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03. 11. 2003

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

"Bildung ist wertvoll, nutzt eure Chance!"

Die gemeinnützige Hertie-Stiftung ermöglicht begabten und engagierten Zuwandererkindern eine erfolgreiche Bildungskarriere

Lesen Sie heute die Berichte von Sonia Sandhu, Arsalan Moradi und Alexandra Ganceva:

Sonia Sandhu kommt aus Pakistan
Ich halte es für unmöglich, dass man sich ohne Schwierigkeiten in eine andere Kultur integrieren kann. Wenn man bedenkt, wie schwierig es schon ist, von einer Stadt in eine andere zu ziehen: neue Freunde suchen, neue Schule, neue Nachbarn, fremder Ort. Auf Länder oder gar Kontinente bezogen, ist so ein Umzug natürlich mit noch mehr Schwierigkeiten verbunden, zumal fremde Sitten und Bräuche, Klima, Religion, Sprache etc. dazukommen.

Mit der Sprache hatte ich am Anfang ein wenig zu kämpfen. Trotzdem kann ich von mir sagen, dass das Einwandern von Asien nach Europa und nach Deutschland mir keine großen Probleme bereitet hat. Das liegt daran, dass meine Eltern es für wichtig halten, sich der neuen Kultur anzupassen, was nicht automatisch heißt, die eigene zu vergessen.

Mit der Akzeptanz hatte ich keinerlei Probleme, im Gegenteil: Ich wurde und werde in Deutschland nicht nur akzeptiert, sondern auch respektiert. Zum größten Teil liegt das natürlich an meinen schulischen Leistungen, aber auch daran, dass ich sehr "integrationswillig" bin. Ich versuche mich so gut es geht, der neuen Kultur anzupassen. Dabei muss ich jedoch betonen, dass ich meine nicht deutsche Herkunft auf keinen Fall als Defizit verstehe, sondern als Bereicherung für mich selbst. Dieses "Anderssein" gab mir die Gelegenheit, das Leben besser zu verstehen. Meine Perspektive, die Welt zu betrachten, ist sicherlich eine andere als die von demjenigen, der nur eine kennt und dadurch keine Vergleichsmöglichkeit hat.
Durch die Kenntnis zweier Kulturen weiß ich genau, wie bedeutsam und wichtig Bildung ist. In meinem Herkunftsland ist Bildung keine Selbstverständlichkeit, umso dankbarer nehme ich in Deutschland das Angebot von Bildung entgegen. Ich möchte dem Land wiedergeben, was ich erhalten habe, indem ich in der Zukunft einen wichtigen Platz in der Gesellschaft einnehme und für die Jugend als Vorbild vorangehe. Das Start-Stipendium wird mir dabei eine wichtige Hilfe sein: Es ist die Brücke zu meinem Ziel.

Wenn ich Jugendlichen einen Rat geben sollte, würde ich sowohl deutschen als auch Zuwandererkindern dasselbe empfehlen: Bildung ist wertvoll, schätzt und nutzt eure Chance und ihr bekommt, wonach alle streben: Wissen, Respekt und Wohlstand!

Arsalan Moradi, 17 Jahre, kommt aus dem Iran
Ich kam nach Deutschland ohne die geringsten Deutschkenntnisse und das war eines meiner größten Probleme. Am wichtigsten für eine gute Intergration ist meiner Meinung nach das Beherschen der Sprache.

Neben der Sprache gibt es aber auch kulturelle Unterschiede, die zwischen Europäern und Asiaten sehr groß sind. Natürlich spielt das auf dem Weg zu einer gelungenen Intergration ebenfalls eine große Rolle.

Ich sehe mein "Anderssein" hier in Deutschland vor allem als eine Bereicherung für ich mich selbst, aber auch für andere. Die Welt wird immer kleiner und die Menschen kommen sich näher. Wenn die Menschen die Kulturen anderer kennenlernen, verstehen sie sich auch besser und die Beziehungen zwischen ihnen verbessern sich. Da ich in zwei verschiedenen Kulturen aufgewachsen bin und sie gut kenne, sehe ich mich als eine Verbindung zwischen ihnen und versuche, sie einander näher zu bringen.

Auf diesem Weg unterstützt mich in erster Linie die Hertie-Stiftung. Das Start-Programm hilft mir immer da, wo meine Eltern wegen mangelnder Deutschkentnisse und finanzieller Probleme nicht helfen können. Das START-Programm dient nicht nur dazu, dass ich erfolgreich meinen Weg gehe, sondern auch dazu, andere Emigrantenkinder mit nach oben zu ziehen und ihnen zu helfen. Das Programm der Hertie-Stiftung ist also nicht nur eine "individuelle" Lösung. Ich habe eine Vorbildfunktion für alle ausländischen Schüler in meiner Umgebung. Damit sie sehen, dass es auch anders geht und sie motiviert werden zu lernen, um sich für einen gehobenen Bildungsweg entscheiden zu können.

