"Wissenschaft ist eher an Wahrheit, Praxis eher am Gelingen orientiert"
Ein Gespräch zu Forschung und Transfer in der Inklusiven Bildung
Diese Podcast-Folge eröffnet eine Reihe zum Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse zu inklusiver Bildung. Wir sprechen mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus fünf Projekten der BMBFSFJ-Förderlinien zur Inklusiven Bildung über ihre Forschungsergebnisse und wie sie in der praktischen Arbeit in Kita und Schule umgesetzt werden können. Begleitet werden die Förderlinien vom Metavorhaben für Inklusive Bildung (MInkBi).
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Schlagwörter
Bildungsforschung, Förderdiagnostik, Inklusion (Soziologie), Inklusive Pädagogik, Podcast, MINKBI, Metavorhaben Inklusive Bildung, Inklusive Bildung,
| Art des Podcasts | Forschungstransfer |
|---|---|
| Autor des Podcasts | Christine Schumann |
| Bildungsbereich | Kindertageseinrichtungen / Tagespflege; Vorschule; Grundschule; Sonderschule / Behindertenpädagogik |
| Laufzeit | 00:29:40 |
| Tag der Aufnahme | 21.01.2026 |
| Rechte | CC-by-nc-sa, Namensnennung, nicht kommerziell, Weitergabe unter gleichen Bedingungen |
| Letzte Änderung am | 2026-01-26 09:39:58 |
Zum Auftakt spricht Christine Schumann mit Prof. Dr. Dieter Katzenbach und Julia Kett-Hauser von der Johann Wolfgang Goethe Universität in Frankfurt/M. über das Metavorhaben und darüber, warum wissenschaftliche Erkenntnisse nur selten in den Bildungsalltag gelangen, obwohl viele Forscherinnen und Forscher das Thema mit großem Engagement vorantreiben. Und warum die Ursachen nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch in der Bildungspraxis liegen – und was sich ändern muss.
Dieter Katzenbach ist in der Projektleitung des Metavorhabens Inklusion, Julia Kett-Hauser wissenschaftliche Mitarbeiterin.
Lesefassung
(Von AI Companion stark zusammengefasste Transkription)
Herzlich willkommen bei Bildung auf die Ohren. Wir sprechen heute über den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse zur inklusiven Bildung. Zu Gast sind Prof. Dr. Dieter Katzenbach und Julia Kett Hauser aus dem Metavorhaben Inklusive Bildung, kurz: MInkBi.
Mögen Sie sich kurz vorstellen?
Dieter Katzenbach: Ich bin Professor für Sonderpädagogik an der Goethe Universität Frankfurt und beschäftige mich seit vielen Jahren mit Integration und Inklusion, besonders im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung.
Julia Kett-Hauser: Ich bin seit 2024 wissenschaftliche Mitarbeiterin im MInkBi-Projekt und finde vor allem die Einblicke in die vielfältige Inklusionsforschung und den Austausch mit Praxisakteuren spannend.
Metavorhaben Inklusive Bildung
- Metavorhaben Inklusive Bildung, angesiedelt am Institut für Sonderpädagogik der Goethe-Universität
- Übersicht Projekte
- Informations- und Vernetzungsstelle Inklusion (IVI)
- Transfer-Foren 2025
- "QfI - Qualifizierung für Inklusion". Die im Rahmen von MInkBI gegründete Zeitschrift wird ab 2026 an der Universität Münster weitergeführt - mit erweitertem Fokus "Schule - Bildung - Inklusion. Zeitschrift für Qualifizierung und Transformation"
Was ist das Metavorhaben Inklusive Bildung?
Dieter Katzenbach: Das BMBF hat zwei Förderlinien zur inklusiven Bildung aufgelegt – zur Qualifizierung pädagogischer Fachkräfte und zur förderbezogenen Diagnostik. Insgesamt wurden 66 Projekte gefördert.
Das Metavorhaben sollte diese Projekte vernetzen, ihre Ergebnisse bündeln, wissenschaftlich einordnen und beim Transfer unterstützen. Transfer war ein Schwerpunkt, weil Forschungsergebnisse oft schwer in der Praxis ankommen.
Wie sind Sie das Thema Transfer im Metavorhaben Inklusive Bildung angegangen?
