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28. 11. 2014

 

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Bildung + Innovation

Das Online-Magazin zum Thema Innovation und Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

„Das WIR gewinnt“

50 Jahre Aktion Mensch

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50 Jahre Aktion Mensch; Quelle: Aktion Mensch

Seit einem halben Jahrhundert setzt sich Aktion Mensch für eine gerechte und solidarische Gesellschaft ein. Mit dem Erlös der Aktion Mensch-Lotterie fördert sie Projekte und Einrichtungen der Behindertenhilfe und Behindertenselbsthilfe, der Hilfe für Menschen in sozialen Schwierigkeiten sowie der Kinder- und Jugendhilfe.


In diesem Jahr feiert Aktion Mensch ihr 50. Jubiläum. Ausgelöst durch den Contergan-Skandal wurde sie im Jahr 1964 als Soziallotterie Aktion Sorgenkind gegründet. Sie wollte über die Lebensbedingungen von Kindern mit Behinderung informieren und zu deren Verbesserung beitragen. Das ist ihr beispielhaft gelungen. Heute ist sie – im Jahr 2000 in Aktion Mensch umbenannt – die größte private Förderorganisation im sozialen Bereich und eine der erfolgreichsten gemeinnützigen Organisationen in Deutschland. Zu ihren Mitgliedern gehören das ZDF, die Arbeiterwohlfahrt, die Caritas, das Deutsche Rote Kreuz, die Diakonie, der Paritätische Gesamtverband sowie die Zentrale Wohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland. Seit Mai 2013 leitet Armin von Buttlar als Alleinvorstand die in Bonn ansässige Förderorganisation. ZDF-Moderator Rudi Cerne unterstützt sie seit Anfang 2014 als ehrenamtlicher Botschafter.

275 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Aktion Mensch setzen sich gemeinsam mit den Mitgliedsverbänden für eine gerechte und solidarische Gesellschaft ein. Inklusion, Vielfalt und Selbstbestimmung sind ihre Ziele, und dafür fördern sie Projekte und Einrichtungen der Behindertenhilfe und Behindertenselbsthilfe, der Hilfe für Menschen in sozialen Schwierigkeiten sowie – seit 2003 – der Kinder- und Jugendhilfe. Jeder Mensch soll unabhängig von seinen individuellen Fähigkeiten, seiner ethnischen und sozialen Herkunft, seines Geschlechts oder seines Alters vollständig und gleichberechtigt an allen gesellschaftlichen Prozessen teilnehmen können. Und zwar in allen Bereichen des Lebens und von Anfang an: im Kindergarten, in der Schule, in der Ausbildung, im Studium, am Arbeitsplatz, beim Wohnen und in der Freizeit. Barrieren jeder Art sollen einem selbstverständlichen Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung weichen. Aktion Mensch begleitet die Projektförderung mit umfangreichen Kampagnen und Aktionen, die den Gedanken der Inklusion in die Gesellschaft tragen, die Menschen aufklären und für diese Themen sensibilisieren sollen.

Lotterie macht`s möglich

Ermöglicht wird die Förderung von bis zu 1.000 Projekten jeden Monat durch rund 4,6 Millionen Menschen, die sich regelmäßig an der Aktion Mensch-Lotterie beteiligen. Ein großer Teil der Einnahmen der Lotterie fließt in die Förderung der Projekte. Mehr als drei Milliarden Euro kamen seit ihrer Gründung zusammen. Mit dieser großen Summe konnte Aktion Mensch in den vergangenen 50 Jahren ganz wesentlich dazu beitragen, dass sich die Lebensbedingungen von Menschen mit Behinderung verbessert haben. Viele können heute ein eigenständiges Leben führen, haben mehr Rechte, erfahren ein aktiveres Freizeitleben und entscheiden frei, wie sie leben möchten – z.B. in kleinen Wohneinheiten mitten in der Stadt. Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung erleben, wie bereichernd es ist, gemeinsam kreativ zu sein, Sport zu treiben und Spaß zu haben. Dabei geht es der Aktion Mensch immer um einen Gewinn für alle: „Das WIR gewinnt“ ist Motto und Ziel des Zusammenspiels von Förderung, Aufklärung und Lotterie.

