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08. 11. 2002

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

Hoffnung durch „selbstständige Schulen“

Die Luft an „selbstständigen Schulen“ macht freier – und besser?

Bild

Schulfenster mit Zimmerpflanze

In Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und in Bayern starten 2002 und 2003 Modellprojekte, die mit so genannten "selbstständigen Schulen" den Unterricht verbessern sollen. Deutschland soll in der Rangliste der besten Bildungsnationen ganz weit nach vorne kommen. Die Kultusministerien und die Schulen unternehmen in diesen Tagen einen wohl einmaligen Kraftakt, den Unterricht bundesweit zu verbessern. "Selbstständige Schulen" sind administrativ unabhängiger als zuvor, sie haben die Verantwortung über Budget und Personal, sind rechenschaftspflichtig und öffnen sich für Kooperationen mit anderen Schulen und Organisationen.

Die Schulentwicklung wird stets mit der Verbesserung der Unterrichtsqualität in Verbindung gebracht, nicht mit mehr Demokratie. In Zusammenhang mit dem Projekt "Selbstständige Schule" wird das "Lernziel Demokratie" kaum erwähnt. Vorrang hat die Autonomie im Sinne der Befreiung der Schule von der staatlichen Bürokratie. Dadurch wird die Bürokratie entlastet. Wird das "Lernziel Demokratie" eher als nebensächlich abgetan?

Hildegard Hamm-Brücher hat die Vernachlässigung demokratischer Erziehung schon in den sechziger Jahren beobachtet. In einem Beitrag der Süddeutschen Zeitung vom 2.4.2002 fordert die liberale Politikerin: "Die Schule muss auch zur demokratischen Teilhabe befähigen." Die "demokratische Bildung und Erziehung" sei viel zu lange vernachlässigt worden. Erst seit die rechtsextremen Gewaltanschläge von Jugendliche in den neunziger Jahren zugenommen hätten, sei das Defizit im deutschen Bildungswesen von den Politikern ernst genommen worden. Doch ein Konsens über den Vorrang demokratischer Erziehungsziele fehle noch immer. Für Hamm-Brücher steht nicht nur Deutschlands Spitzenposition im internationalen Bildungsvergleich auf dem Spiel, sondern auf lange Sicht die Existenz der Demokratie.

Die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung hat im Oktober 2001 ein Gutachten veröffentlicht: "Demokratie lernen und leben".
Prof. Wolfgang Edelstein und Prof. Peter Fauser zeichnen in dieser Schrift Wege auf, die schulische Praxis tiefgreifend zu verbessern: "Ihre Aufgabe besteht darin, Lernen zu ermöglichen, das die Ausbildung von kritischer Loyalität und demokratischer Handlungskompetenz zum Ziel hat". Die Schüler und alle Beteiligten im Kreis der Schule müssten sich die Schule in dem Sinne aneignen, dass es "ihre Schule" ist, in der sie lernen und leben. Die Schule soll nicht nur administrativ selbstständig sein, sondern auch inhaltlich: "Das Ziel ist, für die einzelne Schule eine republikanische Verfassung zu entwickeln." Gegenwärtig werden die Erkenntnisse der Studie an Modellschulen in die schulische Praxis übersetzt.

Das BLK-Programm "Demokratie lernen und leben" ist am 1.4.2002 gestartet und läuft mittlerweile in 12 Bundesländern. Das Programm dauert fünf Jahre. Ziel ist es, nach einer Phase der Auswertung, die guten Erfahrungen auf alle Regelschulen in Deutschland zu übertragen. Christiane Giese, die Vertreterin der Koordinierungsstelle, freut sich über die Resonanz in der Startphase: "Wir haben großes Interesse festgestellt. Wir sehen sehr, sehr viele Ressourcen in den Schulen, die sich jetzt beworben haben."

Auch das Forum Bildung hat 2001 in seinen Empfehlungen unterstrichen, wie wichtig Demokratie in Schulen ist: "Kinder und Jugendliche müssen früh Gelegenheit erhalten, Verantwortung zu übernehmen und Demokratie zu erleben; sie sollten dabei auch lernen, die Konsequenzen für ihr eigenes Handeln zu tragen". Die Bildungseinrichtungen müssen deshalb die Gelegenheit schaffen, Werte zu erleben, zu erfahren und zu reflektieren - bei der Gestaltung des ganzen Lernumfeldes und im Unterricht.

Bildung PLUS beginnt mit diesem Beitrag eine Serie rund um das neue Pflänzchen "selbstständige Schulen". Mit Projekten wie "selbstständige Schule" in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen und "MODUS21" in Bayern erproben die Länder, wie mehr Autonomie im Schulalltag funktioniert.

In Interviews und Hintergrundberichten informiert Bildung PLUS in den nächsten Wochen über die Entwicklung der "selbständigen Schulen".

Autor(in): Arnd Zickgraf
Kontakt zur Redaktion
Datum: 08.11.2002
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