Natürlich reicht das aber nicht, um allen zu helfen, da immer mehr Familien nach Deutschland einwandern. Das deutsche Bildungswesen sollte sich darauf einstellen, was bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht erfolgt ist. Die meisten nicht deutschsprachigen Schüler haben große Probleme im Fach Deutsch. Ich durfte zum Beispiel drei Jahre lang nicht auf ein Gymnasium wechseln, da meine Deutschkenntnisse nicht ausreichten. Aber geholfen haben mir weder die Lehrer noch die Schule, meine Sprachkenntnisse zu verbessern. Mir wurden immer nur meine Schwächen in Ausdruck und Grammatik aufgezeigt. Daher meine ich, um gezielt Sprachprobleme zu beseitigen, müssten für nicht deutschsprachige Schüler Deutschkurse in der Schule eingerichtet werden. Man sollte sie nicht alleine lassen, sondern zusammen mit ihnen die Defizite aufarbeiten. Andererseits muss auch die Gesellschaft lernen, Menschen zu akzeptieren, die mangelnde Deutschkenntnisse besitzen.

Mein Rat an ausländische Schüler: Lasst die Köpfe nicht hängen, setzt euch ein Ziel und versucht es mit allen Mitteln zu erreichen. Lernt die Sprache sehr gut und zeigt, das ihr nichts ANDERES seid als alle anderen.

Alexandra Ganceva, 17 Jahre
Vor 2 Jahren bin ich aus Moldawien nach Deutschland gekommen. Damals konnte ich noch kein Deutsch und habe es sehr intensiv und fleißig gelernt. Heute erinnere ich mich noch daran, wie ich beispielsweise jedes Wort aus dem Geschichtsbuch übersetzt und gelernt habe, um mich für den Unterricht vorzubereiten. Dabei haben mir auch meine Kenntnisse der vier anderen Sprachen geholfen - Russisch als meine Muttersprache; Rumänisch, die Amtssprache von Moldawien, sowie Englisch und Französisch, die ich in der Schule gelernt habe.

Mein Ziel war zu zeigen, dass ich zurecht sofort in die Klasse 10 des Gymnasialzweigs aufgenommen wurde, ohne eine Klasse zu wiederholen. Meine Eltern, der Schulleiter und meine Lehrer haben in mich Hoffnungen gesetzt, an mich geglaubt und ich wollte sie auf keinen Fall enttäuschen. Zurzeit besuche ich die 12. Klasse des Burggymnasiums Friedberg. Ich bin allen meinen Lehrern sehr dankbar, die mich immer unterstützt und aufgemuntert haben.

Um mich in eine andere Gesellschaft zu integrieren, hat mir der Glaube geholfen, dass alle Menschen derselben Natur sind, egal, welche Sprache sie sprechen und woher sie kommen. Natürlich gibt es tief greifende kulturelle Unterschiede, die uns aber nicht hindern sollen, das zu sehen, was allen Menschen gemeinsam ist. Freundlichkeit und Offenheit versteht jeder.

Die kulturellen Unterschiede, die Migrantinnen und Migranten in ein anderes Land mitbringen, sind für alle Bereicherung. In diesem Zusammenhang möchte ich Hermann Hesse zitieren:
"Unser Ziel ist, einander zu erkennen und einer im anderen das zu sehen und ehren zu lernen, was er ist; des anderen Gegenstück und Ergänzung."

Ich möchte der Hertie-Stiftung für das START-Stipendienprogramm meinen herzlichen Dank sagen. Die Aufnahme in dieses Programm bedeutet Annerkennung meiner Leistungen, dass man an mich glaubt und mir eine bessere Zukunft wünscht und ist der Beweis dafür, dass Bildung einem Türen öffnet.

Nur durch die Bildung können wir verstehen, dass die Geschichte der Menschheit unsere eigene Geschichte ist, und dass wir nicht zufällig auf diesem Planeten sind.

Ich finde es sehr schade, dass der Wunsch zu lernen, das Bedürfnis nach neuem Wissen und die Begeisterung, Neues zu erfahren, heute bei vielen Jugendlichen fehlen. Dabei gehen die Fähigkeiten und Möglichkeiten, die in jedem von uns verborgen sind, verloren. Die Reformen müssen in erster Linie in den Köpfen stattfinden. Jeder von uns hat ein bestimmtes Talent, eine wunderbare Gabe tief in seinem Inneren, die er entdecken soll.

Man soll sich große Ziele setzen, fest glauben, sie erreichen zu können und bereit sein, hart dafür zu arbeiten. Je größer das Endziel ist, desto größer ist das, was man tatsächlich erreichen wird. Dabei ist es wichtig, an die Konsequenzen seiner Taten zu denken, nicht egoistisch sein. Die Zukunft der Welt liegt in unseren Händen! "Mensch sein heißt verantwortlich sein, heißt sich dessen bewusst sein, dass man mit seinem Stein zum Weltgebäude beiträgt."(Antoine de Saint-Exupéry)

Autor(in): Ursula Münch
Kontakt zur Redaktion
Datum: 03.11.2003
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