Julia Kett-Hauser: Zunächst gab es eine Bestandsaufnahme und Workshops zur Unterstützung der Projekte. Dann haben wir eigene Transferangebote entwickelt:
- eine zentrale Website für Projekte und Transferprodukte,
- Newsletter und Social Media für breitere Zielgruppen,
- die Zeitschrift QfI – "Qualifizierung für Inklusion", die ab 2026 als "Schule - Bildung - Inklusion. Zeitschrift für Qualifizierung und Transformation" weitergeführt wird.
Wir haben außerdem ein Information Brokerage-Konzept adaptiert: Informationen sollen gesammelt, aufbereitet und zielgruppengerecht zur Verfügung gestellt werden. Daraus entstand die Inklusions- und Vernetzungsstelle Inklusion (IVI).
Zu den Transferforen 2025
Julia Kett-Hauser: Wir wollten gezielt Wissenschaft und Praxis zusammenbringen und haben kleine, thematische Online Runden durchgeführt (z. B. Mathematik, Elementarpädagogik). Die Gruppen waren bewusst klein, damit ein intensiver Austausch möglich wird. Erste Rückmeldungen zeigen, dass viele Teilnehmende Anregungen für ihre Praxis mitnehmen konnten.
Inklusion beim Deutschen Bildungsserver
Worauf kommt es beim Transfer inklusiver Bildung besonders an?
Dieter Katzenbach:
Erstens: Die Motivation in den Forschungsprojekten war unerwartet hoch.
Zweitens: Die strukturellen Probleme des Transfers liegen nicht nur bei der Wissenschaft. Auch in der Praxis fehlen gut ausgebaute Infrastrukturen, klare Zuständigkeiten und Übersicht über Materialien.
Drittens: Schulen sind institutionell oft wenig lernbereit – aus Überlastung oder organisatorischen Gründen.
Viertens: Transfer ist aufwendig und braucht Zeit, Ressourcen und Kontinuität. Dreijährige Förderzyklen reichen dafür nicht.
Ergänzungen aus der Koordination
Julia Kett-Hauser: Wichtig ist der Aufbau verlässlicher Kontakte in Landesinstituten, Ministerien und Praxisfeldern.
Zudem braucht Transfer Fachwissen: Produkte lassen sich nicht „einfach so“ weitergeben, sondern müssen von Personen vermittelt werden, die sie inhaltlich wirklich verstehen.
Wie geht es nach Ende der Förderrichtlinie weiter?
Julia Kett-Hauser: Die IVI war an das Metavorhaben gebunden. Nach Projektende 2026 bleibt zunächst nur das Web Angebot bestehen.
Es gibt aber eine neue dritte Förderphase – diesmal explizit zum Transfer. Dort werden einige Projekte aus der MInkBI Zeit weiterarbeiten. Ein neues Metavorhaben ist im Rahmen dieser Förderlinie jedoch nicht vorgesehen.
Fazit nach zwei Förderphasen
Dieter Katzenbach: Die Förderlinien haben viele wertvolle Konzepte, Diagnostikansätze und Qualifizierungsmodelle auch für den internationalen Diskurs um inklusive Bildung hervorgebracht. Wichtige Aspekte dabei sind:
- das Zusammenspiel kompetenzorientierter und strukturtheoretischer Professionalisierungsmodelle,
- ein breites Diagnostikverständnis, das neben Personen auch Lernumgebungen und Barrieren in den Blick nimmt.
Beim Transfer bleibt weiterhin viel zu tun.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Dieter Katzenbach:
- stabile, langfristige Strukturen: zentrale Wissensplattformen und regionale Kooperationen zwischen Unis und Schulen,
- realistische Erwartungen an die Wirkung von Forschung – Erkenntnisse „sickern“ eher, statt Probleme sofort zu lösen,
- mehr gesellschaftliche und politische Priorität für Inklusion.
Vielen Dank für diese Einblicke und das Gespräch – und viel Erfolg für die nächste Förderphase.
Dieter Katzenbach & Julia Kett-Hauser: Dankeschön.
Seit 2026 ist am Fachbereich Erziehungswissenschaft der Goethe Universität der neue DFG-Sonderforschungsbereich [in:just] zum Themenkomplex "Inklusion - Anerkennung - Gerechtigkeit. Teilnahme und Teilhabe in Prozessen des Aufwachsens" angesiedelt. Beteiligt sind die Universitäten Bayreuth, Erlangen-Nürnberg, Flensburg, Luxemburg, Mainz, Eichstätt-Ingolstadt sowie die Humboldt-Universität zu Berlin.
Kooperationen bestehen zum Institut für Sozialforschung (IfS), Center for Critical Computational Studies (C3S) und zum DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation.