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Literacyförderung in der Kita: „Für Diagnostik bleibt im Kindergartenalltag keine Zeit.“

Interview mit Prof. Dr. Tanja Jungmann und Frau Sarah Theres Wandel von der Universität Oldenburg über das Projekt EuLe-F

In dieser Folge der Podcast-Reihe „Bildungsforschung für die Bildungspraxis“ spricht unsere Redakteurin Dr. Caroline Hartmann mit Prof. Dr. Tanja Jungmann und Frau Sarah Theres Wandel von der Universität Oldenburg über ihr Projekt EuLe-F.

Das Projekt zielt darauf ab, die diagnosegeleitete und evidenzbasierte Literacyförderung im Elementar- und Primarbereich zu verbessern. Auf dieser Grundlage werden adaptive Förderangebote für die Bereiche Erzählkompetenzen, Schriftwissen, Phonologische Bewusstheit, Wortbewusstheit, Schriftbewusstheit und Buchstabenkenntnis entwickelt.

Die Podcast-Folge erscheint in Kooperation mit dem Metavorhaben Inklusion.

Podcast abspielen:

Schlagwörter

Diagnostik, Diagnostisches Verfahren, Elementarbereich, Förderung, Förderungsmaßnahme, Inklusion (Soziologie), Lesekompetenz, Sprachförderung, Sprachkompetenz, Sprachunterricht, Übergang Vorschulstufe - Primarstufe, Podcast MInkBi,

Art des Podcasts Forschungstransfer
Autor des Podcasts Dr. Caroline Hartmann
Bildungsbereich Vorschule; Grundschule
Laufzeit 00:19:44
Tag der Aufnahme 12.03.2026
Rechte CC-by-sa, Namensnennung, Weitergabe unter gleichen Bedingungen
Letzte Änderung am 2026-03-17 16:16:15

Lesefassung

(Von AI Companion stark zusammengefasste Transkription)

Caroline Hartmann: Willkommen bei Bildung auf die Ohren. Heute spreche ich mit Prof. Dr. Tanja Jungmann und Sarah-Theres Wandel von der Universität Oldenburg über das Projekt EuLe-F. Frau Prof. Jungmann, bitte stellen Sie sich kurz vor.

Tanja Jungmann: Ich bin seit 2020 an der Universität Oldenburg im Bereich Sprache und Kommunikation. Unsere Schwerpunkte sind sprachliche Bildung, Sprachförderung und -diagnostik sowie Early Literacy in verschiedenen Bildungsinstitutionen. Gemeinsam mit der Universität Rostock arbeiten wir im Verbundprojekt EULE-F, das beim BMBFSFJ verortet ist. Wir haben eine App zur Erfassung früher Literacy-Kompetenzen entwickelt und dazu passende Fördermaterialien.

Caroline Hartmann: Frau Wandel, wie sind Sie zu EULE-F gekommen und was ist Ihre Aufgabe?

Theres Wandel: Ich promoviere seit 2023 zu Early Literacy und zur Professionalisierung pädagogischer Fachkräfte in der Fachgruppe von Tanja Jungmann. Im EULE-F-Projekt war ich für die formative Evaluation verantwortlich, habe Interviews mit Fachkräften geführt und ausgewertet.

Literacyförderung im Elementar- und Primarbereich: Vom Papier zur App - EULE-F macht Diagnostik kindgerecht

Caroline Hartmann: Frau Prof. Jungmann, wie entstand die EULE-F-App und wie funktioniert sie?

Tanja Jungmann: Zunächst haben wir mit Dr. Marlene Meindl den EULE 4–5 als Paper-Pencil-Statusdiagnostik entwickelt. Der Einsatz erwies sich für das Personal im Kita-Alltag als etwas sperrig und es selbst konnte daraus keine klaren Förderableitungen treffen. Deshalb haben wir eine kindgerechte, alltagsnahe App konzipiert, die Kinder weitgehend selbst bearbeiten können – mit kurzer Bearbeitungszeit und einer motivierenden Eulen-Rahmenhandlung. Die Kinder wählen einen Eulen-Avatar und durchlaufen Aufgaben; am Ende entsteht ein Early-Literacy-Profil mit Hinweisen zu Stärken und Förderbedarfen zur Vorbereitung auf die Schule. Dazu gibt es passende Fördermaterialien: Die Eulen-Rahmenhandlung wurde in eine Förderlandkarte überführt. Die erwachsene Eule und drei Eulenkinder erkunden die Euleninsel und Aspekte von Schrift und Schriftsprache. Förderbereiche sind Schriftwissen, Schriftbewusstheit, Wortbewusstheit, phonologische Bewusstheit, Buchstabenkenntnis und Erzählkompetenz. Dazu gehören Impulskarten für die Raumgestaltung und viele Spielekarten für typische Kita-Situationen (Erzählkreis, Mahlzeiten, Basteln, Musik, Freispiel). Ziel ist, gezielt an ermittelten Schwächen zu arbeiten – mit ausgewiesenen Schwierigkeitsgraden und Variationsmöglichkeiten, die Fachkräfte kreativ weiterentwickeln können.

Sprachförderung in der Kita: Anspruch trifft Alltag - Diagnostik unter Zeitdruck

Caroline Hartmann: Frau Wandel, wie lief die Zusammenarbeit und welche Rückmeldungen gab es?

Tanja Jungmann: Ich habe mit vielen sehr engagierten Fachkräften gesprochen, die die Entwicklung der Kinder im Blick haben und den Förderbedarf sehen – vor dem Hintergrund allgemeiner Trends (schwächere Basiskompetenzen bei Erstklässlerinnen und Erstklässlern, nachlassende literale Kompetenzen bei Viertklässlerinnen und Viertklässlern). Zur diagnostikbasierten Förderung ist das Bild jedoch ernüchternd: Diagnostik hat im KiGa-Alltag einen geringen Stellenwert, u. a. wegen Ressourcenproblemen (1:1-Setting, Zeitaufwand für Durchführung und Auswertung, Einarbeitung, geringe Kinderakzeptanz). Sie dient oft eher der Elternrückmeldung als der Ableitung von Förderung. Beim Einsatz unserer Materialien gab es eine große Spannbreite: Manche Einrichtungen nutzten sie wenig (fehlende Vorbereitungszeit, Zweifel an Passung für heterogene Gruppen), andere regelmäßig mit überwiegend positiver Resonanz (gute Struktur, differenzierbare Schwierigkeitsgrade, hohe Spielfreude, erfolgreiche selbst hergestellte Spiele). Kritik betraf teils unpassende Gruppengrößenangaben, die angepasst wurden. Wichtig: Keine Einrichtung nutzte die Förderung auf Basis der Early-Literacy-Profile aus der App; die diagnostischen Informationen wurden nicht aufgegriffen – erklärbar angesichts des geringen Stellenwerts von Diagnostik, in der Deutlichkeit aber überraschend.

Caroline Hartmann: Konnten App und Fördermaterialien die Kompetenzen der Kinder verbessern? Wie sind Sie vorgegangen?

Tanja Jungmann: Geplant waren zwei Phasen: In Phase 1 Entwicklung und Prüfung der App (Reliabilität, Validität), in Phase 2 ein Prä-Post-Design mit mindestens sechs Monaten Förderung und Schulungen für die Fachkräfte. Wegen fehlender Ressourcen in den Einrichtungen mussten wir umplanen: Bereits in Phase 1 führten wir einen Posttest ohne Intervention durch; in Phase 2 konnten wir letztlich nur mit 70 Kindern aus drei Einrichtungen über drei Monate fördern.

Längsschnittlich zeigen sich altersbedingte Zuwächse. In Phase 2 sehen wir deutliche Verbesserungen in Schriftwissen, Schriftbewusstheit, Buchstabenkenntnis und auch in der phonologischen Bewusstheit. Letztere wird aber ohnehin häufig gefördert, weshalb sich zwischen Phase 1 und 2 keine klaren Unterschiede zeigen; bei Schriftwissen und Schriftbewusstheit schon. Buchstabenkenntnis lässt sich leicht anregen. Insgesamt: Die Effektstärken und die Variabilität deuten auf eine gemischte Befundlage hin.

Förderangebote in der Kita: Jetzt ausprobieren - EULE-F-App und OER zum Download

Caroline Hartmann: Wie machen Sie die App außerhalb des Projekts zugänglich?

Tanja Jungmann: Eine funktionstüchtige Version ist im Download-Bereich unserer Projekt-Homepage zu finden. Dort gibt es auch erste Einblicke in die Fördermaterialien; die vollständigen Materialien sind beim Meta-Vorhaben als Open Educational Resources verfügbar. Langfristig soll die App in die App-Stores (Apple und Google Play).

Sprachförderung im Elementarbereich: Gemeinsam besser - Co-Creation mit Kitas statt Produkt von der Stange

Caroline Hartmann: Was würde den Transfer zwischen Forschung und Praxis – und umgekehrt – bereichern?

Theres Wandel: Ich wünsche mir Einrichtungen, gern auch in sozialräumlich herausfordernder Lage, die sich dem Thema verpflichten, Strukturen schaffen und die Eltern aktiv einbinden. Wir hatten große Schwierigkeiten, Informationen zur häuslichen literalen Lernumgebung zu erhalten, weil viele Elternfragebögen nicht zurückkamen. Ein Projekt mit einer Einrichtung, die das priorisiert und gemeinsam profitieren will, wäre ideal.

Tanja Jungmann: Wir haben gelernt: Damit unsere Produkte wirklich genutzt werden, müssen wir sie gemeinsam mit der Praxis weiterentwickeln. Mit zwei bis drei engagierten Einrichtungen möchten wir die App und die Materialien auf den Prüfstand stellen und so optimieren, dass sie alltagstauglich sind. Die Praxis braucht passgenaue, gemeinsam entwickelte Lösungen. So erreichen wir die Kinder, vor allem jene ohne umfangreichen schriftsprachlichen Input zu Hause.

Caroline Hartmann: Herzlichen Dank, Frau Prof. Jungmann und Frau Wandel. Wir sind gespannt, wie sich die App in der Praxis etabliert.

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