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06. 11. 2006

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

"Auf zu neuen Ufern!"

Stiftung Bildung für Thüringen stellt sich vor

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Anette Morhard, Vorstandsmitglied der Stiftung Bildung für Thüringen

Bildung PLUS: Bildungsfragen stehen heute stärker denn je im Licht der Öffentlichkeit. Warum wurde die Stiftung Bildung für Thüringen gegründet, reichen die Anstrengungen der Arbeitsgemeinschaft SCHULEWIRTSCHAFT nicht aus?

Morhard: Die Stiftung Bildung für Thüringen wurde unter dem Dach der Thüringer Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände errichtet. Ziel ist es, die bereits seit 1990 ebenfalls vom Verband der Wirtschaft Thüringens e. V. initiierte Arbeit auf nachhaltige Füße zu stellen. SCHULEWIRTSCHAFT ist eine überwiegend ehrenamtliche Arbeit der Schul- und Wirtschaftsvertreter. Um Trainings für Schüler, Schülerfirmen, Wettbewerbe, Weiterbildungsangebote für Lehrer, Messen, Elternbildung etc. auf den Weg bringen zu können, bedarf es neben dem ehrenamtlichen Engagement auch Finanzmittel. Daher wollen wir im Zuge der private public partnership (PPP) betriebliches und privates finanzielles Engagement als Stiftungskapital sammeln und die Zinserträge zielgerichtet der Projektarbeit SCHULEWIRTSCHAFT zuführen.
Ende Oktober 2006 fand auf Bundesebene die Tagung der Bundesarbeitsgemeinschaft SCHULEWIRTSCHAFT statt. Das Ziel von SCHULEWIRTSCHAFT ist es, Schulen und Unternehmen zusammenzubringen. Getragen wird die Initiative von der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA) und dem Institut der Deutschen Wirtschaft (IW). Sie bringt jährlich bundesweit mehr als 22.000 Schul- und Unternehmensvertreter zusammen, denen es ein gemeinsames Anliegen ist, die Perspektiven der jungen Menschen zu verbessern. Dabei profitieren beide Partner von der Zusammenarbeit: Neben Praktika und Fortbildungen in den Unternehmen können die Lehrkräfte und Schulleiter auch von den betrieblichen Erfahrungen der Qualitätsentwicklung und der Personalführung profitieren. Die Unternehmen unterstützen die Schulen bei Managementfragen und nutzen die Zusammenarbeit auch für die Nachwuchsrekrutierung. Im Rahmen einer solchen Kooperation gewinnen beide Partner an Image und Know-how.

Bildung PLUS: Was soll mit der Stiftung erreicht werden?

Morhard: Das Motto "Auf zu neuen Ufern!" hat sowohl eine bildungs- als auch wirtschaftspolitische Komponente. Im Mittelpunkt steht die einzelne Schülerin, der einzelne Schüler. Wir wollen jungen Menschen Wege eröffnen, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden.
Daher liegt es nahe, dass wir uns dem Thema Technikbildung im Kindergarten widmen wollen, um die Technikbegeisterung und -faszination von Kindern auszuprägen und zu erhalten. Als "Abnehmer" von Schule sind die Wirtschaftsunternehmer mehr denn je daran interessiert, gut auf die Berufswahl vorbereitete junge Menschen als zukünftige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden. Daher wollen wir diesen Prozess an den Schulen, aber auch in den Unternehmen begleiten und den Fachkräftebedarf der Thüringer Wirtschaft decken helfen. Unternehmergeist in die Köpfe zu tragen, ist der dritte Arbeitsschwerpunkt. Wir wollen die vorhandene Unterstützungsstruktur für Schülerfirmen in Thüringen mit JUNIOR weiter ausbauen.

Bildung PLUS: Die beiden Förderschwerpunkte - frühkindliche Bildung und die engere Zusammenarbeit von Schule und Wirtschaft - liegen zeitlich doch ziemlich auseinander. Welchen Zusammenhang sehen Sie?

