das auch widerspiegeln. Das macht sie bei den Jugendlichen sehr glaubwürdig“, berichtet Claudia Nies nach den bisherigen Erfahrungen.

Über einen Zeitraum von drei Jahren, beginnend mit der 7. bzw. 8. Hauptschulklasse arbeiten die Mitarbeiter regelmäßig mit den Schülern zusammen. Randstad stellt alle erforderlichen Lehrmaterialien zur Verfügung. Pro Klasse sind insgesamt zwölf Lernmodule geplant, die speziell für die Bedürfnisse der Schüler entwickelt und inhaltlich mit den Schulen abgestimmt sind. Sie werden in zwei- bis dreimonatigem Rhythmus in den Räumlichkeiten der Schulen vermittelt. Dazu gehören zum Beispiel für eine siebte Klasse der spielerische Dialog über Traumjobs der Schüler und die Vorstellung der Berufe ihrer Eltern, der Besuch in der Lehrwerkstatt eines Bildungsträgers oder die Exkursion zu Unternehmen in der Region. Während der achten und neunten Klasse folgen die Vermittlung von Kenntnissen über Formen von Beschäftigungsverhältnissen, die Vermittlung von Praktikumsplätzen, ein Besuch der Agentur für Arbeit und des angeschlossenen Berufsinformationszentrums, Interviews mit Auszubildenden und Personalleitern aus Randstad-Kundenbetrieben sowie Bewerbungstrainings. In Form von Rollenspielen üben die Schülerinnen und Schüler Bewerbungsgespräche in der Schule ein. „Richtige“ Bewerbungsgespräche finden dann in den Niederlassungen von Randstad Deutschland statt. Die Personalleiter geben ihnen anschließend Feedback über ihr Auftreten, ihre Präsentationsform, ihre Fragestellungen, ihre Mappe und auch ihren Kleidungsstil. Ergänzt wird das Projekt durch einen Kompetenzpass, der die außerschulischen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler im Rahmen von Freiwilligenarbeit dokumentiert.

Andere Firmen sollen folgen
Am Ende der Patenschaften wird Randstad die Schüler bei der Suche nach Ausbildungsplätzen unterstützen. Das Zeitarbeitsunternehmen verfügt über ein ausgezeichnetes Netzwerk und hat Zugang zu allen Branchen. Die Betreuer helfen „ihren“ Schülern, Kontakte zu den Unternehmen zu knüpfen, und geben ihnen Tipps, wie sie den Ausbildungsplatz bekommen und halten können. „Die Ängste der Jugendlichen sind gerade in der Übergangszeit von der Schule zum Beruf sehr groß“, weiß Claudia Nies. Viele fühlen sich allein, wenn der Rückhalt zu Hause fehlt und die Geborgenheit der Schule wegfällt. „Wir begleiten sie deshalb auch während der Ausbildungszeit, damit sie diese nicht abbrechen.“

Die Patenschaften stoßen bei Lehrern, Eltern und Schülern auf eine große Resonanz. Gerade der Umstand, dass die Randstad Stiftung den Schülerinnen und Schülern langfristig unter die Arme greift, macht allen Mut auf einen gelungenen Abschluss. Nach einer erfolgreichen Umsetzung der Pilotprojekte will die Randstad Stiftung das Konzept auch dem Bundesverband Zeitarbeit (BZA) und weiteren Zeitarbeitsfirmen zur Durchführung anbieten.

Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 04.12.2008
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