Schwerpunktthema Inklusion

Im Zentrum der Förderung stehen Projekte und Vorhaben von freien gemeinnützigen Einrichtungen und Organisationen, die erreichen wollen, dass Menschen mit Behinderung in Zukunft noch selbstbestimmter leben und dass ihre Teilhabe an der Gesellschaft selbstverständlich wird. Mit dem Förderprogramm Inklusion schafft Aktion Mensch neue Vernetzungsstrukturen und stößt Aktivitäten in den Themenbereichen Arbeit, Wohnen, Sozialraum, Bildung, Kultur, Freizeit und Barrierefreiheit an. Dazu gehören auch der Erwerb von Grundstücken und Häusern sowie der Bau und Umbau letzterer, der Auf- und Ausbau ambulanter Angebote, Beratungsangebote, familienentlastende Dienste und Frühförderung. Die Zusammenarbeit zwischen Organisationen, die aus der Behindertenhilfe kommen, und Initiativen, die bisher in diesem Bereich noch nicht tätig waren oder sind, ist eine wesentliche Voraussetzung für die Förderung. Pro Projekt stehen bis zu 250.000 Euro über maximal drei Jahre zur Verfügung. Ein aktuelles Beispiel ist der Aufbau des Netzwerks für inklusive Freizeitangebote im Kreis Siegen-Wittgenstein. Der INVEMA e.V. vernetzt Angebote aus Sport, Kultur und Freizeit in Kreuztal, um junge Menschen mit und ohne Behinderung zusammenzubringen. Stephan Lück und sein Team vom INVEMA e.V. bauen ein Netzwerk auf, das bestehende Angebote miteinander verknüpft und neue Angebote schafft, die für alle zugänglich sind, Spaß machen und passgenau auf die Bedürfnisse der Jungen und Mädchen zugeschnitten sind. 80 Kooperationspartner haben die Netzwerker bereits gefunden und für das Thema Inklusion begeistern können. Aktion Mensch unterstützt das Projekt mit rd. 200.000 Euro.

Auch kleinere Vorhaben werden gefördert
Mit bis zu 5.000 Euro unterstützt Aktion Mensch auch kleinere Vorhaben, wie bauliche Maßnahmen, die Anschaffung technischer Gebrauchsgegenstände – etwa Rampen, Treppenlifte, Leitsysteme oder barrierefreie Toiletten –, Systeme der Informationsverarbeitung oder akustische und visuelle Informationsquellen. Im Rahmen der Förderaktion zum 50. Jubiläum „Noch viel mehr vor“ werden auch kleine lokale Angebote, die einen konkreten Beitrag zur Realisierung von Inklusion leisten, gefördert. Zum Beispiel Kinderkochkurse, Theaterprojekte von Menschen mit und ohne Behinderung, inklusive Sportangebote oder gemeinsame Sommerfeste. Die Laufzeit der Projekte darf zwischen einem Tag und einem Jahr liegen. Im Projekt des CJD Erfurt „Kontakt – Mensch und Tier im Dialog" beispielsweise, das Aktion Mensch mit 3.980 Euro fördert, erfahren Menschen mit und ohne Behinderung mithilfe von Tieren mehr soziale Nähe. Einmal im Monat unternimmt eine Gruppe von zwölf Männern und Frauen, von denen acht eine Behinderung haben, einen mehrstündigen Ausflug in die Natur. Zusammen mit einer Sozialpädagogin und einer Hundetrainerin erkundet die Gruppe die Lebensräume von 30 Tieren auf einem Bauernhof. Durch den Umgang mit den Tieren leben die Teilnehmer ihre eigenen Gefühle für sich selbst und in der Gemeinschaft immer offener aus. Sie entwickeln schrittweise starke soziale Bindungen zu den Tieren und schließen so viel leichter Freundschaften mit anderen Menschen – auch über das Projekt hinaus. Das stärkt die Verantwortung und das Selbstwertgefühl jedes einzelnen und erleichtert allen, ihr Leben mehr zu genießen und selbstbestimmter zu gestalten.

Eigenverantwortung stärken
Aktion Mensch ist es dabei wichtig, sich nicht nur sozial zu engagieren, sondern auch Selbsthilfeorganisationen und Eigeninitiative zu fördern und die ehrenamtliche und freiwillige Arbeit zu stärken – alles wichtige und unerlässliche Stützen für die Leistungen sozialer Organisationen. Mehr als 23 Millionen Menschen in Deutschland engagieren sich ehrenamtlich in ihrer Freizeit. Sie lesen im Kindergarten vor, leisten wichtige Hilfe bei Sanitätsdiensten oder der Freiwilligen Feuerwehr oder begleiten ältere Menschen bei Behördengängen. Um diese Eigenverantwortung aufrecht zu erhalten, begrenzt Aktion Mensch ihre Förderungen zeitlich und setzt eine Eigenbeteiligung der Antragsteller voraus. So werden Abhängigkeiten vermieden und die Förderung der Organisation bleibt offen für neue Ideen und innovative Entwicklungen.

 

 

Autor(in): Petra Schraml
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Datum: 28.11.2014
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