Morhard: Um die Technikvermittlung in der Schule zu verbessern, muss man bereits in der frühkindlichen Bildung beginnen. Im Kindergarten kann die Freude am Experimentieren genutzt werden, um technisches Verständnis zu wecken. Dass das Thema von großen Unternehmen lange bearbeitet wird, zeigen die Engagements der Firmen Bosch, Trumpf und Voith, die z. B. in Baden-Württemberg mit Kindergärten kooperieren. Auch die Firma Siemens AG will mit den Forscherkisten Vorschulkindern die Möglichkeit geben, ihre Neugierde spielerisch zu stillen, ihre Entdeckungsfreude zu stärken und so die faszinierende Welt der Technik und Naturwissenschaft selbst zu erforschen. Wir haben für unsere Arbeit in den Kindertagesstätten zwei Forscherkisten erhalten.
SCHULEWIRTSCHAFT Thüringen spricht sich seit vielen Jahren für eine breitere Bildung auf den Gebieten Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) und ökonomische Bildung aus. Daher begrüßen wir die neuen Fächer an der Regelschule: Wirtschaft, Recht, Technik (WRT) sowie Natur und Technik. Besondere Bedeutung kommt dem WRT-Unterricht mit seinem Beitrag zur Berufsorientierung und -wahlvorbereitung, einschließlich Betriebspraktikum und -erkundung zu.

Bildung PLUS: Für die Umsetzung braucht man nicht nur engagierte, sondern auch entsprechend qualifizierte Erzieherinnen und Erzieher. Wie kann die Stiftung dazu beitragen, diese für die neuen Aufgaben fit zu machen?

Morhard: In Thüringen wird im kommenden Jahr der Bildungsplan bis 10 Jahre erprobt, der gerade von einem Professorenteam erarbeitet wurde. Unser Ziel ist es, die Erfahrungen mit der Technikbildung in Kitas und Schulen stärker dort zu implementieren und gerne auch die erprobten Experimente in einer Lehrerhandreichung aufzuarbeiten. Wir gehen davon aus, dass das Thüringer Lehrerfortbildungsinstitut (ThILLM) entsprechende Angebote für alle pädagogischen Fachkräfte anbieten wird.

Bildung PLUS: Gemeinnützige Stiftungen brauchen Unterstützung und Sponsoren. Wer engagiert sich schon jetzt besonders für die Stiftung Bildung für Thüringen und wo soll weitere Unterstützung herkommen?

Morhard: Wir haben nach der Auftaktveranstaltung "Auf zu neuen Ufern" bereits viel Echo erhalten. Unsere Unterstützungsstruktur setzt sich aus den Botschafterinnen und Botschaftern zusammen. Der Thüringer Kultusminister Prof. Dr. Jens Goebel hat zur Auftaktveranstaltung die Botschafterwürde angenommen und weitere Persönlichkeiten sind dazugestoßen. Der Förder- und Freundeskreis wird mithelfen, die wirtschaftliche Basis der Stiftung zu vergrößern. Wir haben sowohl private Mitgliedschaften als auch Firmen. Daneben gibt es eine Sponsorenstruktur, die sich mit Einzelaktivitäten beteiligt. Gerne sind wir für weitere "Mittäter" aufgeschlossen.

Anette Morhard war von 1987 bis 1990 Pädagogische Mitarbeiterin und Projektleiterin im Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft e.V. Danach arbeitete sie als Geschäftsführerin beim Aufbau des Bildungswerkes der Thüringer Wirtschaft e.V. Seit 1993 übernahm Anette Morhard zusätzlich die Geschäftsführung der Landesarbeitsgemeinschaft SCHULEWIRTSCHAFT Thüringen sowie der Abteilung Bildungspolitik des Verbandes der Metall- und Elektro-Industrie e.V. und des Verbandes der Thüringer Wirtschaft e.V.

Autor(in): Ursula Münch
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Datum: 06.11.2006
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